lerngruppen

Will ich Einzelkämpfer sein, oder soll ich von einer guten Beziehung zu meinen Kommilitonen profitieren? Diese Frage stellt sich den meisten Studenten zu Beginn der ersten Lern- und Klausurenphase des Studiums. Die Erfahrungen, die man in der ersten Lerngruppe zusammen mit den Kommilitonen macht, sind grundlegend für die spätere Einstellung gegenüber Lernen im Kollektiv. Schnell entsteht Neid und Missgunst, wenn eine Person eine bessere Note abstaubt als die anderen. Wie sich solche Szenarien vermeiden lassen, möchten wir euch mit ein paar Tipps zum besseren Lernen in Gruppen näherbringen.

Wie sollten Lerngruppen aussehen?

Bei der Organisation einer Lerngruppe gibt es zunächst ein paar grundlegende Fragen, die es zu beantworten gilt. Um zu vermeiden, dass das gemeinsame Lernen im Chaos endet, solltet ihr diesen Grundsätzen Beachtung schenken:

1. Größe

Wer von euch schon einmal versucht hat, in einer Gruppe mit fünf oder mehr Personen eine Unterhaltung zu führen, hat wahrscheinlich schnell gemerkt, dass das einigermaßen schwierig ist. Je mehr Personen die Gruppe umfasst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich in gewissen Punkten uneinig wird. Außerdem nimmt die Homogenität der Gruppe statistisch gesehen ab. Aus diesen Gründen arbeiten Gruppen von zwei, drei oder vier Lernenden am effektivsten.

2. Homogener Wissensstand

Um sicherzugehen, dass ihr alle denselben Lernerfolg habt, solltet ihr dafür Sorge tragen, dass alle, die in eurer Gruppe lernen, einen ähnlichen Wissenstand haben. Damit vermeidet ihr, dass sich einige Kommilitonen langweilen, während andere Schwierigkeiten haben, mitzukommen. Dann muss auch niemand das Gefühl haben, die anderen mitzuziehen oder zurückzuhalten. In einer homogenen Gruppe wird der gemeinsame Lernzuwachs optimiert.

3. Lernen mit Freunden

Um eine gute Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten, ist es am praktischsten, Kommilitonen einzuladen, die ihr schon kennt und mit denen ihr euch vielleicht sogar schon gut versteht. Vielleicht habt ihr schon nebeneinander in der Vorlesung gesessen und ähnliche Fragen gehabt, die ihr euch aber gegenseitig beantworten konntet. So habt ihr schon ein Fundament für weitere gute Zusammenarbeit.

Organisation

Was die Vorbereitung der einzelnen Treffen angeht, gibt es auch einige Kriterien, die eure Erfolgschancen steigern können. Bei eurer ersten Sitzung solltet ihr vollständig sein, damit ihr feste Regeln ausmachen könnt, auf die sich alle einlassen können. Diese Regeln, die ihr auch schriftlich festhaltet, sollten zumindest die folgenden Aspekte beinhalten:

1. Koordinator bestimmen

Auch wenn es sich bei einer Lerngruppe um ein demokratisches Projekt handelt, sollte zu Beginn der Zusammenarbeit ein Koordinator bestimmt werden. Diesem fallen dann solche Aufgaben zu wie die Distribution der zusammen erarbeiteten Materialien und die Moderation der Sitzungen. Der Koordinator sollte dafür Sorge tragen, dass alle Meinungen und Ideen gehört werden und sich alle akzeptiert fühlen.

2. Feste Termine

Schon bei kleineren Lerngruppen kann es schwierig sein, in der hektischen Klausurphase Termine zu finden, die allen Beteiligten gut passen. Deswegen ist es umso wichtiger, in der ersten Sitzung eure Kalender zu vergleichen und zu versuchen, die Termine für alle weiteren Treffen fest auszumachen. Damit spart ihr in jeder darauffolgenden Sitzung die Zeit, die sonst für die Beantwortung der Frage „Wann treffen wir uns wieder?“ verwendet werden muss. Auch wie lange eine Arbeitssitzung dauert und wo man sich trifft, sollte bei dieser Gelegenheit festgehalten werden. Gruppenarbeitsräume in der Uni-Bibliothek oder leere Hörsäle bieten sich hier an.

3. Ziele

Es sollte nicht ohne ein festes Ziel im Kopf vor sich hin gelernt werden. Deswegen ist es ratsam, sich bestimmte Themen herauszusuchen, die ihr auf jeden Fall in der Gruppe diskutieren wollt. Doch welche Themen sind das? Mit Sicherheit gibt es im Lernstoff einige weniger komplexe Themen oder Reproduktionswissen, die auch jeder für sich alleine ohne Probleme erarbeiten kann. Sich auf diese Punkte in der Lerngruppe zu fokussieren, wäre eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen. Vielmehr solltet ihr euch auf schwierigere Themen beschränken, die ein gewisses Maß an Transfer und Verständnis der Materie voraussetzen. Vielleicht gibt es darunter auch komplexe Inhalte, die noch niemand aus der Gruppe durchblickt hat. Für Sitzungen, in denen solche Themen besprochen werden, empfiehlt es sich, jemanden hinzuzuholen, der schon viel Ahnung von der Materie hat und sie der ganzen Gruppe erklären kann. Besonders effektiv seid ihr, wenn ihr einzelnen Sitzungen bestimmte Themengebiete zuteilt und versucht, dieses tägliche Pensum auch einzuhalten.

4. Lernerfolge festhalten und teilen

Wenn es euch nicht zu viel Aufwand ist, könnt ihr ein Protokoll eurer Sitzungen anfertigen, zur besseren Übersicht, was schon wie besprochen und abgehakt wurde. Dazu könnte vor jeder Sitzung jemand bestimmt werden, der mitschreibt. Um die sonstigen Ergebnisse eurer Treffen allen Mitgliedern der Gruppe zugänglich zu machen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Natürlich könntet ihr euch gegenseitig die Protokolle und Lösungen der Aufgaben kopieren, aber das wäre ja im Zeitalter von Cloud-Diensten nicht unbedingt zeitgemäß. Dienste wie Dropbox, OneDrive und GoogleDocs geben euch die Möglichkeit, eure Lernerfolge in digitaler Form und Echtzeit festzuhalten. Mit der Dropbox-App könnt ihr sogar eure Arbeitsblätter und Aufschriebe per Handy scannen und direkt hochladen. Es gibt also keine Ausrede mehr dafür, nicht digital zu arbeiten!

5. Lerngruppen im Internet?

Was tun, wenn man sich mal nicht persönlich treffen kann? Auch online gibt es verschiedene Plattformen für das Teilen von Lernressourcen. Zum Beispiel könnt ihr mit GoConqr auf interaktive Lerninhalte zugreifen, Karteikarten und andere Dokumente ablegen, oder einfach etwas in der Online-Bibliothek nachschlagen. Solche Plattformen sind vor allem für Studenten an Fernunis praktisch. Aber auch für alle Studenten, die sich den Anfahrtsweg zur Uni für jede einzelne Sitzung einer Lerngruppe sparen wollen, sind sie eine echte Alternative.

6. Lernmethoden

Ein potentieller Streitpunkt ist auch die Frage nach dem Ablauf der Gruppensitzungen. Für die Einteilung der Zeit, die ihr miteinander verbringt, gibt es verschiedene Ansätze. Eine generell nützliche Unterteilung lautet wie folgt:

  • Stille Arbeitsphasen mit darauffolgendem Vergleich der Ergebnisse
  • Offenes Gespräch
  • Phasen, in denen eine Person vorträgt (Vor allem bei Wissensvorsprung nützlich)

Zu Beginn einer Arbeitsphase solltet ihr sichergehen, dass alle die Aufgabe verstehen und das nötige Know-How haben, um sie zu bewältigen. Wenn das nicht der Fall ist, sollte eine kurze, offene Diskussionsphase Abhilfe schaffen können. Bei komplexen Inhalten, die noch niemand so recht durchschaut, empfiehlt sich eine kurze (stille) Wiederholung der Materie, gefolgt von einer kollektiven Unterhaltung, die zum besseren Verständnis und zur Rückversicherung aller dient. Allgemein sollten die einzelnen Phasen nicht zu lang gehalten werden und sich stetig abwechseln.

Nicht nur pauken

Spaß und Belohnung sind wichtig für die Lernmoral. Das wissen alle, die schon einmal zu lange am Stück an einem Projekt in der Bibliothek saßen und irgendwann ihre Motivation schwinden sahen. Regelmäßige Pausen, in denen sich eure Lerngruppe über etwas anderes unterhält, als den Lernstoff, sind daher sehr zu empfehlen. Auch eine einfache, kurze Kaffee- oder Schokoladenpause kann Wunder wirken. Am Ende des Tages habt ihr mit Sicherheit genug gebüffelt, um euch zusammen einen Drink in der nächsten Bar zu gönnen und ein wenig auszuspannen. Wenn ihr die Klausur erfolgreich bestritten habt, könnt ihr ja vielleicht sogar eine gemeinsame Unternehmung planen und die gute Gruppenchemie, die ihr aufgebaut habt, privat weiterführen.

Sind Lerngruppen immer für alle gewinnbringend?

Wer schon einmal eine Lerngruppe organisiert hat, weiß, dass es nicht immer einfach ist, jedoch im Nachhinein den Aufwand wert sein kann. Dadurch, dass verschiedene Lerntypen zusammenkommen, wird jedes Individuum mit Methoden konfrontiert, die sich mitunter von der eigenen Vorgehensweise unterscheiden. Eventuell schnappt man sogar einen Ansatz auf, von dem man selbst noch nichts gehört hat und in Zukunft profitieren kann. Des Weiteren hat eine Lerngruppe eine eingebaute, automatische Feedback-Funktion. Die eigenen Lösungen können jederzeit mit denen der Mitstreiter verglichen und so auf Richtigkeit überprüft werden.

Generell lässt sich sagen, dass Lerngruppen für den Einzelnen immer ein Gewinnpotential bergen, solange die Mitglieder ungefähr auf demselben Wissenstand sind. Wenn ihr es mit Bedacht und Planung tut, kann Lernen im Kollektiv eure Motivation steigern, euer Tempo erhöhen und damit den Stress reduzieren, den ihr euch aufbürdet. Auch die Erkenntnis, dass man nicht allein unter der schieren Masse an Lernstoff begraben ist, kann aufbauend wirken, gemäß dem Motto „Geteiltes Leid ist halbes Leid“. Wenn eure Gruppe jedoch nicht homogen ist, also euer Wissenstand oder eure Charaktere nicht zusammen passen, kann es schwierig werden, beim Pauken auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Nicht alle Kommilitonen sind zum Teamplayer geboren. Hier kommen dann eure Menschenkenntnis und euer soziales Geschick ins Spiel. Mit unseren Tipps zur Organisation von Lerngruppen seid ihr allerdings schon gut aufgestellt. Jetzt heißt es nur noch: Die richtigen Lern-Buddies finden und ran an den Stoff!