Nach dem Abi zuhause bleiben oder ab in die Ferne

Für viele bedeutet die Abiphase Stress, Stress und nochmal Stress. Umso besser, wenn man wenigstens zuhause seine Ruhe hat und Mama sich um alles kümmert: Wäsche waschen, kochen und den Müll rausbringen. Gerade für die, die immer zuhause gewohnt haben und sich im Hotel Mama verwöhnen ließen, stellt sich oft die Frage: Nach dem Abi zuhause bleiben oder ab in die Ferne? Das ist eine Frage, die sich gar nicht so leicht beantworten lässt. Immerhin hat beides seine Vor-und Nachteile.

Manchen wird die Entscheidung gleich zu Beginn von äußeren Umständen abgenommen: Kleinstadt ohne Uni in der Nähe oder Ausbildungsstätten ohne Übernahmechancen zwingen junge Abiturienten meist zum Umzug. Was ist aber mit denen, denen die Wahl offen steht? Sollte man lieber in der Heimat bleiben oder doch hinaus in die weite Welt ziehen? Und muss es unbedingt eine richtige Studentenstadt sein? Kann man so pauschal natürlich nicht sagen. Für jeden gibt es eine andere, bestmögliche Lösung. Das Wichtige ist nur, sich ausreichend mit dem Für und Wider zu beschäftigen. Falls ihr euch gerade unsicher seid, woran ihr alles denken müsst und Angst habt, etwas zu vergessen: Nicht verzagen! Wir helfen euch, die richtige Entscheidung zu treffen.

Was will ich eigentlich?

Was will ich eigentlich? Nach dem Abi zuhause bleiben oder ab in die Ferne? Diese Fragen stellen sich junge Abiturienten leider nicht oft genug. Wenn alle Freunde in die Ferne ziehen zum Studieren: Will man nicht der eine uncoole Typ sein, der zuhause bei Mama bleibt und geht eben auch. Bleiben hingegen alle hier: Will man nicht der eine schickimicki Typ sein, der die anderen zurücklässt um in die Großstadt zu ziehen. Schade eigentlich! Immerhin solltet ihr selbst entscheiden, was ihr wollt und vor allem: Wo das ist! Wenn ihr wirklich glücklich mit eurem Studium werden wollt, solltet ihr einzig und allein auf eure Wünsche achten. Damit dabei aber nichts schief geht: Seid ehrlich zu euch und überdenkt zunächst einmal ein paar grundlegende Fragen:

  • Wie wichtig ist euch regelmäßiger Kontakt zu eurer Familie? Natürlich gibt es sowas wie Telefonieren oder Skypen, das ist allerdings nicht das gleiche, wie wenn ihr direkt mit euren Eltern am Küchentisch sitzt. Macht euch also vorher schon klar: Je weiter ihr von daheim weggeht, umso seltener werdet ihr nachhause kommen.
  • Wie verbunden fühlt ihr euch mit eurer Heimat? Natürlich gibt es überall schöne Orte in Deutschland, zuhause ist es aber für die meisten zu Hause am schönsten. Seid ihr also bereit dafür, euch auf eine neue Umgebung einzulassen, die vielleicht ganz anders ist als ihr es gewohnt seid? Denkt daran: Aldi Süd und Aldi Nord bieten nicht die gleichen Produkte an.
  • Wie viel Geld steht euch monatlich zur Verfügung? Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Mieten und die Lebenshaltungskosten in Ostdeutschland meistens deutlich günstiger sind als anderswo. Überlegt euch also im Vorfeld: Ist ein Studium in Großstädten wie Frankfurt, München oder Köln überhaupt finanzierbar?
  • Was erfordert euer Studienwunsch? Mal ganz abgesehen davon, dass nicht jede Uni alles anbietet. Manche Studiengänge bringen einem nicht überall das Gleiche. Wer beispielsweise die sorbische Sprache studiert, muss dafür nicht nach Bayern ziehen. Wer hingegen groß in den Finanzmarkt einsteigen will, sollte sich durchaus in Richtung Frankfurt am Main orientieren. Recherchiert frühzeitig: Wo kann man das Fach studieren und wo hat man damit die besten Berufschancen!

Nach dem Abi zuhause bleiben

Nach dem Abi zuhause bleiben ist für viele eine schöne Sache. Nicht nur, dass man so bei der Familie bleiben kann, auch die Freunde und das ganze Umfeld bleiben erhalten. Natürlich gehört auch ein bisschen Glück dazu: Wenn alle um einen herum weggehen, ist das Umfeld natürlich auch im Wandel. Trotzdem ist es etwas anderes, an einem Ort aufgewachsen zu oder sich nochmal gänzlich neu einleben zu müssen. Das ist aber nicht alles. Es gibt noch viel mehr gute Gründe zuhause zu bleiben:

Vorteile:

  • Es fallen keine Umzugskosten an. Während andere im Großstadtsdschungel nach WG-Zimmern suchen, sitzt ihr entspannt zuhause auf der Couch.
  • Auch bei den Fahrtkosten zu den Eltern kann man sparen. Überteuerte Zugfahrten und hohe Spritkosten gehören nicht mehr zu euren Problemen.
  • Das elterliche Zuhause bietet euch zudem oft mehr Platz für Möbel und Klamotten, als euch in Wohnheimen, WG-Zimmern und Co. zur Verfügung stehen.
  • Dort erlebt ihr dann auch keine bösen Überraschungen mit euren Mitbewohnern (anstrengende Eltern ausgenommen). Niemand der plötzlich seine Miete nicht mehr zahlt oder den Badputz zum 10. Mal vor sich herschiebt.
  • Und ihr müsst den Haushalt nicht selber führen. Die Chancen stehen zuhause ganz gut, dass jemand das Kochen, Waschen und Einkaufen übernimmt. Mithilfe schadet jedoch nicht.
  • Für all den Luxus braucht ihr außerdem nicht mal eine eigenen Versicherung wie beispielsweise eine Hausratsversicherung abschließen.
  • Kurzum spart ihr viel Zeit und Geld. Normalerweise verlangen eure Eltern keine Miete von euch und auch den ganzen Stress für Wohnungssuche und Co. könnt ihr so umgehen.

Nachteile:

  • Zuhause ist es eher schwierig, sich unabhängig zu entwickeln. Da es das Haus eurer Eltern ist, gelten nach wie vor ihre Regeln.
  • Ihr lernt dadurch natürlich auch nur schwer, wie es ist, einen eigenen Haushalt zu führen oder mit dem Geld haushalten zu müssen. Je früher man auszieht, umso leichter fällt es, seinen eigenen Lebensstandard zu finden.
  • Eventuell müsst ihr auch mit Mitte 20 noch damit rechnen, dass Mutti sich in euer Privatleben einmischt. Saufgelage oder romantische Abende zu zweit werden eine Herausforderung.
  • Euer Bafög-Anspruch bei den Eltern sinkt logischerweise drastisch nach unten. Wenn ihr also von euren Eltern kaum Taschengeld kriegt, werdet ihr um einen Nebenjob wohl nicht herumkommen.
  • In den seltensten Fällen ist euer Elternhaus direkt in einer Unistadt. Somit fallen hier also tägliche Pendelkosten an. Je nach Entfernung reicht hier vielleicht ein Busticket, bei längeren Strecken seid ihr aber vielleicht auch auf ein Auto angewiesen.
Nach dem Abi zuhause bleiben ELternhaus

Nach dem Abi ab in die Ferne

Auf der anderen Seite gibt es aber natürlich auch immer wieder viele, für die “Nach dem Abi zuhause bleiben” keine Option ist und die lieber in die Ferne schweifen; zum Teil bis ans andere Ende Deutschlands. Dabei hat dieser komplette Wandel viel mehr in sich als bloß ein neues Umfeld und Abstand zur Familie. Es braucht ein bisschen Abenteuerlust und Mut, völlig auf sich allein gestellt in eine neue Stadt zu ziehen. Dabei gibt es durchaus einige gute Gründe, warum es weit weg von zuhause sehr schön sein kann:

Vorteile:

  • Der Abstand zu Familie und Freunden wird euch gut tun. Man weiß die Beziehungen danach viel mehr zu schätzen und merkt erst so richtig, wer die wirklichen Freunde sind. Mit denen hat man nämlich auch nach seinem Umzug noch Kontakt.
  • Wenn man diese Angst erstmal verliert, ist man auch gleich viel offener, was die Uni-Wahl angeht. Wenn man weiß, dass die Freunde einem erhalten bleiben, kommen auch entfernte Unis in die engere Wahl.
  • Ein Umzug hat dabei den Vorteil, dass man nicht täglich hin und her pendeln muss. Der Weg zur Uni verkürzt sich und die gewonnene Zeit kann man sinnvoll nutzen und ausschlafen.
  • Wer nicht mehr zuhause wohnt, bekommt außerdem mehr Bafög. Das nimmt euch den Druck, unbedingt neben dem Studium einen Nebenjob haben zu müssen.
  • Und hat den Vorteil, dass ihr euch ein WG-oder Wohnheimzimmer leisten könnt. Dadurch entwickeln sich meist die besten Freundschaften mit Mitbewohnern und Kommilitonen. Stichwort: Flur- und Hauspartys!
  • Nicht zuletzt wird man zweifelsohne durch all das auch als Mensch selbstständiger. Mit einem eigenen Haushalt kommen nämlich auch die eigenen Entscheidungen. Beispielsweise darüber, ob die fünfte Tafel Schokolade in einer Woche wirklich noch sein muss.

Nachteile:

  • Ein Haushalt führt sich nicht von allein. Müll rausbringen, Wäsche waschen und Essen kochen gehören also zum Alltag dazu, auch wenn der Uni-Tag vielleicht lang war.
  • Auch die organisatorischen Belange lösen sich nicht in Luft auf, wenn man sie nur lang genug ignoriert. Rechnungen begleichen, Miete überweisen und Versicherungen abschließen übernimmt dann niemand mehr für einen.
  • Von den zusätzlichen Kosten ganz zu schweigen. Es fallen dann eben Miete, Strom, Internet, Rundfunkbeitrag usw. an. Das Geld muss man dann monatlich haben, auch wenn das heißt, auf etwas anderes zu verzichten.
  • Bis es soweit ist, muss man logischerweise erstmal eine Wohnung finden. Gerade in den Großstädten kann das eine echte Tortur sein, bei der man etliche Absagen später viele Nerven (und oft auch viel Geld) verloren hat.
  • Wenn es dann nur eine kleine WG oder ein Wohnheimzimmer geworden ist, hat man nicht nur wenig Platz für viel Geld. Meistens sind auch Haustiere dort aufgrund des Platzes nicht gern gesehen.
Nach dem Abi zuhause bleiben Großstadt

Fazit:

Es ist wie immer im Leben: Alles hat seine Vor- und Nachteile. Pauschal lässt sich nicht sagen, was am besten ist: Nach dem Abi zuhause bleiben oder lieber in die Ferne. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er seine Prioritäten setzt und worauf er bei seinem Studentenleben Wert legt. Für mich persönlich war “Nach dem Abi zuhause bleiben” keine Option. Daher habe ich mich für ein Studium in der Ferne entschieden. Einfach, weil ich aus meinem kleinen Kuhdorf raus wollte und es sowieso keine Uni in der Nähe gegeben hätte. Andererseits kenne ich auch viele meiner ehemaligen Klassenkameraden, die in der Heimat geblieben sind und es nicht bereut haben.

Wie auch immer ihr euch entscheidet: Brecht die Entscheidung nicht übers Knie. Lasst euch Zeit und redet mit Familie und Freunden. Dabei sollt ihr euch keinesfalls reinreden oder eine Wahl aufzwingen lassen. Gerade aber die finanziellen Aspekte solltet ihr trotzdem mit euren Eltern abklären. Es nützt niemandem etwas, wenn ihr einen teuren Umzug auf euch nehmt, nur um dann drei Monate später festzustellen, dass München einfach nicht eure Preisklasse ist.

Es gibt bei so wichtigen Entscheidungen ohne Frage immer viel zu berücksichtigen und überdenken. Wir hoffen, dass wir euch mit unseren Tipps ein bisschen helfen und euch so auf die Zeit nach dem Abitur vorbereiten konnten. Falls bis zu eurem Umzug jedoch noch viel Zeit ist und erstmal die Abi-Prüfungen anstehen: Kein Problem! Falls ihr auch dafür noch etwas Unterstützung sucht, schaut doch einfach mal bei unserem Artikel zur Abi-Vorbereitung und den Abikursen von Studybees vorbei.