Perspektiven: Zweitstudium – ist ein zweiter Bachelor sinnvoll?

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Der Bachelor ist geschafft, aber so wirklich glücklich ist man nicht. Vielleicht wollten eure Eltern unbedingt, dass ihr BWL anstelle von Linguistik studiert, oder es war eine Bauchentscheidung und jetzt habt ihr Angst, dass ihr mit Kunstgeschichte doch keinen vernünftigen Job findet – auch, wenn das Studium eigentlich ganz interessant war. So oder so muss eine Lösung her: Einfach damit leben oder vielleicht doch ein Zweitstudium antreten?


StudybeesPlus für WiWis

Was ist überhaupt ein Zweitstudium?

Ihr fragt euch an dieser Stelle vielleicht, was mit „Zweitstudium“ eigentlich gemeint ist. Schließlich wäre ein Master ja auch in „zweites Studium“ nach dem Bachelor – oder etwa nicht?

Von einem Zweitstudium spricht man, wenn einem Hochschulabschluss ein „grundständiges Studium“ folgt. Damit sind heutzutage eigentlich nur noch Bachelor gemeint – früher auch Diplom- und Magister-Studiengänge. Macht ihr einen Master – ob konsekutiv (nachfolgend) oder nicht – tretet ihr kein Zweitstudium an.

Wenn man sich fachlich umorientieren möchte, hat man aber auch oft nicht wirklich die Wahl – zwar gibt es nicht-konsekutive Master (also solche, die nichts mit dem erworbenen Bachelor zu tun haben), allerdings muss man für die meisten eben doch ein Studium im gleichen Fachbereich abgeschlossen haben und hat daher keine andere Wahl, als ein Zweitstudium anzutreten.

Die Zeit, die Zeit…

Einen zweiten Bachelor zu machen dauert. Das sind nämlich nochmal drei oder vier Jahre drauf und wenn man dann noch einen Master draufsetzen möchte, ist man beim Berufseinstieg eben erst Ende zwanzig oder gar Anfang dreißig. Aber wozu sollte man auch mit Anfang zwanzig schon ins Berufsleben einsteigen? Und dann vor allem in einem Fachbereich, der euch eigentlich gar nicht interessiert. Wer braucht denn sowas?

Ein zweiter Bachelor gibt euch aber nicht nur die Chance, euch fachlich umzuorientieren und eine Karriere einzuschlagen, die euch wirklich interessiert – ihr könnt außerdem die Zeit nutzen, Berufserfahrungen zu sammeln. Berufserfahrungen? Man muss sich doch aufs Studium konzentrieren! Und das sollte natürlich nicht vernachlässigt werden. Allerdings habt ihr jetzt in Punkto Nebenjobs & Co ganz andere Chancen. Ihr habt nämlich einen Hochschulabschluss in der Tasche! Wozu also Kellnern, wenn ihr schon einen Abschluss habt? Traut euch einfach was, und bewerbt euch für bessere Positionen.

Das ist aber noch lange nicht alles! Natürlich waren die Semesterferien eine tolle Gelegenheit, kleinere Reisen zu machen, zu entspannen und mal hier mal da was für die Uni zu machen. Wenn ihr euch allerdings sorgt, dass ihr zu Lange an der Uni seid, könntet ihr die Ferien doch für das Sammeln praktischer Erfahrungen nutzen. Stichwort: Praktika. Ein Praktikum kann man normalerweise von 2 Wochen bis zu 6 Monaten machen. Warum also nicht ein 8-wöchiges Praktikum in den Semesterferien? So könnt ihr später mit Berufserfahrung punkten und zwar trotz eurer langen Studienzeit.

Zweitstudium: das Zeitproblem

Wie funktioniert die Bewerbung?

Normalerweise muss man bei der Bewerbung für einen Bachelor das Abizeugnis einreichen – wie ist das aber beim Zweitstudium aus? Schließlich habt ihr zwar neben eurem Abitur auch einen Hochschulabschluss in der Tasche – muss man das angeben?

Leider: ja. Die Zulassung erfolgt hier normalerweise anhand von zwei zentralen Kriterien:

  • Note des ersten Hochschulabschlusses
  • Beweggründe für das Zweitstudium

Wenn ihr jetzt also im 4. Semester seid und eure Noten ein wenig so la la sind, solltet ihr spätestens jetzt in die Gänge kommen – oder einfach wechseln (dann zählt es nämlich gar nicht als Zweitstudium). Denn der Abschluss zählt – obwohl ihr doch unbedingt dieses Fach hinter euch lassen wollt!

Außerdem ist es wichtig, warum ihr ein Zweitstudium antreten möchtet. Vorab sei gesagt: „Interesse“ oder „Spaß am Studieren“ ist hier rein gar nichts wert. Bestenfalls habt ihr einen Berufswunsch, den ihr ohne beide Abschlüsse nicht verwirklichen könnt. Auch der Wunsch nach einer akademischen Karriere kann euch einen Platz auf ein Zweitstudium verschaffen.

Wie stehen eure Chancen?

Ehrlich gesagt, ganz so einfach ist es nicht. Denn bei den meisten Studiengängen werden nur 3% der Plätze für Bewerber freigehalten, die ein Zweitstudium antreten wollen. Das klingt jetzt erstmal schlimm, aber vergesst nicht, dass es auch deutlich weniger Bewerber für Zweit- als für Erststudienplätze gibt. Es ist also noch nicht alles verloren!

Das Auswahlsystem

Was sind denn jetzt „gute Gründe“ für ein Zweitstudium und wie wichtig sind die Noten aus meinem Erststudium? Zum Glück gibt es hierfür ein übersichtliches System, das von fast allen Unis genutzt wird.

Das Punktesystem:

  • Bachelornote: „ausgezeichnet“ bis „sehr gut“ (4 Punkte)
  • Bacherlonote: „gut“ bis „befriedigend“ (3 Punkte)
  • Bachelornote: „befriedigend“ (2 Punkte)
  • Bachelornote: „ausreichend“ (1 Punkt)
  • zwingend berufliche Gründe (9 Punkte)
  • wissenschaftliche Gründe (7 bis 11 Punkte)
  • besondere berufliche Gründe (7 Punkte)
  • sonstige berufliche Gründe (4 Punkte)
  • sonstige Gründe (1 Punkt)

Wie euch denken könnt, lautet hier die Devise: Je mehr Punkte, desto besser!

Was ist eigentlich ein guter Grund für ein Zweitstudium?

Jetzt habt ihr so einige Begriffe gehört: zwingende berufliche Gründe, besondere berufliche Gründe,… aber was bedeutet das überhaupt?

Zwingende berufliche Gründe bedeutet, dass ihr ohne euer Erst- und Zweitstudium den Beruf nicht ausüben könnt. Das wäre z.B. der Fall, wenn ihr eine Karriere als Kieferchirurg/in anstrebt und dafür ein Studium der Medizin und der Zahnmedizin vorweisen können müsst. Wenn ihr euch also für einen Bachelor in Internationaler Kommunikation bewerben wollt, müsst ihr euch hier keine Sorgen machen: kaum einem eurer Mitbewerber/innen wird es möglich sein, das als Grund anzugeben – es ist nämlich oftmals keiner.

Bewerbt ihr euch aus wissenschaftlichen Gründen für ein Zweitstudium bedeutet das, dass ihr eine Tätigkeit in Wissenschaft und Forschung anstrebt, die auf eurem Erststudium basiert und durch eine weitere Qualifikation in Form dieses Zweitstudiums verbessert werden kann.

Besondere berufliche Gründe unterscheiden sich in sofern von den zwingenden Gründen, dass das Zweitstudium zwar keine Grundvoraussetzung für die Ausübung des angestrebten Berufs darstellt, aber die Berufschancen dadurch deutlich verbessert werden würden. Hierbei solltet ihr beachten, dass das keinen Karrierewechsel meint! Das Zweitstudium ergänzt in diesem Fall das Erststudium.

Es liegen sonstige berufliche Gründe vor, wenn das Zweitstudium zwar keine sinnvolle Ergänzung an das Erststudium darstellt, allerdings aufgrund der beruflichen Situation zu bevorzugen ist. In gewisser Weise handelt es sich hierbei also um einen objektiv nachvollziehbaren Karrierewechsel.

Zuallerletzt kommen wir zu den sonstigen Gründen. Diese wählt ihr aus, wenn keiner der oben genannten Gründe euren Anreizen für die Aufnahme eines Zweitstudiums entspricht. Hier habt ihr wirklich nur dann Chancen, wenn es sonst kaum Zweitstudiumsbewerber geben.

Perspektiven und Berufsaussichten

Bin ich für ein Zweitstudium nicht zu alt? Wie kommt das bei Bewerbungsgesprächen rüber? Was, wenn ich mit meinem Zweitstudium doch keine besseren Berufschancen habe?

Diese Fragen kann man nicht allgemein beantworten. Aber lasst euch eines gesagt sein: Wenn ihr euren ersten Bachelor nicht erst mit Ende zwanzig angefangen habt, seid ihr auf keinen Fall zu alt, um euch akademisch weiterzubilden. Und selbst wenn ihr nach all euren Abschlüssen schon über 30 seid! Na und? Schließlich kommt es auf so viel mehr an: Habt ihr schon eine abgeschlossene Berufsausbildung? Oder vielleicht praktische Erfahrung z.B. in Form von Praktika gesammelt? Es gibt nicht den einen perfekten Lebenslauf!

Vielleicht ist euer Zweitstudium doch nicht die richtige Wahl. Was soll’s! Ihr habt ja immer noch euren ersten Bachelor, könnt euch für einen Master bewerben, und und und. Wenn ihr es nicht ausprobiert, ärgert ihr euch womöglich auf Ewig darüber, dass ihr in einer Branche feststeckt, die euch bloß langweilt.

Aber was, wenn man mich beim Bewerbungsgespräch fragt, warum das alles so lange gedauert habt? Wieso soll es denn schlecht sein, dass ihr viel Zeit in eure Bildung investiert habt? Ihr müsst euch nur richtig verkaufen können! Meistens ist es nämlich gar kein Manko, sondern ein Vorteil. Ihr konntet Einblicke in verschiedene Bereiche bekommen und steckt daher nicht bloß in einem Themengebiet fest wie so viele andere.

Zweitstudium: Bessere Berufsaussichten?

Alternativen

Natürlich muss es kein zweiter Bachelor sein. Es gibt auch nicht-konsekutive Master mit denen ihr euch umorientieren könnt. Aber auch Alternativen zum Studium selbst sind eine Option. Könntet ihr euren Traumjob vielleicht nach einer Ausbildung ausüben? Euch selbstständig machen? Berufserfahrung auf anderen Wegen sammeln?

Es gibt viele Wege zum Erfolg und ein 0815-Bachelor-Master-Studium ist nur einer von vielen.

Fazit

Ob ein Zweitstudium das Richtige für euch ist, könnt nur ihr entscheiden – ob ihr zu einem zugelassen werdet entscheidet die Uni. Daher solltet ihr euch auf jeden Fall rechtzeitig informieren, wenn ihr mit dem Gedanken spielt, einen zweiten Bachelor zu machen. Außerdem solltet ihr nicht vergessen, euch mehrere Möglichkeiten offen zu halten. Bewerbt euch auch für einen Master – vielleicht findet ihr eine Nische in eurem Fach, die euch doch zusagt. Und auch bei den Bachelorbewerbungen solltet ihr nicht allzu wählerisch sein – versucht es an mehr als nur zwei, drei Hochschulen, denn mit jeder Bewerbung steigen eure Zulassungschancen.

Lasst euch also nicht einreden, ihr wärt zu alt, um euch nochmal umzuorientieren – besser jetzt, als in 20 Jahren! Und wer weiß, vielleicht landet ihr so ja auch noch euren Traumjob.

Wenn ihr eure Noten auf die Schnelle noch ein bisschen aufpolieren wollt, könnt ihr ja mal bei unseren Crashkursen vorbeischauen. So könnt ihr noch den ein oder anderen Punkt für das Zulassungssystem des Zweitstudiums sammeln.

Mehr?  5 No-Gos im Bewerbungsgespräch