Medizinstudium im Ausland – Vor- und Nachteile

medizinstudium im ausland

Wer in Deutschland Medizin studieren möchte, der muss sich auf eines gefasst machen: überdurchschnittliche hohe NCs. Da Medizin eines der beliebtesten Studienfächer ist, bewerben sich auch jedes Jahr sehr viele junge Menschen darauf. Zu viele. Die Studienplätze, die für Medizin angeboten werden, reichen einfach nicht aus und somit scheitern viele schon bei der Abiturnote. Denn wenn der Abiturschnitt über 1,2 liegt, wird es für viele schon eng. Ein weiteres Übel sind die Wartesemester, die man dafür in Kauf nehmen muss. In Medizin können die bereits bei 7 Semestern liegen. Zeit sich also einen alternativen Weg auszudenken, damit das mit dem Medizinstudium doch noch zeitlich klappt.

Viele angehende Medizinstudenten überlegen sich, vorher eine Ausbildung zu absolvieren. Keine schlechte Idee, denn somit wird bereits Erfahrung in dem Bereich gesammelt und man hat bessere Chancen beim nächsten Versuch ins Studium aufgenommen zu werden. Auch ein Vorsemester in Medizin macht Sinn und kann vielen den Studienstart ermöglichen. Doch es gibt noch eine weitere Alternative: Ein Medizinstudium im Ausland. Das bringt einige Vorteile mit sich und selbst nach dem Studium verläuft der Berufseinstieg in Deutschland meistens problemlos. Wir haben euch einige Vor- und Nachteile aufgezählt, die so ein Auslandsstudium mit sich bringt und zeigen euch, welche Länder dafür in Frage kommen!

Vorteile eines Medizinstudiums im Ausland

Wer sich unsicher ist, ins Ausland zu gehen, um dort Medizin zu studieren, sollte sich über die zahlreichen Vorteile bewusst sein, die ein Auslandsstudium hat. Natürlich ist der Schritt, den man dabei wagt, ein sehr großer und sollte nicht unterschätzt werden. Doch wer seinen Traumstudiengang nicht aufgeben will und in Deutschland keine Chancen sieht, sollte auf jeden Fall darüber nachdenken, ins Ausland zu gehen. Hier sind einige Vorteile für euch aufgelistet, die ihr euch in Erinnerung rufen könnt, wenn ihr mit dem Gedanken spielt, ein Medizinstudium im Ausland zu beginnen.


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Keine NCs

Jeder Abiturient, der in Deutschland Medizin studieren will, sollte wissen, dass man dafür auch sehr gute Noten braucht. Da sich jedes Jahr leider viel mehr Bewerber um einen Studienplatz in Medizin bemühen, als eigentlich Plätze vorhanden sind, kommt es immer wieder zu überdurchschnittlich hohen NCs. Selbst diejenigen, die einen Abiturschnitt über 1,5 haben, sehen sich in der Not und müssen sich einen Alternativplan ausdenken. Kaum ein anderes Land achtet bei Medizin so sehr auf die Abiturnoten als Deutschland. Da ist es also eine gute Nachricht, dass das bei anderen Ländern nicht der Fall ist.

Denn im Ausland gibt es für Medizin keinen Numerus Clausus. Dort gelten andere Zulassungsbedingungen wie Aufnahmetests oder persönliche Gespräche. Der HAM-Nat und TMS zählen im Ausland übrigens nicht. Wer hier also ein schlechtes Ergebnis erzielt hat, der braucht sich keine Sorgen machen. Auch gut: In manchen Ländern werden zwar andere medizinische Tests vor dem Studium verlangt, doch die können meistens öfter wiederholt werden, was beim TMS nicht der Fall ist.

Durch den nicht vorhandenen Numerus Clausus fallen im Ausland auch die langen Wartesemester weg. Während man in Deutschland bis jetzt bis zu 3-4 Jahren warten musste, um überhaupt mit dem Studium zu beginnen, kann man in anderen Ländern schneller anfangen und muss nicht endlos lange warten. Wer sich also schon keine guten Chancen in Deutschland ausrechnet, sollte sich überlegen, in ein anderes Land zu gehen. Denn dort geht es schneller und man muss sich keine Alternativpläne für die langen Wartezeiten überlegen.

Anerkennung ist kein Problem

Diejenigen, die sich Sorgen über die Anerkennung eines ausländischen Abschlusses in Medizin machen, können ruhig aufatmen. Denn ein medizinischer Abschluss im Ausland ist in Deutschland voll anerkannt. Das heißt, dass ihr ohne Probleme nicht nur hier praktizieren könnt, sondern auch im Ausland! Vor allem bei europäischen Ländern ist die Anerkennung kein Problem. Solltet ihr also euren Abschluss in der Tasche haben, müsst ihr in Deutschland nur noch die Approbation beantragen. Bei europäischen Abschlüssen kommen meistens keine Probleme auf euch zu, bei anderen Abschlüssen ist das jedoch nicht gewährt. So kann es vorkommen, dass ihr noch eine Zusatzprüfung ablegen müsst, damit ihr eure Approbation erhält und in Deutschland praktizieren dürft.

Wer sich dennoch nicht sicher ist, ob der gewählte Studiengang im Ausland auch wirklich anerkannt wird, kann sich bei der Bundesärzteverordnung informieren. Doch grundsätzlich gilt, dass Absolventen einer europäischen Universität auch in Deutschland ihre Zulassung erhalten.

Gute Qualität

In Deutschland sind medizinische Studiengänge meistens von bester Qualität. Doch wie sieht das im Ausland aus? Genauso! Denn viele Universitäten wissen, dass deutsche Studienanfänger ins Ausland gehen, um dort Medizin zu studieren, und bieten demnach ihre Kurse auf Englisch an. Außerdem arbeiten viele Universitäten im Ausland mit inländischen privaten Hochschulen zusammen. Somit besteht die Möglichkeit, zum Beispiel den theoretischen Teil im Ausland zu machen und den klinischen Teil an einer deutschen Hochschule zu absolvieren. Wer sich also den Kopf darüber zerbricht, ob ausländische Universitäten auch gute Qualität in Medizin vorweisen können, der kann beruhigt sein.

Quereinstieg möglich

Falls ihr euren Abschluss nicht im Ausland machen wollt, könnt ihr es zu jeder Zeit als Quereinsteiger in Deutschland versuchen. Je höher das Fachsemester, desto besser. Denn im Studium gibt es immer welche, die irgendwann merken, dass ihnen das Fach doch nicht liegt oder es werden einfach welche aussortiert, die durch Prüfungen fallen. Die Plätze werden somit frei und können von anderen besetzt werden. Daher bietet es sich an, nach ein paar Semestern im Ausland wieder ins Inland zurückzukehren und als Quereinsteiger im Medizinstudium anzufangen. Die Inhalte werden sich nicht großartig unterscheiden, daher verpasst ihr nicht viel und müsst nicht so viel nachholen.

Allerdings kann es passieren, dass ihr ein paar Kurse aufholen müsst. Denn manchmal werden nicht alle Scheine angerechnet, daher solltet ihr vorher gut bei eurer Universität informieren, welche Veranstaltungen auch wirklich angerechnet werden und welche nicht. Leider kommt es auch oft vor, dass deutsche Universitäten lieber inländische Quereinsteiger bevorzugen, anstelle von denjenigen, die im Ausland studiert haben. Aber wie heißt es so schön – Versuchen schadet nie!

Entwicklung der Persönlichkeit

Ein Medizinstudium im Ausland zu wagen, ist ein sehr großer und mutiger Schritt. In Deutschland könnt ihr euch gemütlich eine Stadt in eurer Nähe aussuchen oder einfach noch bei euren Eltern zuhause wohnen. Im Ausland seid ihr viel weiter entfernt von zuhause und seid zum ersten Mal völlig auf euch allein gestellt. Dadurch lernt ihr was es heißt, selbstständig zu sein und trainiert euch einige Soft Skills an. Ihr müsst in einer fremden Stadt zurechtkommen und je nachdem wo ihr studiert, auch die Landessprache irgendwie beherrschen. Dafür werdet ihr zum Schluss reichlich belohnt, denn ein ausländischer Abschluss wird immer hoch angesehen.

Darüber hinaus taucht ihr in fremde Kulturen ein und könnt euch somit weiterbilden. Somit könnt ihr aus eurer Komfortzone ausbrechen und schaut über euren Tellerrand hinaus. Ein Auslandsaufenthalt ist immer eine gute Erfahrung und wird mittlerweile von vielen Arbeitgebern vorausgesetzt. Wer ein Auslandsstudium in Medizin absolviert, lernt also nicht nur interessante medizinische Fakten, sondern auch ein ganzes Stück über das fremde Land! Und wer weiß – vielleicht gefällt es euch so gut dort, dass ihr am liebsten dort bleiben wollt.

Nachteile eines Medizinstudiums im Ausland

Neben den vielen Vorteilen, welches ein Medizinstudium im Ausland so mit sich bringt, gibt es leider auch einige Nachteile. Denn auch wenn es als eine gute Idee scheint, die Wartezeiten zu umgehen und sich nicht über den NC Sorgen zu machen, so muss man sich bei einem Auslandsaufenthalt um andere Dinge kümmern.

Kosten

Die Kosten eines Auslandsstudiums in Medizin sollten auf keinen Fall unterschätzt werden. In Deutschland müsst ihr zum Glück keine Studiengebühren zahlen, sondern nur einen Semesterbeitrag, der in der Regel nicht allzu hoch ist. Im Ausland ist das allerdings andern. Denn dort fallen an vielen Universitäten immer noch sehr hohe Studiengebühren an. Wer zum Bespiel in die USA möchte, kann mit Studiengebühren über 10.000 Euro rechnen. An den Ivy-League Schulen, wie Havard oder Princeton können es schon mal über 50.000 Euro sein. Aber auch in Europa sind die Kosten nicht gerade niedrig. In England kostet ein Studium bis zu 9.000 Pfund. Auch in osteuropäischen Ländern sind die Studiengebühren meistens hoch, die Lebenshaltungskosten dafür aber ziemlich niedrig. Wer nach Österreich geht, hat Glück – dort sind Studiengebühren nicht vorhanden!

Wer nicht stinkreich ist, braucht also eine geeignete Finanzierung. Hierfür eignen sich Kredite oder Stipendien. Der DAAD vergibt einige Finanzierungsmöglichkeiten und auch die ausländischen Universitäten bieten viele Stipendien für internationale Studierende an. Ihr solltet euch also vorher dringend informieren, denn viele Stipendien haben eine Bewerbungsfrist von einem Jahr.

Sprachbarrieren

Die meisten medizinischen Studiengänge im Ausland sind zwar auf Englisch gehalten, aber dazu kommt die jeweilige Landessprache, die ihr irgendwie ein wenig beherrschen solltet, um euch zu verständigen. In englischsprachigen Ländern ist das wohl kein Problem, doch in anderen Ländern, wie Spanien, Italien oder Russland, kann das zu einem Problem werden.

Dazu kommt, dass viele Universitäten zwar den theoretischen Teil auf Englisch halten, aber im klinischen Teil einen Nachweis über die Landessprache verlangen. Daher solltet ihr neben dem Studium noch Sprachkurse belegen, damit ihr die Sprache auch anwenden könnt. Wer auf Nummer sicher gehen will, der kann nach England oder Österreich gehen. Auch Ungarn ist eine gute Option, da dort sogar Medizin auf Deutsch angeboten wird.

Aufnahmebedingungen

Zwar fallen an den meisten ausländischen Universitäten die NCs weg, aber das heißt nicht, dass es dort keine anderen Zulassungsbedingungen gibt. Viele Universitäten verlangen schwierige Aufnahmetests und führen persönliche Auswahlgespräche. Das kann zum einen natürlich gut sein, da hier viel mehr Wert auf Persönlichkeit gelegt wird, doch wer es vergeigt, kann das Medizinstudium im Ausland vergessen. Die Aufnahmebedingungen sind von Land zu Land unterschiedlich, daher ist es wirklich wichtig, dass ihr euch im Vorfeld darüber auf den Websites informiert!

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An welchen Universitäten im Ausland kann man Medizin studieren?

Um euch ein wenig bei der Auswahl zu helfen, haben wir einige Länder und ihre Universitäten aufgezählt, in denen ihr Medizin studieren könnt. Natürlich gibt es noch weitere Länder in der EU und auch die weit entfernten Länder wie die USA, Kanada, Australien oder China solltet ihr nicht vergessen.

Spanien

  • Universidad Europea
  • Universidad Cardenal Herrera
  • Universidad International de Catalunya

Bulgarien

  • Medical University-Sofia
  • Medizinische Universität Pleven
  • Medizinische Universität Plovidv
  • Medizinische Universität Varna

Italien

  • Universität La Sapienza
  • Universität Mailand
  • Universität Pavia

England

  • University of Cambridge
  • Oxford University

Ungarn

  • Semmelweis Universität
  • Universität Szeged
  • Universität Pécs

Österreich

  • Universität Innsbruck
  • Universität Graz
  • Universität Wien
  • Universität Linz

Tschechien

  • Universität Masaryk
  • Karlsuniversität in Prag
  • Universität Palacky

Slowakei

  • Comenius Universität
  • Medizinische Fakultät Jessinius
  • Universität Pavol Jozef Afárik

Niederlande

  • Universität Groningen
  • Universität Maastricht

Rumänien

  • Universität Cluj
  • Universität Oradea
  • Universität Timisoara
  • Universität Carol Davila Jasi

Kroatien

  • Universität Split
  • Universität Zagreb
  • Universität Rijeka

Lettland

  • Universität Riga Stradins
  • Universität Latvia

Polen

  • Pommersche Medizinische Universität Stettin
  • Universität Breslau
  • Universität Lodz
  • Universität Bialystok
  • Universität Lublin
  • Universität Krakau
  • Universität Olsztyn

Fazit

Ein Medizinstudium im Ausland bringt euch ziemlich viele Vorteile. Ihr könnt die langen Wartezeiten umgehen und könnt dieselbe Qualität des Studiengangs genießen wie im Inland. Doch dafür ist so ein Auslandsstudium mit hohen Kostenverbunden. Zwar können die Lebenshaltungskosten in manchen Ländern gering sein, doch fast alle ausländischen Universitäten verlangen noch Studiengebühren. Und die sind für internationale Studierende meistens teurer. Wer trotzdem den Sprung wagen will und finanziell abgesichert ist, kann sich ein interessantes Land zum Studieren aussuchen!

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