Regelungen zu Nebenjobs

Quelle: @ Cara-Foto – 55240357 / Fotolia.com

Nebenjobs* sind für Studenten keine Seltenheit – doch was sollte dabei beachtet werden, um am Ende nicht ausgebeutet zu werden? Das Gesetz macht klare Vorgaben.

In Deutschland waren im Jahr 2016 mehr als 2,8 Millionen Studenten an Hochschulen eingeschrieben. Diese beeindruckende Zahl stammt vom Statistischen Bundesamt. Die Zahl der Studierenden in der Bundesrepublik sagt allerdings nichts darüber aus, wie jeder einzelne Student sein Studium finanziert. Wohnung, Lebenshaltung oder Fahrtkosten und Lehrmaterial – nur vier Beispiele für Ausgaben, die jedem Studenten entstehen. Ein Teil der Studenten deckt den Bedarf über BAföG. Laut einer über die Studentenwerke veröffentlichten Statistik haben im Jahr 584.000 Studenten Leistungen nach dem BAföG erhalten.

Die durchschnittliche Höhe des BAföGs lag bei 464 Euro. Angesichts der Kosten, die mit einem Studium in Verbindung stehen, ist diese Höhe für viele Studenten sicher unzureichend. Nebenjobs gehören daher zum Alltag vieler Studenten in Deutschland. Dabei stehen nicht nur die klassischen Jobs in der Gastronomie oder an der Supermarktkasse im Mittelpunkt. Studenten eröffnen sich – dank ihrer besonderen Qualifikation – mitunter recht ungewöhnliche Jobchancen. Wie sehen die rechtlichen Regelungen zu Nebenjobs aus? Im Hinblick auf Arbeitszeiten oder Lohn müssen Studenten einige Besonderheiten berücksichtigen, die nun etwas genauer erklärt werden.

1. Arbeitszeit – was geht und was nicht?

Ein Hochschulstudium findet heute in erster Linie als Präsenzstudium statt. Bedeutet in der Praxis: Studenten nehmen an Vorlesungen teil und absolvieren begleitet hierzu Tutorien bzw. Praxisinhalte. Das Präsenzstudium bedeutet am Ende, dass Studenten für ihre Hochschulausbildung nicht nur Geld investieren – sondern auch Zeit. Eine Tatsache, welche für die Kombination aus Studium und Nebenjob zur Herausforderung wird.

Welche Regelungen zu Nebenjobs gelten für Studenten? Prinzipiell steht es Studenten frei, welche Nebenjobs sie in welchem Umfang ausüben. Dass für Studierende besondere Zeitregeln gelten, ist eine verbreitete Annahme. Allerdings bezieht sich diese im Wesentlichen auf Regelungen im Hinblick auf die Sozialversicherungspflicht.

Die 20-Stunden-Regel für Studenten

Studenten haben die Möglichkeit, auf 450 Euro Basis neben dem Studium zu arbeiten und gelten dann als Mini-Jobber. Sobald diese Regelungen zu Nebenjobs überschritten werden, gelten Studenten als versicherungspflichtig. Allerdings gibt es noch eine Möglichkeit, mit der Versicherungsfreiheit in der Kranken- und Arbeitslosenversicherung eintreten kann.

Hintergrund: Studenten können als Werkstudenten beschäftigt werden, wenn sie nicht mehr als 20 Stunden pro Wochen beschäftigt werden. Unter diesen Voraussetzungen wird für die Kranken- und Arbeitslosenversicherung angenommen, dass das Studium trotzdem noch im Vordergrund steht.

Ausnahmen von der 20-Stunden-Regel

Dass mit dem Überschreiten der 20-Stunden-Regel die Versicherungspflicht eintritt, ist am Ende nur eine Seite der Medaille. Abgewichen kann von diesem Grundsatz werden, wenn die Arbeitszeiten auf das Studium angepasst werden. Diese Grundregel wird besonders in der vorlesungsfreien Zeit – also in den Semesterferien – aufgeweicht.

Studenten dürfen in diesem Zeitraum auch deutlich mehr als 20 Stunden pro Woche einer Beschäftigung nachgehen – ohne dass die Vorteile der 20-Stunden-Regel sofort verloren gehen. Für den Fall, dass es zu einer kurzfristigen Überschneidung kommt, gelten die Vorteile aus der 20-Stunden-Regel über einen Zeitraum von bis zu 2 Wochen weiter. Trotzdem sollten Betroffene diesen Aspekt nicht vollständig aus den Augen verlieren.

2. Lohn: Gilt für Studenten der Mindestlohn?

Neben der Arbeitszeit ist der Lohn, den Studenten im Rahmen einer Beschäftigung beziehen können, ein wichtiger Aspekt. Grundsätzlich müssen in diesem Zusammenhang zwei grundlegende Aspekte voneinander getrennt betrachtet werden: Das Praktikum und der reine Nebenjob.

Hintergrund sind die Ausnahmeregelungen, welchen für den Mindestlohn gelten. Dessen Einführung wurde für den 1. Januar 2015 beschlossen. Grundsätzlich gilt dieser flächendeckend – was bedeutet, dass auch Studenten im Nebenjob Anspruch auf eine entsprechende Vergütung haben. Seit Januar 2017 gilt in Deutschland ein Mindestlohn von 8,84 Euro je Arbeitsstunde.

Auf die 20-Stunden-Regel umgelegt, kann ein Student also maximal 176,80 Euro pro Woche verdienen (höhere Gehälter sind entsprechend der Ausnahmeregelungen möglich). Diese Aussage gilt allerdings nur für Nebenjobs, die sich am Mindestlohn orientieren. In der Praxis kommt es auf die jeweilige Branche und Tätigkeit an bzw. wie die hierfür geltenden Tarifverträge aussehen.

Höhere Gehälter als Werkstudent möglich

Mittlerweile konkurrieren in vielen Branchen Unternehmen um Fachkräfte. Dieser Aspekt bedeutet auch, dass Studenten höhere Chancen auf einen gut bezahlten Job als Werksstudent haben. Je nach Branche und Unternehmen kann das Gehalt hier auch über der 10-Euro-Marke liegen. Als Orientierungshilfe können hier die Vergütungssätze für studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte herangezogen werden.

Regelungen zu Nebenjobs

Quelle: @ Stockfotos-MD – 163217110 / Fotolia.com

Heißt in der Praxis, dass auch Studenten mit nur 20 Stunden Wochenarbeitszeit auf 800 Euro bis 900 Euro Gehalt kommen können. Der Vorteil: Aufgrund der Werkstudenten-Regelung bleibt der Job versicherungsfrei. Zu beachten sind allerdings Grenzen bezüglich:

  • Lohnsteuer
  • Familienversicherung
  • BAföG.

Offiziell dürfen Studenten, die BAföG erhalten, laut einer Informationsseite Bundesministerium für Bildung und Forschung bis zu 5.416,32 Euro innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten dazuverdienen – ohne dass es hier zu einer Anrechnung kommt.

Ab einer gewissen Einkommenshöhe aus dem Nebenjob besteht die Gefahr einer Kürzung beim BAföG.

Da der Nebenverdienst letztlich auch für die Familienversicherung in der GKV von Belang ist, muss sich jeder Student fragen, ob die erlaubten Höchstgrenzen aus der Regel für Werkstudenten voll ausgereizt werden – oder lieber freiwillig weniger gearbeitet wird.

Praktikum oder Nebenjob – gibt es Unterschiede?

Wie bereits angesprochen, gibt es beim Thema Lohn für Studenten Unterschiede im Hinblick auf den Mindestlohn. Diese entstehen durch die im Gesetz verankerten Ausnahmen. Auf Studenten trifft an dieser Stelle zu, dass ein Pflichtpraktikum – welches begleitend zum Studium durchgeführt wird – nicht unter die Mindestlohnregel fällt. Gleiches gilt für Praktika, die begleitend zur Hochschulausbildung angetreten werden. Letztere Regelung ist allerdings zeitlich begrenzt. Sobald der Praktikant mehr als drei Monate in einem Unternehmen tätig ist, gilt für ihn der Mindestlohn.

Des Weiteren müssen Unternehmen ein Praktikum vergüten, wenn der Student bereits ein Praktikum im Betrieb absolviert hat.

Aufgrund dieser Regelungen zu Nebenjobs gelten einige Besonderheiten. Nimmt ein Student beispielsweise ein fachfremdes Praktikum auf (die Gründe bleiben hier unberücksichtigt), ist von einer Geltung des Mindestlohns auszugehen – und zwar vom ersten Tag der Beschäftigung an.

Weitere wichtige Regelungen zu Nebenjobs

Für den Nebenjob gelten weitere Regelungen. Wie diese konkret aussehen, richtet sich unter anderem auch nach dem Einzelfall.

Regelungen zu Nebenjobs

Quelle: @ Stockfotos-MD – 113591337 / Fotolia.com

  • Punkt 1 – Arbeitsvertrag: Auch wenn es sich nur um einen Nebenjob handelt – Studenten haben Anspruch auf einen Arbeitsvertrag. Dieser sollte regeln, wie der Urlaub geregelt wird oder wie die Arbeitszeiten aussehen. Zu den wichtigen Details gehören auch die Kündigungsfristen.
  • Punkt 2 – Einkommenssteuer: Viele Studenten, die einfach nebenbei ein paar Stunden jobben, denken nicht an die Einkommenssteuer. Allerdings kann diese als Werkstudent durchaus Thema werden – wenn das Einkommen hoch genug ausfällt. In Deutschland wird der maßgebliche Grundfreibetrag regelmäßig angepasst. Achtung: Hier sollte im Auge behalten werden, welche Leistungen zum Einkommen gehören und welche (wie zum Beispiel BAföG) nicht.
  • Punkt 3 – Urlaubssemester: Das Privileg des Werkstudenten kann auch zum Bumerang werden. Wer als Student dessen Besonderheiten aus dem Blickfeld verliert, muss mit Überraschungen rechnen. Dazu gehört zum Beispiel, dass für die Dauer eines Urlaubssemesters dieser Sonderstatus erlischt. Wird gearbeitet, handelt es sich um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Prinzipiell ist Studenten im Zusammenhang mit Nebenjobs oder Praktika immer zu raten, sich grundlegend zu informieren. Nur so kann Problemen frühzeitig aus dem Weg gegangen werden. Andernfalls besteht das Risiko, Entscheidungen am Ende falsch zu treffen.

Fazit: Beim Nebenjob gelten besondere Regeln

Studenten nehmen häufig Nebenjobs auf, um sich während des Studiums finanziell über Wasser zu halten. Neben der Gastronomie sind vor allem Tätigkeiten an der Uni oder Jobs als Werkstudent beliebt. Allerdings gilt es, hier einige Regelungen zu Nebenjobs zu kennen und zu beachten. Dazu gehört die 20-Stunden-Regel, da es ansonsten zu steuerlichen Problemen kommen kann. Aber auch in Bezug auf die Steuer oder das BAföG existieren einige interessante Aspekte. Nur wer diese Punkte beachtet, wird auf lange Sicht entspannt Jobben. Wo die Regeln außer Acht gelassen werden, drohen hingegen unangenehme Überraschungen. Und diese können durchaus teuer werden. Mit ein bisschen Vorbereitung ist es jedoch problemlos möglich, diese Hürden zu überwinden. Wer sich also bereits im Vorfeld mit den wichtigsten Regelungen zu Nebenjobs auseinandersetzt, spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern kann auch gleich viel entspannter in das Berufsleben starten.

Interessante Angebote findest du in unserer Jobbörse.