Mitschreiben mal anders – Sketchnotes

Mitschreiben mal anders – Sketchnotes

Seit einiger Zeit sieht man immer häufiger Menschen, die ihre Notizen und Mitschriebe (zum Beispiel in der Vorlesung) in Form von, mal mehr, mal weniger, anspruchsvollen Zeichnungen und Skizzen anfertigen. Die Rede ist von sogenannten Sketchnotes – visuellen Geschichten beziehungsweise illustrierten Notizen.

Entstanden ist das Ganze, so erzählt zumindest Mike Rohde – einer der Sketchnotes-Begründer – die Geschichte, aus Frustration über das traditionelle, langweilige Mitschreiben. Man schafft es nicht, alles mitzuschreiben, die Notizen werden unübersichtlich und am Ende schaut man sich diese sowieso nie wieder an. Die ganzen Ordner voller Uni-Notizen im Schrank unterstreichen dieses Argument…


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Seine Lösung? Den großen Textblock, die Bleiwüste, überwinden und die Notizen in Form von Skizzen anfertigen und dabei einfach einmal ein bisschen kreativ werden.

Bei Sketchnotes geht es schlichtweg darum, Bild und Text zu kombinieren und so visuell ansprechende Mitschriften und Notizen zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, besonders schön zu zeichnen, sondern vielmehr darum, Inhalte und Gedanken in Form eines Sketchs so anzuordnen, dass man später etwas damit anfangen kann.

Dabei sind Sketchnotes ein sehr individueller Prozess. Manche arbeiten sehr stark mit angeordnetem Text in verschiedenen Schriftarten, andere bevorzugen es, kleine Bilchen zu zeichnen, die beim Merken und Erklären helfen.

Intuitiv macht es ja sehr viel Sinn, die eigenen Notizen grafisch aufzuhübschen. Man kennt das ja, sobald die Vorlesung langweilig wird, fängt man an auf dem Block rumzukritzeln – Malen macht Spaß, auch wenn man es nicht wirklich kann.

Doch nicht nur aus Gründen der Motivation machen Sketchnotes Sinn:

  • Ideen visuell anzuordnen hilft dabei, die eigenen Gedanken zu ordnen (ein bisschen wie beim Mindmapping).
  • Beim Sketchnoting ist man (kognitiv und motorisch) aktiver als beim simplen Mitschreiben – das hilft beim Lernen!
  • Sketchnotes zwingen dich, wie oben angedeutet, zum multisensorischen Lernen. Du musst zuhören, mitschreiben, visualisieren und das Ganze auch noch mit dem Stift (oder dem Tablet) zu Papier bringen. Besonders anspruchsvoll, und damit auch spannend fürs Gehirn, wird das Ganze, wenn du eine ‚Geschichte‘ erzählst.

Ursprünglich wurden Sketchnotes vor allem dazu verwendet, in Vorträgen, Sitzungen und Seminaren mitzuschreiben. Es spricht aber natürlich auch nichts dagegen, eigene Texte als Sketchnotes zu planen oder die nächste Präsentation in der Vorbereitung als Sketchnotes anzufertigen. Ganz mutige präsentieren am Ende auch einfach direkt mit ihrer (digitalen) Sketchnotes-Sammlung.

Ein Sketchnotes-Beispiel

Ein paar Tipps für gute Sketchnotes

Grundsätzlich braucht man für das Sketchnoting nicht viel – ein paar Blätter Papier und ein Stift. Alternativ kann man natürlich auch ganz wunderbar mit einem Tablet und einer entsprechenden Zeichenapp arbeiten – das bleibt aber dir überlassen.

„Es geht nicht um Kunst, sondern um Kommunikation!“ @pheminific

Im Grunde könnte es jetzt schon losgehen, aber diese fünf Tipps werden dir dabei helfen, schneller zum Ziel zu kommen:

  1. Als erstes solltest du deinen Perfektionismus abschalten! Wenn du den Anspruch an dich hast, dass jede Zeichnung perfekt wird, wirst du unglücklich werden. Darum geht es ja aber auch gar nicht, denn Skizzieren ist nicht Malen!
  2. Zu Beginn sollte man klein anfangen und nicht direkt das große Meisterwerk anstreben. Ein guter Start kann zum Beispiel ein strukturierter Text sein, der mit ein paar kleinen Pfeilen oder Symbolen versehen wird.
  3. Für den Anfang eines Referates oder einer Vorlesung wird oft die Struktur schon grob vorweggenommen. Es kann daher wirklich hilfreich sein, die grobe Struktur schon früh grob auf dem Papier zu skizzieren.
  4. Es gibt einige Standardelemente, die man immer wieder braucht – Boxen, Pfeile, Linien, Aufzählungszeichen, Pfeile, Diagramme, Symbole und Strichmännchen.
  5. Besonders spannend wird es, man es schafft die einzelnen Elemente mit einem roten Faden zu verbinden und eine Geschichte zu erzählen. Geschichten machen nicht nur Laune, sondern lassen sich auch besser merken!

Davon abgesehen ist es wichtig, keine Angst davor zu haben, etwas beim Mitschreiben zu verpassen. Das Ziel des Sketchnoting ist es nicht, ein Transkript zu haben, sondern eine Gedächtnisstütze, die man gerne wieder anschaut! Das funktioniert übrigens auch in mathematiklastigen Vorlesungen – hier kann man z.B. wunderbar wichtige Formeln hervorheben und diese mit Grafiken verbinden.

Von anderen lernen

Auf der re:publica gibt es seit ein paar Jahren immer eine schöne Einführung in das Sketchnoting. Glücklicherweise gibt es den Spaß auch auf YouTube. Wer jetzt also Lust hat, kann sich hier in rund einer Stunde zeigen lassen, wie man schnell tolle Zeichnungen (nicht wie unsere) anfertigen kann:

Davon abgesehen ist die Sketchnoting-Community wirklich groß. Wer Inspiration sucht, sollte einfach einmal bei Pinterest, Instagram und Co. Nach Sketchnoting suchen – ihr werdet erstaunt sein, was für krasse Sachen manche Menschen zu Papier bringen!

Dieser Artikel gehört zu unserer Reihe „Tipps und Tricks für Vorlesungen“:

Teil 1:  5 gute Gründe, doch in die Vorlesung zu gehen

Teil 2:  7 Tipps, um in der Vorlesung nicht einzuschlafen

Teil 3: 10 Dinge, die man während einer Vorlesung tun kann

Teil 4: 5 Tipps, um sich in der Vorlesung besser konzentrieren zu können

Teil 5: Bessere Mitschriebe und Notizen? Das Cornell-System

Teil 6: Mitschreiben mal anders – Sketchnotes

Teil 7:  So nutzt du die Vorlesung optimal

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