Krankheit im Studium – Was tun, wenn nichts mehr geht?

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Wer gesund ist, lässt sich schnell dazu verleiten, diesen Zustand als selbstverständlich wahrzunehmen. Wenn man dann doch krank wird, kommt es meistens überraschend. Es dauert oft erstmal eine Weile, bis man es realisiert. Studenten sind besonders gefährdet, schleichend zu erkranken, da sie mit Studium, Nebenjobs, Freizeitaktivitäten und mehr beschäftigt sind. Der bewusste Umgang mit Körper und Psyche bleibt dabei leider manchmal auf der Strecke. Was die häufigsten Diagnosen sind, wo ihr Hilfe findet und wie ihr mit Krankheit im Studium umgeht, möchten wir euch näherbringen.


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Die häufigsten Krankheitsbilder

Da die Wahrscheinlichkeit, in jungen Jahren körperlich zu erkranken, nicht sehr hoch ist – es sei denn es liegt eine Veranlagung vor – sind die Diagnosen, die Studenten bekommen, meist psychologischer Natur. Die drei häufigsten Krankheitsbilder unter Studenten werden im Folgenden näher ausgeführt.

1. Burnout

Gibt es so etwas wie Burnout überhaupt? Wenn es nach den Managern großer Unternehmensberatungen geht, wohl eher nicht. Psychologen zufolge ist die Gefahr von Burnout jedoch real.

Da es sich bei Burnout um eine psychische Erkrankung handelt, deren Symptome auch einer Depression zugeschrieben werden können, ist die Diagnose entsprechend schwierig. Fest steht jedoch, dass es ein sehr spezifisches Krankheitsbild gibt, dessen Ursachen vor allem im Arbeitsumfeld liegen und mit Überarbeitung assoziiert werden. Doch wie genau lässt sich ein Burnout erkennen? Wenn euch die folgenden Symptome an anderen Personen oder an euch selbst auffallen, könnte es sich um einen Burnout handeln:

Emotionale Erschöpfung

Wenn ihr euch oft, auch „grundlos“, matt, kraftlos, schwach oder müde fühlt, kann das ein Anzeichen dafür sein, dass ihr emotional erschöpft seid. Das Wort „grundlos“ bezieht sich hier auf alltägliche Situationen (zum Beispiel auf der Arbeit), in denen ihr euch sonst nicht so gefühlt habt. Auch sind Aufgaben gemeint, die keine wirkliche Anstrengung von euch fordern, euch im Fall einer emotionalen Erschöpfung aber vollkommen auslaugen.

Die emotionale Erschöpfung hat auch mentale Aspekte. Zum Beispiel ist das Gefühl, konstant demotiviert zu sein, und kein wirkliches Interesse mehr am alltäglichen Leben zu haben, ein Warnsignal. Wer emotional erschöpft ist, hat auch manchmal den Eindruck, sich selbst und das Umfeld nicht mehr zu kennen. Außerdem sollte es euch zu denken geben, wenn ihr dauerhaft Probleme habt, euch zu konzentrieren oder einer Konversation eure volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Depersonalisation

Unter der sperrigen Bezeichnung „Depersonalisation“ versteht man allgemein eine Entfremdung von sich Selbst. Die Betroffenen haben das Gefühl, sich selbst nicht mehr zu kennen. Infolgedessen erkennen sie sich teilweise nicht mehr im Spiegel. Auch außerkörperliche Erfahrungen können auftreten. Das bedeutet, dass die betroffene Person ihren Körper „verlässt“ und in der Lage ist, sich von außen zu beobachten. Wer in dieser Situation ist, empfindet die eigenen Handlungen häufig als automatisiert oder ferngesteuert.

Empfinden von Misserfolg

Die Unfähigkeit, Erfolge oder Errungenschaften als solche anzuerkennen, ist ebenfalls ein Anzeichen des Burnouts. Sehr oft liegt die Ursache hierfür in einem Arbeitsumfeld, dass die Leistungen seiner Mitarbeiter nicht genügend honoriert. Bei den Betroffenen entsteht dann eine dauerhafte Unterbewertung der eigenen Arbeit. Sie haben ständig den Eindruck, dass ihre Leistungen ungenügend sind und setzen sich deswegen fortlaufend unter Druck, noch mehr zu leisten.

Wenn ihr mehrere der oben genannten Symptome aufweist, ist es wahrscheinlich, dass ihr unter einem Burnout leidet. Einzeln auftretende Symptome, die schnell wieder vergehen, sind noch nicht ganz so bedenklich, sollten aber als Warnsignal der Psyche aufgefasst werden. Vielleicht ist es Zeit zum Nachdenken über euren Umgang mit Stresssituationen. Ein anspruchsvoller Nebenjob kann für Studenten, die auch an der Uni ein hohes Pensum bewältigen müssen, schnell zu viel werden. Wenn ihr sowohl im Studium als auch im Arbeitsumfeld hohem Leistungsdruck und Wettbewerbsdenken ausgesetzt seid, solltet ihr vielleicht darüber nachdenken, den Job zu wechseln oder generell einen Gang zurückzuschalten. Weitere nützliche Informationen zum Thema Burnout gibt es auf burnout.info.

2. Psychosomatische Störungen

Der Begriff „Psychosomatik“ kommt von den altgriechischen Wörtern „psyché“ (Seele) und „soma“ (Körper) und bezeichnet die gegenseitige Beeinflussung körperlicher und mentaler Gesundheitsfaktoren. Eine sogenannte psychosomatische Störung liegt dann vor, wenn eine körperliche Erkrankung eine rein oder maßgeblich psychische Ursache hat. Die körperliche Erkrankung wird dann von Stressfaktoren ausgelöst, die sich auf das unwillkürliche (vegetative) Nervensystem auswirken. Zu diesen Stressfaktoren gehören beispielsweise berufliche Belastung, private Konflikte oder Lebenskrisen. Einige typische körperliche Symptome sind:

  • Störung der Darmtätigkeit (bis hin zu Morbus Crohn)
  • Veränderung des Essverhaltens (bis hin zu Bulimie)
  • Beeinträchtigung des Herz-Kreislaufsystems (bis hin zu koronarer Herzerkrankung)
  • Asthma
  • Juckreiz und nervöses Kratzen

Ein erschwerender Faktor bei psychosomatischen Störungen ist, dass Patienten eine körperliche Ursache ihrer Beschwerden dem Eingeständnis vorziehen, dass ein psychisches Problem vorliegt. So kann es für behandelnde Ärzte schwierig sein, Patienten dazu zu bewegen, psychologische Hilfe aufzusuchen. Auch ist es für den Hausarzt, der die Erstbehandlung vornimmt, schwer, eine körperliche Ursache gänzlich auszuschließen, sodass zunächst eine Überweisung zum Facharzt vonnöten sein kann. Wenn vollkommen ausgeschlossen werden kann, dass es sich um eine körperliche Ursache handelt, sollte ein Gespräch zwischen Arzt und Patient stattfinden, das klärt, ob eventuell eine psychische Belastungssituation vorliegt. Wenn das der Fall ist, kann eine Überweisung zum Facharzt für psychosomatische Medizin, Psychiater oder Psychotherapeuten erfolgen, der die weitere Behandlung übernimmt.

3. Alkoholsucht

Alkohol ist wahrscheinlich die schädlichste legale Droge. Auch unter Studenten ist der Alkoholkonsum schon immer selbstverständlich gewesen. Wer auf der WG-Party oder im Club nichts trinkt, läuft sogar Gefahr, von den Kommilitonen schief angeschaut zu werden. Doch warum ist das so?

Dass man von Alkohol abhängig werden kann, gehört zum Allgemeinwissen. Dass die Folgen einer Sucht – nicht nur für die Abhängigen selbst – schwerwiegend sind, weiß wahrscheinlich auch die Mehrheit der Studenten. Über das wirkliche Ausmaß der gesellschaftlichen Folgen von Alkoholkonsum ist aber kaum jemand informiert. Beispielsweise wurde jede dritte registrierte Gewalttat im Jahr 2012 unter Alkoholeinfluss verübt. Und dennoch wird Alkohol verharmlost und ist ein wichtiger Bestandteil sozialer Interaktion. Alle haben das Gefühl, den eigenen Konsum unter Kontrolle zu haben, bis etwas passiert, bis sie unweigerlich darauf stoßen, dass der Alkohol zum Problem geworden ist.

Aus welchen Gründen trinken Studenten also? Der häufigste Anlass zum Trinken ist wahrscheinlich die soziale Enthemmung. Unter mäßigem Alkoholeinfluss wird die Kontaktaufnahme einfacher. Vor allem beim Feiern kommt das gelegen. Wenn das Ganze aber im Exzess endet, kann es durchaus gefährlich werden. Bei einer Alkoholvergiftung sogar lebensgefährlich. Ebenfalls kritisch zu bewerten ist das Trinken in Stresssituationen. Wenn ihr euch in der Lernphase oder beim Schreiben einer Abschlussarbeit am Abend ein Glas Wein gönnt, wird das schnell zur Gewohnheit. Diese Gewohnheit, in Verbindung mit sozialer Isolation beim Arbeiten oder Lernen, kann zur Abhängigkeit werden.

Doch wie erkennt man, dass man abhängig ist? Natürlich gibt es für den Alkoholkonsum diverse Checklisten, die euer Trinkverhalten überprüfen. Die Kampagne „Kenn-dein-Limit“ ist wahrscheinlich die bekannteste Plattform für Informationen zum Thema Alkoholkonsum. Dort findet ihr ein Menge Infomaterialien und auch einen Selbsttest. Wenn ihr also das Gefühl habt, dass ihr mit dem Alkohol oft über die Stränge schlagt, könnt ihr euch hier selbst auf den Prüfstand stellen.

Allerdings sind diese Foren eher auf Prävention bedacht als auf Hilfe bei schon vorliegender Alkoholsucht. Für jemanden, der bereits abhängig ist, kann es schwer sein, von sich aus Hilfe zu suchen, vorausgesetzt das eigene Trinkverhalten wird überhaupt reflektiert. Viele Patienten sind auf ihr soziales Umfeld angewiesen, um einen Weg aus der Sucht zu finden. Hier sind Freunde und Familie gefragt, die den Betroffenen im Vertrauen klar machen können, dass ihr Konsum auffällig geworden ist. Die bewährteste Methode hierzu ist eine Intervention. Aber auch ein ehrliches Gespräch unter zwei Augen, das den grundlegenden Regeln einer Intervention folgt, kann schon helfen. Wenn ihr euch dabei unsicher fühlt, solltet ihr die Zahl der am Gespräch teilnehmenden Personen erhöhen. Denkt immer daran, worum es dabei geht: Ihr möchtet der oder dem Betroffenen keine Vorwürfe machen, sondern helfen, einen Weg aus der Abhängigkeit und zurück zu ihrem alten Ich zu finden, welches ihr kennt und schätzt.

Wer hilft mir?

Manchmal ist es schwierig, sich die oben beschriebenen Probleme selbst einzugestehen und zu akzeptieren, dass man krank ist. Wenn dieser schwierige Schritt getan ist, kann es sein, dass man sich nicht direkt Freunden oder der Familie öffnen will, meist aus Scham oder der Angst vor Unverständnis. In diesem Fall ist ein Gespräch mit einer professionellen dritten Person ratsam.

Wer das Bedürfnis hat, abzuklären, ob man sich in Behandlung begeben sollte, kann das Angebot der psychologischen Erstberatung nutzen. Beispielsweise haben Diakonie und Caritas ein Beratungsnetzwerk in ganz Deutschland aufgebaut und bieten außerdem telefonische Seelsorge an. Die Beratung dort ist kostenfrei und steht allen Menschen, unabhängig von ihrer Konfession, offen. Auch an den meisten Universitäten gibt es eine Stelle für psychologische Beratung. Des Weiteren existiert meist auf kommunaler Ebene ein Angebot der Erstberatung. In diesen Einrichtungen könnt ihr ein Gespräch mit einem Psychiater führen, der eure Situation beurteilt und entscheidet, ob weitere psychiatrische Behandlung in Form von wöchentlichen Einzelsitzungen oder einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik angebracht ist. Oft ist auch schon ein einzelnes Gespräch hilfreich, um wieder eine Perspektive zu bekommen und die Gedanken zu ordnen.

Was ist jetzt mit meinem Studium?

Eine Krankheit im Studium ist eine Herausforderung, die viele Probleme mit sich bringt. Nicht nur die Frage „Wo bekomme ich Hilfe?“, sondern auch administrative Angelegenheiten wollen geklärt sein. Beispielsweise verpasst man, je nach Schwere und Dauer der Krankheit, Veranstaltungen an der Uni. Grundsätzlich ist das bei Vorlage eines Attests kein Problem.

Übersteigt die Zeit, in der ihr nicht in die Uni gehen könnt, drei Monate, ist es ratsam (und von einigen Unis sogar vorgeschrieben), ein Urlaubssemester einzulegen. Wenn eine chronische Krankheit vorliegt, die euch beeinträchtigt, aber nicht gänzlich vom Besuch der Uni abhält, könnt ihr auch einen sogenannten Nachteilsausgleich beantragen. Hierbei handelt es sich um Erleichterungen des Studiums, die euch dabei helfen, das Studieren mit eurer Gesundheit zu vereinbaren.

Wie kann ich Gesundheitsrisiken vermindern?

Da unsere Gesellschaft sehr leistungsorientiert ist, werden Bestnoten und ein gut bezahlter Job oft mit Lebensqualität gleichgesetzt. Vor allem aus diesem Grund sind viele Studenten immer auf Achse. Sie wechseln pausenlos zwischen Unibibliothek, Nebenjob und Partyleben, ohne dabei großartig darauf zu achten, ob ihre Psyche und ihr Körper das mitmachen. Dabei haben wir es alle selbst in der Hand, unserer Gesundheit die nötige Zeit zu widmen und den Risikofaktor Stress einzudämmen.

Ein bewusster Lebenswandel hört nicht bei der richtigen Ernährung und sportlicher Betätigung auf. Wichtig ist vor allem, dass man sich auch die nötigen Auszeiten nimmt, in denen man geistig und körperlich ausspannen kann. Autogenes Training oder Yoga sind einfache und wenig zeitaufwendige Techniken, die Entspannung bewirken und Stress abbauen. Bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung findet ihr viele weitere nützliche Informationen zum Thema Stressregulation. Die angemessene Menge an Schlaf zu finden, kann als Student ebenfalls schwierig sein. Fragt euch das nächste mal also, ob ihr wirklich noch auf die nächste WG-Party müsst, obwohl am nächsten Morgen Arbeiten angesagt ist, oder ob es sich wirklich lohnt, um 2 Uhr nachts noch über Karteikarten gebeugt in der Bibliothek zu sitzen.

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