Präsentationssoftware – Die wichtigsten Tools im Überblick

Referate, Vorträge, Webinare und Meetings – überall wird präsentiert! Präsentationen, in den verschiedensten Varianten, sind nicht nur allgegenwärtig, sondern werden in Anbetracht der Wissens- und Kommunikationsgesellschaft auch immer wichtiger. In diesem Artikel soll es aber nicht darum gehen, wie man eine gute Präsentation vorbereitet oder hält, sondern um die Werkzeuge, die dabei helfen.

Während eine richtige gute Präsentation natürlich viel mehr ist, als nur hübsche Folien, spielt die richtige Präsentationssoftware trotzdem eine große Rolle. Sie hilft uns nicht nur dabei, unsere Inhalte besser zu vermitteln, sondern kann auch als Stütze für uns dienen, zum Beispiel indem sie uns unsere Notizen sauber aufbereitet zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stellt.

Präsentieren – das geht auch ohne Computer!

Es wird natürlich schon viel länger präsentiert, als es Computer gibt. Als Sokrates seine großen Reden hielt, ist er dabei sicherlich nicht mit einem Clicker wild durch irgendwelche Foliensätze gehetzt. Natürlich wird auch noch heute, in regelmäßigen Abständen, die Verwendung von Präsentationssoftware kritisch betrachtet.

In einem einflussreichen Artikel mit dem Titel „PowerPoint is Evil“ schrieb Edward Tufte im Jahr 2003, dass PowerPoint und andere Präsentationstools nicht als Werkzeuge für Präsentationen genutzt würden, sondern diese vollständig ersetzt haben. Die Message ist eindeutig: Präsentationen sind mehr, als Folien, Bilder und Videos. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir auf Präsentationssoftware zurückgreifen sollten, sondern genau das Gegenteil. Die Software kann uns dabei helfen, bessere Präsentationen zu gestalten, wenn wir die Präsentationen und nicht die Präsentation (d.h. „die Folien“) in den Vordergrund stellen.

Aus genau diesem Grund möchten wir hier einen Überblick über die wichtigsten, oder zumindest einige, Präsentationstools geben.

Präsentationssoftware im Überblick

Wir haben die Tools in fünf Kategorien eingeteilt: Klassiker, Online-Tools, Für Bastler, Tafelersatz und Spezialfälle. Auch wenn dich nur eine dieser Kategorien interessiert, könnte auch ein Blick in die anderen Interessant sein!

Die Klassiker

Die „Klassiker“ kennen wohl die meisten. Diese Tools definieren das, was wir heute unter Präsentationen verstehen und sind, sowohl in der Universität als auch in der Berufswelt, absolut allgegenwärtig. Sie „laufen“ auf Computern und Laptops und gehören zur absoluten Standardausrüstung. Unterschätzen sollte man sie aber auf keinen Fall: In den letzten Jahren hat sich viel getan und ein aktuelles PowerPoint ist definitiv anders, als das, was man vor fünf oder zehn Jahren gesehen hat.

Microsoft PowerPoint* (Hier zeigen wir dir fünf Tipps für besseres Design in PowerPoint) ist der unangefochten Platzhirsch und sollten den meisten bekannt sein.

Apple Keynote ist die nicht weniger bekannte Präsentationssoftware von Apple, die vor allem für ihre vielen sehr guten Vorlagen geliebt wird.

LibreOffice und Apache OpenOffice sind zwei sehr ähnliche Projekte, die beide versuchen kostenlose und offene Alternativen für PowerPoint bereitzustellen. Während beide Office-Pakete wirklich sehr gut sind, hängen Sie ihren großen Vorbildern in den meisten Funktionen aber immer noch ein paar Jahre hinterher.

Wer nach Alternativen sucht, die aber im Geist ähnlich sind, wie diese Klassiker wird zum Beispiel hier fündig:

  • Kingsoft Presentation Free
  • SoftMaker Office
  • SlideDog

Online-Tools

Immer stärker im Kommen sind Online-Tools, also Präsentationsoftware die komplett im Browser läuft. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Es muss keine Software installiert werden, man hat von überall Zugriff auf die Präsentationen und es gibt üblicherweise keine Gerätbeschränkungen – dem mobilen Arbeiten steht also nichts im Weg. Auf der anderen Seite bindet man sich relativ stark an einen Anbieter und ist, im Zweifelsfall, auf eine Internetverbindung angewiesen.

Besonders bekannt sind die Online-Tools für ihre oftmals kreativeren Ansätze und den Versuch, das Präsentieren am Computer neu zu erfinden.

  • Prezi ist vermutlich das Bekannteste der unbekannten Präsentationstools. Prezi-Präsentationen sind weniger linear als traditionelle Foliensätze und eignen sich besonders gut um einen Storytelling-Ansatz zu verfolgen. Wir haben hier einen recht ausführlichen Bericht über Prezi verfasst, der vielleicht interessant sein könnte.
  • Google Slides verknüpft die Vorteile der klassischen Tools mit denen der Online-Tools in herausragender Art und Weise. Während sich Google Slides sehr gewohnt anfüllt und leicht zu bedienen ist, punktet es immer dann, wenn man zum Beispiel von Unterwegs, ohne Zugriff auf PowerPoint, an einer Präsentation (sogar gemeinsam) arbeiten möchte.
  • Ludus ist ein relativ neues Werkzeug, das wir hier ausführlich besprochen haben. Während Ludus in vielerlei Hinsicht als „traditionell“ beschrieben werden könnte, bringt es einige Features mit, die es zu einem ganz heißen Kandidaten für wirklich innovative und moderne Präsentationen macht.
  • Viele schwören auch auf Haiku Deck, dass insbesondere für Apple Mobilgeräte (zum Beispiel das iPad) entwickelt wurde aber auch im Browser funktioniert. Haiku Deck legt einen besonderen Fokus auf Einfachheit und schönes Design, das ohne viel Aufwand entsteht.
  • Wer einmal versuchen möchte Präsentationen im Cartoon-Stil zu erstellen, ist mit PowToon gut aufgehoben. Mit PowToon lassen sich ganz einfach kurze Videos und Präsentationen erstellen, die durch ihren ganz eigenen Stil bestechen.
  • Slides.com ist ein reines Online-Tool das sehr intuitiv und einfach zu bedienen, aber trotzdem sehr mächtig ist. Das System bringt ein paar interessante Zusatzfunktionen mit: So lassen sich Folien zum Beispiel vom Smartphone aus fernsteuern.
  • slidebean verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie Slides.com, punktet aber insbesondere durch viele Funktionen die dabei helfen sollen, sehr schnell zum Ziel zu kommen. Davon abgesehen kommt slidebean mit einer Reihe von Analysefunktionen, die dabei helfen sollen, zu analysieren, wie Zuschauer sich mit den Präsentationen, online versteht sich, auseinandersetzen.

Für Bastler

Eine oftmals unterschätze Kategorie im Bereich der Präsentationssoftware sind die Tools „für Bastler“. Was auf dem ersten Blick vielleicht abwertend gemeint sein könnte, ist aber eigentlich etwas ganz Besonderes. Diese Werkzeuge erfordern meistens eine ganze Menge mehr Arbeit und mehr Können, aber bieten die Möglichkeit, wirklich sehr besondere und angepasste Präsentationen zu erstellen.

Menschen aus mathematikaffinen Fächern kennen die Kombination von LaTeX und Beamer um Präsentationen zu erstellen, in denen auch die kompliziertesten Formeln und Graphen noch gut aussehen. Wer sich einmal in LaTeX eingearbeitet hat, will es selten missen. Das Tolle an der LaTeX/Beamer Kombination ist, dass sich bestehende LaTeX-Dokumente damit relativ schnell in sehr ansehnliche Präsentationen verwandeln lassen.

Wer es noch puristischer mag ist mit Präsentationsframeworks wie impress.js oder reveal.js gut aufgehoben. Hier werden Präsentationen in HTML, CSS und JavaScript „programmiert“ und als HTML 5 Dokumente exportiert. Was jetzt erst einmal furchtbar kompliziert klingt ist in der Praxis gar nicht so schlimm – insbesondere nicht, wenn man sowieso schon ein wenig HTML beherrscht.

Wer HTML und LaTeX für überladen hält, sollte sich Marp ansehen. Mit Mark lassen sich Präsentationen in Markdown schreiben, mit Vorlagen versehen und als PDF exportieren. Wem Markdown nichts sagt ist vermutlich bei Marp an der falschen Adresse – für Markdown Fanboys und Fangirls ist Marp aber wirklich eine herausragende Präsentationssoftware.

Tafelersatz

Erinnert ihr euch noch an den Hinweis am Anfang des Artikels? Präsentationen sind mehr als nur ein paar Folien, die von ein paar Blendeneffekten zusammengehalten werden. Wer seine Präsentation während des Vortrag (hand)schriftlich mit Text und Grafiken unterstützen möchte, muss nicht zwingend eine Tafel benutzen. Immer mehr Präsentationen und vor allem Workshops entstehen sozusagen Live, wie früher an der Tafel.

Von vielen geliebt ist Microsofts OneNote*, das nicht nur eine hervorragende Notizenapp, sondern auch ein toller Tafelersatz ist. Hier lässt sich sozusagen ein unendlich großes Blatt Papier beschreiben und mit Inhalten aus dem Internet aufhübschen. Man könnte zum Beispiel die Präsentation schon einmal grob in EndNote vorbereiten und dann einige wenige Punkte handschriftlich (hier sind Tablet/Laptops mit Stifteingabe von Vorteil) ergänzen.

Als Alternative zu OneNote schwören viele auf Evernote. Während das Konzept im Grunde dasselbe ist, kommt Evernote ein wenig minimalistischer daher und erschlägt seine Benutzer nicht gleich mit zu vielen Features.

Wer wirklich ein Whiteboard haben möchte und viel mit Grafiken arbeitet, ist vermutlich mit Autodesk Sketchbook am besten aufgehoben. Insbesondere bei Erklärvideos auf YouTube (oder Plattformen wie der KhanAcademy) kommt die Software als digitale Tafel zum Einsatz.

Spezialfälle

Natürlich gibt es auch viele Spezialfälle in denen die traditionelle Präsentationssoftware an ihre Grenzen stößt. Zwei Bespiele wollen wir euch vorstellen:

Wenn ihr mit Statistik zu tun habt, kennt ihr vermutlich die Statistikumgebung R. Mit R Notebooks gibt es eine Präsentationssoftware (und eigentlich auch viel mehr), die es euch erlaubt statische Inhalte, zum Beispiel Erklärungen, mit live R-Output und animierten sowie interaktiven Grafiken zu mischen. So wird es möglich, statistische Ergebnisse zum Leben zu erwecken und während der Präsentation mit den Daten und Visualisierungen zu spielen.

Ein ganz ähnliches Problem lässt sich mit Jupyter Notebooks lösen. Diese ermöglichen es, interaktive Präsentationen zu halten, die Python-Code und Visualisierungen enthalten. Damit sind Jupyter Notebooks für all diejenigen interessant, die auch Programmcode (in erster Linie Python) präsentieren möchten.

Viel Auswahl – einfach mal experimentieren!

Wir ihr sehen könnt, gibt es eine ganze Menge Auswahl. Die richtige Präsentationssoftware zu finden ist sicherlich nicht einfach, sollte aber auch nicht zum Problem werden – der Inhalt, das ist wirklich wichtig, macht die Präsentation, nicht die Tools.

Der beste Ratschlag ist wohl der, einfach einmal ein paar der vorgestellten Werkzeuge auszuprobieren. Während viele der genannten Programme kostenlos sind, muss für andere ein wenig in die Tasche gegriffen werden. Das Gute: Es gibt fast immer kostenlose Testversionen, die man sich ganz unverfänglich einmal ansehen kann.

Wenn die richtige Software dann gefunden ist, muss nur die Präsentationtechnik verfeinert werden! Hier haben wir schon einmal ein paar Tipps und Tricks zusammengefasst!

Lasst uns wissen, welche tollen Tools wir vergessen haben! Welches ist dein Lieblingstool wenn es darum geht, eine frische Präsentation zu erstellen?

Dieser Artikel gehört zur Reihe „PowerPoint, Ludus, Prezi und Co.“

Teil 1: 5 Tipps für besseres Design in PowerPoint

Teil 2: Präsentationssoftware – Die wichtigsten Tools im Überblick

Teil 3: Vortrag, Referat oder Präsentation? Warum nicht einmal Prezi anstelle von PowerPoint!

Teil 4: Präsentation mit Ludus