Ersti-Hack #3 – Richtig mitschreiben in der VL

mitschreiben

Nichts ist während dem Studium wichtiger als deine Mitschriften. Schon in der Schule wurde uns gepredigt, dass wir in den Vorlesungen immer aufpassen und dem Dozenten folgen müssen. Im Endeffekt stellt sich das als wahr heraus, denn deine Mitschriften helfen dir die Prüfung überhaupt erst zu bestehen und eine gute Note zu bekommen. Klar gibt es hin und wieder mal Vorlesungen, bei denen es reicht, einfach nur die PowerPoint Präsentation zu lernen. Aber durch die Mitschriften verstehst du das Thema und bist so auf einem guten Weg, deine Traumnote zu erreichen.

Allerdings erweist sich das Mitschreiben in der Vorlesung meistens als ziemlich schwierig. Da gibt es eine ganze Menge an Ablenkungsmöglichkeiten und die Motivation geht bei einer 90 Minütigen Vorlesung auch irgendwann mal den Bach runter. Wenn der Prof dann auch noch unnötig kompliziert redet, das Thema vorstellt und seine Sätze verschachtelt, macht es erst recht keinen Spaß mitzuschreiben. Wir zeigen dir, wie du das meiste aus deinen Mitschriften herausholst und wie du sie am besten strukturierst.

1) Die richtige Einstellung macht’s

Seien wir ehrlich – eine Vorlesung, die um 8:30 morgens anfängt, ist die Hölle auf Erden. Man muss viel zu früh aufstehen und die Konzentration ist meistens in den frühen Morgenstunden auch nicht vorhanden. Man schaut mit glasigen Augen den Dozenten an und denkt an sein kuscheliges Bett zuhause. Dabei ist die richtige Einstellung in der Vorlesung ziemlich wichtig. Schnapp dir einen Becher Kaffee oder Tee und versuche wach zu werden und dem Dozenten aktiv zuzuhören. Denn wenn es um das Mitschreiben geht, ist das Zuhören unerlässlich.

Versuche den Worten des Dozenten aktiv zu folgen und schreibe dann das auf, was du für wichtig hältst. Dabei musst du nicht jedes Wort aufschreiben, das der Dozent auch von sich gibt (so wie übereifrige Studenten mit einem Macbook, die schon beim „Guten Morgen“ anfangen, auf die Tasten zu hauen). Filtere die Sätze und Wörter und entscheide, was tatsächlich für die Prüfung relevant sein könnte. Wenn du Schwierigkeiten damit hast, dich zu motivieren, schreibe auf einen Zettel, was deine Ziele für das Studium sind. Somit siehst du, was du alles erreichen willst und kannst der Vorlesung besser folgen.

Klar gibt es auch Tage, an denen du einfach überhaupt keine Lust hast, in die Vorlesung zu gehen. Das ist meistens ziemlich verlockend, denn in großen Vorlesungen herrscht keine Anwesenheitspflicht und somit wirst du auch nicht vermisst. Trotzdem solltest du dich dazu aufraffen, doch in die Vorlesung zu gehen. Denn sonst verpasst du vielleicht wichtige Informationen, die in der Klausur am Ende abgefragt werden. Wenn du krank bist oder andere Gründe dich abhalten, in die Vorlesung zu gehen, ist das natürlich völlig legitim. Dann solltest du deine Kommilitonen fragen, ob du ihre Mitschriften ausleihen kannst. Somit hast du trotzdem alle Mitschriften zusammen und kannst dich auf deine Prüfung vorbereiten.

2) Ablenkungsmöglichkeiten aus dem Weg gehen

Versuche alles, was dich ablenken könnte, auszublenden. Mittlerweile ist das Smartphone auf dem Tisch während der Vorlesung Gang und Gebe, aber förderlich ist das nicht. Denn aus ein paar Minuten können schnell viel mehr werden. Manche Dozenten haben leider eine langweilige Art ihre Vorlesung zu führen und ihre Satzstellungen sind so verschachtelt, dass du gar nicht mehr durchblickst. Das kann die Motivation vernichten und das Verlangen aufs Smartphone zu schauen oder sich Tagträumen hinzugeben, ist hoch.  Trotzdem solltest du versuchen, dem Dozenten zu folgen und zumindest den Kontext seiner Sätze aufzuschreiben.

Das Klischee des Strebers, der sich in die vorderen Reihe sitzt, um auch alles mitzubekommen ist auch in der Uni verbreitet. Die meisten versuchen einen Platz in den hinteren Reihen zu ergattern. Allerdings wirst du dort auch meistens abgelenkt. Ob Kommilitonen, die nicht aufhören wollen, über ihr tolles Wochenende zu reden, während der Vorlesung mal Online-Shopping betreiben oder die ganz dreisten, die einfach mal mittendrin eine Netflix-Serie anmachen. Das kann ganz schön nerven und den Dozenten verstehst du dann irgendwann auch nicht mehr. Gib dir also einen kleinen Ruck und versuche dich beim nächsten Mal in die vorderen Reihen zu setzen. Dort verstehst du alles und bist auch nicht versucht, immer auf dein Smartphone zu schauen, da du direkt im Blickfeld des Dozenten bist.

Hin und wieder kann es auch vorkommen, dass einer deiner Kommilitonen gelangweilt ist und mit dir ein Gespräch anfangen will. Das ist natürlich völlig in Ordnung, aber ihr solltet euch leise unterhalten und die Sätze auf ein Minimum beschränken. Denn das kann andere in eurem Umfeld nerven und es lenkt dich selbst sehr von der Vorlesung ab. Es ist nicht immer leicht, die Ablenkungen, die einen umgeben, auch wirklich zu ignorieren. Aber mit ein bisschen Disziplin und Motivation fällt es euch mit der Zeit leichter.

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3) Den Laptop oder die Hand benutzen?

Die Fragen aller Fragen. Grundsätzlich ist es dir überlassen, was du besser findest und was dir am meisten bringt. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Wichtig ist nur, dass du Informationen aufnimmst und sie auch verstehst sowie sie auch aufzuschreiben. Die PowerPoint Präsentationen mitzuschreiben ist völliger Unsinn. Das kannst du machen, wenn du dir ein wenig Arbeit sparen willst, aber es nimmt dir viel zu viel Zeit weg, um auf das zu achten, was der Dozent dazu sagt. Außerdem werden die PowerPoint Präsentationen meistens sowieso im Lernmanagementsystem hochgeladen, wo du sie dir herunterladen und nochmal anschauen kannst.

Wenn du einen Laptop zum Mitschreiben benutzt, solltest du darauf achten, immer ein Ladekabel dabeizuhaben, denn er kann immer mal abstürzen, wenn du es nicht gebrauchen kannst. Die meisten Vorlesungssäle haben auch Steckdosen, die du benutzen kannst. Wenn du deine Mitschriften alle überarbeitest und sie zum Schluss vollständig sind, solltest du sie ausdrucken. Denn somit kannst du besser lernen und hast einen besseren Überblick. PowerPoint hat auch eine Notizfunktion, somit kannst du in den Präsentationen etwas hinzufügen, falls es nicht ersichtlich ist. Die meisten drucken die PowerPoint Präsentationen einfach aus und denken, dass das reicht. Das kann zwar klappen, aber ist nicht zu empfehlen. Wenn du sie dir ausdruckst, solltest du deine Mitschriften mit einfügen und mehrere Folien auf eine Seite drucken. Dadurch kannst du immer noch Sachen hinzufügen und hast nicht so viele Blätter.

Mit der Hand mitzuschreiben ist meistens sinnvoller, da man sich die Sachen besser merken kann. Außerdem hast du hier den Vorteil, dass dir der Akku nicht ausgeht oder irgendein Update gemacht werden soll. Außerdem sind sie einfach zu ergänzen und du kannst sie nach Belieben markieren.

4) Struktur bei der Mitschrift

Eine gute Struktur hilft dir, schon einen ersten Überblick zu bekommen und das Thema auch verständlich auf Papier zu bringen. Am besten ist es, wenn du dich vor der Vorlesung schon in das Thema einliest, damit du eine ungefähre Ahnung hast, von was der Dozent da eigentlich redet. Meistens laden die Dozenten sowieso Fachliteratur im Lernmanagementsystem hoch, die ihr lesen solltet. Die können zwar einige Seiten lang sein, aber es hilft euch, besser in das Thema reinzukommen. Wenn du etwas nicht verstanden hast während dem Lesen, kannst du immer den Dozenten fragen, dafür sind sie ja auch da.

Natürlich ist das Mitschreiben wichtig, aber du solltest darauf achten, dass du nicht zu viel schreibst. Denn dadurch kommt das Aufpassen zu kurz und du könntest etwas Wichtiges verpassen. Es ist immer ärgerlich, wenn du Dinge aufschreibst, die wichtig erscheinen und der Dozent am Ende sagt, dass das für die Klausur nicht relevant ist. Schreibe deshalb nicht zu viel und mach dir lieber ein paar Stichpunkte und notiere Schlüsselwörter.

Grundsätzlich sollten deine Mitschriften immer das Datum tragen, denn sonst kann es passieren, dass du dich nicht mehr genau erinnern kannst, wann das Thema vorgestellt wurde und du hast außerdem einen Überblick über die Reihenfolge. Das Thema sollte als Überschrift ganz oben stehen, damit gleich ersichtlich wird, wovon die Vorlesung handelt. Zwischendurch solltest du Zwischenüberschriften einfügen, damit es übersichtlicher wird und nicht nur ein Klumpen Text dort steht. Schlussfolgerungen sind auch wichtig und sollten hervorgehoben werden. Das Gleiche gilt für Formeln, Namen, Fakten, etc.

Ein gutes System bietet das Cornell-System. Hier wird das Blatt in 3 Felder unterteilt. Am Seitenrand lässt du Platz für Fragen, die offen bleiben oder interessant sein könnten. Ins untere Feld schreibst du eine kurze Zusammenfassung des Themas und in das mittlere Feld kommen deine Notizen. Versuche es mal!

5) Aufarbeiten muss sein

Das Aufarbeiten deiner Mitschriften ist das A und O. Denn durch das Nachbereiten kannst du deine Gedanken nochmal strukturieren und deiner Mitschrift etwas mehr Sinn verleihen. Am besten wäre es natürlich, wenn du das direkt nach der Vorlesung machst oder immerhin noch am selben Tag. Das gelingt zwar den wenigsten, aber es bringt dich um einiges weiter. Denn wenn du der Prokrastination freien Lauf lässt und alles aufschiebst, kann es schnell passieren, dass du am Ende keine Ahnung hast, was du eigentlich meintest.

Gehe nochmal die PowerPoint Präsentation durch und ergänze sie mit deinen Mitschriften. Die endgültige Struktur deiner bearbeiteten Mitschrift könnte so aussehen:

  • Thema als Überschrift (mit Datum)
  • Jeweilige Zwischenüberschriften
  • Wichtige Punkte sowie Unterpunkte strukturiert zusammenfassen
  • Fragen am Rand aufschreiben

Durch das Aufbereiten kannst du unwichtige Dinge streichen und kannst deine Zusammenfassungen kürzen. Dadurch wird der Berg an Lernstoff kleiner und kommt dir gar nicht mehr so viel vor. Während der Prüfungsphase kannst du gerne eine Lerngruppe gründen und alles mit deinen Kommilitonen durchgehen, damit auch nichts vergessen wird!

Wichtige Dinge solltest du unbedingt markieren. Schlüsselwörter oder andere wichtige Fakten sollten angestrichen werden. Auch den Rest deiner Zusammenfassung solltest du farblich markieren. Denn durch Farben kannst du dir Sachen besser merken und auch die Reihenfolge beizubehalten fällt dir leichter. Zwischenüberschriften, zum Beispiel, können auch markiert werden. Natürlich sollte es am Ende nicht zu viel sein, sonst ist es zu unübersichtlich.

Wie du das ganze strukturierst ist natürlich dir überlassen. Du kannst auch eine Mindmap erstellen, bei der du das Oberthema in die Mitte schreibst und den Rest mit Pfeilen versiehst. Oder du benutzt Online-Programme wie Sketchnotes oder Mindnote. Vor allem für visuelle Lerntypen kann sich das lohnen, da dabei Texte und Bilder kombiniert werden und das ganze visuell anspruchsvoll gestaltet ist.

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6) Die Vorlesung aufnehmen?

Wer wirklich hardcore ist, kann die Vorlesungen auch mit dem Smartphone aufnehmen. Vor allem auditive Lerntypen können hierdurch möglicherweise einen besseren Lernerfolg erzielen. Allerdings ist es wirklich anstrengend, sich zuhause nochmal alles anzuhören. Denn Vorlesungen gehen 90 Minuten und dann nochmal alles aufzuarbeiten und aufzuschreiben ist ziemlich stressig. Außerdem kann es immer wieder vorkommen, dass Geräusche stören oder der Dozent nicht so gut verstanden wird.

Wer damit trotzdem gut vorankommt, kann die Vorlesung natürlich aufnehmen. Das ist auch dann hilfreich, wenn du vielleicht mal deinen Tagträumen während der Vorlesung hinterhergehangen hast oder die Vorlesung sehr anspruchsvoll ist. Eine Aufnahme der Vorlesung ist auch dann empfehlenswert, wenn du den Dozenten einfach nicht verstehst und du im Nachhinein nochmal genauer hinhören willst.

7) Traue dich zu fragen

In großen Vorlesungen tragen die Dozenten meistens immer ein Mikrofon, damit sie auch jeder verstehen kann. Leider kann es hierbei immer zu technischen Problemen kommen und das Mikrofon fällt aus oder der Dozent ist einfach nicht so gut zu verstehen. Falls das vorkommt, mach den Dozenten auf jeden Fall darauf aufmerksam! Denn die Dozenten wissen selbst nicht, welche Lautstärke am besten passt und ob sie zu leise sind beim Reden.

Falls dir etwas unklar ist während der Vorlesung, kannst du auch immer nachfragen. Selbst wenn deine Kommilitonen genervt wirken, es ist immer besser, nochmal nachzuhaken, als in der Klausur keine Ahnung zu haben. Außerdem bleibst du somit im Gedächtnis und Dozenten fordern sowieso immer auf, dass man Fragen stellt. Traue dich also ruhig mal, bei einem Thema nachzufragen. Deine Note tut es jedenfalls bestimmt gut.

Fazit

Das Mitschreiben an der Uni kann vor allem am Anfang ziemlich schwierig und verwirrend sein. Die meisten sind übereifrig und schreiben am Ende viel zu viel mit und sind dann geschockt über das Ausmaß ihrer Mitschriften. Aber: In der Kürze liegt die Würze. Es ist wichtig, während der Vorlesung schon unwichtige Dinge herauszufiltern und wegzulassen. Falls dir das nicht so gut gelingt, solltest du es spätestens bei der Nachbereitung tun, sonst wird der Lernstoff einfach zu viel und du machst dir zu viel Stress.

Mit der Zeit wirst du aber herausfinden, was am besten zu dir passt und wie du am besten lernst. Dabei solltest du im Hinterkopf behalten, dass du nicht allzu viele Vorlesungen schwänzen solltest, auch wenn es noch so verführerisch ist.