Geisteswissenschaften – Und was dann?

Geisteswissenschaften

„Und was macht man später dann damit?“

Würden Studierende der Geisteswissenschaft jedes Mal, wenn sie diese Frage hören, Geld bekommen, wären sie jetzt wahrscheinlich nicht so arm wie jeder denkt. Jeder, der in irgendeiner Weise Geisteswissenschaften studiert, muss sich irgendwann mit solchen Fragen aus dem Umfeld befassen. Geisteswissenschaften sind kein richtiges Studium, man findet keinen Job, wird arbeitslos und endet dann auf der Straße. Hätte man doch lieber auf Opa gehört und was Gescheites studiert. Aber stimmt das? Was macht man mit einem geisteswissenschaftlichen Abschluss? Welche Berufschancen hat man mit Geisteswissenschaften? Und gibt es Tipps für eine erfolgreichere Jobsuche? Hier findet ihr Antworten.


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Was versteht man unter Geisteswissenschaften?

Geisteswissenschaften untersuchen hauptsächlich die Gebiete der Kultur. Doch auch geistige, soziale, historische, politische und religiöse Themen sind Bestandteil von Geisteswissenschaften. Bekannte Studiengänge dieser Wissenschaft sind vor allem Sozialwissenschaften, Humanwissenschaften, Kulturwissenschaften, Sprachwissenschaften, etc. Mittlerweile kann man aus einem großen Angebot an Geisteswissenschaften an Hochschulen entscheiden. Allerdings fällt die Wahl dabei nicht immer ganz leicht, da es immer mehr ausgefallenere Studiengänge gibt.

Geisteswissenschaften kann man entweder als einzelnes Fach oder in Kombination mit einem 2-Fach-Bachelor studieren. Als einzelnes Fach kann man sich voll und ganz auf den jeweiligen Studiengang konzentrieren. Bei einem 2-Fach-Bachelor kann man ein Haupt- und ein Nebenfach wählen und hat somit eine breitere Auswahl an Studienfächern. Geisteswissenschaften sind beliebte Studienrichtungen – auch heute studieren bis zu 350.000 Studierende einen Studiengang, der den Geisteswissenschaften untergeordnet wird. Und das obwohl sie ja angeblich keine Zukunftsperspektive bringen.

Welche Berufszweige kann man mit Geisteswissenschaften wählen?

„Die Berufszweige für Geisteswissenschaftler sind sehr vielseitig.“ Diesen Satz hört und liest man immer wieder, wenn man sich nach Berufen nach einem geisteswissenschaftlichen Studium umsieht. Allerdings ist das gar nicht mal so falsch! Da Geisteswissenschaftler eine große Vielzahl an Themen behandeln und sich nicht nur auf einen Schwerpunkt fokussieren, gibt es einige Berufszweige, die Studierende in diesem Fach nachgehen können. Einige davon haben wir hier für euch aufgelistet:

Journalismus

Um Journalist zu werden und bei einer Zeitung zu arbeiten, muss man strenggenommen nicht unbedingt Journalismus studieren. Auch ein Studium der Sprach-, Literatur- oder Kulturwissenschaften kann zu einer Karriere im Journalismus verhelfen. Wichtig dabei ist, dass man genug Praxiserfahrung sammelt. Also am besten Praktika während des Studiums absolvieren oder als freier Mitarbeiter bei einer Zeitung arbeiten! Direkt nach dem Studium als Journalist zu arbeiten, ist für Geisteswissenschaftler eher schwierig. Deshalb bietet sich hier die Möglichkeit, ein Volontariat zu machen und somit genug Praxiserfahrung zu sammeln.

Verlagswesen

Das Verlagswesen ist ein beliebtes Berufsziel für Geisteswissenschaftler. Denn hier bietet sich die Möglichkeit, in einigen Bereichen zu arbeiten: Ob im Lektorat, im Vertrieb, in der Presse oder im Bereich Rechte und Lizenzen. Was viele nicht wissen: Vor allem im Bereich Rechte und Lizenzen arbeiten viele Sprachwissenschaftler – also diejenigen, die zum Beispiel Anglistik studiert haben. In der Verlagsbranche ist es auch üblich, dass sich viele Lektoren einfach selbstständig machen und somit ihr eigener Chef sind.

Kulturwirtschaft

Natürlich kann man mit einem geisteswissenschaftlichen Abschluss auch in den Kulturbereich gehen. Museen, Galerien oder Theater sind nur einige der Bereiche, in denen man mit einem geisteswissenschaftlichen Fach arbeiten kann.

Werbung

Wer als Geisteswissenschaftler nicht stur in die Richtung von Literatur oder Kultur gehen möchte, kann auch in der Werbung Fuß fassen. Vor allem Berufe in der Kundenberatung oder Marktforschung sind durchaus beliebt und können von Geisteswissenschaftlern ausgeübt werden.

Medienbranche

Ihr findet traditionelle Berufe eines Geisteswissenschaftlers eher langweilig? Dann könnt ihr auch in den Bereich der Medien gehen! Klar, die Floskel „irgendwas mit Medien“ ist auch schon überbenutzt, aber Berufe im Content-Management und in der Online-Redaktion werden im Zeitalter des Social Media Wahns immer beliebter und werden oft gesucht. Hier muss man wahrscheinlich ein paar Zusatzqualifikationen erwerben, aber so gut wie jede Universität bietet bestimmte Kurse dazu an (zum Beispiel Excel, HTML oder Photoshop).

Unternehmensberatung

Viele Geisteswissenschaftler arbeiten auch im Bereich der Unternehmensberatung. Aufgrund ihrer guten Analyse sowie Ausdrucksvermögen, ist dieser Beruf oft ideal für Studenten mit einem geisteswissenschaftlichen Abschluss. Allerdings gehören hier auch Weiterbildungen dazu, um sich in fremde Fachbereiche einarbeiten zu können. Doch so lange man Ehrgeiz und Motivation mitbringt, ist Unternehmensberatung eine gute Alternative zu den üblichen Berufen.

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Wie stehen die Chancen, einen guten Job zu bekommen?

Geisteswissenschaftler müssen leider oft sehr viel flexibler, anpassungsfähiger und kreativer sein, wenn es um die Jobsuche geht. Der Studienabschluss „Anglistik“ oder „Geschichte“ wird nicht wirklich ausdrücklich gesucht und somit müssen sich Geisteswissenschaftler in vielen Bereichen umschauen und einige Zusatzqualifikationen erwerben. Das Gerücht, dass Geisteswissenschaftler die größte Arbeitslosenquote aufweisen, stimmt allerdings nicht. Die Arbeitslosenquote liegt bei unter 3%, was sich nicht groß von anderen Studienabschlüssen unterscheidet. Jedoch muss man hier auch innerhalb des Fachs unterscheiden: Somit haben Historiker eine größere Arbeitslosenquote als Sprach- oder Literaturwissenschaftler.

Auch die Suche nach einem passenden Job ist für Geisteswissenschaftler oftmals eine längere Angelegenheit. Sie müssen nach ihrem Abschluss länger nach einem Job suchen und fühlen sich oft überqualifiziert mit ihren Aufgaben. Hinzu kommt, dass viele Berufe im Kulturbereich oft nur als Teilzeitstellen oder befristet angeboten werden. Nicht wirklich lukrativ.

Aber nicht verzweifeln! Auch wenn Geisteswissenschaftler länger suchen müssen, heißt das nicht, dass sie für immer auf der Suche sind und in der Arbeitslosigkeit versinken. Sie müssen sich nur ein bisschen mehr anstrengen. Außerdem hat man in den meisten Fällen bessere Chancen, in einem bestimmten Zweig einen Beruf zu finden, wenn man den Master-Abschluss vorweisen kann. Ein weiterer Vorteil ist das Studium eines 2-Fach-Bachelors. Denn hier fokussiert man sich nicht nur auf eine Richtung, sondern kann auch ein anderes Studienfach erlernen. Durchaus beliebt ist die Kombination eines sprachwissenschaftlichen Faches mit einem Fach der Medienwissenschaft. Wenn man in die Unternehmensbranche will, eignen sich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften besser.

Wie viel verdienen Geisteswissenschaftler?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht wirklich beantworten. Jedoch gibt es ein ungefähres Durchschnittsgehalt. Bachelor-Absolventen verdienen im Schnitt weniger als Master-Absolventen und wer eine Promotion macht, verdient deutlich mehr. Natürlich muss man zwischen Branchen und Regionen unterscheiden. Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle, denn in manchen Branchen kann ein Bachelor-Absolvent in größeren Unternehmen mehr verdienen als ein Master-Absolvent in einem kleinen. Als Geisteswissenschaftler verdient man am Anfang nicht wirklich viel – denn viele Studenten mit einem geisteswissenschaftlichen Abschluss sind nicht an einer Führungsposition interessiert. Doch wer gefragte Qualifikationen mitbringt und sich nicht davor scheut, noch einige Zusatzqualifikationen zu lernen, der kann auch als Geisteswissenschaftler auf der Gehaltsleiter nach oben steigen.

Tipps für bessere Zukunftschancen

Auch wenn ihr mit Geisteswissenschaften einige Berufe ergreifen könnt, so könnt ihr euch auch an Tipps orientieren, wie das mit der Jobsuche noch besser klappt. Ein Studium öffnet zwar viele Türen, jedoch verlangen Unternehmen in der heutigen Zeit oftmals mehr. Vor allem für Geisteswissenschaftler kann ein nur ein gelerntes Hauptfach Schwierigkeiten mit sich bringen. Daher empfiehlt es sich noch ein Nebenfach zu wählen, damit man auch noch andere Studienfächer und Interessen vorzeigen kann. Ein 2-Fach-Bachelor ist außerdem eine gute Alternative für diejenigen, die sich nicht wirklich entscheiden können und somit zwei Interessengebieten vereinen können. Ein Master-Abschluss in Geisteswissenschaften bringt zudem oft bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, aber er ist natürlich kein Muss! Hier sind noch ein paar weitere Tipps, die euch helfen können, nach einem geisteswissenschaftlichen Abschluss bessere Berufsmöglichkeiten zu ergreifen:

Praktika

Auch wenn Praktika sich wie eine alte Leier anhören, sie sind von entscheidender Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt. Denn viele Unternehmen wollen von den Bewerbern Praxiserfahrung sehen, damit es ersichtlich wird, wer sich wirklich für den Beruf interessiert. Da sich in den meisten Studiengängen schon die Chance ergibt, ein Pflichtpraktikum zu absolvieren, ist das eine geeignete Möglichkeit bereits einen interessanten Weg einzuschlagen. Allerdings solltet ihr euch nicht nur 6 Wochen Zeit dafür nehmen, sondern am besten 3 Monate. Die meisten Unternehmen bieten Praktika sowieso erst ab 3 Monaten an. Am besten nehmt ihr euch ein Urlaubssemester oder ihr macht das Praktikum in eurer vorlesungsfreien Zeit!

Nebenjob im gewünschten Berufsziel

Wer neben dem Studium noch die Zeit findet zu arbeiten, sollte diese Gelegenheit nutzen, sich einen Nebenjob in der gewünschten Berufsbranche zu ergattern. Das zeigt, dass man Interesse an dem jeweiligen Berufsbild hat und man lernt gleich einiges dazu. Vor allem ein Nebenjob als freier Mitarbeiter bei einer Zeitung ist ein beliebter Beruf unter Studenten, denn es ist nicht zu zeitaufwendig und man hat die geeignete Praxiserfahrung, wenn man in die Journalismusbranche möchte.

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Bedingungen für Wunsch-Job aufschreiben

Ihr wollt als Geisteswissenschaftler in eine bestimme Richtung gehen, aber wisst nicht genau, ob ihr damit Chancen habt? Ihr könnt die bestimmten Qualifikationen, die für diesen Beruf notwendig sind, einfach aufschreiben. So seht ihr was euch noch fehlt und ihr habt ein grobes Bild im Kopf von den Dingen, die ihr noch nachholen müsst. Die fehlenden Qualifikationen könnt ihr dann in Praktika erlernen, oder in Kursen an der Uni nachholen.

Offenheit

Viele Geisteswissenschaftler finden nicht auf Anhieb einen Job oder können nicht sofort in ihrem Wunschberuf arbeiten. In diesem Fall ist Offenheit gefragt: Denn viele Absolventen mit einem geisteswissenschaftlichen Abschluss sind Quereinsteiger. Ihr verdient zwar weniger am Anfang und müsst einiges lernen, aber dafür könnt ihr euch hocharbeiten und habt einen guten Job, der anfangs vielleicht nicht ganz auf euren Abschluss ausgerichtet ist.

Fazit

Ihr seht also, auch Geisteswissenschaftler finden einen Job. Es kann zwar etwas länger dauern, aber ihr solltet nicht sofort aufgeben, wenn ihr keinen richtigen Beruf nach dem Abschluss findet. Vielen eurer Kollegen geht es genauso und es kann eine Weile dauern bis ihr einen geeigneten Job habt. Aber wenn ihr Geduld und eine gewisse Offenheit an den Tag legt, dann findet ihr bestimmt einen tollen Job, der euch Spaß macht – auch mit Geisteswissenschaften.

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