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Glück

Macht ein Studium glücklich? Kann es das überhaupt? Und wenn ja, was braucht es dazu, damit du sagen kannst: Ja, meine Zeit an der Uni ist ein echtes Glück für mich. Gar keine so einfache Frage, im Grunde genommen. Denn bei der Beantwortung muss es zwangsläufig ganz allgemein darum gehen, was Glück denn überhaupt ist.

Glück? Ansichtssache!

Du wirst wahrscheinlich eine – wenigstens ungefähre, vielleicht sogar recht konkrete – Vorstellung davon haben, was dich in deinem Leben glücklich macht. Deine Freunde werden dazu aber wahrscheinlich eine eigene Meinung haben und die muss nicht zwingend mit deiner übereinstimmen. Glück empfindet jeder Mensch anders und deshalb ist es auch nicht so ganz einfach, zu bestimmen, was Glück eigentlich ist. Der Begriff ist schließlich reichlich abstrakt und kann daher mit unterschiedlichsten Assoziationen gefüllt werden. Ganz zu schweigen davon, dass er unterschiedlichste Lebensbereiche betreffen kann.

So individuell die Vorstellung vom Glück allerdings sein mag, es gibt Aspekte, bei denen sich die Menschen einig sind. Nicht alle, aber doch so viele, dass von einem gewissen Konsens gesprochen werden kann. Wäre das nicht möglich, würde die wissenschaftliche Erforschung des Glücks jedweder Grundlage entbehren.

Glücklicherweise tut sie das nicht und so können sich Prof. Dr. Jan Delhey von der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg und andere Glücksforscher mit dem befassen, was für die modernen Wohlstandsgesellschaften zum höchsten Ziel geworden ist: dem subjektiven Wohlbefinden. Oder, um es weniger mit den Worten der Soziologen auszudrücken, der Suche nach dem Glück. Dabei hat Delhey sogar schon eine wichtige Antwort gefunden, nämlich die auf die Frage nach den wesentlichen Bestandteilen des Glücks. Haben, Liebe und Sein ergeben zusammen das individuelle Glück. Aber ist das wirklich schon alles? Decken eine gesicherte Existenz, ein Sinn im Leben und gute Sozialkontakte tatsächlich alles ab, was es zum glücklich sein braucht?

Was macht dich glücklich?

In gewisser Weise ist das eine rhetorische Frage. Hier sollen keineswegs Forschungsergebnisse über den Haufen geworfen werden, die über Jahrzehnte zusammengetragen und überprüft wurden. Aber wie werden die einzelnen Elemente gewichtet? Könntest du etwa mit mehr Geld, das dir ein zumindest finanziell sorgenfreies Leben ermöglicht, weniger Sozialkontakte ausgleichen? Ist es nicht vielmehr so, dass Geld allein nicht glücklich macht, um eine alte Binsenweisheit einmal zu bemühen?

Eine Studie der Harvard University hat über 75 Jahre hinweg Menschen auf ihrem Lebensweg – und dem ihrer Kinder – begleitet. Sie kommt zu dem Schluss, dass es vor allem sozialen Kontakte und deren Qualität sind, die unser Glück langfristig ausmachen. Trotzdem ändern sich Lebensumstände natürlich und selbst wenn deine Beziehungen dabei eine Art roter Glücksfaden sind, so können sich andere Dinge, die dich glücklich machen, mit deiner Lebenssituation ändern. Was dir heute besonders am Herzen liegt, spielt vielleicht in 20 oder 30 Jahren gar keine Rolle mehr für dein Leben. Das bedeutet wiederum nicht, dass du dann weniger glücklich sein wirst. Du wirst es lediglich auf eine andere Art und Weise sein.

Falsche Entscheidungen, richtige Entscheidungen

Unter Umständen wirst du diese Erfahrung sogar schon sehr viel früher machen. Es ist zwar unangenehm, aber trotzdem besteht die Möglichkeit, dass du wie viele Studenten feststellen musst: Ich studiere das Falsche. Oder du studierst nicht in der richtigen Stadt, nicht an der richtigen Uni – das passiert vielen und eine Entscheidung, die dich anfänglich glücklich gemacht hat, bewirkt innerhalb kürzester Zeit das Gegenteil.

Dann stellt sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen oder ob nicht ein Abbruch des Studiums und eine Neuorientierung die bessere Lösung sind. Darauf gibt es keine pauschale Antwort, wie die Erfahrungsberichte von Erik und Manuel zeigen. Es kommt immer auf die Situation an, auf die Faktoren, die einen unglücklich machen. Manchmal ist es möglich, über diese hinweg zu sehen, sie für eine gewisse Zeit auszublenden oder sie als ein notwendiges Übel hinzunehmen, auf dem Weg zu größerem Glück.

Andererseits muss umgekehrt die Frage erlaubt sein, wie glücklich eine solche Zukunft sein kann. Wenn der Weg dorthin schon nicht glücklich macht, kann die Regelstudienzeit durchaus zäh werden. Eine Garantie dafür, dass ein Wechsel des Studienfachs oder Universität die erhofften positiven Veränderungen bringt, gibt es wiederum auch nicht. Melissa beispielsweise bereut ihre Entscheidung nicht, statt Lehramt in Oldenburg jetzt Kultur-, Kommunikations- und Medienwissenschaften in Bremen zu studieren. Aber wer weiß schon, wie sie nach ihrem Abschluss darüber denkt?

Die schönste Zeit deines Lebens – hoffentlich!

Was anhand der Beispiele überdeutlich geworden sein sollte: Mit der Erwartungshaltung an die Uni zu gehen, dass das Studium durchweg die glücklichste Zeit des Lebens wird, könnte sich als Trugschluss erweisen. Zumindest kannst du dich nicht darauf verlassen, dass sie es wird und womöglich solltest du das aus verschiedenen Gründen auch gar nicht – angefangen damit, dass das Studium in der Gesamtbetrachtung deines Lebens nur einen sehr kurzen Abschnitt darstellen wird und du bestimmt noch etwas Glück für den ganzen Rest aufheben möchtest. So toll die Veränderungen nämlich sein werden – eigene Wohnung, mehr Unabhängigkeit, neue Leute, neue Stadt usw. – sie sind zugleich auch Herausforderungen, die gemeistert werden wollen.

Das gehört sicher zum Erwachsenwerden dazu. Aber das gilt genauso für die Erkenntnis, nicht immer nur glücklich sein zu können. Trotzdem kannst du natürlich versuchen, das größtmögliche Glück in der Situation zu finden. Es gibt schließlich genug Aspekte, die während deines Studiums dafür sorgen können. Du kannst sogar regelmäßig überprüfen, wo die Chancen auf dieses Glück am größten sind. Zumindest verspricht dies das Uni-Ranking, das das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zusammen mit ZEIT Campus ONLINE erstellt hat. Eine Orientierungshilfe, falls du dir Sorgen machst, mit deinen Plänen vielleicht doch auf direktem Weg ins Unglück zu stürzen.

Warum das so wichtig sein könnte, wird schon an den Zahlen deutlich, denn das Ranking umfasst insgesamt

  • 300 Hochschulen,
  • 613 Fachbereiche,
  • 972 Bachelor- und
  • 215 Masterstudiengänge.

Viele Möglichkeiten also, eine falsche Entscheidung zu treffen. Oder positiv formuliert: Viel Auswahl, um genau die richtige Entscheidung treffen zu können.

Eine Garantie sind die Ergebnisse trotzdem nicht zwingend. Du reduzierst zwar mit großer Wahrscheinlichkeit einen kolossalen Fehler, aber ob du mit der getroffenen Entscheidung wirklich glücklich wirst, kann erst die Überprüfung in der Realität zeigen.

Was macht denn nun glücklich?

Bleibt also die Frage, was genau das Glück der Studierenden ausmacht. Einen, zugegeben ziemlich kleinen, Ausschnitt bietet eine Befragung von Augsburger Studenten, die die Augsburger Allgemeine vor ein paar Jahren durchgeführt hat. Der Tenor, der sich aus den Antworten herauslesen lässt: Studienbedingungen sind zufriedenstellend, weniger glücklich macht hingegen der Stress, der durch das Nebeneinander von Studium und Geldverdienen entsteht. Es zeigt sich aber auch hier wieder, was die Langzeitstudie aus Harvard schon vorweggenommen hat – soziale Kontakte, ob Freund, Freundin oder Studiengruppe, helfen selbst durch schwere Phasen.

Im Zweifelsfall bleibt dir übrigens immer noch die Option, das Glück nicht nur zu deinem Lebensziel, sondern direkt zu deinem Studieninhalt zu machen. Jedenfalls dann, wenn andere Universitäten dem Vorbild der US-Elite-Uni Yale folgen. Dort haben die Anmeldungen zum Kurs „Psychology and the Good Life“ – rund 1.200 Studierende wollten die Veranstaltung besuchen – bewiesen, wie wichtig das Thema Glück während des Studiums offenbar ist. Laut der verantwortlichen Dozentin geht es vor allem darum, mit dem eigenen Verhalten einen Weg zum Glück zu finden.

Letzten Endes liegt es also an dir, ob deine Studienzeit tatsächlich eine glückliche wird. Mach dein Glück deshalb nicht von irgendeinem Aberglauben abhängig, sondern nimm es selbst in die Hand. Du weißt schließlich selbst am besten, was dich glücklich macht.