Jura – Wie ist das Studium aufgebaut?

Krimiserien sind mittlerweile beliebter denn je. Wer kennt sie nicht – ob Suits, Law and Order oder Better Call Saul. Ob angehende Juristen, die sich mitten im Studium befinden oder Rechtsanwälte, die Verbrecher hinter Gitter bringen. Sieht ganz schön verlockend und spannend aus, aber ist ein Jurastudium wirklich das Richtige?

Jura, oder eigentlich Rechtswissenschaften, zählt zu den beliebtesten Studiengängen in Deutschland. Mittlerweile wird das Studium an fast jeder Universität in Deutschland angeboten und die Bewerberzahlen sind jedes Jahr sehr hoch. Vor allem die Berufschancen und das damit einhergehende Gehalt nach dem Studium sind für viele einer der Hauptgründe überhaupt Jura zu studieren. Doch was muss man dafür mitbringen? Und wie ist so ein Studium der Rechtswissenschaften aufgebaut? Hier gibt es die Antworten!

Vor dem Studium – Was solltest du mitbringen?

Bevor du überhaupt erwägst, ein Jurastudium anzufangen, solltest du dir über ein paar Dinge im Klaren sein. Das Jurastudium ist nämlich vor allem eins: hart. Das Lernpensum ist enorm und der Arbeitsaufwand hoch. Falls du dich also schon während deinen Abiturprüfungen darüber beschwert hast, wie viel Lernstoff du durchgehen musst, dann ist ein Studium der Rechtswissenschaften wahrscheinlich nichts für dich. Denn eine Tatsache bleibt bestehen: Die Prüfungen im Abi sind nichts zu den Klausuren an der Uni.

Durchhaltevermögen solltest du daher also auch mitbringen. Denn durch das ganze Lernen für Klausuren, das Schreiben von Hausarbeiten und was sonst alles so ansteht, kann es schnell passieren, dass die Motivation den Bach runtergeht. Vor allem die Vorbereitung auf das Staatsexamen kann extrem belastend und stressig sein. Deswegen solltest du unbedingt ein klares Ziel vor Augen haben und das auch erreichen wollen.

Neben Durchhaltevermögen und ein gutes Händchen fürs Lernen, sind außerdem noch abstraktes, analytisches und logisches Denken ein Muss. Auch gute Deutschkenntnisse sind wichtig und eine Grundvoraussetzung für das Jurastudium. Ansonsten ist ein Interesse an der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft ziemlich wichtig, da du vor allem diese Bereiche in den ersten Semestern durchläufst.

Kommunikationsfähigkeit solltest du auch mitbringen, denn das ist wichtig, falls du später im Gerichtssaal stehst und argumentieren musst. Auch ein sicheres Auftreten ist immer erforderlich bei Juristen. Falls du also Probleme damit haben solltest, ist ein Jurastudium vielleicht keine gute Idee. Wenn du dich mit den oben aufgelisteten Eigenschaften identifizierst, kannst du dich natürlich gerne für ein rechtswissenschaftliches Studium bewerben.

Jura studieren – aber wo?

Grundsätzlich kann man Jura an fast jeder Universität studieren. In der Regel wird nur an Universitäten das klassische Jurastudium mit dem Staatsexamen angeboten. Wenn du also den traditionellen Weg gehen willst, kannst du dich an verschiedenen Universitäten, die Jura anbieten, bewerben.

Neben Universitäten bieten auch Fachhochschulen rechtswissenschaftliche Studiengänge an. Allerdings sind das keine klassischen Jurastudiengänge, sondern eher spezifischere Studiengänge. An Fachhochschulen kannst du auch nur mit dem akademischen Grad des Bachelors abschließen, denn das Staatsexamen ist, wie oben erwähnt, nur an Universitäten möglich. Meistens nennt sich der Bachelorabschluss dann Bachelor of Arts oder Bachelor of Laws. Oft sind die Studiengänge an Fachhochschulen auf die freie Wirtschaft oder öffentliches Recht ausgelegt. Eine Übersicht der Fachhochschulen in Deutschland, die solche rechtswissenschaftliche Studiengänge anbieten, findest du hier.

Falls du viel Geld hast, kannst du dich auch an einer privaten Hochschule für ein Jurastudium bewerben. Dort werden viele Studiengänge im Bereich Rechtswissenschaften angeboten, die meisten sind dabei allerdings berufsbegleitend. Der Nachteil an privaten Hochschulen ist definitiv der hohe Kostenpunkt, aber es kann sich durchaus lohnen. Denn private Hochschulen pflegen gute Kontakte in der rechtswissenschaftlichen Branche und der Berufseinstieg kann sich einfacher gestalten.

Auch ein Fernstudium kann sich lohnen. Denn hierbei ist man nicht eingeschränkt von festgelegten Vorlesungszeiten, sondern kann sich das Studium und den Lernaufwand selbst einteilen. Natürlich solltest du bei einem rechtswissenschaftlichen Studium an einer Fernschule trotzdem immer am Ball bleiben, damit du nicht hinterherhinkst.

Ein Auslandsstudium erweist sich hingegen eher als schwierig. Die meisten Länder haben ein anderes Rechtssystem und die Chancen mit einem ausländischen Abschluss in Rechtswissenschaften in Deutschland zu praktizieren, sind eher gering. Es sei denn, du strebst eine Karriere in einem internationalen Unternehmen an, denn dann kann ein Studium im Ausland viele Vorteile mit sich bringen.

Zulassungsvoraussetzungen für ein Jurastudium

Für das klassische Jurastudium an einer Universität brauchst du das Abitur oder die fachgebundene Hochschulreife. Und leider brauchst du auch meistens einen ziemlich guten Schnitt, um dich für ein Jurastudium zu bewerben. Denn die Bewerberzahlen sind hoch und die Plätze begrenzt. Somit sind die meisten rechtswissenschaftlichen Studiengänge NC-beschränkt. Allerdings unterscheiden sich die NC’s erheblich von Hochschule zu Hochschule. In Berlin, Bonn, Düsseldorf, Köln und Münster brauchst du einen guten Abiturschnitt von 1,6 bis 1,9. Ansonsten nehmen viele Universitäten auch Bewerber mit einem Schnitt zwischen 2,0 bis 2,9. Und einige Universitäten nehmen dich auch mit einem 3er Schnitt.

Falls du trotzdem auf Nummer sicher gehen willst, kannst du dich auch gerne an Universitäten ohne NC-Beschränkung für das Jurastudium bewerben. Dies ist an den Universitäten in Würzburg, Passau, Greifswald, Trier, Regensburg, Jena, Halle/Saale, Frankfurt (Oder), Erlangen und Erfurt der Fall. Das Abitur ist bei der Auswahl jedoch meistens nicht der wichtigste Faktor. Es können auch andere Dinge mitreinzählen wie absolvierte Praktika, Wartesemester oder Freiwilligendienste. Lass dich also vom NC nicht zu sehr abschrecken!

An anderen Hochschulen ist ein rechtswissenschaftliches Bachelor oder Master Studium auch mit der Fachhochschulreife möglich. Aber selbst wenn du kein Abitur oder die Fachhochschulreife besitzt, kannst du Jura studieren! Allerdings musst du vorher einige Tests ablegen, um deine Fähigkeiten zu beweisen. Dazu bieten die Hochschulen Informationen auf ihren Websites an, damit Bewerber sehen können, was sie alles zu beachten haben und welche sonstigen Voraussetzungen sie mitbringen müssen, um ohne allgemeine Hochschulreife zu studieren.

Wie ist ein Jurastudium aufgebaut?

Das rechtswissenschaftliche Studium an einer Hochschule umfasst meistens 9 Semester, also 4 ½ Jahre. Das sind 1 ½ Jahre länger als bei anderen Studiengängen, jedoch kann sich die investierte Zeit später lohnen. In der Regel unterteilt sich das Studium in ein Grund- und in ein Hauptstudium. Das Grundstudium findet in den ersten 4 Semestern statt. Hier lernst du die Basics: vom Bürgerlichen, Öffentlichen bis hin zum Strafrecht, wobei du dich im Laufe des Studium auf ein Rechtsgebiet spezialisieren musst. Danach findet eine Zwischenprüfung statt, die du bestehen musst, um dein Hauptstudium weiterzuführen.

Das Hauptstudium gliedert sich dann in 5 Semester, in denen du auch einen Schwerpunkt wählen musst. Entweder du spezialisierst dich auf Familienrecht, Medienrecht, Erbrecht, etc. Das liegt natürlich an dir und deinen Interessen. Danach folgt dann das 1. Staatsexamen, oder auch die erste juristische Prüfung. Hier werden circa 70% deines Grundstudiums staatlich geprüft und 30% deines Hauptstudiums von der Universität selbst abgefragt. Wenn du das erfolgreich bestanden hast, musst du ein 2-jähriges Referendariat machen, sozusagen ein Praktikum, und dann ein 2. Staatsexamen ablegen. Dabei unterscheiden sich die Inhalte je nach Bundesland und Hochschule. Beim 2. Staatsexamen kannst du mit 7-11 Prüfungen und einer mündlichen Prüfung rechnen. Hast du das alles erfolgreich bestanden, kannst du dich endlich als Volljuristen bezeichnen.

Vor allem vor dem Staatsexamen haben die meisten Panik und es kursieren einige Horrorgeschichten über hohe Durchfallquoten. Um sich gut darauf vorzubereiten, besuchen viele angehende Juristen ein Repetitorium. Doch was ist das eigentlich und muss man das wirklich machen?

Repetitorium – Die Hilfe für dein Staatsexamen

Das Repetitorium ist grundsätzlich ein Kurs, der angeboten wird, der dir helfen soll, dich auf das Staatsexamen vorzubereiten. Dabei wird das Wissen, das du dir im Grund- oder Hauptstudium angeeignet hast, wiederholt. Somit versprechen die meisten Repetitorien eine optimale Vorbereitung für das Staatsexamen. Mittlerweile kannst du zwischen verschiedenen Formen des Repetitoriums wählen. Die einfache und deutlich günstigere Alternative sind Repetitorien, die von den Universitäten selbst angeboten werden. Fast alle Universitäten bieten ihre eigenen Kurse an und das Gute daran ist, dass sie vollkommen kostenlos sind. Dabei wird dir und deinem Kurs ein Dozent zur Verfügung gestellt, der dir die Themeninhalte näher bringen soll. Der Nachteil: manchmal können die Profs den Lernstoff nicht so gut vermitteln und das Ganze ist eher theoriebezogen. Daher kannst du dir überlegen, auch ein privates Repetitorium zu besuchen.

Private Repetitorien

Private Repetitorien sind sehr beliebt und werden in vielen Städten angeboten. Dabei werden die Kurse von Juristen oder eben Rechtsanwälten geführt, die dir den Lernstoff vielleicht besser näherbringen können, da sie mitten im Thema sind. Die Kurse sind meistens auch relativ klein, was den Vorteil hat, den Überblick nicht zu verlieren und deine eigenen Stärken und Schwächen besser beleuchtet werden können. In privaten Repetitorien werden auch viele Übungsmaterialien zur Verfügung gestellt und es ist alles sehr praxisbezogen. Das bringt dich im Staatsexamen vielleicht weiter und du hast eine bessere Chance zu bestehen. Der Nachteil an privaten Repetitorien sind allerdings die Kosten. Somit kannst du mit 120-200 Euro pro Monat rechnen und der Kurs kann bis zu 18 Monaten dauern. Falls du finanziell also nicht gut abgesichert bist, musst du dir einen Nebenjob suchen, was sich auch ziemlich auf deine Lernzeit auswirken kann.

Natürlich sind solche Repetitorien nicht Pflicht. Du kannst den Lernstoff auch alleine pauken, allerdings ist das sehr viel Aufwand und du kannst schnell den Überblick verlieren. Du brauchst also viel Disziplin und ein hohes Maß an Organisationstalent, damit du der vielen Literatur und den Fallproblemen gerecht wirst. Auch Lerngruppen bieten sich gut an, um sich auf das Staatsexamen vorzubereiten. Denn in Lerngruppen kannst du wichtige Informationen aufschnappen, die dir vielleicht sonst entgangen wären. Eine perfekte Mischung wäre natürlich das Repetitorium und eine Lerngruppe. Somit kannst du dich optimal auf das Staatsexamen vorbereiten und den Traum einer Juristenkarriere verwirklichen.

Fazit

Du siehst, ein Jurastudium ist kein Zuckerschlecken. Du wirst einiges an Durchhaltevermögen und Motivation mitbringen müssen, denn der Lernaufwand ist enorm. Auch die Kosten solltest du nicht unterschätzen, vor allem an privaten Hochschulen. Die Kosten für ein privates Repetitorium kannst du dir sparen, da die Universitäten ihre eigenen Kurse anbieten. Jedoch sind die eher theoriebezogen und das private Repetitorium bringt dir praxisbezogene Fälle näher. Wenn du jedoch ein klares Ziel vor Augen hast und dich das hohe Lernpensum und die Staatsexamen nicht abschrecken, dann steht deinem Jurastudium natürlich nichts mehr im Weg!

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