Verhaltensfragen im Vorstellungsgespräch

Verhaltensfragen im Vorstellungsgepräch

Falls du dich schon einmal auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten durftest, hast du bestimmt eine gute Antwort auf die Fragen nach deinen Stärken und Schwächen. Bestimmt kannst du auch erklären, weshalb du dich auf genau diese Stelle beworben hast und warum das gewählte Unternehmen das beste Unternehmen aller Zeiten ist.

Was würdest du aber nun sagen, wenn dir die folgende Verhaltensfrage präsentiert werden würde:

Du fährst mit dem Auto durch ein schlimmes Unwetter bei Nacht. An einer kleinen Bushaltestelle stehen drei Menschen: (1) eine alte Dame, der es offensichtlich sehr schlecht geht, (2) ein alter Freund, der dir einmal das Leben gerettet hat und (3) dein absoluter Traumpartner. 

Du kannst nur eine weitere Person in deinem Auto mitnehmen. Wenn du die ältere Dame mitfahren lässt, könntest du ein Leben retten, wirst aber vermutlich nie wieder deinen Traumpartner sehen. Wenn du deinen alten Freund mitfahren lässt, wäre das die ideale Möglichkeit um dich zu revanchieren. Deine große Liebe triffst du aber auch in diesem Fall nie wieder!


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Wir schauen uns gleich an, wie man diese Frage, die übrigens in ähnlicher Form nur von einem von 200 Bewerbern (Business Insider) gelöst wurde, beantworten kann.

Verhaltensfragen

Die oben gezeigte Frage ist eine sogenannte Verhaltensfrage (oft auch auf Englisch als Behavioral Interview Question bezeichnet) die auch hierzulande immer häufiger in Vorstellungsgesprächen zu finden sind.

Bei diesen Fragen geht es fast immer um konkrete Situationen, die es zu lösen oder beschreiben gilt. Dabei handelt es sich aber nicht um (oft etwas unfaire) Brainteaser, sondern um Fragen, die zeigen sollen, wie der Bewerber denkt und ‚tickt‘.

Alternativ zu konkreten Situationen wird auch oft darum gebeten, dass man eine Situation aus dem eigenen Leben schildert, die eine bestimmte Fähigkeit oder Eigenschaft verdeutlicht.

Diese Verhaltensfragen sind für die Interviewer insofern hilfreich, als dass es keinen echten Antwortenkatalog gibt und dass die Fragen den Bewerber oftmals dazu zwingen, auf eine eigene, persönliche, Antwort zu kommen.

Ganz davon abgesehen kann sich der Interviewer anhand der Art und Weise wie der Bewerber die Frage beantwortet, oder angeht, ein gutes Bild davon machen, wie der Bewerber mit Problemsituationen umgeht.

Typische Verhaltensfragen

Fragezeichen

Es macht zwar wenig Sinn, Antworten auf Verhaltensfragen auswendig zu lernen, aber es hilft, ein Gespür dafür zu bekommen, wie diese aussehen könnten.

Aus diesem Grund zeigen wir dir hier zehn (relativ) typische Verhaltensfragen:

  1. Ein Kunde fängt am Telefon an dich zu beschimpfen und beschwert sich auf übelste Art und Weise über ein Produkt des Unternehmens. Wie reagierst du?
  2. Beschreibe eine Situation in der es beim Teamwork zu Problemen kam. Wie hast du die Situation gemeistert?
  3. Beschreibe was du in deinem ersten Job gemacht hast. Was hast du getan um die Abläufe schnell kennenzulernen?
  4. Gab es in der Vergangenheit eine Situation in der du eine Deadline nicht einhalten konntest? Wann, wieso und was hast du getan?
  5. Beschreibe eine Situation in welcher du in Sekundenschnelle eine Entscheidung treffen musstest.
  6. Beschreibe eine Situation, in der du verschiedene Aufgaben priorisieren musstest, um deine Ziele zu erreichen. Wie bist du vorgegangen?
  7. Du übernimmst die Leitung eines kleines Projektteams. Was tust du am ersten Tag, an dem du das Team kennenlernst?
  8. Beschreibe eine Situation in der du mit deiner eigenen Arbeit unzufrieden warst. Was hättest du (hätte man) besser machen können?
  9. Beschreibe eine Situation in der du plötzlich die Führungsrolle übernehmen musstest.
  10. Nehmen wir an, mit einem Kollegen ist ein Konflikt entstanden. Wie würdest du vorgehen um den Konflikt zu lösen?

Die beste Vorbereitung auf solche Fragen ist es, einige Szenarien im Kopf durchzuspielen. Außerdem hilft es, sich verschiedene Situationen aus der Vergangenheit, auch aus dem Schul-. Uni- oder Privatleben, wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Tipps zum Umgang mit Verhaltensfragen

Verhaltensfragen sind definitiv keine einfache Fragen! Es gibt aber einige Tricks mit denen sie sich besser meistern lassen:

Im Idealfall gehst du in einem Dreischritt vor. Zuerst schilderst du, möglichst neutral, eine passende Situation. Diese sollte authentisch sein – Lügen ist an dieser Stelle vermutlich eine sehr schlechte Idee. Im zweiten Schritt geht es darum zu schildern, was du aus der Situation gelernt oder mitgenommen hast – ganz egal ob die Situation für dich gut oder schlecht ausging. Im dritten geht es dann darum, dass Gelernte zur Weiterentwicklung zu nutzen. Was würde ich heute anders machen? Wie kann ich meine Erkenntnisse in der neuen Tätigkeit anwenden?

Was auch immer du sagst: Deine Antwort sollte lösungsorientiert und strukturiert sein! Die Verhaltensfragen geben dir nämlich die Gelegenheit zu zeigen, wie du mit schwierigen Situation umgehst. Beweise, anhand deiner Antwort, dass du eine klare und strukturierte Lösungsstrategie entwickeln kannst.

Die Auflösung!

Kommen wir zurück zur Eingangsfrage! Wen würdest du mitnehmen?

Das Geheimnis zur „Lösung“ liegt darin, das Offensichtliche beiseite zu schieben. Du könntest z.B. folgende Lösung vorschlagen:

Ich gebe meinem alten Freund die Autoschlüssel und bitte ihn, die ältere Dame ins Krankenhaus zu fahren. Ich selbst bleibe bei meiner großen Liebe und wir nehmen gemeinsam den Bus oder ein Taxi! (Das ist übrigens die Antwort, die Jim Ballard in seinem Buch Mind Like Water vorschlägt.)

Diese Antwort zeigt nicht nur, dass man in der Lage ist outside-of-the-box zu denken, sondern sagt auch etwas darüber aus, wie man mit scheinbar unlösbaren Situationen umgeht.

Dieser Artikel gehört zur Reihe „Wie du ein Vorstellungsgespräch meisterst“:

Teil 1: Hilfe, ich habe ein Vorstellungsgespräch!!

Teil 2: 5 Must-Dos im Bewerbungsgespräch

Teil 3: 5 No-Gos im Bewerbungsgespräch

Teil 4: Verhaltensfragen im Vorstellungsgespräch

Teil 5: Drei knifflige Brainteaser und wie man sie lösen kann

Mehr?  Digitalisierung: Weiterbildung für die künftigen Herausforderungen