ECTS – Die Welt der Leistungspunkte und Einstufungstabellen

ECTS – Die Welt der Leistungspunkte und Einstufungstabellen

Wenn du in den letzten Jahren dein Studium begonnen hast, studierst du aller Wahrscheinlichkeit nach unter den Regeln des Bologna-Prozesses. Während dieser für sich genommen eine halbwegs spannende Sache ist, betrifft dich eine Regelung vermutlich am direktesten: das ECTS-System, das Europäische System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen.

Wie dieser etwas sperrige Name schon andeutet, geht es darum, die Leistungen, die im Studium erbracht werden, zu standardisieren und einen Transfer zwischen Hochschulen, auch zwischen verschiedenen europäischen Ländern, zu ermöglichen. Das klappt in der Realität aber nur manchmal – so viel schon einmal an dieser Stelle!

Im Folgenden geben wir dir einen kurzen Überblick darüber, wie das Ganze funktioniert!

ECTS-Punkte

Ein Blick in deine Studienordnung oder dein Modulhandbuch wird dir zeigen, dass du für jede Veranstaltung, die du besuchst, eine bestimmte Menge an ECTS-Punkten (auch bekannt als: Leistungspunkte, Kreditpunkte oder Credit Points) erhält. Diese Credit Points haben, das ist die erste wichtige Lektion, erst einmal nichts mit deinen Noten zu tun.


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Üblicherweise brauchst du für einen Bachelor 180 solcher Credit Points, für einen Master weitere 120 Credit Points. Manche Master verlangen jedoch, dass du mit 210 ECTS-Punkten daherkommst – das kann wichtig werden, falls du einen bestimmten Masterstudiengang nach dem Bachelor absolvieren möchtest.

Ein Credit Point (Leistungspunkt) drückt aus, dass rund 25 bis 30 Stunden Arbeitsaufwand aufgebracht worden sind.  Die Punkte gibt es aber natürlich nur dann, wenn du die entsprechende Veranstaltung (oder das Modul) bestanden hast.

Mit ein bisschen Mathe können wir uns jetzt übrigens errechnen, dass ein Bachelor, wenn alles glatt läuft, rund 5400 Stunden Arbeit erfordert.

Bei der Gewichtung der einzelnen Noten für den Abschluss spielen die ECTS-Punkte aber wieder eine Rolle. In vielen Studiengängen werden die Noten nach der Menge an Credits gewichtet, die eine Veranstaltung bringt.

ECTS Übersicht

ECTS-Einstufungstabellen

Bis zum Jahr 2009 wurden sämtliche Noten im ECTS-System in sogenannte ECTS-Noten von A bis E umgerechnet, die auf der Verteilung aller Noten (aller Studierender) basierte.

Im neueren System werden aber immer noch Statistiken darüber veröffentlicht, welche Noten in welchem Studiengang wie oft vergeben wurden. Konkret steht in diesen „Grading Tables“ die jeweilige Note (z.B. 1 bis 5) und die Zahl (in Prozent) derer, die diese Note erreicht haben.

Die Idee hinter diesem System ist eine bessere Vergleichbarkeit. Nehmen wir an, du studierst an einer Hochschule, an der es sehr schwierig ist, „gute“ Noten zu bekommen. Dein Kumpel studiert an einer anderen Uni an der nur Bestnoten vergeben werden. Die Einstufungstabellen helfen dann dabei festzustellen, dass deine drei, relativ zu allen anderen in deinem Studiengang, vielleicht doch eher einer zwei an der anderen Universität entspricht.

Wo ist das Problem?

Grundsätzlich klingt das ja erst einmal alles ganz wunderbar. Man sammelt Punkte (und Noten) und kann diese dann an andere Hochschulen mitnehmen. Das ist zum Beispiel sehr angenehm, wenn man ein Auslandsemester (Studieren im Ausland!) absolviert und dort erbrachte Leistung mit nach Hause nehmen möchte.

In der Realität hat das ganze System aber mindestens drei große Schwächen, an die du dich frühzeitig gewöhnen solltest:

  1. Ein ECTS-Punkt ist nicht gleich ein ECTS-Punkt. Obwohl ein Credit Point theoretisch 30 Stunden arbeit widerspiegelt, werden die Punkte leider häufig eher pragmatisch auf die Veranstaltungen verteilt. Konkret kann das bedeuten, dass eine Vorlesung die drei Leistungspunkte bringt wesentlich anstrengender sein kann, als eine andere Veranstaltung, die dir fünf Leistungspunkte bringt.
  2. Die ECTS-Punkte sagen nichts über die Prüfungsleistungen aus, die erbracht werden müssen. In manchen Veranstaltungen genügt es, anwesend zu sein, in anderen muss für die selbige Zahl an Punkten eine Klausur geschrieben werden.
  3. Die Anrechnung von ECTS-Punkten ist meistens schwieriger, als gedacht. Die Universitäten rechnen nämlich nicht einfach nur die Punkte an, sondern die jeweilige Veranstaltung. So kann es dir also passieren, dass du zwar eine Menge an Credit Points gesammelt hast, die besuchten Veranstaltungen an der neuen Universität aber nicht ins „Programm“ passen.

Unter dem Strich ist das aber alles gar nicht so dramatisch. Das ECTS-System hat den Transfer zwischen Hochschulen und Ländern auf jeden Fall einfacher gemacht. Geht es dabei immer fair zu? Nein, aber welches System ist schon perfekt.

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