Was passiert bei einer Zwangsexmatrikulation?

zwangsexmatrikulation

Das Wort selbst impliziert schon den Schrecken, den es für Studenten innehält. Wer einen Zwangsexmatrikulationsbescheid aus dem Briefkasten zieht, der sieht erst einmal schwarz. Denn Zwangsexmatrikulation bedeutet, dass Du Dein Studium aufgeben musst. Das kann aus den verschiedensten Gründen sein, doch in den meisten Fällen bedeutet es, dass Du Dir nun einen Plan B für Dein Leben suchen musst, denn für Deinen Studiengang bist Du ab sofort bundesweit gesperrt.


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Aber wie kommt es zu einer Zwangsexmatrikulation? Kannst Du dagegen vorgehen oder musst Du sie einfach so hinnehmen? Und welche Zukunftsaussichten hast Du, wenn Dir das passiert? Wenn Du Dir über eine Zwangsexmatrikulation Gedanken machst oder Du tatsächlich schon einen Bescheid in Deinen Händen gehalten hast, verzage nicht – wir zeigen Dir hier, wie genau das Ganze abläuft.

Welche Gründe gibt es für eine Zwangsexmatrikulation?

Die Ursachen einer Zwangsexmatrikulation können ganz verschieden sein. Sie erfolgt zum Beispiel wenn Du häufig Uni Veranstaltungen behinderst oder Kommilitonen Gewalt androhst. Auch unbezahlte Rechnungen, wie beispielsweise dein Studienbeitrag, oder unbezahlte Krankenversicherungsbeiträge zählen als Grund. Wer ein halbes Jahr nichts an die Krankenkasse zahlt, dem kommt das teuer zu stehen. Mit die häufigste Ursache für Zwangsexmatrikulation ist allerdings nicht erbrachte Leistungen – wenn Du zu oft durch Deine Prüfung fällst oder zu viele Semester für Dein Studium benötigst, dann darf Dich Deine Hochschule rauswerfen.

Wie gehst Du gegen eine Zwangsexmatrikulation vor?

Das mag Dir zunächst alles sehr deprimierend vorkommen. Doch es gibt einige Schritte, die Du vornehmen kannst, um einer Zwangsexmatrikulation zu entgehen oder sie rückgängig zu machen.

1. Überprüfe, ob die Zwangsexmatrikulation berechtigt ist

Du hast eine Prüfung wiederholt nicht bestanden und Dir droht nun die Zwangsexmatrikulation? Nimm Einsicht in die Klausur und versuche, aus Deiner Punktzahl noch was rauszuholen. Dir fehlen nur ein, zwei Punkte zum Bestehen? Überprüfe zunächst, ob der Prüfer Deine Punkte überhaupt richtig zusammengerechnet hat. Öfter als Du vielleicht denkst lassen sich da schon kleine Fehler an der Gesamtpunktzahl finden. Stimmt in dem Bereich doch alles, schreibe alles auf, was dir beim Prüfen der Korrektur auffällig erscheint, so kannst Du die fehlenden Punkte hoffentlich noch nachträglich angerechnet bekommen.

2. Stelle einen Härtefallantrag und lege Widerspruch ein

Hierbei ist es wichtig, dass Du einen triftigen Grund für das Zustandekommen Deiner schlechten Note hast. Jemand, der Dir nahe steht, ist gestorben? Ist ein durchlebtes Trauma der Grund für Dein schlechtes Abschneiden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Dein Härtefallantrag bewilligt wird, deutlich höher, als wenn Stress im Nebenjob Dich an der Klausurvorbereitung gehindert hat. Die besten Chancen hast Du, wenn Dein Härtefallantrag so schlüssig und glaubhaft wie möglich geschrieben ist. Nimm Dir also genügend Zeit, ihn authentisch und ausführlich zu gestalten. Gib den Antrag so schnell wie möglich ab, da viele Hochschulen nur eine einmonatige Frist haben. Lege am besten gleichzeitig Widerspruch ein, denn das bedeutet, dass Du das Prüfungsergebnis definitiv nicht anerkennst. So kann es sein, dass Du einen letzten Versuch bewilligt bekommst, die Prüfung doch noch zu bestehen. Allerdings hängt es von der jeweiligen Hochschule ab, da Härtefallanträge nicht bei jeder zur Rechtsordnung gehören.

3. Exmatrikuliere Dich selbst

Bevor Du zwangsexmatrikuliert wirst und dadurch für immer für Deinen Studiengang gesperrt bist, kannst Du Dich vorher eigenständig exmatrikulieren und bei einer anderen Hochschule erneut auf Deinen Studiengang bewerben. Das muss natürlich vorher gut überlegt und im Voraus geplant sein, denn ist Dein letzter Prüfungsversuch erst einmal verhauen, flattert die Zwangsexmatrikulation von selbst ins Haus.

4. Gehe gerichtlich dagegen vor

Wenn Du Dich lieber absichern möchtest und Deinen Einspruch so offiziell wie möglich machen möchtest, kannst Du auch einen Anwalt einschalten. Während das Verfahren noch läuft, ist die Exmatrikulation nämlich noch nicht wirksam – so kannst Du zumindest in anderen Fächern erst einmal weiterstudieren.

5. Verpasstes nachholen

Bei nicht bezahlten Semesterbeiträgen ist es häufig einfacher, die Zwangsexmatrikulation rückgängig zu machen. Viele Unis akzeptieren eine nachträgliche Bezahlung des Semesterbeitrages plus eine kleine Bearbeitungsgebühr. Und schon kannst Du wieder weiterstudieren!

Was tun, wenn nichts mehr zu machen ist?

Kannst Du gar nicht gegen Deine Zwangsexmatrikulation vorgehen, lass den Kopf nicht hängen! Wichtig ist vor allen Dingen, jetzt nicht erst einmal eine Pause einzulegen und gar nichts zu machen, sondern das Eisen zu schmieden, solange es noch heiß ist. Bei totaler Orientierungslosigkeit hilft es, sich zunächst an eine hochschulinterne Beratungsstelle zu wenden. Diese kann Dir helfen, Dich auf Deinen weiteren Lebensweg vorzubereiten, indem sie Dich bei der Wahl einer neuen Fachrichtung beraten oder Dir helfen, eine alternative Art der Ausbildung zu finden.

Falls Du BAföG erhältst, ist es wichtig, sich auch möglichst schnell darum zu kümmern. Diese Zahlungen werden natürlich bei Abbruch Deines Studiums eingestellt. Kümmerst Du dich jedoch schnell um einen Wechsel in ein anderes Studienfach, kann es sein, dass Du BAföG ohne Unterbrechung weitererhalten kannst. Besonders bei einem Wechsel innerhalb der ersten zwei Semester stehen Deine Chancen dafür gut. Falls nicht, hilft es hier das Arbeitsamt aufzusuchen. Dir stehen nämlich Leistungen zur „Unterstützung der Sicherung des Grundbedarfs“ zu, bis Du etwas Neues gefunden hast. Auch hat das Arbeitsamt eine spezielle Anlaufstelle mit Beratungsangeboten für Studienabbrecher, die Dir generell an diesem kritischen Punkt im Leben mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Wenn Du bereits neben dem Studium arbeitest, ist der Weg auf das Arbeitsamt nicht unbedingt nötig. Du musst lediglich höhere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen, da Dein Studentenstatus natürlich wegfällt.

Auch ist es möglich, dass Du Dir um Deinen Wohnort Gedanken machen musst. Das Studentenwohnheim steht nämlich logischerweise nur Studenten zur Verfügung. Bei Abbruch Deines Studiums musst Du zu Semesterende ausziehen. Das gibt Dir im Normalfall zwar mindestens ein paar Wochen Zeit, Dich um Deine neue Bleibe zu kümmern, jedoch ist besonders in Großstädten die Wohnungssuche ein wahrer Kampf. Schnelles Handeln ist also angesagt!

Und für Hartnäckige:

Kannst Du Dich gar nicht damit abfinden, Dein Studienfach für immer hinter Dir zu lassen, gibt es natürlich auch dafür den Plan B: ins Ausland gehen. Ausländischen Unis ist es in der Regel egal, ob Du in Deutschland exmatrikuliert wurdest. Das würde Deinen Lebenslauf auch wiederum viel spannender machen! Gib in jedem Fall nicht auf, auch Du findest den für Dich richtigen Weg!

Folgen für Lebenslauf und Karriere

Viele empfinden einen erzwungenen Studiumsabbruch als absolutes No-Go. Doch tatsächlich muss eine Zwangsexmatrikulation nicht unbedingt Deinen beruflichen Werdegang verkomplizieren. Das hängt jedoch komplett davon ab, wie Du damit umgehst und wie Du Deine jeweilige Entscheidung gegenüber anderen präsentierst. Vor allem zukünftige Arbeitgeber werden in Bewerbungsgesprächen gerne nachfragen, wenn sie die Lücke in Deinem Lebenslauf bemerken. Hier gilt: Positiv bleiben und sich nicht verunsichern lassen. Fokussiere Dich auf die Erkenntnisse und Fähigkeiten, die Du in Deinem Studium gewonnen hast und nicht auf den Abbruch selbst. Selbstmarketing ist hier essentiell. Solange Du eine gute Rechtfertigung für Dein Ausscheiden angeben kannst, beispielsweise, dass Du neue Interessen im Laufe Deines Studiums entwickelt hast und so ein Fachrichtungswechsel angebracht war, muss Dir Deine Zwangsexmatrikulation nicht unbedingt einen Nachteil verschaffen. Natürlich solltest Du das Wort selbst nicht erwähnen, oder wenn doch, dem Ganzen eine separate Seite im Lebenslauf widmen, um Dich so ausgiebig zu erklären.

Fazit

Du siehst also, eine Zwangsexmatrikulation heißt nicht, dass Dein Leben jetzt komplett verpfuscht ist. Behalte einen kühlen Kopf und alles Wichtige im Auge und verrenne Dich nicht in dem schwarzen Loch, in dem Du Dich zunächst sicher gerne verkriechen möchtest. Mit ein bisschen organisatorischem Talent und genügend Unterstützung stehst Du eins, zwei wieder auf den Beinen! Und wer weiß, vielleicht war die Exmatrikulation ja sogar der notwendige Schubs, den Du gebraucht hast, um Dein Leben auf den richtigen Weg zu bringen?

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