Kein Medizinstudienplatz nach dem Abi? Das kannst du tun!

medizin studieren

Es ist kein Geheimnis, dass die Aufnahmebedingungen für ein Medizinstudium in Deutschland sehr hart sind. Wer einen Abiturdurchschnitt schlechter als 1,2 hat, hat meistens erst gar keine Chance schon bei der Erstbewerbung einen Studienplatz zu erhalten. Leider wird der NC in Medizin wahrscheinlich immer vergleichsweise hoch bleiben. Auch die Wartezeiten sind mittlerweile so hoch geworden, dass das Bundesverfassungsgericht das Vergabeverfahren für Medizinstudienplätze als verfassungswidrig erklärt hat. Da die Wartezeit bisher bis zu 14 Semestern lang war (also 7 Jahre!), soll jetzt eine Änderung vorgenommen werden. Allerdings spielt die Abiturnote immer noch eine wichtige Rolle bei vielen Hochschulen.

Doch muss der Traum vom Medizinstudium mit einem schlechteren Abiturschnitt gleich platzen? Nein! Es gibt nämlich einige Möglichkeiten, die du in Anspruch nehmen kannst, bevor du dein Medizinstudium beginnst. Hier stellen wir dir einige Optionen vor, die dir helfen können, deinen Traum von Medizin ein wenig näher zu kommen.

1) Vorsemester in Medizin absolvieren

Das Vorsemester in Medizin ist natürlich keine Pflicht, aber es kann dir helfen, die Wartezeit sinnvoll zu nutzen. Wenn du Human-, Zahn- oder Veterinärmedizin studieren willst, kommt dir ein Vorsemester ziemlich zugute. In 4 Monaten lernst du die wichtigsten Grundlagen in naturwissenschaftlichen und medizinischen Fächern. Somit musst du in Naturwissenschaften meistens Biologie, Chemie, Mathematik und Physik belegen. Für die medizinischen Fächer kommen Anatomie, Embryologie, Histologie, Physiologie und Terminologie infrage.

Der Vorteil eines Vorsemesters ist, dass du dir hier bereits nützliches Wissen aneignen kannst, das dir im Medizinstudium hilft. Falls an deiner Wunschhochschule ein Auswahlgespräch zum Bewerbungsverfahren dazugehört, kannst du hier auch mit einem Vorsemester punkten. Denn das zeigt, dass du wirklich interessiert bist und dir schon Vorwissen angeeignet hast. Das Vorsemester wird von den meisten Universitäten auch anerkannt und erleichtert dir den Start ins Medizinstudium ungemein. Da die meisten Hochschulen einen Eignungstest verordnen, wirst du hier wahrscheinlich gut abschneiden, da du im Vorsemester schon das Wichtigste gelernt hast! Jedoch ist so ein Vorsemester nicht ganz günstig. Die Kosten können sich auf bis zu 4000 Euro für ein Semester verlaufen, die du möglicherweise in Raten auszahlen kannst.

Wo kannst du ein Vorsemester in Medizin absolvieren? Mittlerweile bieten folgende Städte Kurse dafür an:

  • Köln – Institut für Biologie und Medizin (IFBM), Rheinisches Bildungszentrum Köln (RBZ), Prometheus Akademie, IFS-Institut, Köln Medizinische Akademie
  • Berlin – Berlin Medical Academy, Prometheus Akademie
  • Hamburg – IFS-Institut, Hamburg Medical College
  • Frankfurt – IFS-Institut
  • München – Prometheus Akademie, IFS-Institut
  • Stuttgart – IFS Institut
  • Kiel – Med-Ecole
  • Leipzig – Leipzig Medical School

2) Losverfahren/Nachrückverfahren

Das Losverfahren ist zwar ziemlich nervenaufreibend und risikoreich, kann sich aber trotzdem lohnen. Allerdings bieten einige Hochschulen kein Losverfahren mehr an, informiere dich also rechtzeitig auf der Website der jeweiligen Hochschule. Mit dem Losverfahren werden die restlichen freien Plätze vergeben, wenn denn auch wirklich noch Plätze übrig sind.

Um am Losverfahren teilzunehmen, musst du dich einfach formlos per Post dafür bewerben. Das heißt also, wenn du bereits eine Absage für das Medizinstudium bekommen hast, musst du dich nochmal mit einer Bewerbung für das Losverfahren bewerben. In der Bewerbung gibst du dann deinen Studienwunsch, deine Kontaktdaten, deine Adresse und deine Telefonnummer an. Manchmal musst du auch einen tabellarischen Lebenslauf mitschicken.

Die Informationen zu der Bewerbung und welche Dokumente du brauchst, findest du meistens auf den Websites der Hochschulen, die das Losverfahren anbieten.

Der Nachteil am Losverfahren ist, dass du den Bescheid erst Wochen nach Semesterbeginn erhältst. Du verlierst also kostbare Zeit und hast vielleicht Probleme direkt einzusteigen. Außerdem musst du darauf achten, dass du auch die Fristen für die diese Bewerbung einhältst. Die findest du ebenfalls auf der Website der jeweiligen Hochschule. Das Losverfahren kann sich dennoch lohnen – denn die Abiturnote ist hier egal. Somit können auch Abiturienten mit einem schlechteren Schnitt ein Medizinstudium beginnen.

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3) Die Hochschule verklagen

Was vielleicht erst einmal drastisch klingen mag, wurde schon etliche Male probiert – mit Erfolg! Allerdings solltest du hier genug Wartezeit einplanen, denn so ein Verfahren kann sich schon in die Länge ziehen.

Um gegen die Hochschule zu klagen, musst du erst einmal einen Studienplatz außerhalb der Kapazität beantragen. Dafür musst du unbedingt die Fristen beachten: In Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern musst der Antrag bis zum 15. Juli für das Wintersemester eingegangen sein. Für das Sommersemester gilt der 01. September oder der 01. Oktober. Die Fristen können natürlich auch abweichen, deshalb solltest du dich rechtzeitig informieren. Wenn dein Antrag abgelehnt wird, wird das dann gerichtlich überprüft. Dafür musst du einen Anwalt beauftragen, denn bei der ganzen Klage sind einige Dinge zu beachten.

Wenn festgestellt wird, dass noch Plätze frei sind, wird die Hochschule aufgefordert, diese auch zu füllen. In den meisten Fällen wird das mit dem Losverfahren gelöst. Denn vor allem in Medizin versuchen sich mittlerweile viele einfach einzuklagen und dafür reichen die Plätze tatsächlich nicht aus. Außerdem kann so eine Klage ganz schön teuer werden, vor allem, wenn man mehrere Hochschulen verklagen will. Außerdem ist so eine Klage auch keine Erfolgsgarantie und wenige Erstsemester klagen heute erfolgreich. Deshalb solltest du dir vorher gut überlegen, ob du die Kosten auch tragen kannst und ob du das lange Warten auf dich nehmen möchtest.

4) Ausbildung

Wer die langen Wartezeiten sinnvoll nutzen will und dabei schon Erfahrungen sammeln möchte, der kann immer eine Ausbildung vor dem Studium absolvieren. Denn bis zum ersten Staatsexamen muss man sowieso ein dreimonatiges Praktikum in der Krankenpflege gemacht haben und das kann sich positiv auf deine Ausbildung auswirken. Denn somit hast du mehr Zeit in den Semesterferien und kannst vielleicht noch weitere Erfahrungen sammeln.

Die Art der Ausbildung kann unterschiedlich sein. Entweder du machst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), den Bundesfreiwilligendienst, ein Praktikum in der Krankenpflege, eine Ausbildung zum Rettungssanitäter oder du machst, wie oben erwähnt, ein Vorsemester in Medizin. Du hast also einige Möglichkeiten, die du nach dem Abi nutzen kannst, um Erfahrungen in Medizin zu sammeln. Wenn du beim ersten Mal keine Zusage für das Studium erhältst, kannst du dir also überlegen, einfach eine Ausbildung oder ein Praktikum zu machen, um deine Chancen beim nächsten Mal zu erhöhen.

Dabei lernst du auch, ob Medizin überhaupt das Richtige für dich ist. Denn viele erkennen erst im Praxisteil im Studium, dass der Umgang mit Patienten oder andere Dinge ihnen nicht leichtfallen. Während einer Ausbildung bekommst du einen Eindruck vom Medizinalltag und weißt, was später auf dich zukommen wird. Ein Praktikum oder eine Ausbildung wirken sich auch positiv auf deine Abi-Note aus und heben deinen Schnitt ein wenig an. Außerdem hast du bei den Auswahlgesprächen einen Vorteil, denn du verfügst bereits über medizinisches Wissen. Ein weiterer Vorteil: Die Kosten der zweiten Ausbildung (also das Studium nach der Ausbildung) kannst du als Werbungskosten bei der Steuererklärung geltend machen! Dabei musst du die Belege für Bücher oder sonstige Lernmaterialien gut aufheben.

5) Im Ausland studieren

Du hast in Deutschland keinen Studienplatz für Medizin erhalten und rechnest dir auch beim nächsten Mal keine guten Chancen aus? Studiere im Ausland! Wenn dein Abiturdurchschnitt nicht gut genug für ein Medizinstudium in Deutschland ist, kannst du dich locker für eine ausländische Hochschule bewerben. Denn in kaum einem anderen EU-Land ist die Abiturnote das Hauptkriterium bei dem Auswahlverfahren. Allerdings solltest du wissen, dass das Auswahlverfahren trotzdem sehr streng sein kann. An vielen Hochschulen gibt es harte Aufnahmetests, die du bestehen musst, um aufgenommen zu werden. Die Teilnahme an solchen Tests kostet auch Geld.

Auch die anderen Kosten können deutlich höher ausfallen, als in Deutschland. Denn in vielen Ländern gibt es noch Studiengebühren und an einigen Hochschulen können die richtig hoch ausfallen. Auch die Lebenshaltungskosten sollten nicht überschätzt werden! Wenn du keine hohen Lebenshaltungskosten willst, solltest du überlegen, in die folgenden Länder zu ziehen: Ungarn, Bulgarien und Tschechien haben vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten und bieten gute Medizinstudiengänge an. Wenn du keine hohen Studiengebühren zahlen willst, kannst du nach Schottland, Rumänien, Niederlande, Österreich (noch kostenlos) oder Frankreich (kostenlos) gehen.

Allerdings solltest du auch bei der Bewerbung einiges beachten. Denn manchmal kann es vorkommen, dass du die Unterlagen übersetzen und beglaubigen lassen musst, damit sie auch angenommen werden. Gute Englischkenntnisse solltest du immer mitbringen, denn die meisten Medizinstudiengänge sind in englischer Sprache gehalten. Aber auch die Landessprache solltest du irgendwann beherrschen können. Falls das alles kein Problem für dich darstellt, kannst du gerne im Ausland studieren. Denn das Studium wird in Deutschland anerkannt und du hast keine langen Wartezeiten, die du überbrücken musst.

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6) Bundeswehr

Wenn der Abiturschnitt nicht so gut ist, kannst du dir auch überlegen, dich bei der Bundeswehr für ein Medizinstudium zu bewerben. Denn bei der Bundeswehr zählt deine Abiturnote nicht so stark. Das heißt aber nicht, dass dein Schnitt schlechter als 2,5 sein sollte. Aber er muss auch nicht überdurchschnittlich gut sein, wie beim normalen Auswahlverfahren der Hochschulen.

Zunächst gibt es beim Medizinstudium bei der Bundeswehr einige Vorteile. Du musst dir keine Sorgen über eine Wohnung machen, denn du bekommst vom Bund eine Wohnung gestellt. Damit fällt die lästige Wohnungssuche erst einmal weg. Im ersten Studienjahr erhältst du dann auch noch einen Lohn von circa 1600 Euro! Klingt natürlich ziemlich verlockend, allerdings solltest du auch einiges beachten. Da du zur Bundeswehr gehst, studierst du nicht nur, du machst auch eine dreimonatige Ausbildung zum Soldaten vor deinem Studium. Auch die Aufnahmebedingungen sind nicht einfach. Obwohl dein Abi nicht so viel zählt – das Auswahlverfahren ist trotzdem hart. Dabei musst du einen Computer-Eignungstest, einen Sporttest, eine ärztliche Begutachtung und ein Eignungsgespräch mit einem Psychologen und einem Offizier bestehen. Erst danach wird entschieden, ob du zugelassen wirst.

Dir sollte auch klar sein, dass du dich bei der Bundeswehr verpflichten musst, wenn du dort studieren willst. Ganze 17 Jahre musst du dafür drauflegen – 6 Jahre Studium und 11 Jahre bei der Bundeswehr. Ein häufiger Wohnortwechsel ist auch oft drin, also überlege dir vorher, ob du dafür bereit bist. Wenn dir das alles nichts ausmacht, kannst du es natürlich bei der Bundeswehr mit dem Medizinstudium versuchen. Das Gute daran ist auch, dass du an einer normalen Hochschule studierst und somit auch einen voll anerkannten Abschluss erhältst.

7) Private Hochschule

An einer privaten Hochschule zu studieren, ist natürlich immer etwas kostenaufwendig. Denn private Hochschulen sind in der Regel sehr teuer. Es kommen einige tausend Euro pro Semester auf dich zu und du kannst dich schnell verschulden. Allerdings ist ein Medizinstudium an privaten Hochschulen auch sehr verlockend, denn der NC ist hier nicht so hoch, wie an den staatlichen Hochschulen. Dein Abitur muss also nicht das Beste sein. Viele private Hochschulen sind auch international ausgerichtet – du verbringst also einen Teil deines Studiums im Inland und den restlichen Teil im Ausland. Du solltest also mindestens zwei Sprachen gut beherrschen können.

Für eine private Hochschule spricht auch, dass sie in der Regel sehr gut ausgestattet sind. Die Größe der Kurse ist überschaubar und du kannst somit einwandfrei lernen und dich voll und ganz auf den Stoff konzentrieren. Allerdings sind auch hier die Aufnahmeverfahren trotzdem streng. Auch wenn dein Abitur nicht so viel zählt, du musst trotzdem noch einige andere Hürden überstehen, um aufgenommen zu werden. Dazu zählen oft zuvor absolvierte Praktika, verschiedene Tests, schriftliche Aufgaben, ein Motivationsschreiben oder das Latinum.

Die Aufnahmebedingungen werden meistens auf den Websites der privaten Hochschulen aufgeführt. Falls du den Bedingungen gerecht wirst, kannst du dich natürlich für ein Medizinstudium bewerben. Vorher solltest du dir jedoch Gedanken um die finanzielle Lösung der Gebühren machen.

Fazit

Auch wenn dein Abitur nicht überdurchschnittlich gut ist, siehst du, dass es einige Möglichkeiten gibt, um ein Medizinstudium zu beginnen. Leider bewerben sich in Deutschland jedes Jahr mehr Bewerber um ein Medizinstudium, als eigentlich Plätze vorhanden sind. Das führt zu vielen Absagen und geplatzten Träumen. Doch nur, weil du beim ersten Mal eine Absage bekommen hast, heißt das nicht, dass du niemals Medizin studieren kannst. Du kannst deinen Abiturschnitt ein wenig anheben durch verschiedene Praktika oder durch eine Ausbildung. Oder aber, du gehst gleich ins Ausland und probierst dein Glück dort.

Vor allem Praktika und Ausbildungen sind eine tolle Möglichkeit, um erste Erfahrungen im Bereich der Medizin zu sammeln. Du erhältst bereits einen Einblick in den Alltag eines Mediziners und weißt, ob du in diesem Bereich später dein Geld verdienen willst. Auch bei der Jobsuche wird dir das bestimmt weiterhelfen. Am Ende musst du natürlich selbst entscheiden, welcher Weg für dich am besten ist. Das Medizinstudium aufgeben solltest du jedoch auch keinen Fall.