Richtig zitieren in drei Schritten

Allerspätestens nach den verschiedenen Plagiatsaffären der letzten Jahre sollte auch dem Letzten klar geworden sein, dass gute wissenschaftliche Arbeit immer auch die korrekte Angabe aller Quellen beinhaltet.

Trotzdem fühlen sich viele immer wieder unsicher, wenn es darum geht, wie das genau mit dem Zitieren funktioniert. Keine Sorge, eigentlich ist es ganz einfach! Bevor wir uns aber ansehen, wie man in drei relativ einfach Schritten zum perfekten Zitat kommt, beantworten wir die Frage, warum das überhaupt wichtig ist.

Warum überhaupt zitieren?

Früher hat man es mit den Zitaten etwas lockerer genommen – falls man gerade den Autor zu Hand hatte, hat man ihn (anerkannte Autorinnen gab es leider nur recht wenige) vielleicht erwähnt, vielleicht aber auch nicht.

Was sich erst einmal ganz angenehm anhört, hatte aber zum Teil wirklich unschöne Folgen: Es war unmöglich, nachzuvollziehen, wie genau jemand zu seinen Erkenntnissen kam und es war fast unmöglich, zu den ursprünglichen Quellen zurückzugehen. Ganz abgesehen davon, basiert die Wissenschaft ganz fundamental darauf, dass man den Ergebnissen und der Forschung anderer Wissenschaftler vertrauen kann. Eindeutige und umfassende Quellenangaben schaffen genau dieses Vertrauen, machen den Forschungsprozess nachvollziehbar und eröffnen neue Wege für die nachfolgenden Forscher.

Nicht weniger wichtig ist natürlich die Tatsache, dass es sich auch bei wissenschaftlichen Erkenntnissen um geistiges Eigentum handelt, das mit dem nötigen Respekt behandelt werden muss und soll.

Zitieren in drei Schritten

Schritt 1: Muss ich hier eine Quelle angeben?

Zuerst einmal müssen wir herausfinden, ob wir in einer bestimmten Situation eine Quellenangabe tätigen müssen. Das ist einfacher, als gedacht! Grundsätzlich gilt, dass wir immer dann eine Quelle angeben müssen, wenn es sich um eine der folgenden Varianten handelt:

  • Ideen, Meinungen oder Theorien einer anderen Person.
  • Fakten, Statistiken, Grafiken, oder sonstige Informationen, die nicht von uns stammen und die nicht ‚common knowledge‘ sind. Anders gesagt: Würde eine zufällige Person im Supermarkt um die Ecke diese Information im Schlaf kennen? Nein? Dann sollten wir zitieren!
  • Direkte Zitate von etwas, das eine andere Person gesagt oder geschrieben hat.
  • Paraphrasen von etwas, das eine andere Person gesagt oder geschrieben hat.
Schritt 2: Handelt es sich um ein direktes oder ein indirektes Zitat?

Grundsätzlich kann ich fremde Informationen direkt (im Wortlaut) oder indirekt (in eigenen Worten) wiedergeben. In beiden Fällen handelt es sich um ein Zitat, die Art und Weise der Angabe unterscheidet sich aber ein wenig.

Richtig zitieren

Indirekte Zitate bieten sich immer dann an, wenn ich größere Textpassagen oder Gedankenzusammenhänge von jemand anderem in meiner eigenen Arbeit verwenden möchte. Direkte Zitate sind immer dann besonders geeignet, wenn das, was die andere Person gesagt hat, eigentlich nicht passender ausgedrückt werden könnte. Gerade bei besonders zentralen Stellen oder fundamentalen Erkenntnissen bieten sich oft direkte Zitate an. In beiden Fällen gilt natürlich, dass ich die Option wählen sollte, die besser in meinen eigenen Textfluss passt.

Eine dritte, etwas besondere, Form des Zitates ist ein einfacher Verweis. Nehmen wir an, dass ich einfach auf die Forschung einer bestimmten Forschergruppe verweisen möchte, ohne wirklich Inhalte zu verwenden. In diesem Fall fasse ich kurz zusammen, was diese Forscher tun und hänge einen Zitationsvermerk an, der einem indirekten Zitat entspricht.

Schritt 3: Wie belege ich das Zitat?

Das große ‚Geheimnis‘ des Zitierens liegt in den verschiedenen Zitierstilen. An vielen Hochschulen wird so getan, als gäbe es nur den einen richtigen Weg des Zitierens. Das ist aber weit von der Wirklichkeit entfernt! Die Quellenverwaltung EndNote kennt zum Beispiel über 6000 verschiedene Zitierstile – alle davon sind im richtigen Kontext ‚richtig‘.

Um korrekt zu zitieren, muss ich wissen, welchen Zitierstil ich verwenden soll/möchte/muss – der Rest ist einfach. Für fast jeden Zitierstil gibt es Handbücher und Handreichungen, die genauestens Aufschluss darüber geben, in welchem Fall welche Quelle wie anzugeben ist.

The American Way

Nehmen wir an, wir möchten ‚amerikanisch‘ (Harvard) zitieren, also Kurzbelege im Text verwenden. In diesem Fall haben wir uns für eine von zwei (eigentlich mehreren) großen Kategorien (Autor-Datum/Fußnoten), aber noch nicht wirklich für einen spezifischen Stil entschieden.

Nehmen wir jetzt an, dass wir innerhalb des amerikanischen Zitierens den Vorgaben des Chicago-Stils (in der 16. Version) folgen sollen. Glücklicherweise gibt es jetzt, wie oben angedeutet, ein ausführliches Handbuch, das Chicago Manual of Style, welches alles weitere erklärt.

Mit diesem Wissen ausgestattet können wir jetzt auch souverän ‚komplizierte‘ Zitierprobleme wie das Folgende lösen. Sagen wir, dass wir ein tolles YouTube Video von einem Vortrag eines Professors gefunden haben, das wir zitieren wollen.

Gut, es handelt sich eindeutig um etwas, das wir zitieren müssen (fremdes Material, fremde Gedanken). Wir wollen ein direktes Zitat aus dem Vortrag verwenden, da es sich sehr gut in unseren Text einfügt. Das Chicago Manual of Style verrät uns nun nach einer kurzen Suche nach dem Stichwort ‚YouTube‘, dass wir dem Format ‚Online Multimedia‘ folgen sollen und gibt uns ein Beispiel:

Harwood, John. “The Pros and Cons of Biden.” New York Times video, 2:00. August 23, 2008. https://video.on.nytimes.com/?fr_story=a425c9aca92f51bd19f2a621fd93b5e266507191.

Das Beispiel müssen wir jetzt nur anpassen:

Habermas, Jürgen. “Zum Verhältnis von Philosophie und Politik.” YouTube video, 28:04. December 11, 2014. https://www.youtube.com/watch?v=jI1laUZy6gU.

Super, jetzt müssen wir nur noch wissen, wie wir das Ganze im Text zitieren! Unter „citing audiovisual materials in author-date format“ (Kapitel: 15.53) finden wir die Antwort: (Habermas 2014)

Fertig ist das perfekte Zitat!

Ein paar abschließende Tipps

Am Beispiel oben haben wir gesehen, wie wir vorgehen können, wenn wir wissen, nach welchem Stil wir zitieren – das ist das A und O. Dementsprechend ist es wichtig, immer herausfinden, welchen Stil ihr verwenden sollt – in Zweifelsfall lohnt es sich hier einfach den entsprechenden Dozenten zu fragen.

Davon abgesehen ist es extrem empfehlenswert, auf Software zurückzugreifen, die das Schreiben und Zitieren einfacher gestaltet. Empfehlen lassen sich hier zum Beispiel EndNote oder Citavi – beide Programme gibt es oft kostenlos direkt von der Hochschule.

Das wichtigste beim Zitieren ist es, einheitlich zu arbeiten. Welchen Stil ihr am Ende verwendet ist fast egal, solange ihr euch stringent an diesen haltet. Es gibt fast nichts Schlimmeres oder Unübersichtlicheres, als verschiedene Stile zu mischen.

Schlussendlich sei noch gesagt, dass man prinzipiell nicht ‚zu viel‘ zitieren kann. Falls ihr euch also einmal unsicher seid, ob es wirklich notwendig ist, macht euch die Mühe! So vermeidet ihr ungewünschte Plagiate.