Themenfindung: Die Thema-Fragen-These Methode

Themenfindung: Die Thema-Fragen-These Methode

In den meisten Fächern ist die eigene Themenfindung ein wichtiger Bestandteil von Haus- und Seminararbeiten sowie von Bachelor- und Masterarbeiten (Wie schreibt man eigentlich eine Abschlussarbeit?). Je nachdem, wie man es betrachtet, ist das Finden des Themas und der Fragestellung der schwierigste Teil des ganzen Prozesses. Wenn das Thema erst einmal gefunden ist, kann die Arbeit zumindest richtig losgehen.

Leider wird die Themenfindung oft unterschätzt. Das passiert nicht nur Studenten, sondern auch Dozenten und Professoren, die nicht auf dem Schirm haben, wie schwer es sein kann, ein spannendes Thema für eine Arbeit zu finden. Aus genau diesem Grund wird auch in Kursen zum wissenschaftlichen Schreiben (unser Onlinetraining) nur relativ selten darüber gesprochen, wie man überhaupt an ein Thema kommt.

Im Folgenden lernst du eine Möglichkeit kennen, ein Thema (und eine geeignete Fragestellung) für deine Arbeit zu finden. Konkret werden wir versuchen, anhand des Thema-Fragen-Thesen Modells zu arbeiten.

Thema, Fragen und Thesen

Zuerst einmal müssen wir uns darüber im klaren sein, dass das Thema, die Forschungsfrage(n) und die (Hypo)these(n) klar voneinander unterschieden werden müssen.

Das Thema beschreibt den übergeordneten Kontext der Arbeit. Die Forschungsfrage(n), es können auch mehrere sein, beschreiben das Ziel der Arbeit und die (Hypo)these(n) stellen angenommene Zusammenhänge und Behauptungen dar.

Ein einfaches Beispiel:

Thema: Die Verteilung von Geschenken durch den Weihnachtsmann

Forschungsfrage: Wie können Millionen von Geschenken durch den Weihnachtsmann fristgerecht ausgeliefert werden?

Thesen: 

(A) Der Weihnachtsmann verfügt über disproportional übermächtige Technologie.

(B) Große Teile der Geschenkelieferung werden durch den Weihnachtsmann outgesourced.

These vs. Hypothese

Im Gegensatz zur These (Behauptung/Annahme) stellt die Hypothese einen Zusammenhang zwischen zwei (oder mehreren) Variablen her. Die Hypothese drückt also bereits eine Art von Wirkungszusammenhang her.

Während das Thema in diesem Modell ganz oben steht, stehen die Forschungsfragen und die (Hypo)thesen in einer gegenseitigen Beziehung. Aus jeder Forschungsfrage lassen sich (Hypo)thesen ableiten und aus jeder (Hypo)these lassen sich wiederum Forschungsfragen ableiten. Aus der oben genannten These A ließe sich zum Beispiel eine neue Forschungsfrage generieren: Welche Technologie wird vom Weihnachtsmann verwendet um die großen Lieferherausforderungen an Weihnachten zu meistern?

Grundsätzlich gilt dabei, dass das Thema am unkonkretesten und die (Hypo)these am konkretesten ist.

Die Themenfindung

Dieses Modell erlaubt es uns, während der Themenfindung an drei Stellen anzusetzen. Entweder wir finden zuerst ein Thema und generieren dann Fragen und (Hypothesen) oder wir starten mit einer Fragestellung oder einer (Hypothese) und arbeiten von dort weiter.

In den meisten Fällen ist es empfehlenswert, mit dem Thema, also der größten Kategorie, zu beginnen und sich dann vorzuarbeiten.

Schritt 1: Themen Brainstorming

Im ersten Schritt geht es darum, grobe Themen zu sammeln, die interessant sein könnten. Manche bevorzugen dafür eine Mindmap (Tipps für gute Mindmaps), anderen genügt eine einfache Liste. Wichtig ist an dieser Stelle nur, dass du zuerst einmal offen bleibst.

Quellen für Themenideen können zum Beispiel die folgenden sein:

  • Die Referats- und Vortragsthemen aus dem Seminar
  • Die Seminarliteratur (Querlesen!)
  • Fragen und Themen aus dem Alltag mit Bezug zum Fach
  • Populärwissenschaftliche Artikel und Quellen (z.B. auch Magazine und Blogs)
  • Akademische Suchmaschinen (z.B. Google Scholar)
  • Gespräche mit Komilliton/innen

Sammle so viele (groben) Themen wie möglich und schränke dich erst einmal nicht weiter ein!

Schritt 2: Themen Eingrenzen

Du solltest nun eine Liste mit groben Themenideen haben. Diese muss nun etwas eingegrenzt werden. Ein gutes Thema sollte zum Seminar/Fach passen, für dich spannend sein und für dich bearbeitbar sein. Denke bei jedem Thema über folgende drei Fragen nach:

  1. Ist das Thema relevant für mein Fach und/oder das Seminar?
  2. Finde ich einen Zugang zu diesem Thema und kann ich mich dafür begeistern?
  3. Habe ich die notwendigen Voraussetzungen für das Thema oder kann ich diese realistischerweise erwerben (z.B. Sprachkenntnisse, Methodenkenntnisse)?

Schritt 3: Den Fokus verengen

Vermutlich ist deine Themenliste jetzt schon etwas kleiner geworden. Nun ist es Zeit, deine Themen weiter zu präzisieren. Grundsätzlich gilt nämlich: Je präziser dein Thema ist, desto einfacher ist es, daran zu arbeiten.

Denke nun also darüber nach, ob du dein Thema, zum Beispiel anhand der folgenden Kategorien, weiter eingrenzen kannst:

  • Zeitraum/Zeiträume
  • Räumlich/Geografisch
  • Betroffene Personen/Gruppen
  • Methodologische Gesichtspunkte
  • Theorieansätze
  • Spezifische Aspekte
  • Disziplinen/Interdisziplinarität

Schritt 4: Forschungsfragen und (Hypo)thesen finden

Nun solltest du eine (oder ein paar) relativ enge und gut eingegrenzte Themen zur Hand haben. Im nächsten Schritt geht es darum, eine (oder mehrere) gute Forschungsfrage(n) und dazugehörige (Hypo)thesen zu finden.

Im Grunde kannst du nun wieder brainstormen. Dabei ist es relativ egal, ob du auf (Hypo)thesen oder auf Fragestellungen kommst – beide lassen sich, in den meisten Fällen, aus dem jeweils anderen ableiten.

Ein guter Startpunkt können sämtliche W-Fragen (Wie, Was, Wer, Wo, Warum) sein, die dir im Zusammenhang mit dem Thema einfallen.

Die Zahl der Forschungsfragen und (Hypo)thesen ist abhängig von der angestrebten Länge deiner Arbeit. Eine Seminararbeit hat vielleicht nur ein oder zwei Forschungsfragen während eine Dissertation vielleicht zehn oder mehr Fragen beantwortet.

Schritt 5: Forschungsfragen und (Hypo)thesen filtern

In diesem letzten Schritt musst du nun deine neue Liste an Forschungsfragen und (Hypo)thesen filtern. Folgende Kriterien können dabei hilfreich sein:

Eine gute Forschungsfrage …

  • ist prägnant und klar zu verstehen.
  • ist widerspruchsfrei und beantwortbar.
  • legt die Antwort nicht schon in der Frage nahe.
  • ist soweit eingeschränkt, dass sie eindeutig definiert ist.
  • ist nicht trivial, erfordert also tatsächlich der Forschung.
  • kann eventuell in Unterfragen unterteilt werden.
  • ist, unter den vorhandenen Voraussetzungen, bearbeitbar.
  • ist nicht nur mit Ja/Nein zu beantworten.

Eine gute (Hypo)these …

  • ist falsifizierbar (tatsächlich prüfbar).
  • ist auf eine Aussage/Zusammenhang beschränkt.
  • ist eindeutig und auf den Punk formuliert.
  • lässt sich durch eine Gegenthese ergänzen.

Dein Thema-Fragen-Thesen-Konstrukt

Nachdem du dich nun durch diese fünf Schritte gekämpft hast, solltest du ein Konstrukt aus einem Thema, einer oder mehrere Frage(n) und dazugehörigen (Hypo)thesen haben. Gratuliere!

Ausblick

Interessante Fragen und (Hypo)thesen, die du in deiner Arbeit nicht bearbeiten kannst (oder möchtest), solltest du für den Ausblick deiner Arbeit aufbewahren.

Und jetzt?

Das schöne an diesem Modell der Themenfindung ist, dass sie auch das Schreiben extrem vereinfacht.

In dem Moment, in dem du Forschungsfragen und (Hypo)thesen hast, kannst du deine Arbeit relativ einfach strukturieren. Im Prinzip must du nun nur noch, systematisch, jede deiner (Hypo)thesen abarbeiten und so die einzelnen Forschungsfragen, nacheinander, beantworten.

Wenn du alle Forschungsfragen beantwortet hast, sollte dein Thema, im von dir abgesteckten Rahmen, auch abgehandelt sein.

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