Regelstudienzeit – wichtig oder formeller Nonsense?

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Befindest du dich gerade mitten im Studium und erkennst, dass deine Kommilitonen irgendwie schneller und weiter sind als du? Hast du Angst, dass du deine Regelstudienzeit nicht einhalten kannst? Keine Sorge, denn so geht es vielen. Man hat heute oft das Gefühl, einen Wettlauf gegen die Zeit zu machen. Viele Bachelor Studenten machen sich viel Stress im Studium und nehmen einige Möglichkeiten gar nicht erst wahr, aus Angst, ihre Regelstudienzeit zu überziehen.


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Doch ist die Regelstudienzeit wirklich so wichtig? Und was passiert, wenn man sie wirklich überzieht – gibt es da Konsequenzen? Und was ist die Regelstudienzeit überhaupt? Antworten findest du hier!

Regelstudienzeit – Was ist das?

Die Regelstudienzeit ist die Semesterzeit, in der du dein Vollzeitstudium idealerweise vollziehst und dann beendest. Die Regelstudienzeit wurde eingeführt, damit Studenten keine Angst haben müssen, dass während ihres Studiums ihr Fach aus dem Angebot entfernt wird. Wie lange deine Regelstudienzeit tatsächlich beträgt, kannst du in der Studien- beziehungsweise Prüfungsordnung nachlesen. Dort wird angegeben, wie lange du idealerweise brauchst, um deinen Bachelor-Abschluss zu erlangen.

Die Regelstudienzeit für einen Bachelor-Abschluss beträgt üblicherweise 6 Semester – also 3 Jahre. In manchen Studiengängen kann das natürlich variieren und die Regelstudienzeit kann länger dauern. An Fachhochschulen beträgt die Regelstudienzeit für den Bachelor meistens 8 Semester, da der Bachelor hier als vollwertiger Abschluss anerkannt wird.

Für den Master-Abschluss ist eine Regelstudienzeit von 2-4 Semestern vorgesehen. Je nachdem wie lange deine Regelstudienzeit deines Bachelor-Abschlusses ist, orientiert sich der Master-Abschluss deines Faches daran. Insgesamt sind 10 Semester für einen Bachelor-Master-Abschluss vorgesehen.

Kann ich die Regelstudienzeit einfach überziehen?

Erst einmal solltest du wissen, dass du definitiv nicht alleine bist, wenn du deine Regelstudienzeit überziehst. Über die Hälfte aller Bachelor-Studenten schaffen ihr Studium nicht in der vorgegebenen Zeit! Besonders Geisteswissenschaftler brauchen öfter mal länger, um ihr Studium zu beenden, da die Veranstaltungen in den jeweiligen Fächern sich ändern können. 2016 haben nur knapp 40% der Bachelor-Absolventen ihr Studium in der Regelstudienzeit absolviert. Von den Master-Absolventen waren es nur knapp 29%. Du siehst also, es ist keine Ausnahme, dass Studenten ihr Studium verlängern.

Normalerweise kannst du deine Zeit im Studium ziemlich einfach überziehen. Das heißt, wenn es nur 1-2 Semester sind. Denn das ist der Normalfall unter den Studierenden. Aufgrund von Auslandssemestern oder Praktika müssen die meisten noch 1-2 Semester dranhängen, um ihren Abschluss zu erlangen. Alles was über 4 Semester länger geht, ist dann schon kritisch. Dann kannst du als Langzeitstudent eingestuft werden und das kann mittlerweile ziemlich teuer werden und kann im schlimmsten Fall zur Exmatrikulation führen.

Wenn du merkst, dass du dein Studium nicht in der vorgegebenen Zeit einhalten kannst, sprich am besten mit einem Berater für deinen Studiengang. Der kann dir sagen, wie lange du deine Regelstudienzeit überziehen kannst, ohne dabei Konsequenzen zu fürchten. Die meisten Hochschulen sehen aber eine Verlängerung von 1-4 Semestern unkritisch. Solange du den Semesterbeitrag weiterzahlst, kannst du auch weiterstudieren. Trotzdem solltest du das lieber vorher absprechen, um böse Überraschungen zu vermeiden!

Wie wichtig ist die Regelstudienzeit eigentlich?

Da viele Hochschulen mittlerweile wissen, dass Studenten ihre Regelstudienzeit aufgrund vieler Gründe nicht einhalten können, ist sie auch nicht mehr so streng vorgegeben. Zwar geben die Universitäten eine Idealzeit in der Prüfungsordnung an, jedoch muss man sie, wie oben erwähnt, nicht unbedingt einhalten. Denn es gibt einige Gründe, warum die Regelstudienzeit nicht eingehalten werden kann:

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• Auslandssemester

Ein Auslandssemester ist zwar in den meisten Fällen nicht unbedingt Pflicht, bringt aber viele neue Eindrücke. Deshalb schreiben viele Hochschulen in der Studienordnung, dass ein Auslandssemester dringend empfohlen ist, auch wenn es nicht Pflicht ist, ins Ausland zu gehen. Denn im Auslandssemester lernt man neue Kulturen kennen, trifft auf fremde Menschen und eignet sich Organisationstalent an. Da manche Kurse allerdings nicht anerkannt werden, müssen viele Studenten ihr Studium an der Heimuniversität überziehen, damit ihnen keine Kurse fehlen. Ein Auslandssemester ist auch im Lebenslauf heutzutage gerne gesehen und viele Unternehmen setzen es sogar voraus. Lasst euch von eurer Regelstudienzeit also nicht beirren und traut euch ins Ausland zu gehen!

• Praktikum

Viele Studiengänge an Hochschulen setzen ein Praktikum mittlerweile voraus. Zwar muss es in manchen Fächern kein allzu langes Praktikum sein, aber heutzutage ist es sehr schwierig, ein Praktikum unter 3 Monaten zu finden. Manche Unternehmen nehmen Praktikanten sogar erst ab 6 Monaten an! Da die Semesterferien leider nicht so lang sind, müssen die meisten erst mal eine Pause einlegen, um das Pflichtpraktikum zu absolvieren. Ein Urlaubssemester ist allerdings eine gute Lösung, denn dadurch wird deine Regelstudienzeit nicht überzogen. Da du in der Zeit nicht studierst, kannst du nach deinem Urlaubssemester einfach weitermachen und deine Regelstudienzeit läuft nach der Pause weiter. Aber auch wenn du kein Praktikum machen musst, ist es immer schlau, trotzdem eins zu absolvieren. Denn Praktika sind mittlerweile sehr wichtig und zeigen den Unternehmen, dass du schon ein wenig Praxiserfahrung hast. Somit erhöhen sich auch deine Chancen, deinen Traumjob zu ergattern.

• Nebenjob

Wer neben dem Studium kein BAföG bezieht oder das Geld einfach nicht reicht, der muss sich in den meisten Fällen einen Nebenjob suchen, um sein Studium zu finanzieren. Wenn man auf diesen Job angewiesen ist, kann es passieren, dass man auch die Regelstudienzeit im Studium nicht einhalten kann, weil man gewisse Kurse aus Zeitgründen nicht belegen kann. Diesen Grund verstehen auch deine zukünftigen Arbeitgeber bestimmt. Allerdings solltest du versuchen, bereits einen Nebenjob in der Branche zu ergattern, in der du später auch mal richtig arbeiten möchtest. Denn so sammelst du auch neben deinem Studium bereits wertvolle Praxiserfahrung.

Gibt es Konsequenzen für die Überziehung der Regelstudienzeit?

Schwere Konsequenzen für die Studienüberziehung gibt es in der Regel nicht. Jedoch kommt es oft auf die Länge der Überziehung an. Denn du kannst nicht einfach so dein Bachelor Studium in die Länge ziehen, wie es dir gefällt. Irgendwann musst du deinen Abschluss ja machen 😉

Allerdings kann sich eine Überziehung der Regelstudienzeit auf einiges auswirken:

• BAföG

Die Höchstdauer deiner BAföG-Finanzierung endet mit dem Ende deiner Regelstudienzeit. Das heißt, dass du nach deinem 6. Semester kein Darlehen mehr bekommst, weil du dein Studium eigentlich in diesem Zeitraum beenden solltest. Wenn du allerdings einen schwerwiegenden Grund angeben kannst, erhältst du länger Geld. Solche Gründe können zum Beispiel sein:

  • Schwangerschaft oder Kindererziehung: Wenn du während deines Studiums schwanger bist oder bereits Kinder hast, kannst du natürlich die Regelstudienzeit kaum einhalten. Eine Schwangerschaft oder eine Kindererziehung wird bei Verlängerung der Studienzeit auch beim BAföG als schwerwiegender Grund angenommen. Falls du also BAföG beziehst, kannst du deine Situation bei der Begründung der Studienverlängerung erklären und erhältst auf jeden Fall weiterhin Geld.
  • Krankheit: Falls du im Studium zu einem Zeitpunkt physisch oder psychisch krank wirst, kann sich auch das auf deine Studienzeit auswirken. Denn sowohl bei physischen als auch bei psychischen Krankheiten sind die Betroffenen oft nicht in der Lage für eine gewisse Zeit weiter zu studieren.
  • Nichtbestehen von Prüfungen: Falls dir noch Prüfungen fehlen, die du brauchst, um zu deiner Abschlussprüfung zugelassen zu werden, kannst du auch länger BAföG erhalten. Wichtig hierbei ist, dass du wegen deiner eigenen Leistung durchgefallen bist und keinen Täuschungsversuch probiert hast.
  • Auslandssemester: Wenn dein Studium KEIN Auslandssemester vorsieht, du aber trotzdem eins absolviert, kannst du die Zeit deines Semesters im Ausland an deine Regelstudienzeit hängen. Solltest du also freiwillig für ein Semester (circa 4 Monate) ins Ausland gehen, können dir die 4 Monate an deinen Bewilligungszeitraum angerechnet werden. Somit erhältst du 4 Monate weiterhin BAföG. Wenn deine Hochschule allerdings ein Pflichtaufenthalt vorsieht, ist das nicht der Fall.

Solltest du bei einer Studienverlängerung kein BAföG mehr erhalten, kannst du noch Studienabschlusshilfe beantragen. Voraussetzung hierfür ist, dass du zu deiner Abschlussprüfung zugelassen bist.

• Zwangsexmatrikulation

Bevor du jetzt in Panik verfällst: keine Sorge! Die Zwangsexmatrikulation erfolgt bei der Verlängerung des Studiums erst ab einer gewissen Zeit. Wenn du also länger als 4 Semester studierst und das nicht begründen kannst, kann deine Hochschule entscheiden, dass du von der Studierendenliste gestrichen wirst. Allerdings ist das von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich! Wenn du bereits vor dem Auslaufen deiner Regelstudienzeit weißt, dass du sie überschreiten wirst, sprich dich mit einem Berater ab. Der kann dir sagen, wie lange du überziehen darfst, ohne von der Hochschule zu fliegen.

• Semestergebühren

Auch hier gilt: Wenn du dein Studium länger als 4 Semester überziehst, kann es vorkommen, dass du Extragebühren zahlen musst. Und das kann teuer werden! Denn alles was über 4 Semester länger geht, wird üblicherweise als „Langzeitstudium“ anerkannt. Wenn du unter 4 Semestern bleibst, musst du deinen üblichen Semesterbeitrag einfach weiter überweisen.

Zeitmanagement

Fazit

Die Regelstudienzeit wird also nicht mehr so eng gesehen. Und mal ehrlich: Wer schafft es schon, Praktika, Nebenjobs und das Studium in der Regelstudienzeit unter einen Hut zu bringen? Allerdings denken viele Bachelor Studenten immer noch, dass ihnen keine Zeit mehr bleibt, um Auslandssemester oder Praktika zu absolvieren. Viele wollen die Regelstudienzeit immer noch streng einhalten, weil sie denken, dass das später Folgen bei der Jobsuche haben kann. Wenn du aber eine gute Begründung für die Verlängerung hast, wird das keine negativen Konsequenzen haben. Gerade bei Auslandssemestern und freiwilligen Praktika punktest du immer. Denn die werden immer wichtiger auf dem Lebenslauf!

Außerdem fordern viele Unternehmen heute auch immer mehr neben dem Studium. So werden Sprachkenntnisse, Auslandsaufenthalte, Praktika, IT-Kenntnisse oder soziales Engagement mittlerweile hoch angesehen. Dir sollte auch klar sein, dass du zur Hochschule gehst, um dich zu bilden. Deswegen studierst du ja auch. Wenn du also Kurse belegst, die dich interessieren, aber die nichts mit deinem Abschluss zu tun haben, ist das auch vollkommen ok! Somit zeigst du, dass du auch über den Tellerrand hinausschauen kannst.

Scheue dich also nicht davor, deine Regelstudienzeit zu überschreiten. Die wenigstens, die es tun, nutzen ihre Zeit NICHT sinnvoll. Wenn du wirklich Bedenken hast, kannst du einfach ein Urlaubssemester oder zwei einlegen – allerdings bekommst du währenddessen kein BAföG.

Aber lass es dir von jemanden sagen, der selbst die Regelstudienzeit überschreitet: Es ist halb so wild 🙂

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