Ehrenamt: Warum und wie Studenten sich engagieren sollten

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 Foto: zinkevych/Fotolia

Wie wir im Artikel „Diese Studenten! Die Wahrheit über das Klischeedenken“ bereits aufgedeckt haben, hat die Zeit an der Universität für viele Studenten heutzutage nichts mehr mit Faulenzerei oder Party machen zu tun. Stattdessen treiben der Leistungsdruck und die Zukunftssorgen sogar immer mehr Studenten in die psychische Erkrankung. Stress während der Studienzeit? Ja, denn spätestens seit der Umstellung auf das Bologna Bachelor- und Master-System gehören Langzeitstudenten der Vergangenheit an und ebenso das beliebig häufige Wiederholen von Prüfungen.


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Der Leistungsdruck steigt und zugleich müssen immer mehr Studenten nebenbei noch arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu stemmen. Gefangen zwischen Studium, Nebenjob sowie der WG, in welcher der Staub mittlerweile meterhoch auf den Möbeln liegt, denkt da wohl kaum noch jemand an das freiwillige Engagement in einem Ehrenamt. Solltest du aber! Denn auch, wenn dieses nicht deinen Geldbeutel aufbessert und noch mehr von deiner wertvollen Zeit frisst, bringt es zahlreiche Vorteile mit sich. Warum also solltest du dich engagieren und vor allem: wie?

Ein Ehrenamt als Student – wofür überhaupt?

Auf den ersten Blick klingt das Ehrenamt nur wenig attraktiv. Viel Arbeit für wenig oder überhaupt kein Geld, wer hat darauf schon Lust?! Ein Ehrenamt ist schließlich freiwillig und so sagen die meisten Studenten freiwillig „Nein“. Auf den zweiten Blick kann dir das Ehrenamt während und nach deinem Studium aber eine Menge Vorteile bringen und Türen öffnen, welche dir sonst vielleicht trotz guter Noten verschlossen blieben. Welche Gründe sprechen also für das Engagement in einem studentischen Ehrenamt, auch wenn du lieber Freizeit hättest oder Party machen würdest – um die Klischees doch noch zu bestätigen?

1: Ein Ehrenamt macht sich gut im Lebenslauf

Es ist noch nicht allzu lange her, da achteten Recruiter bei der Bewerberauswahl vor allem auf den Notendurchschnitt. In einige Branchen mag das durchaus noch der Fall sein und gänzlich unwichtig sind die kleinen Zahlen in deinem Zeugnis gewiss nirgendwo, dennoch geht der Trend zunehmend weg von den Noten als Auswahlgrundlage. Stattdessen rückt die Persönlichkeit der Bewerber in den Fokus. Unternehmen wünschen sich teamfähige sowie engagierte Mitarbeiter mit sozialen Kompetenzen und den sogenannten Soft Skills, auf welche wir später noch genauer eingehen werden.

Fakt ist also: Soziales Engagement wertet deinen Lebenslauf auf und sorgt zugleich für weitere Fähigkeiten, die du nicht in der Universität oder Hochschule lernst, welche aber ebenfalls als großes Plus in deiner Bewerbung zu werten sind. Anstatt noch zwei Stunden länger zu lernen, um deine Kommilitonen um 0,1 Notenpunkte zu übertrumpfen, solltest du die Zeit also vielleicht lieber in ein Ehrenamt investieren und dir dadurch einen tatsächlichen Wettbewerbsvorteil für deine zukünftigen Bewerbungen verschaffen. Wenn der Personaler nämlich die Wahl zwischen zwei identisch qualifizierten Bewerbern hat, wird er sich für jenen mit dem Ehrenamt entscheiden – garantiert!

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Soziales Engagement hat so einige Vorteile. Vor allem der Lebenslauf wird dadurch deutlich aufgebessert.
| Foto: © Djordje Radosevic /Fotolia

2: Durch das Engagement entwickelst du dich weiter

Was also sind diese ominösen Soft Skills, welche du angeblich bei einem Ehrenamt lernst? Es handelt sich dabei um die sogenannten Schlüsselqualifikationen – jene Qualifikationen, die du nicht lernst, indem du einem Lehrer beziehungsweise Dozenten lauschst und nebenher aufs Smartphone starrst. Im Gegensatz zu den Hard Skills, also deinem Wissen, deinen Erfahrungen und handfesten Qualifikationen, die du durch Zeugnisse & Co nachweisen kannst, geht es bei den Soft Skills um deine Persönlichkeitsmerkmale. Emotionale Intelligenz, soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit oder auch ein überdurchschnittliches Organisationstalent wären dafür einige Beispiele. In einem Ehrenamt kannst du solche Soft Skills erlernen beziehungsweise trainieren. Zudem findest du überhaupt erst heraus, über welche Soft Skills du bereits verfügst und an welchen du noch feilen musst. All das hilft dir später im Berufsleben nicht nur bei den Bewerbungen enorm weiter.

Zudem entwickelst du dich als Persönlichkeit, gewinnst Selbstvertrauen und kannst dich orientieren: Welche Arbeit macht mir mehr Spaß und welche weniger? Wo liegen meine Talente sowie Stärken – wo meine Schwächen? Was wünsche ich mir für meinen zukünftigen Job? Auf all solche Fragen kann dir ein Ehrenamt wertvolle Antworten liefern. Und nein, die Liste der Vorteile des studentischen Engagements ist damit noch lange nicht abgeschlossen, obwohl bereits diese ersten beiden Punkte als Argumente ausreichen dürften.

3: Ein Ehrenamt kann unter Umständen angerechnet werden

So weit in die Zukunft möchtest du noch nicht denken?

Dennoch kommst du an den Vorteilen eines Ehrenamtes nicht vorbei: Je nach Universität oder Hochschule kannst du dir das Engagement eventuell als ECTS anrechnen lassen.

Das ist häufig bei Tätigkeiten in der Fakultät wie beispielsweise im Fachschaftsrat möglich. Es gibt sogar Studiengänge wie das Lehramt, wo solche „Sozialpunkte“ manchmal obligatorisch sind.

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Ehrenamtliche Tätigkeiten reichen von der Altenbetreuung über Tätigkeiten in der Suppenküche bis hin zum Räumen von öffentlichen Plätzen. Foto: zinkevych / Fotolia

4: Netzwerken für bessere berufliche (Einstiegs-) Chancen

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Vorteil eines studentischen Ehrenamtes ist die Chance zum Aufbau eines sozialen Netzwerkes. Hier kannst du Kontakte knüpfen, welche in deinem späteren Berufsleben vielleicht noch wertvoll sind. „Vitamin B“ ist im Job nämlich mindestens genauso wichtig wie deine Leistung. Die richtigen Kontakte können dir also im späteren Berufsleben die richtigen Türen öffnen und dir den Berufseinstieg sowie das Fortkommen in deiner Karriere erleichtern. Zudem hast du auch schlichtweg die Möglichkeit, durch dein Engagement Gleichgesinnte zu treffen und neue Freundschaften aufzubauen.

5: Studentisches Engagement macht dich zufriedener

Zuletzt profitierst du auch insofern von dem Ehrenamt, als dass es dir das Gefühl gibt, etwas Sinnvolles mit deinem (Studenten-) Leben anzufangen. Es schenkt dir Selbstbewusstsein, Zufriedenheit und die Erkenntnis Gutes zu tun. Wer schon einmal ein Ehrenamt innehatte, wird dir bestätigen: Schlussendlich gibt dir dieses Gefühl mehr als die WG-Party oder der schlechte Film zur Prime Time.

Wir könnten die Liste der Gründe für ein studentisches Ehrenamt noch ewig weiterführen. Die wichtigere Frage an dieser Stelle ist aber: Wie kannst du dich engagieren?

Die vielen Erscheinungsformen eines Ehrenamtes

Es gibt zahlreiche verschiedene Möglichkeiten, dich ehrenamtlich zu engagieren und da ist gewiss für jeden eine passende Option dabei. Einige wenige von vielen weiteren Beispielen wären:

• Sportverein

Du spielst leidenschaftlich gerne Fußball oder verbringst deine Wochenenden am liebsten mit Badminton? Sportvereine bieten eine optimale Möglichkeit zum sozialen Engagement. Sei es als Trainer oder in der Verwaltung – hier gibt es gewiss allerhand zu tun und du kannst dein Hobby mit dem Ehrenamt kombinieren.

Auch hier kannst du in der Freizeit nebenbei gut an den verschiedensten Soft Skills arbeiten, die dir später im Berufsleben nützlich sein können. Als Trainer gilt es, jede Menge Organisationsarbeit zu leisten, etwa um Spielpläne auszuarbeiten oder Termine festzulegen. Darüber hinaus sind analytische Fähigkeiten gefragt, schließlich soll jeder Einzelne im Team für die bestmögliche Position eingesetzt und individuelle Schwachstellen trainiert werden. Und schließlich musst du dich dort bereits im kleinen Rahmen als Führungspersönlichkeit beweisen. Dies setzt unter anderem eine Menge Selbstbewusstsein voraus.

• Hochschulradio und -fernsehen

Ein hochschuleigener Radiosender oder Youtubekanal bietet ganz unterschiedliche Möglichkeiten, wie du dich beteiligen kannst. So ist dies für alle interessant, die sich für journalistisches Arbeiten begeistern können oder hier hineinschnuppern wollen. Schließlich müssen eigene Beiträge erarbeitet werden.

Auch, wenn du auf Technik stehst, bist du beim Hochschulradio gut aufgehoben. Wer vielleicht in seiner Freizeit ohnehin Musik macht, kann sich dort ebenfalls einbringen. In der Regel sind die Studios in den Universitäten und Hochschulen exzellent ausgestattet und du kannst den Umgang mit professionellem Equipment erlernen. Für die Erstellung multimedialer Inhalte stehen Studio-Schaltpulte, moderne Lautsprecher oder hochwertige Kameras zur Verfügung. Willst du später ohnehin im Medienbereich arbeiten kannst du so einiges an praktischer Erfahrung sammeln, kennst beispielsweise die technischen Eigenschaften eines Mikrofons und weißt, welches sich etwa für Gesang am besten eignet.

• AStA

Ein klassisches Ehrenamt stellt der „Allgemeine Studierendenausschuss“, kurz ASTA, dar. Er vertritt die Studierendenschaft nach außen, wird demokratisch gewählt und übernimmt Aufgaben wie Rechts- und Sozialberatung, Wohnungs- sowie Arbeitsvermittlung und Verhandlungen, wenn es beispielsweise um die Verteuerung von Semestertickets oder andere studienrelevante Themen geht.

Auch hier kannst du deine sozialen Kompetenzen stärken, denn in erster Linie hilfst du deinen Kommilitonen bei ihren Problemen weiter. Es zählen Offenheit, Kommunikationsstärke oder auch Organisationstalent. Darüber hinaus geht es beim AStA oft auch um politische Themen. Der Ausschuss hat in bestimmten Bereichen entscheidendes Mitspracherecht.

Fazit

Schlussendlich spielt es eine untergeordnete Rolle, für welche Art von Ehrenamt du dich entscheidest. Wichtiger ist, dass du dich überhaupt engagierst und am besten funktioniert das erfahrungsgemäß in einem Bereich, der dich ohnehin interessiert. Kombiniere also deine Hobbys mit etwas ehrenamtlichem Engagement und es ergibt sich eine Win-Win-Situation!

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