Studium für angehende Fotografen

Hobbyfotografen gibt es im Social Media Zeitalter viele. Ob auf Instagram, Facebook oder in einem der zahlreichen Blog- und Magazin Formate – geknipst wird immer. Dabei wollen viele ihr liebstes Hobby auch gerne zum Beruf machen. Wirklich Erfolg hat man hier aber meist nur mit einem guten Studienabschluss. Denn auch richtig Fotografieren will gelernt sein.


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Ein Motiv, tausend Techniken

Die Welt der Fotografie gleicht in vielerlei Hinsicht der Musikwelt. Es gibt diverse Genres, die sich am jeweiligen Stil, der Objektwahl oder der genutzten Fototechnik orientieren. Dementsprechend vielseitig sind auch die möglichen Studiengänge. Von der Studiofotografie über die Dokumentarfotografie bis hin zur Porträt- und Kunstfotografie gibt es zahlreiche Disziplinen. Hinzu kommen Studienkurse, die einem das professionelle Arbeiten mit Foto-Equipment näher bringen. Dazu gehören zum Beispiel Kurse wie

  • Analoge und digitale Fotografie
  • Digitale Bildgestaltung
  • Entwurf, Skizze und Layout
  • Foto- und Kameratechnik
  • Fotogeschichte
  • grafisches Design und Bildbearbeitung
  • Gestaltungslehre, Lichtgestaltung und Farbtechnologie

Das Verständnis von der Fotografie ist also sehr ausgeprägt und erfordert fundierte Kenntnisse zur Wahrnehmung, Ästhetik und Gestaltung. Das Auge muss im Rahmen eines Fotografie-Studiums also im wahrsten Sinne des Wortes geschult werden.

Je nachdem, welchen Zweig der Fotografie man verfolgen möchte, stehen einem Fotografen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Ein Stativ ist zum Beispiel in der Natur- und Porträtfotografie von großer Hilfe. Eventfotografie lebt dagegen von ungewöhnlichen Blickwinkeln. Spezielle Beleuchtungen schaffen eine unterschiedliche Bildatmosphäre und die Ausgestaltung des Bildhintergrunds mit Requisiten kann in vielen Fällen mit einem Filmset verglichen werden.

Welche Talente sollte man als Fotografie-Student mitbringen?

Per Definition ist Fotograf ein anerkannter Handwerksberuf, bei dem eine dreijährige Ausbildung durchlaufen werden kann. Generell sollten aber einige Grundvoraussetzungen erfüllt sein, um später Fotograf zu werden.

Zunächst einmal sollte man sich natürlich für die Fotografie begeistern können. Ein privates Interesse an Grafikdesign, Aufnahmegeräten und Kunst ist hier sehr nützlich. Referenzen wie ein Praktikum im Fotoladen oder Fotolabor können außerdem das praktische Verständnis von der Fotografie schulen. Weitere hilfreiche Kenntnisse und Talente können sein:

  • ein Auge für gute Motive und Ästhetik
  • die Fähigkeit, Kundenwünsche konkret umzusetzen
  • Fantasie und Kreativität
  • keine Scheu vor ungewöhnlichen Arbeitsorten
  • räumliches Vorstellungsvermögen
  • Wille zur Kooperationsbereitschaft

Ebenso bedarf professionelle Fotografie guter Mathematik-, Physik- und Chemiekenntnisse, etwa um Filme zu entwickeln, Distanzen zu berechnen oder Spezialeffekte anzuwenden. Wesentlich individueller werden die Anforderungen an den Fotografen, wenn man sich die einzelnen Fotografie-Disziplinen etwas genauer ansieht. Hier gibt es in Abhängigkeit von den unterschiedlichen Themenfeldern weitere Spezialisierungen.

Porträtfotografie – Gesichts und Körper im Fokus

Für gute Fotos braucht man heutzutage nicht mal mehr zwingend eine Kamera. Das beweist gerade der Selfie-Kult in sozialen Netzwerken. Ein gutes Handy schießt heutzutage hochauflösende Bilder, wobei die Selbstaufnahme längst nicht mehr so pixelig ist wie früher. Damals gab es noch große Unterschiede zwischen der Frontkamera und der Kameraeinstellung zur Selbstaufnahme. Heute ist das anders. Wer genügend Übung oder im Idealfall sogar einen Selfie-Stick zur Verfügung hat, kann sich problemlos selbst fotografieren. Gerne genutzt wird die Selfie-Funktion zum Beispiel zur Aufnahme von

  • Beautymaßnahmen zur Gesichtspflege
  • Guides für das Haarstyling
  • Make-Up Art
  • Mode Trends und Kopfschmuck
  • Reise- und Eventporträts

Dabei sind Selfies im Grunde eine moderne Art der Porträtfotografie. Allerdings benötigen andere Porträtstile oft weitaus mehr Fachwissen.

Das gilt zum Beispiel für professionelle Künstlerporträts in Musik- und Film-Magazinen. Hier wird nur angestellt, wer nachweislich das nötige Know-how besitzt, um die Künstler ins rechte Licht zu rücken.

Auch in der Modeindustrie sind gute Porträtfotos unerlässlich. Immerhin sind sie es, die Fashion Designs visualisieren und damit neue Trends kreieren. Dafür wird auch gerne mit ungewöhnlichen Effekten gearbeitet. In der Mode und Beauty Branche sind wehende Haare und Kleider aktuell voll im Trend. Neben optischen Effekten wird so auch eine gewisse Lebendigkeit erzeugt. Bei Künstlerporträts wird dagegen gerne mit Vintage Equipment gearbeitet, um den Fotos einen originellen, künstlerischen Effekt zu verleihen, den moderne Kameras nicht hinbekommen.

Etwas unspektakulärer geht es meist im Fotoladen zu. Hier dient die Porträtfotografie meist der Herstellung von Passbildern oder Hochzeitsbildern. Allerdings kann auch dieser Job sehr interessant sein, wenn man erst einmal für Aufnahmen außerhalb des Ladens gebucht wird. Dann sind neben Hochzeiten nämlich auch andere festliche Anlässe wie Abschlussfeiern, politische Treffen oder soziale Events drin.

Naturfotografie und naturwissenschaftliche Motive

Wer gerne reist oder Outdoor Sport betreibt, dem könnte die Naturfotografie liegen. Viele Fotografen in diesem Bereich haben zeitgleich auch ein abgeschlossenes Astronomie-, Biologie, Geologie oder Zoologie-Studium. Eine Fotografie Disziplin der Naturwissenschaften also. Immerhin geht die Naturfotografie mit einer gewissen Faszination für Naturmotive wie Pflanzen, Landschaften, Tiere oder den Sternenhimmel immer mit einem entsprechenden Interesse für das jeweilige Thema einher.

Viele Naturfotografen arbeiten für naturwissenschaftliche Zeitschriften und Magazine. Des Weiteren sind Naturaufnahmen in der Reisebranche sowie als Werbung für Naturparks oder botanische Gärten sehr gefragt. Hin und wieder geht man als Naturfotograf außerdem auf Tauchstation, etwa um Korallenriffe zu fotografieren oder das Leben der Meerestiere zu dokumentieren. Eine Spezialität von Meeresbiologen. Wer sich gerne mit dem Sternenhimmel beschäftigt, könnte als Fotograf außerdem für astronomische Einrichtungen interessant sein oder spektakuläre Gewitter- und Blitz-Bilder erstellen. Dabei kann es einen auch schon mal an den frostigen Polarkreis verschlagen, wenn es darum geht, Himmelsphänomene die Aurora Borealis einzufangen.

Makrofotografie – das Arbeiten mit der Nahaufnahme

Genauer unter die Lupe nehmen lässt sich die Natur sehr gut mit Makros. Die Nahaufnahmen offenbaren faszinierende Details natürlicher Texturen wie Blattzeichnungen oder Gesteinsformationen. Zudem lassen sich gerade Insekten besser unter der Makrolinse ablichten. Ähnlich sieht es bei Bakterien und anderen Kleinstlebewesen aus.

Berühmte Makrofotografen sind Allround-Talente, wenn es um berufliche Aufträge geht. Denn im Grunde kann man jedes Objekt aus der Nähe fotografieren und so dessen kleine, aber feine Details genauer beleuchten. Es müssen daher nicht zwangsläufig Naturaufnahmen sein. Ebenso gut kann man Menschen und ihre optischen Besonderheiten in den Fokus der Makrofotografie stellen. Und auch im Labor, Kunst-, Textil- und Handwerksgewerbe kann ein Makrofotograf von Nutzen sein.

Verführerisch Lecker: Die Lebensmittelfotografie

Ebenfalls sehr beliebt sind Makros im Bereich der Lebensmittelfotografie. Food Porn nennt sich das Ganze heutzutage, wobei Lebensmittel und Gerichte so verführerisch wie möglich abfotografiert werden. Das Bild muss dem Betrachter förmlich das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Nur so lässt sich die Ware von Restaurants, Lebensmittelproduzenten und Co. bei all der Konkurrenz erfolgreich verkaufen. Helfen kann in diesem Fall ein Studium im Bereich der Ernährungslehre oder Warenkunde, um sich die Besonderheiten verschiedener Lebensmittel besser einzuprägen.

Weitere Bereiche, in denen Food Pics regelmäßig benötigt werden, sind Food Blogs, Rezeptportale und Kochbücher. Selbst die Kosmetikindustrie setzt inzwischen immer öfter auf natürliche Lebensmittelzutaten wie Pflanzenöle oder Kräuterextrakte. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Lebensmittelfotograf für Schnappschüsse von den erlesenen Zutaten zurate gezogen wird.

Architekturfotografie und die Ästhetik einmaliger Baukunst

Die moderne Architektur hat immer mehr mit Kunst denn mit einfachem Gebäudedesign zu tun. Gebäudetechnik erfordert von Ergonomie bis Ökologie zahlreiche neue Kniffe, die mitunter schon kleine Kunstwerke sein können. Nicht zuletzt muss natürlich auch das architektonische Design des Gebäudes selbst ansprechend porträtiert werden, um Investoren anzulocken. Ein talentierter Architekturfotograf kann hier zwischen Aufstreben und Fall eines Projektes entscheiden.

Architekturfotografen gehören zu den technischen Fotografen und benötigen für ihre Arbeit viel geometrisches Grundwissen. Viele entscheiden sich deshalb zunächst für ein Architekturstudium und machen erst danach ein Zusatzstudium zum zur Foto- und Kameratechnik. Daran sieht man einmal mehr, dass die Art des Fotografie-Studiums häufig von der jeweiligen Fotodisziplin abhängig ist.

Wo kann man Fotografie studieren?

Den einen Studiengang für Fotografie gibt es eigentlich nicht. Vielmehr sind es verschiedene Studiengebiete, die Fotografie mit im Studienplan haben. Eine gute Anlaufstelle sind hier zum Beispiel staatliche Hochschulen für Medientechnik, wie die TU Berlin oder HAW Hamburg. Hier lernt man vom Grafikdesign bis zur Fotoaufnahme zahlreiche nützliche Fähigkeiten im Umgang mit Motiven und technischen Hilfsmitteln. Das bietet sich zum Beispiel für Architekturfotografen oder Designfotografen aus den Bereichen Mode oder Publishing an.

Im Unterschied dazu gelten staatliche Universitäten als Hochburgen der Medienwissenschaft. Für Fotografen insbesondere dann interessant, wenn sie viel mit digitalen Hilfsmitteln und besonderen Aufnahmetechniken (z.B. in der Astronomie oder Biologie) arbeiten. Und auch ein journalistisches Studium kann für manche Fotografen sinnvoll sein. Das gilt gerade für Dokumentarfotografen und diejenigen, die sich in der Kunst-, Kultur- oder Naturfotografie ansiedeln möchten.

Mehr?  Gesellschaftswissenschaft? Wohl eher Master of Taxifahren!