Medizinstudium bei der Bundeswehr

Bundeswehr

Jaja, das Medizinstudium. So manche Abiturienten bekommen bei dem Gedanken Bauchschmerzen – denn häufig liegt der große Traum in kaum erreichbarer Ferne. Viele Konkurrenten und ein hoher NC machen es Bewerbern, die ihr Abitur nicht mit der Traumnote 1,0 abgelegt haben, fast unmöglich, einen der begehrten Studienplätze zu ergattern. Auch Medizinertest und HAM-Nat können da nicht immer weiterhelfen. Doch es gibt noch eine andere Alternative. Die Bundeswehr bietet jedes Jahr 250 Studienplätze für künftige Medizinstudenten an. Doch auch das ist gar nicht ohne. Um einen dieser Studienplätze zu ergattern, muss man einige Voraussetzungen erfüllen, sowie Verpflichtungen einhalten. Wie genau das Medizinstudium bei der Bundeswehr abläuft, erklären wir euch hier!

Voraussetzungen für ein Studium bei der Bundeswehr

Anders als beim gewöhnlichen Medizinstudium muss man hier mit einem 2er-Schnitt nicht unbedingt den Kopf hängen lassen. Erfahrungsgemäß haben auch Abiturienten mit einem Schnitt bis 2,5 eine gute Chance auf einen Studienplatz, sofern sie die anderen Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören neben dem bestandenen Abitur auch einige allgemeine und persönliche Vorgaben, wie:

  • Der Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft
  • Die Bereitschaft, sich bundesweit versetzen zu lassen
  • Die Bereitschaft, auch an Auslandseinsätzen der Bundeswehr teilzunehmen
  • Die Bereitwilligkeit, sich für 17 Jahre bei der Bundeswehr verpflichten zu lassen

Zudem gibt es ein offizielles Aufnahmeverfahren, das Bewerber erfolgreich absolvieren müssen, um einen Studienplatz bei der Bundeswehr zu erhalten. Dieses findet über drei Tage verteilt in der Offiziersbewerberprüfungszentrale in Köln statt.

Bewerbung

Um sich für das Auswahlverfahren zu qualifizieren, muss man einige Unterlagen zur Bewerbung einreichen. Dazu gehören:

  • Der ausgefüllte Bewerbungsbogen
  • Ein zusätzlicher Fragebogen
  • Lebenslauf
  • Geburtsurkunde
  • Passfoto (optional)
  • Der Nachweis eines Schulabschluss

Ist davon alles stimmig, hat man große Chancen, zum Auswahlverfahren eingeladen zu werden.

Das Auswahlverfahren

Im Auswahlverfahren absolvieren die Bewerber verschiedene Tests. Dazu gehören ein Eignungstest am Computer, ein Sporttest, sowie eine Gruppendiskussion und einen Kurzvortrag. Zusätzlich müssen die Kandidaten sich ärztlich begutachten lassen und ein Eignungsgespräch mit einem Psychologen und einem Offizier führen. Dabei achten diese besonders darauf, ob der Bewerber seine Begeisterung für eine Karriere bei der Bundeswehr überzeugend rüberbringen kann. Wer den Anschein erweckt, dass er nur aus Mangel an „normalen“ Studienplätzen oder aufgrund der attraktiven Vergütung bei der Bundeswehr studieren möchte, wird aussortiert.

Die Ergebnisse der einzelnen Verfahrensbestandteile werden am Ende zusammengerechnet und ergeben somit die Gesamtpunktzahl, die über die Aufnahme in die Bundeswehr entscheidet. Ein sehr gutes Testergebnis ermöglicht dem Bewerber sogar, selbst über die Wahl des Studienortes bzw. der Universität zu bestimmen. Alle anderen Studierenden bekommen einfach eine beliebige Uni zugeteilt.


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Vor dem Studium

Da man als sogenannter Sanitätsoffiziersanwärter nicht nur das Recht hat, Medizinstudent zu werden, sondern sich auch als Soldat verpflichtet, durchläuft man vor Beginn des Studiums eine dreimonatige Grundausbildung. Zusammen mit anderen Bundeswehrrekruten erhält man so eine Schieß- und Gefechtsausbildung, lernt militärische Umgangsformen, macht Sport, um körperlich auf Bestform zu kommen und bekommt theoretische Kenntnisse über die Rechte und Pflichten von Soldaten vermittelt. Als Medizinstudent bei der Bundeswehr hat man somit die gleichen Kenntnisse wie ein normaler Soldat.

Das Studium

Auch wenn man bei der Bundeswehr angestellt ist, absolviert man das Medizinstudium an einer zivilen Hochschule. So kommt man in Kontakt mit anderen, „gewöhnlichen“ Medizinstudenten und lebt nicht nur mit anderen Rekruten und Bundeswehrangestellten zusammen. Während der Dauer des Medizinstudiums ist man vom Dienst beurlaubt, erhält aber dennoch den Offiziersanwärter-Lohn von 1 800 Euro monatlich. Dieser steigt mit den Beförderungen während des Studiums. Auch stellt die Bundeswehr Unterkünfte für ihre Studenten.

Als Gegenleistung wird natürlich auch einiges von einem Medizinstudenten erwartet. So hat man die Pflicht, die Regelstudienzeit einzuhalten, sowie Praktika und Lehrgänge in den Semesterferien zu absolvieren. Die Leistungen der Studenten werden mithilfe eines Punktesystems bewertet. Nicht bestandene Prüfungen und daraus resultierende Wiederholungen von Semestern führen zu Minuspunkten. Bei mehrfachen Fehlversuchen droht sogar die Kündigung. Besteht man dagegen ein Examen und absolviert die Famulatur, gewinnt man Pluspunkte. Auch freiwillige Dienste, die in der Truppe übernommen werden, führen zu Extrapunkten.

Wie bei der Aufnahmeprüfung bestimmt die finale Punktzahl, die man erreicht hat, darüber, ob man sich aussuchen darf, welche Facharztweiterbildung man machen möchte. Hat man nicht genügend Punkte erreicht, wird man einer bestimmten Ausbildung zugeordnet. Logischerweise sind bei der Bundeswehr vor allem die Bereiche Intensiv- und Notfallmedizin sehr beliebte Weiterbildungen, zu denen man häufig eingeteilt wird.

Doch auch wenn man den gewünschten Facharzt machen darf, läuft das nicht immer reibungslos ab. So werden die meisten Auszubildenden nach zwei Jahren Klinikarbeit für bis zu vier Jahre als Hausarzt in einer Kaserne stationiert. Während dieser Zeit steht die Ausbildung zum Facharzt natürlich still und muss nach der Zeit in der Truppe fortgesetzt werden.

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Im Anschluss

Durch die 17-jährige Verpflichtung ist das Leben nach dem abgeschlossenen Studium sehr vom Bund bestimmt. Egal ob Inlands- oder Auslandseinsatz, bei den meisten Bundeswehr-Karrieren ist ein Ortswechsel vorprogrammiert. Ein Ausstieg aus dem Arbeitsvertrag ist nur möglich durch einen Freikauf. Dies funktioniert aber auch nicht in allen Fällen. Ansonsten gibt nur ein psychologisches Gutachten Grund, die Karriere bei der Bundeswehr frühzeitig zu beenden. Da der frühzeitige Ausstieg so schwierig ist, ist es für die Bewerber auch essentiell, sich bewusst für eine Karriere bei der Bundeswehr zu entscheiden und dies nicht nur als einfachen Ausweg aus dem Kampf um die begehrten Medizinstudienplätze zu sehen.

Fazit – eine Karriere beim Bund?

Obwohl ein Medizinstudium bei der Bundeswehr eine attraktive Alternative zum regulären Medizinstudium bietet, kommt das Ganze natürlich nicht ohne ein paar Haken. So ist man als Bundeswehrrekrut sehr viel weniger frei in den Entscheidungen, die über den restlichen Lebenslauf getroffen werden. Wer von der Bundeswehr wenig hält, sollte also auf diese Art des Studiums lieber verzichten. Schließlich sind Bundeswehr-Studenten zumindest teilweise Soldaten und nicht reine Mediziner.

Welche Alternativen es sonst noch zum Medizinstudium gibt, erfahrt ihr hier!

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