Volontariat - ist das das richtige für dich

Es gibt viele Wege, um während oder nach dem Studium Berufserfahrungen zu sammeln. Praktika, Werkstudentenjobs, und viele weitere kennt ihr wahrscheinlich schon. Aber was hat es eigentlich mit Volontariaten auf sich? Ist ein Volontariat nach dem Studium sinnvoll? In welchen Branchen kann man das machen und kann ich eine Bezahlung erwarten? 

Das Volontariat – ein Freiwilligendienst?

Die ein oder anderen haben sicher schon von “Volontariaten” gehört. Viele wissen aber auch nicht, was es damit überhaupt auf sich hat.

Wenn man den Begriff zum ersten mal hört, wird man schnell mal dazu verleitet, zu meinen, dass es sich hierbei um einen Freiwilligendienst handelt und somit nicht bezahlt wird – wie bei einem Ehrenamt eben. Von einem Ehrenamt sind Volontariate allerdings meilenweit entfernt – zumindest im Idealfall.

Volontariate sind Tätigkeiten im journalistischen, kulturellen oder medialen Bereich. Dabei ist rechtlich nicht ganz klar, ob ein Volontariat als Ausbildung oder Anstellung gewertet werden soll. Im Endeffekt könnt ihr erwarten, deutlich mehr Tätigkeiten als bei einem Praktikum zu übernehmen, aber dennoch nicht wie ein/e Angestellte/r zu arbeiten.

Bereiche

Volontariat im journalistischen Bereich

Wollt ihr eine journalistische Karriere antreten, sind Volontariate meist unumgänglich. Laut dem deutschen Journalisten-Verband absolvieren rund 80% aller angehenden JournalistInnen zunächst ein Volontariat. Aber das ist nicht der einzige Bereich, in dem ihr ein Volontariat machen könnt.

Volontariate gibt es bei:

  • Zeitungen, Zeitschriften und Anzeigeblättern
  • Online-Redaktionen
  • Agenturen
  • Hör- und Rundfunkstationen
  • Behörden, Museen und Kunsthändlern

Wenn ihr euch nicht für den journalistischen bzw. gesellschaftswissenschaftlichen Bereich interessiert, ist ein Trainee-Programm vielleicht eher was für euch. Das Trainee-Programm ermöglicht einen beruflichen Einstieg mit wenig oder gar keiner Berufserfahrung nach dem Abschluss eures Studiums. Auch, wenn es kein Garant ist, habt ihr danach natürlich immer die Chance, anschließend eine Anstellung in demselben Unternehmen angeboten zu bekommen. Aber zurück zum Thema…

Ein paar Eckdaten

Bevor ihr euch in die Bewerbungen stürzt, erstmal ein paar Eckdaten:

  • Ein Volontariat hat meist eine Dauer von 12 bis 24 Monaten.
  • Volontariate müssen laut Berufsbildungsgesetz vergütet werden. Allerdings gibt es hierfür keine einheitliche Regelung. Volontariate sind von der Mindestlohnregelung befreit, wodurch jeder Vertrag individuell ausgehandelt wird. Normalerweise gibt es eine Aufwandsentschädigung, damit man seine Lebenshaltungskosten während des Volontariats auch bestreiten kann.
  • Volontariate können zwar als journalistische Ausbildungen bezeichnet werden, es gibt trotzdem keinen einheitlichen Ausbildungsplan. Allerdings gibt es gewisse Vorschriften bezüglich dessen, was ihr während eures Volontariats bei einer Zeitung oder einem Rundfunksender gelernt bzw. gemacht haben müsst. Informiert euch also, was euch genau zusteht und pocht auch darauf, das machen zu dürfen.

Was könnt ihr in einem Volontariat erwarten?

Ein Volontariat ist dazu da, euch einen intensiven Einblick in den von euch gewählten Berufszweig zu geben. Nehmen wir z.B. mal eine Tageszeitung. Hier steht euch zu, während eures “Volos” für je 2 Monate in drei unterschiedlichen Ressorts zu arbeiten.

Hinzu kommen natürlich die “klassischen” journalistischen Fähigkeiten, die ihr auf eurem Weg zum Reporter, Redakteur, etc. erlernen müsst. Ihr lernt, Artikel zu schreiben, zu recherchieren, redigieren, und und und. Dabei solltet ihr aber nicht nur stumpf immer mit der gleichen Art von Berichterstattung arbeiten, sondern neben “normalen” Artikeln auch Interviews führen, Kommentare, Glossen, Features und vieles Weitere schreiben.

Außerdem soll euch bei einem solchen Volontariat Technikkompetenz vermittelt werden! Artikel sind ja gut und schön, aber ohne das Ganze drum herum funktionieren Nachrichtensender und Zeitungen eben auch nicht.

Du hältst dich schon für einen unbelehrbaren Social-Media-Experten? Beim Volo lernst du, professionell mit Facebook & Co umzugehen und auf diesem Weg durch Content Marketing für euch zu werben.

Last but not least: Deine Wortgewandtheit mag dich zu dem Autoren schlechthin machen, aber das hilft dir nichts, wenn du nicht mit anderen zusammenarbeiten kannst – zumindest nicht im journalistischen Bereich. Beim Volo sollte es nicht zu kurz kommen, dir ein gewisses Teambewusstsein zu vermitteln.

Während dieser ganzen Zeit, sollte euch ein Mentor zugeteilt sein, der euch durch das Volontariat begleitet und euch Leitung und Unterstützung bietet.

Was wird von euch erwartet?

Da ein Volontariat normalerweise einem abgeschlossenen Studium und idealerweise praktischer Berufserfahrung folgt, wird von euch mehr erwartet, als bei einem Pflichtpraktikum neben der Uni. Nach einer gewissen Einarbeitungszeit wird von euch erwartet, dass ihr eure (mehr oder minder) neuen Aufgaben sicher und selbstständig umsetzt. Während ihr bei einem Praktikum oftmals nur “reinschnuppert” und eher unwichtige Aufgaben zugeteilt bekommt, müsst bzw. dürft ihr bei einem Volo deutlich mehr Verantwortung übernehmen und nach gewisser Zeit mit euren KollegInnen auf Augenhöhe arbeiten.

Volontariat Aufgaben
Was, wenn zu viel oder zu wenig verlangt wird?

Ein Volontariat ist eine tolle Chance, um Berufserfahrungen zu sammeln, erste berufliche Verantwortungen zu übernehmen und eure journalistische Karriere loszutreten. Blöd nur, wenn es gar nicht so läuft, wie geplant.

Was ist, wenn ihr nur wie ein/e Praktikant/in behandelt werdet, der/die immer nur Kaffee holen, Kopien machen oder Akten ordnen soll? Wenn ihr euch in den ersten Wochen eures Volos befindet: nur ruhig Blut. Schließlich seid ihr im Normalfall 2 Jahre lang hier und habt sicher noch die Gelegenheit, tolle Aufgaben mit viel Verantwortung zu übernehmen. Allerdings solltet ihr solche Unsicherheiten stets mit eurem Mentor noch während eurer anfänglichen Probezeit regeln. Gefällt euch das Volo nämlich gar nicht, solltet ihr keine zwei Jahres eures Lebens darauf verschwenden. Wartet dabei lange genug (aber nicht zu lange) ab und macht nicht gleich bei der ersten blöden Aufgabe eine Szene. Erklärt in Ruhe, dass ihr hier etwas lernen wollt und, dass ihr euch euer Volontariat anders vorgestellt hattet.

Natürlich gibt es auch das genaue Gegenteil: Eigentlich seid ihr nicht fest angestellt und werdet auch bei Weitem nicht gut genug bezahlt (hierzu später mehr), müsst aber sofort einen Redakteur ersetzen, für den die Zeitung keinen Ersatz finden konnte. Ist das der Fall, solltet ihr euren Mentor darauf hinweisen. Schließlich handelt es sich hierbei um eine Ausbildung und keine Festanstellung! Natürlich ist es toll, wenn es euch möglich ist, neue Dinge zu lernen und dafür auch Verantwortung zu übernehmen – allerdings kann nicht von euch erwartet werden, beinahe täglich bis nachts im Büro zu sitzen, weil eine dringende Deadline ansteht. Zumindest nicht bei mickrigen 1200€ monatlich. Ob ihr auf eine Gehaltserhöhung oder eine Entlastung besteht, ist euch überlassen, wichtig ist nur, dass ihr es nicht einfach so hinnehmt.

Wie viel Gehalt steht mir zu?

Sobald es kein festgelegtes Monatsgehalt gibt, muss man selber ran: verhandeln. Manche Arbeitgeber verlangen von euch, selbst nach einem gewissen Gehalt zu fragen (wohlwissend, dass sich viele junge Leute drastisch unter Wert verkaufen), andere machen euch ein Angebot. Und als solches solltet ihr es auch betrachten! Wenn euch eine Zahl genannt wird, heißt das (fast) nie, dass sich daran nichts mehr machen lässt. Macht ein faires Gegenangebot und seht, wohin es euch führt. Wenn ihr nicht gerade ein gänzlich absurdes Angebot macht, wird euch deswegen niemand den Volontariatsplatz wegnehmen.

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Was aber ist ein vernünftiges Angebot?

Vielen habe ich damit vermutlich nicht weitergeholfen: Was ist ein absurdes, was ein vernünftiges Angebot?

Es kommt prinzipiell ganz auf euch an. Habt ihr “nur” ein abgeschlossenes Studium, und wenn ja, Bachelor oder Master? Wie gut war eure Note? Habt ihr schon ausreichend praktische Erfahrungen gesammelt oder nur das Nötigste (Stichwort: Pflichtpraktikum) gemacht? Je mehr ihr zu bieten habt, desto mehr “seid ihr auch wert”. Schließlich muss jemand, der oder die als freie/r Journalist/in gearbeitet hat und bereits mit eigens geschriebenen Artikeln prahlen darf, weniger lange eingearbeitet werden, als jemand, der außer seinem oder ihrem Studium in Kommunikations- und Sozialwissenschaft eigentlich nichts zu bieten hat. Natürlich ist dieses “nichts” an dieser Stelle etwas überspitzt. Schließlich solltet ihr auch stets mit euren Soft Skills werben!

Mal ganz konkret: Wie viel darf ich jetzt verlangen? Oftmals werden Volontariate nur mit dem Mindestlohn vergütet. Damit liegt ihr (je nach Anzahl der Arbeitstage) bei rund 1400€ monatlich. Weniger solltet ihr jedoch auf keinen Fall hinnehmen, wenn ihr nicht noch Unterstützung von anderswo bekommt. Schließlich handelt es sich hierbei um einen Bruttolohn, von dem erstmal Steuern abgezogen werden. Steuerfrei lebt’s sich nämlich nur mit 750€ pro Monat bzw. 9000€ jährlich und so wenig solltet ihr auf keinen Fall hinnehmen. Überlegt euch also, wie viel ihr zum Leben braucht. Schließlich werdet ihr hier zwei ganze Jahre verbringen – ohne Zeit für einen Nebenjob. Wenn es euch also zur FAZ zieht, solltet ihr die grandiosen Frankfurter Mietpreise nicht vergessen und das auch bei einem schlechten Gehaltsangebot zur Sprache bringen. Wohin es euch auch zieht: über 2000€ brutto gibt es nur selten; wenn ihr euch aber sicher seid, dass da noch mehr drin ist – nur zu!

Wie stehen die Chancen um einen Platz?

Bevor ihr jetzt Luftsprünge macht und das Volo zu einem festen Bestandteil eurer Zukunftsplanung macht, solltet ihr euch darüber klar werden, wie es mit euren Chancen auf einen Volontariatsplatz überhaupt aussieht.

Eigentlich braucht ihr fast keine Voraussetzungen für ein Volo. Eine schon: ihr braucht in jedem Fall einen Schulabschluss. Wie auch beim NC gilt hier allerdings: zuerst werden die Plätze an die besten Bewerber vergeben, und dann an die schlechteren. Mit “besser” und “schlechter” ist hier unter anderem die Höhe des Abschlusses gemeint, über den ihr verfügt. Wenn ihr also nur die Hochschulreife erreicht habt und ein Mitbewerber einen 1,5er Bachelorabschluss hat, stehen eure Chancen eher schlecht.

Viele Unternehmen vermerken in ihrer Stellenanzeige auch explizit, dass Sie nur Bewerber mit einem abgeschlossenem Studium annehmen. Dabei ist es gar nicht mal so wichtig, was ihr studiert habt. Zwar kann man inzwischen Journalistik studieren, allerdings ist das für eine journalistische Karriere nun wirklich kein Muss. So gibt es in jeder Zeitung verschiedene Ressorts, wie Politik, Wirtschaft oder Feuilleton, die sich stets über Nachwuchs mit ordentlich Fachwissen freuen!

Es ist auch möglich, ein Volo im Anschluss an eine abgeschlossene Ausbildung zu machen – allerdings ist das wie gesagt nicht überall möglich. Das heißt allerdings nicht, dass ein Volo für euch aussichtslos ist: ihr müsst bloß länger suchen und euch eventuell damit abfinden, dass es in der Traumstadt vielleicht nichts wird.

Fazit

Volo oder No-Go? Ob ein Volontariat das Richtige für euch ist, müsst ihr selbst entscheiden. Gesagt sei bloß, dass sich ohne Volo der Einstieg in eine journalistische Karriere ganz schön schwierig gestaltet. Sobald ihr denkt, dass ihr das Richtige gefunden habt, solltet ihr nicht verzweifeln, wenn euer Arbeitsalltag nicht euren Vorstellungen entspricht. Sprecht mit eurem Mentor und wenn angemessen auch euren Kollegen, um zu entscheiden, ob es wirklich ein totaler Reinfall ist, oder ob sich das Ganze mit etwas Kommunikation in die richtige Richtung lenken lässt.

Bei (großen) Tageszeitungen sind Volontariate eigentlich Standard, weshalb ihr nicht mit besonders vielen Stolpersteinen rechnen solltet. Seid ihr allerdings beim Rundfunk oder einer Zeitschrift beschäftigt, sind Volos oftmals ganz schön unreguliert. Achtet also bei eurem Bewerbungsgespräch schon darauf, wie euch die Stelle verkauft wird und klärt euren Aufgabenkanon schon vorab.