Lernpausen für dein Gehirn

Es ist kein Geheimnis, dass man sich Dinge die man vor dem Schlafen gelernt hat oft besser merken kann. Dahinter steckt ein einfacher wie beeindruckender Mechanismus: Das Gehirn braucht möglichst störungsfreie Ruhephasen, um das frisch Gelernte zu verarbeiten und (langfristig) abzuspeichern!

Das Spannende daran, zumindest, wenn man ganz praktisch denkt, ist die Tatsache, dass man den gleichen Mechanismus auch Tagsüber, ganz ohne zu schlafen, dafür nutzen kann, um Dinge sehr viel besser, schneller und tiefer zu lernen.

Die wissenschaftliche Grundlage für solche Lernpausen, das heißt für die „Gedächtnis Konsolidierung“, ist bereits über 100 Jahre alt. In den frühen 2000ern (z.B. in diesem Artikel) hat dann eine Gruppe von Wissenschaftlern versucht die grundlegende Erkenntnis – komplett ablenkungsfreie Pausen im Dunkeln helfen extrem dabei frisch Gelerntes zu behalten – zu bestätigen. Das Ergebnis war fast unglaublich: Die Gruppe, die die Pause hatte, konnte sich eine Stunde später elf Mal besser an eine zuvor zu lernende Geschichte erinnern. Nicht weniger aufsehenerregend war die Erkenntnis, dass die Methode auch Menschen mit neurologischen Störungen helfen kann. Das Prinzip konnte in der Zukunft, in unterschiedlichsten Kontexten und mit ganz verschiedenen Menschen, immer wieder bestätigt werden.

Die ideale Pause für das Gehirn

Die Forschung hat gezeigt, dass der „Trick“ am besten funktioniert, wenn die Pause wirklich absolut ohne Ablenkungen und vollkommen störungsfrei abläuft – schon kleine „Interferenzen“ können den Prozess extrem stören.

Zwei Arten von Lernpausen

Idealerweise setzt oder legt man sich, nachdem man etwas Neues gelernt hat, für einige Minuten hin und versucht sämtliche Störungsfaktoren abzuschalten. 15 bis 20 Minuten scheinen eine gute Empfehlung zu sein. Idealerweise reduziert man sogar das Licht, sodass man quasi im Dunkeln zur Ruhe kommen kann.

Das ist natürlich nicht immer möglich. Trotzdem: Jede Form der Pause, so ruhig wie es eben gerade geht, hilft dem Gehirn dabei, das frisch Gelernte Wissen abzuspeichern. Vielleicht ist das auch der Zeitpunkt einmal über geräuschdämmende Kopfhörer für die Bibliothek nachzudenken .

Während dieser Lernpausen scheint es am besten zu sein, sich auf wirklich nichts zu fokussieren und das Gehirn einfach ein wenig „wandern“ zu lassen. Schon das Nachdenken über die eigene Vergangenheit und Zukunft kann den Konsolidierungsprozess stören.

So gesehen haben die Lernpausen fast einen meditativen Charakter. Es geht bei dieser Art der Pause aber eben auch nicht darum „dir“ (oder deiner Lerngruppe) eine Pause zu gönnen, sondern deinem Gehirn die Möglichkeit zu geben, das ganze neue Zeug auch wirklich zu verarbeiten. Diese Pausen sind Teil des Lernens und sollten am besten aktiver Teil deines Lernplans sein.

Die andere Art der Pause – die, bei der du Kaffee trinkst und vielleicht einen Spaziergang macht – ist mindestens genauso wichtig. Nimm dir also auch immer einmal wieder die Zeit die Bibliothek oder ein Zimmer zu verlassen und gib dir selbst und deinem Körper ein wenig Auszeit.