ShareLaTeX – kollaboratives Schreiben, nicht nur für Naturwissenschaftler

ShareLaTeX - kollaboratives Schreiben, nicht nur für Naturwissenschaftler

Wir setzen uns hier im Magazin immer wieder mit dem Schreiben selbst, also dem wissenschaftlichen Schreiben (unser Onlinekurs), auseinander. Dabei geht es aber meistens um die Planung, um kleine Problemchen beim Schreiben (zum Beispiel die Schreibangst) oder um das Korrekturlesen und typische Fehler.

In diesem Artikel geht es allerdings um ein sehr mächtiges und praktisches Schreibwerkzeug, dass es euch ermöglicht, gemeinsam mit anderen – kollaborativ – an wissenschaftlichen Texten in LaTeX zu arbeiten. Wer die Überschrift gelesen hat, weiß natürlich, dass es um das Programm ShareLaTex geht! Falls du jetzt vor diesem Text sitzt und denkst: LaTeX – Was soll das denn sein? Hab keine Sorge, das klären wir gleich!


StudybeesPlus für WiWis

Was ist denn LaTeX?

LaTeX (gesprochen [ˈlaːtɛç]) ist erst einmal ein Stück Software, ein Werkzeug, dass es ermöglicht, Texte nach dem sogenannten WYSIWYM-Prinzip (What you see is what you mean!)  zu schreiben. Im Gegensatz zu traditioneller Textverarbeitung (z.B. Microsoft Word), sieht man in einem LaTeX-Dokument nicht unmittelbar, wie der Text am Ende aussehen wird (WYSIWYG-Prinzip / What you see is what you get.).

In einem LaTeX-Dokument wird der Text mit Befehlen „ausgezeichnet“ und diese werden später, wenn man das Dokument zum Beispiel in ein PDF umwandelt, in ein schönes Layout gesetzt.

Ein kleines Beispiel:

Aus diesem Stück LaTeX:

„Vor allem im emph{naturwissenschaftlichen Bereich} ist es ganz normal, in textbf{LaTeX} zu schreiben.

wird nach der Umwandlung dieser Text:

„Vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich ist es ganz normal, in LaTeX zu schreiben.“

In gleicher Manier wird auch die Struktur des Dokuments in LaTeX mit Befehlen festgelegt. Dieses sogenannte „logische Markup“ führt dazu, dass Überschriften, Verzeichnisse und Grafiken am Ende auch als solche erkennbar und formatierbar sind. Während des Schreibens sage ich der Software nur was etwas ist, nicht aber, wie es aussehen soll.

Das sieht zuerst einmal wahnsinnig umständlich aus, hat aber eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Der Inhalt wird vom Layout getrennt und kann später, völlig unkompliziert, in ein neues Layout (zum Beispiel eine Vorgabe für eine Bachelorarbeit) gebracht werden.
  • LaTeX bietet einen hervorragenden mathematischen Formelsatz und macht es extrem einfach, auch komplizierte Formeln ohne Probleme darzustellen.
  • LaTeX ist plattformübergreifend und kostenlos und kann daher auf jedem Computer, ohne Probleme, eingesetzt werden.
  • Ein LaTeX-Dokument verhält sich exakt so, wie es vorgegeben wurde. Es kommt auch bei riesigen Dokumenten niemals dazu, dass die Software plötzlich etwas verschiebt oder „zerreißt“.
  • Man kann in LaTeX, wenn man es einmal beherrscht, von der Präsentation bis zur Doktorarbeit jedes Dokument erstellen – es gibt kaum Grenzen.
  • Da LaTeX mit Textdateien arbeitet, hat man keine Probleme mit unterschiedlichen Versionen oder kaputten Dateien. Für die Nerds: Man denke auch daran, dass sich Textdateien in eine Versionsverwaltung werfen lassen!

Natürlich ist LaTeX aber auch nicht immer die richtige Lösung. Die zwei größten Nachteile bestehen darin, dass viele Tools zur LaTeX-Bearbeitung kompliziert sind und das man LaTeX erst einmal lernen muss, bevor man wirklich damit arbeiten kann.

Mit ShareLaTeX wird alles einfacher!

ShareLaTeX ist ein kostenfreier (zumindest in der Basisversion) Onlineditor, der es erlaubt, LaTeX-Dokumente gemeinsam mit anderen direkt im Browser zu schreiben. Nach einer kurzen Anmeldung hat man direkt Zugriff auf einen Arbeitsbereich in dem man Projekte, die zum Beispiel mehrere Dokumente umfassen können, anlegen kann.

Das besonders Schöne darin ist, dass der Editor einem das Arbeiten mit LaTeX wirklich einfach macht und man nicht zuerst langwierig Software installieren muss. Außerdem hat man im Editor auch immer die Möglichkeit, das aktuelle Endergebnis (als PDF) zu betrachten.

In diesem Beispiel sehen wir, wie eine Formel (ein Integral) im LaTeX-Editor geschrieben und dann im Layout angezeigt wird.

ShareLaTex - kollaboratives schreiben

Abgesehen davon bringt ShareLaTeX eine ganze Reihe von zusätzlichen und spannenden Features mit:

  • Es werden direkt die wichtigsten Pakete (zum Beispiel um Präsentationen zu erstellen) und viele Vorlagen (zum Beispiel für Abschlussarbeiten oder Lebensläufe) mitgeliefert.
  • Man kann jederzeit zur vorherigen Versionen des Dokuments springen. Falls man (oder jemand anders) also einmal einen Fehler gemacht hat, kann man einfach zurückspringen.
  • Der Editor vervollständigt selbstständig die LaTeX-Befehle und stellt farbig die Formatierung hervor – damit ist es auch für Anfänger relativ einfach, mit LaTeX zurecht zu kommen.
  • Die Plattform arbeitet direkt mit externen Diensten wie zum Beispiel Dropbox und GitHub zusammen. Das erleichtert gerade bei größeren Projekten die Arbeit ungemein.

Brauche ich das?

Wie oben schon gesagt ist LaTeX sicherlich nicht für jeden und jede das Richtige. Wenn du nur einen einfachen Text schreiben möchtest, bist du vielleicht tatsächlich mit Microsoft Word oder Google Docs (Kollaboration) besser aufgehoben. Falls du aber, vielleicht auch im Team, an langen und komplexen Dokumenten arbeitest, die Formeln enthalten, ist LaTeX eine wirklich spannende Alternative, die man sich ansehen sollte.

Für Anfänger haben die Menschen hinter ShareLaTeX einen wirklich netten 30-minüten Starterkurs (Tutorial) eingerichtet. Die Zeit kann man sich auf jeden Fall einmal nehmen – im schlimmsten Fall kann man im Anschluss behaupten, dass man ein wenig LaTeX kann.

Für den Fall, dass dir das alles zu viel ist, schau dir unseren Artikel zum ablenkungsfreien Schreiben an. Dort geht es darum, wie man mit möglichst wenig Software und Tam-Tam an guten Texten arbeiten kann.

Mehr?  Doktortitel: Solltest du promovieren?