Master-Abschluss: lohnenswert oder nicht?

Master-Abschluss

Die Bachelorarbeit ist frisch geschrieben, die mündliche Prüfung auch bestanden und schon hält man sein Zeugnis in der Hand. Danach stellt sich wie immer die bekannte Frage: Was jetzt? Soll ich lieber noch ein paar Jahre weiterstudieren oder doch gleich arbeiten?

Obwohl der Bologna-Prozess durch die Schaffung eines zweistufigen Systems von Bachelor und Master den Studenten diese Entscheidung ein wenig abnehmen wollte, tendieren immer noch die meisten dazu, einen Master zu machen. Doch lohnt sich der Master-Abschluss wirklich? Wie sehr unterscheiden sich die Berufschancen mit einem Bachelor- oder Master-Abschluss?

Unterschied Master/Bachelor Abschluss

Der Bachelor-Abschluss ist der erste Hochschulabschluss, den du erhälst, sobald du auf eine Hochschule gehst. Meistens musst du dafür drei Jahre lang, also sechs Semester, studieren. Zumindest ist das in den meisten Fällen die Regelstudienzeit. Der Bachelor soll die Grundlagen und Arbeitsweisen in dem jeweiligen Studienfach vermitteln, der Master baut darauf auf. Viele Studiengänge im Bachelor System verlangen außerdem einen Auslandsaufenthalt und ein Pflichtpraktikum. Durch den Bologna-Prozess sollte der Bachelor Abschluss andere Abschlüsse wie Magister, Staatsexamen und Diplom ablösen, jedoch denken heute noch viele, dass der Bachelor sich nicht richtig durchsetzen kann und von vielen Unternehmen nicht vollwertig geschätzt wird. Dabei ist der Bachelor ein europaweit einheitlicher, international anerkannter Abschluss.

Der Master ist ein auf den Bachelor aufbauender Hochschulabschluss. Nach dem Bachelor ist das also der zweite Abschluss, den du an einer Hochschule erhalten kannst. Um den Master überhaupt zu machen, brauchst du den Bachelor-Abschluss. Üblicherweise brauchst du für diesen zweiten Hochschulabschluss zwei Jahre, also vier Semester. Viele Masterstudiengänge haben außerdem einen NC und sind somit beschränkt. Es kann an manchen Hochschulen auch passieren, dass du ein Motivationsschreiben vorlegen oder ein Praktika absolviert haben musst, um den Zulassungsbedingungen gerecht zu werden. Mit dem Master-Abschluss hat man oft bessere Chancen in der Arbeitswelt, aber ein Muss ist er für manche Studiengänge nicht.

Welche Studiengänge brauchen einen Master-Abschluss?

In der Regel gilt, dass vor allem diese Studiengänge nicht ohne einen Master-Abschluss auskommen:

  • Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik, …)
  • Lehramt
  • Medizin
  • IT (hier ist ein Master Abschluss gerne gesehen, aber kein Muss!)

Auch in der Forschung und Entwicklung ist ein Master dringend notwendig. Wenn du eine Führungsposition anstreben willst, ist ein Master definitiv von Vorteil. Bei anderen Studienfächern ist er allerdings Ansichtssache.

In den Medien oder anderen kreativen Bereichen reicht ein Bachelor oft vollkommen aus. Hier braucht man eher Kontakte und eine gute Praxiserfahrung. Zum Problem könnte es bei Geisteswissenschaften kommen – viele Absolventen arbeiten nach ihrem Bachelor in Bereichen, die wenig mit ihrem Studium zu tun haben. Hier empfiehlt es sich also einen Master in Erwägung zu ziehen, vor allem, wenn keine Praktika oder andere Praxiserfahrungen vorgelegt werden können.


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Werden Masterabsolventen besser bezahlt?

Diese Frage lässt sich mit „jein“ beantworten – denn es kommt auf verschiedene Faktoren an. Oft verdienen Menschen mit einem Master-Abschluss mehr, da sie entweder in der Führungsposition sind oder eben mehr Fachwissen besitzen, das in manchen Branchen gebraucht wird. Tendenziell lässt sich sagen, dass diejenigen mit einem Master-Abschluss rund 16% mehr verdienen. Allerdings gibt es auch Branchenunterschiede – so verdienen Masterabsolventen in Finanz-und Rechnungswesen, Ingenieurwesen, Marketing etc. oft ein höheres Einstiegsgehalt.

Oft kommt es auch auf die Größe des jeweiligen Unternehmens an. Es kann vorkommen, dass Bachelorabsolventen in einem größeren Unternehmen mehr verdienen, als Masterabsolventen in einem kleinen Unternehmen. Außerdem sollte dir klar sein, dass du mit einem Bachelor-Abschluss schon zwei Jahre länger arbeiten kannst, was dein Gehalt wieder anpasst, während du mit einem Master-Abschluss noch zwei Jahre warten musst.

Master-Abschluss

Möglichkeiten nach dem Bachelor-Abschluss

Wenn du deinen Bachelor in der Tasche hast und dir nicht sicher bist, ob du nun einen Master machen sollst oder nicht, kannst du immer noch andere Sachen ausprobieren. Hier sind einige Dinge, die du vor deinem Masterstudium machen kannst:

1) Praktikum

Ein Praktikum ist immer eine gute Idee. Denn so kannst du dir ein Netzwerk aufbauen und Praxiserfahrung sammeln. In den meisten Studiengängen wird ein Praktika bereits vorgeschrieben, doch wenn du dir noch unsicher bist, ob du überhaupt einen Master machen willst, kannst du die Zeit nutzen und dir nochmal ein Praktikum suchen.

2) Volontariat

Ein Volontariat dauert auf jeden Fall länger als ein Praktikum, aber auch hier kannst du genug Praxiserfahrung sammeln. Danach kannst du dich entweder entscheiden dir einen Job zu suchen, oder doch noch deinen Master nachzuholen.

3) Direkt arbeiten

Natürlich kannst du nach deinem Bachelor-Abschluss erst einmal arbeiten gehen. Solltest du einen Job finden, der dir gefällt, kannst du dich hocharbeiten und dein Gehalt anpassen. Sollte dir dann immer noch spezifisches Wissen fehlen, kannst du deinen Master nachholen. Entweder als Vollzeitstudent, oder als Teilzeitstudent. Manche Unternehmen bieten an, den Master auch nebenbei zu machen. So kannst du locker und easy arbeiten und dir weiteres Wissen aneignen.

4) Gap-Year

Wenn du nach deinem Studium noch nicht direkt in die Arbeitswelt eintauchen willst, kannst du auch ein Gap-Year einlegen. Natürlich solltest du deine Zeit nicht verschwenden, sondern etwas Nutzvolles tun, denn bei einer Lücke im Lebenslauf muss man oft unangenehme Fragen beantworten. Am besten wäre ein Auslandsaufenthalt: ob Work and Travel oder ein Praktikum im Ausland, du kannst deine Sprachkenntnisse und Soft Skills erweitern, was immer gut ankommt.

Fazit

Es gibt also einige Dinge, die du nach deinem Bachelor-Abschluss machen kannst, ohne sofort deinen Master anzufangen. Vielleicht findest du in kurzer Zeit schon einen Job, der dir gefällt, oder du studierst einfach nochmal ein anderes Fach. Auch wenn ein Gap-Year oft schlecht geredet wird – es ist besser, erst einmal eine kleine Pause einzulegen und sich nochmal zu orientieren, als unmotiviert und lustlos den Master anzufangen. Heutzutage zählen vor allem gute Praktika oder andere Praxiserfahrungen – sie sind oft entscheidend im Auswahlverfahren. Auch ein Auslandsaufenthalt wird immer gerne gesehen, doch viele denken, dass dafür im Bachelorstudium keine Zeit bleibt. Dabei ist es meist besser, das Studium um ein oder zwei Semester zu verlängern, als die Regelstudienzeit stramm einzuhalten. Denn somit gewinnst du auch entscheidende Praxiserfahrungen, die dir dann zu einem besseren Job verhelfen und viele Unternehmen sagen auch, dass ihnen Kompetenz und Persönlichkeit wichtiger sind, als ein perfekter Abschluss.

Durch ein Masterstudium erhältst du zwei Jahre zusätzliche Bildung und Bildung ist nie sinnlos. Solltest du dich für ein Master Studium entscheiden, dann solltest du dir auf jeden Fall sicher sein, dass du Interesse daran hast. Denn ohne Motivation und Leistungsvermögen ist auch ein weiterführendes Studium nicht lohnenswert.

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