Welche Berufsmöglichkeiten gibt es für Jura-Absolventen?

Du weißt nicht, wohin nach deinem Jura-Studium? Diese Berufsmöglichkeiten hast du nach deinem Jurastudium

Beendetes Jura-Studium – und was jetzt? Jährlich stellt sich diese Frage für viele junge Leute, die frisch gebackene Jura-Absolventen sind und nun ins echte Berufsleben starten wollen. Nachdem die zweite große juristische Prüfung erfolgreich bestanden ist, gilt es, sich in den Kampf um begehrte Juristen-Stellen auf den Arbeitsmarkt zu begeben. Doch welche Berufsmöglichkeiten gibt es überhaupt alles? Welche Optionen bestehen, wenn der Jura-Abschluss nicht ganz so gelaufen ist, wie man sich das im Idealfall vorgestellt hat? Wir zeigen euch heute, wie vielfältig die Berufswelt nach einem Studium der Rechtswissenschaften aussehen kann. Auch für diejenigen, die mit den klassischen Juristenjobs nicht so viel anfangen können, lässt sich hier was finden!

1. Richter

Es mag der Klassiker unter den juristischen Berufsbildern sein – dennoch ist der Richterberuf für viele auch heute noch ein Traumjob. Als Richter übernimmt man eine verantwortungsvolle Aufgabe, die einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert innehält. Dabei ist es vor allen Dingen wichtig, in gerichtlichen Verfahren unabhängig und unparteiisch Entscheidungen treffen zu können, da ein Richter beurteilen muss, welche der vor ihm stehenden Parteien gesetzlich richtig liegt. Ein Richter ist unabhängig und dient nur dem Gesetz – er darf sich nicht durch Bestechung, Vorurteile, Medien oder Ähnliches leiten lassen. Zur Urteilsfindung dürfen dem Richter nur Zeugenaussagen, Beweise und Akten dienen. Die regelmäßig anfallenden Aufgaben eines Richters sind Verhandlungen leiten, anstehende Sitzungen vorbereiten und Dezernatsarbeit erledigen. Dadurch entsteht eine hohe Arbeitsbelastung, die besonders Berufseinsteigern schwer zu schaffen machen kann.

Auch gibt es spezielle Pflichten für Richter: Sie müssen zum Beispiel einen Richtereid leisten und sich an das Mäßigkeitsgebot halten. Dies bedeutet, dass sie sich allgemein so verhalten müssen, dass anderer Parteien Vertrauen in des Richters Unabhängigkeit nicht gefährdet wird. Des Weiteren sind Richter verpflichtet, über Beratungen und Abstimmungen zu schweigen.


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Wendet ein Richter das Recht mit Absicht falsch an, kann er sich dadurch strafbar machen. Dennoch brauchen berufseinsteigende Jura-Absolventen keine Angst vor Fehlern zu haben. Unfehlbarkeit wird von keinem Richter verlangt. Um Fehlentscheidungen zu überarbeiten gibt es Revisionen, bei denen das richterliche Urteil noch einmal von einem höheren Gericht auf Fehler überprüft wird.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um Richter zu werden?

Die Voraussetzungen für das Richteramt sind recht hoch: Bewerber müssen sowohl das erste, als auch das zweite Staatsexamen bestanden haben und auch Promotion, ein Auslandsaufenthalt und praktische Erfahrung als Anwalt können die Chancen auf eine Einstellung erhöhen. Zusätzlich ist es sinnvoll, die vorgeschriebenen Praktika während des Studiums und auch das Referendariat an einem Gericht abzulegen. Frühere Orientierung über seinen Berufswunsch lohnt sich hier also eindeutig.

Erfolgreiche Jura-Absolventen werden zunächst als Richter auf Probe eingestellt. Diese Probezeit dauert im Normalfall mindestens drei, längstens jedoch fünf Jahre. Wer sich dabei als guter Richter beweist und positive Bewertungen erhält, hat die Möglichkeit, sich auf freiwerdende Planstellen zu bewerben. Bei erfolgreicher Einstellung und nach überstandener Probezeit wird man als Richter auf Lebenszeit eingestellt. Dies bedeutet, dass man unkündbar ist und auch nicht ohne Zustimmung einfach versetzt werden darf. Außerdem lockt der Richter-Beruf mit gutem Gehalt: Das durchschnittliche Einstiegsgehalt liegt bei über 40.000 Euro, Spitzenverdiener dürfen sich über fast 100.000 Euro jährlich freuen. Wer sich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisieren möchte, muss Richter Lehrgänge und Seminare besuchen.

Auch an persönlichen Eigenschaften sollte man einiges vorweisen können, um den hohen Ansprüchen, die der Richterberuf mit sich bringt, gerecht zu werden. Analytisches Denken, selbstbewusstes Auftreten und selbstsichere Kommunikation sind hier besonders gefragt. Ebenso ist gutes Zeitmanagement, sowie ein gewisses Organisationstalent wichtig. Wer als Richter arbeitet, muss sich seiner Verantwortung gegenüber allen beteiligten Parteien bewusst sein und auch in schwierigen Situation Entscheidungen treffen können. Ein klarer Kopf muss also unter allen Umständen gewährt werden können.

2. Staatsanwalt

Auch wenn er oft als Bösewicht verkauft wird, der Unschuldige hinter Gitter bringen möchte – der Beruf des Staatsanwalts hat noch einiges mehr zu bieten als lediglich Leute anzuklagen. Zwar geht es durchaus um Strafverfolgung und deren Vollstreckung, dennoch arbeitet die Staatsanwaltschaft nicht unbedingt gegen den Angeklagten und dessen Verteidiger. Die Hauptaufgabe eines Staatsanwalts besteht darin, den Sachverhalt zu prüfen und die Ermittlungen zu leiten. Dabei arbeitet ein Staatsanwalt eng mit der Polizei zusammen – er kann durch sie sowohl Behörden, Zeugen und Beschuldigte befragen lassen, als auch selbst am Tatort mitarbeiten. Nach Ende der Ermittlungen entscheidet ein Staatsanwalt über das weitere Verfahren: Bei entsprechender Beweislage kann er Anklage beim Gericht einreichen, fehlt diese, entscheidet er, ob weitere Untersuchungen nötig sind oder ob die Anzeige zurückgestellt werden soll.

Während der Gerichtsverhandlung verliest der Staatsanwalt die Anklageschrift, führt die Beweisaufnahme durch und hält ein abschließendes Plädoyer. Und auch nach der Urteilsverkündung geht die Arbeit für den Staatsanwalt noch weiter. Denn nun beginnt die Strafverfolgung: Der Staatsanwalt muss darauf achten, dass der Verurteilte seine Haft antritt oder Bußgeld zahlt. Ansonsten kann er einen Haftbefehl erlassen.

Welche Voraussetzungen sollte man erfüllen, um als Staatsanwalt arbeiten zu dürfen?

Da Staatsanwalt ein sehr beliebter Beruf unter Jura-Absolventen ist, haben natürlich die Studenten einen Vorteil, die ihr Studium mit zwei Prädikatsexamina abgeschlossen haben. Auch einen Doktortitel vorweisen zu können zahlt sich aus. Die Ausbildung erfolgt ähnlich wie die eines Richters, da man zunächst drei bis fünf Jahre als Richter auf Probe tätig sein muss, um danach als Staatsanwalt arbeiten zu können. Der Wechsel zwischen den beiden Ämtern ist auch möglich und sogar erwünscht. Wie beim Richteramt kann man sich durch Weiterbildungen und Seminare auf ein spezifisches Fach spezialisieren. Trotzdem ist ein Staatsanwalt grundsätzlich für die Verfolgung jeglicher Straftaten in einem bestimmten Bezirk zuständig.

Häufig gibt es Altersgrenzen für Staatsanwalt-Bewerber – diese liegt meist zwischen 35 und 40 Jahren. Auch muss man ein leeres Vorstrafenregister vorweisen können. Da Staatsanwalt ein recht anspruchsvoller Beruf ist, ist es wenig verwunderlich, dass der ideale Auszubildende umfangreiches Wissen über das Rechtswesen haben sollte. Schließlich muss man rechtliche Spielräume und Vorgaben kennen, Anträge verfassen und Guthaben einholen können. Auch sollte man in der Lage sein, komplexe Sachverhalte zu analysieren und vor Gericht so vorzutragen, dass sie allgemein verständlich sind. Teamführungsfähigkeiten sind ebenfalls von Vorteil, da die enge Zusammenarbeit mit der Polizei meist von dem ermittelnden Staatsanwalt geleitet wird. Da ein Staatsanwalt im Laufe eines Prozesses mit vielen verschiedenen Menschen und Aufgaben in Berührung kommt, erweisen sich Mitgefühl, Kommunikationskompetenz und gute Menschenkenntnis ebenfalls als nützliche Eigenschaften. Dennoch ist auch Staatsanwalt ein Rund-um-die-Uhr-Beruf, da auch am Wochenende oft Staatsanwälte benötigt werden – Überstunden sind somit vorprogrammiert.

3. Rechtsanwalt

Der Beruf des Rechtsanwalts hat besonders durch mediale Repräsentationen an Beliebtheit gewonnen. Egal ob knallharter Stratege oder Retter der hoffnungslosen Fälle – es gibt sicher nicht einen einzigen Jura-Studenten, der sich im Traumland zwischen Realität und Serie nicht schon einmal sein eigenes verwegenes Abschluss-Plädoyer ausgemalt hat. Doch wie spielt sich das Ganze in der Realität ab?

Rechtsanwälte beraten und vertreten ihre Mandanten bei Gerichtsterminen. Dabei tragen sie große Verantwortung für das Einzelschicksal dieser. Daher kommt es, je nach Größe der Kanzleien, darauf an, wie selbstständig man als Berufseinsteiger schon arbeiten darf. In großen Kanzleien leistet man häufig zunächst Zuarbeit für einen Vorgesetzten, der dann die Arbeit überprüft. Auch der Beruf eines Rechtsanwalts kann sehr stressig sein, da am Gericht Fristen und Abgabetermine eingehalten werden müssen. Jura-Absolventen, die diesen Berufszweig anstreben, können sich also auf eine 70-80 Stunden Woche einstellen. Neben der klassischen Anwaltskanzlei kann man hier auch bei Unternehmen und Verbänden Arbeit finden.

Ausbildung und Voraussetzungen, um Rechtsanwalt zu werden

Wie man sich vielleicht denken kann, ist Rechtsanwalt ein inzwischen äußerst angesagter Beruf – klar, dass es da Spitzen-Noten braucht, um eine Stelle zu finden. Lückenloser Lebenslauf, ebenso wie Praktika, sind ebenfalls ein Muss und auch ein Doktortitel erhöht die Chancen angenommen zu werden. Auch helfen gute Englisch- oder andere Fremdsprachenkenntnisse dabei, aus der Masse rauszustechen – was sich bei 30 Bewerbern pro Platz durchaus lohnen könnte.

Um den Beruf des Rechtsanwalts ausüben zu dürfen, benötigt man die Zulassung der Rechtsanwaltskammer – diese erfolgt jedoch (außer in Ausnahmefällen) so gut wie immer. Als Rechtsanwalt sollte man pünktlich sein und ausgezeichnet organisieren können, da alle zu bearbeitenden Fälle natürlich einer Frist unterliegen. Auch zahlen sich Durchhaltevermögen und hohe Belastbarkeit aus, um der hohen Stundenzahl Stand zu halten. Neben einem selbstbewussten Auftreten, sowie Kommunikations- und Sozialkompetenzen sollte ein Rechtsanwalt das Talent haben, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten – egal welche Straftat der zu verteidigende Mandant begangen hat.

4. Notar

Für alle die, die von den gerichtlichen Berufen jetzt nicht hin und weg sind, gibt es natürlich auch andere juristische Wege, die sie einschlagen können. Die Aufgabe eines Notars ist es, Rechtsstreitigkeiten vorzubeugen, sodass man im Idealfall gar nicht erst in einem gerichtlichen Prozess landet. Dazu gehören unter anderem:

  • Beurkundung von Grundstücksverträgen und Hypotheken
  • Gründungen von Aktiengesellschaften
  • Eheverträge und Scheidungen
  • Testamente und Erbverträge

Der Alltag eines Notars beschränkt sich meist auf sein Büro, wo im Normalfall die Termine mit Mandanten stattfinden. Da Notare meist selbstständig arbeiten, sind hier auch die Arbeitszeiten anders als bei den gerichtlichen Berufen nicht fest vorgegeben – je nach Mandantenzahl und Terminvergabe variieren die Bürostunden.

Ausbildung und Voraussetzungen?

(Leider) gilt es auch hier, sehr gute Ergebnisse im Studium zu erzielen, damit dem Berufswunsch nichts im Wege steht. Mindestens eins der Staatsexamen sollte mit einem „vollbefriedigend“ (also mindestens neun der 18 verfügbaren Punkte) bestanden sein. Ebenso wie ein Rechtsanwalt sollten Jura-Absolventen auch für den Notar-Beruf einen perfekten Lebenslauf haben und das Absolvieren mehrerer Praktika, sowie glänzende Fremdsprachenkenntnisse vorweisen können. Auch kann eine vorhergehende Tätigkeit als Anwalt sich als vorteilhaft erweisen. Berufseinsteiger arbeiten zunächst für zwei bis drei Jahre als Notarassessor, danach können sie ihr eigenes Büro aufmachen.

Vor allem als Selbstständiger lohnt es sich natürlich, strukturiert zu arbeiten und pünktlich zu sein – alle Termine mit Klienten müssen im Auge behalten werden und deren Anliegen rechtzeitig bearbeitet werden. Obwohl man sich aussuchen darf, welche und wie viele Mandanten man annimmt, muss aufgrund der Rechtsgewährungspflicht erst einmal jeder Auftrag angenommen werden. Daher lohnt es sich auch als Notar, eine gewisse Menschenkenntnis zu besitzen.

Eine Berufsmöglichkeit als Jura-Absolvent ist Notar zu werden

5. Verwaltungsjurist

Für alle die, denen beim Lesen der Voraussetzungen der vorhergehenden Berufsbilder kalter Schweiß ausgebrochen ist, gibt es natürlich noch Hoffnung. Auch wer keine zwei Prädikatsexamen vorweisen kann, hat als Jurist eine Chance in der Berufswelt. Als Verwaltungsjurist übernimmt man verwaltende, rechtsberatende und –gestaltende Tätigkeiten bei Behörden und klärt juristische Streitfälle. Diesen Beruf kann man bei Behörden des Bundes, der Länder oder Gemeinden ausüben – beispielsweise bei der Polizei, Ministerien oder Landratsämtern. Hierbei benötigt man vor allen Dingen Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Kommunikationsstärke.

Beispiel polizeiliche Behörde:

Bei der Polizei übernimmt man zwar die oben genannten klassischen Aufgaben eines Verwaltungsjuristen, es gibt aber auch abwechslungsreichere Aufgaben, wie beispielsweise das Vertreten der Polizei bei gerichtlichen Prozessen. Zwar musst du entweder an einer mehrmonatigen Einweisung in der jeweiligen Behörde teilnehmen, oder einen einjährigen Kurs an der Hochschule der Deutschen Polizei belegen, um dich für den Polizeidienst zu qualifizieren. Man kann sich aber bereits einen Vorteil verschaffen, indem man im Studium den Schwerpunkt auf Strafrecht, Verwaltungsrecht oder Kriminologie legt. Für die Zulassung für einen höheren Polizei- oder Kriminaldienst muss man allerdings wiederum gewisse gesundheitliche Anforderungen erfüllen, sowie körperlich fit sein.

Fazit

Wie man sieht, gibt es neben den klassischen Berufen am Gericht auch noch andere spannende Optionen, die Jura-Absolventen offen stehen. Es lohnt sich, durch die Praktika, die während des Studiums absolviert werden müssen, bereits in verschiedene Berufe reinzuschnuppern und schon früh den richtigen Weg für sich zu entdecken. So kann man bereits während des Studiums seine Erwartungen anpassen und Schwerpunkte so legen, dass sie auf dem späteren Berufsweg nützlich sein können. Also: Keine Angst vor dem trockenen Jura-Studium, das spätere Berufsleben lockt mit spannender Praxis!

Mehr?  Was ist ein Prädikatsexamen?