promovieren

In den letzten Jahren ist sie ein wenig in Verruf geraten aufgrund der wiederholten Plagiatsvorwürfe* – Die Promotion. Sie ist der höchste universitäre Abschluss und wer sie geschafft hat, kann mit Recht stolz auf sich sein. Für viele ist die Promotion sehr verlockend, nicht zuletzt, weil sie der höchste Abschluss ist und demnach hoch angesehen wird. In einigen Studiengängen ist die Promotion sogar Voraussetzung, um bestimmte Berufe überhaupt erst ergreifen zu können. Doch hält sie wirklich, was sie verspricht?

Natürlich stehen einem mit einer Promotion sehr viele Türen offen. Doch unterschätzen sollte man sie auf keinen Fall. Denn was erst einmal nach hohen Karrierechancen aussieht, ist härter, als gedacht. Viele Promotionen werden abgebrochen, weil sie zu zeitaufwendig und nervenaufreibend sind. In manchen Branchen kann eine Promotion sogar schaden. Doch was braucht man überhaupt für eine Promotion? Wie läuft das Ganze ab? Wir verraten euch, was eine Promotion ausmacht, was ihr beachten solltet und welche Vor- und Nachteile sie bringt.

Was sind die Voraussetzungen für eine Promotion?

In der Regel braucht jeder, der eine Promotion anfangen will, einen bereits absolvierten Hochschulabschluss. In der Regel beenden viele erst einmal ihren Masterabschluss, bevor sie mit der Promotion beginnen. Unter besonderen Umständen können aber auch Bachelorabsolventen promovieren. Dabei unterscheiden sich die Zulassungsbedingungen für eine Promotion von Uni zu Uni; auch die Forschungseinrichtungen, die Promotionen anbieten, haben verschiedene Zulassungen. Bevor ihr euch also für eine Promotion bewerbt, solltet ihr euch erst die Regelungen dazu auf der jeweiligen Universitätsseite durchlesen.

Eine Promotion ist grundsätzlich für Universitätsabschlüsse vorgesehen. Aber auch ein FH-Abschluss kann reichen, um zu promovieren. Allerdings gelten hier die unterschiedlichen Zulassungsbedingungen der Universitäten und Forschungseinrichtungen.

Darüber hinaus braucht man sehr gute akademische Leistungen, um promovieren zu dürfen. Schlechter als 2,5 sollte euer Schnitt nicht sein, sonst könntet ihr abgelehnt werden. So schwierig ist das also alles gar nicht. Zumindest am Anfang. Wer einen guten Abschluss hat, der kann sich über verschiedene Programme informieren und sich für eine Promotion bewerben.

Wo kann man eine Promotion absolvieren?

Die meisten denken, dass man eine Promotion nur an einer Hochschule, also Universität, machen kann. Dabei ist das nicht die einzige Möglichkeit! Natürlich ist die Universität der einfache Weg, da man sich dort bereits auskennt und Jobmöglichkeiten annehmen kann. Doch wer aus der Uni ausbrechen will, der kann eine Promotion auch an einem Graduiertenkolleg oder an einer Graduiertenschule machen. Auch in einer Forschungseinrichtung und in der Industrie sind Promotionen möglich; wer also in einem Unternehmen arbeitet, kann seine Vorgesetzten fragen, wie es mit dem Promovieren aussieht.

Wie läuft eine Promotion ab?

Die Grundvoraussetzung, um eine Promotion zu beginnen, ist die Suche nach einem geeigneten Betreuer, der ebenfalls den Doktortitel besitzt. So ein Betreuer wird übrigens als ein Doktorvater oder eine Doktormutter bezeichnet 🙂 Ihnen muss man die Idee beziehungsweise das Thema der Promotion vorstellen und ihre Erlaubnis einholen, um die Arbeit zu beginnen. Manchmal wird dafür ein ausführliches Exposé gefordert, in dem ihr euer Thema vorstellt und beschreibt, warum das Thema behandelt werden sollte. Falls der Doktorvater oder die Doktormutter von eurem Thema überzeugt ist, könnt ihr mit der Arbeit anfangen.

Dabei könnt ihr eine individuelle oder eine strukturierte Promotion machen. Bei der individuellen Promotion läuft alles so ab, wie es oben erläutert wurde. Ihr schreibt eure Dissertation eigenständig und arbeitet mit verschiedenen Wissenschaftlern zusammen, sofern das auch notwendig ist. Eine strukturierte Promotion läuft über die Teilnahme an einem Graduiertenprogramm ab. Da diese Programme auch international ausgerichtet sind, finden sie häufig auf Englisch statt. Die Programme unterscheiden sich hierbei sowohl vom Inhalt als auch von der Organisation, deshalb solltet ihr euch vorher das Programm genau anschauen.

Wenn ihr dann eure Doktorarbeit geschrieben habt, müsst ihr sie bei eurem Prüfungsamt abgeben. Sie wird dann von eurem Betreuer und einem zweiten Begutachter korrigiert und bewertet. Doch damit nicht Schluss – nachdem sie begutachtet wurde, müsst ihr sie in einer mündlichen Prüfung noch verteidigen. Aber Doktor dürft ihr euch zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht nennen. Denn eure Dissertation muss erst noch veröffentlicht werden. Dazu muss sie wahrscheinlich nochmals überarbeitet werden und ihr braucht die Druckfreigabe von eurem Betreuer. Erst wenn sie komplett veröffentlicht wurde, habt ihr endlich den Doktortitel. Der ganze Ablauf einer Promotion dauert zwischen 3-5 Jahren und die Arbeit kann mehrere 100 Seiten umfassen.

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Für wen lohnt sich die Promotion?

In manchen Studiengängen ist eine Promotion unerlässlich. Vor allem Chemiker brauchen die Promotion, um bestimmte Berufe überhaupt erst ausführen zu können. Hier ist es also unbedingt notwendig zu promovieren. Aber auch in anderen Studiengängen ist es üblich eine Promotion an das Studium anzuhängen. Ob Naturwissenschaftler, Mathematiker oder Ingenieure – In diesen Fächern ist eine Promotion immer noch beliebt und wird für manche Berufe vorausgesetzt.

Aber auch wenn eine Promotion nicht wirklich gebraucht wird, so ist sie in manchen Studiengängen immer noch angesehen. Viele Mediziner und Juristen entscheiden sich fürs Promovieren, auch wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Im Fall von Medizin ist es sogar ein wenig einfacher, da Mediziner ihre Promotion noch während des Studiums machen können und sie nicht erst nach Abschluss anmelden müssen.

Wer eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, der muss promovieren. Auch für die Forschung ist es oft unerlässlich, den Doktortitel zu erwerben. Für diejenigen, die eine Karriere an einer Universität anstreben, ist die Promotion ebenfalls wichtig. Für andere Studienfächer ist es jedoch nicht sehr zwingend. In Geisteswissenschaften, zum Beispiel, kann eine Promotion sogar schaden. Denn hier besteht die Gefahr, dass jemand zu überqualifiziert ist und in Arbeitslosigkeit versinkt. Ihr solltet euch vorher also unbedingt informieren, ob eine Promotion für eine bestimmte Stelle wirklich lohnenswert ist oder ob sie nicht gebraucht wird.

Außerdem ist der Doktortitel für Führungspositionen nicht mehr Gang und Gebe. Viele geben sich schon mit einem Masterabschluss zufrieden und mit dem kommt man schließlich auch weit. Darüber hinaus ist der MBA mittlerweile auch hoch angesehen. Wer also eine gute Alternative zur Promotion sucht, der kann sich überlegen, noch ein MBA Studium zu beginnen.

Was sind die Vorteile der Promotion?

Eine Promotion kann einige Vorteile mit sich bringen. Vor allem ist sie für manche natürlich zwingend notwendig, um erst einmal Fuß in gewissen Branchen zu fassen. Aber auch wer den Doktortitel nicht unbedingt braucht, kann überlegen, ihn zu erwerben. Denn eine Promotion kann die Karriere ziemlich pushen! Man hat die Option in höhere Führungspositionen einzusteigen und somit gleich mehr Verantwortung zu übernehmen. Außerdem sind nach einer Promotion bereits bestimmte Soft Skills vorhanden, die für Arbeitgeber mittlerweile sehr wichtig sind. So zeigt man, dass man Durchhaltevermögen, Disziplin und Organisationstalent besitzt. Und das kommt in Bewerbungen immer gut an.

Das Gehalt ist mit einem Doktortitel natürlich auch überdurchschnittlich gut. Allein das Einstiegsgehalt kann sich schon deutlich von anderen Abschlüssen unterscheiden. Naturwissenschaftler und Ingenieure können 12000 Euro mehr verdienen, als Masterabsolventen. Vor allem Juristen, die eine Promotion angehängt haben, verdienen deutlich mehr. Das Jahresgehalt eines promovierten Juristen kann bis zu 78000 Euro betragen. Ein guter Grund also, um nach dem Jurastudium noch zu promovieren. Für Geisteswissenschaftler lohnt sich eine Promotion allerdings kaum für das Gehalt. Je nach Fachbereich kann sich das Gehalt mit einem Doktortitel natürlich auch ändern.

Ein weiterer Vorteil einer Promotion ist das Reisen. Denn wer promoviert, muss auch öfter mal auf Konferenzen erscheinen und dort auch etwas vortragen. Das kann öfter im Jahr passieren und die Reisekosten werden oft von der Universität getragen. Dazu kommt, dass man interessante Menschen aus aller Welt kennenlernt und sich weiterbilden kann.

Welche Kosten können bei einer Promotion anfallen?

Eine Promotion kann ganz schön teuer werden. Im Schnitt kostet sie bis zu 60000 Euro. Wer an einer Universität promoviert, kann sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter etwas hinzuverdienen. Dazu kommt, dass man engen Kontakt zu anderen Wissenschaftlern hat und wertvolle Kontakte knüpfen kann. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter verdient man aber leider auch nicht die Welt. Nebenbei zu arbeiten, ist eine Alternative. Allerdings kann ein Nebenjob ziemlich viel Zeit einnehmen, was sich negativ auf die Dissertation auswirken.

Bevor man sich also für eine Promotion entscheidet, sollte man absolut sicher sein, dass man finanziell abgesichert ist. Denn sonst können finanzielle Schwierigkeiten entstehen und nebenher zu arbeiten, nimmt einiges an Zeit weg.

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Welche Eigenschaften sollte man für die Promotion mitbringen?

Wer denkt, dass die Promotion ein Kinderspiel ist, der wird schnell eingeholt. Denn viele unterschätzen den Arbeitsaufwand, der mit einer Promotion zusammenhängt. Wer eine Universitätskarriere anstrebt, der muss nebenbei auch dozieren und weitere Tätigkeiten ausführen, sodass die Zeit für die eigene Dissertation oft zu kurz kommt.

Außerdem ist es unerlässlich, dass man langfristig Spaß an einem Thema haben kann. Denn eine Promotion kann bis zu 5 Jahre dauern und in dieser Zeit schreibt man kontinuierlich an einem Thema, was schnell öde werden kann. Disziplin und Motivation sind also unbedingt notwendig, wenn man promovieren möchte. Darüber hinaus sollte es euch nicht unangenehm sein, vor fremden Leuten zu reden, denn wie oben erwähnt, werden angehende Doktoranden auf Konferenzen eingeladen und dort müssen sie ihr Thema vortragen.

Natürlich solltet ihr auch Spaß am Schreiben und Recherchieren haben. Falls ihr schon bei eurer Masterarbeit merkt, dass ihr keine Lust mehr habt, dann ist eine Promotion wahrscheinlich keine gute Idee. Denn hier müsst ihr über einen langen Zeitraum hinweg ein Thema bearbeiten und manchmal kann es vorkommen, dass ihr in einer Schreibblockade seid oder euch die Motivation verloren geht. Daher solltet ihr euch ein gewisses Maß an Organisation aneignen und sichergehen, dass ihr die Promotion auch durchziehen könnt.

Fazit

Wichtig ist, dass ihr euch absolut sicher sein solltet, bevor ihr eine Promotion beginnt. Informiert euch vorher, ob ihr für bestimmte Berufe wirklich einen Doktortitel braucht, denn wenn ihr eure Promotion abbrecht, sieht das nicht sehr gut auf dem Lebenslauf aus. Angehende Doktoranden brauchen viel Disziplin und die Eigenschaft, sich über einen längeren Zeitraum für ein Thema zu begeistern.

Dazu kommt, dass die Kosten für eine Doktorarbeit ziemlich hoch ausfallen können und die Möglichkeit nebenher zu arbeiten, nimmt einiges an Zeit. Wer eine Promotion also nicht dringend braucht, sollte sich gut überlegen, sie anzufangen. Denn in einigen Studiengängen kann eine Promotion sogar eher schaden und man scheint als überqualifiziert. Informiert euch also über euren späteren Traumberuf und entscheidet dann, ob eine Promotion hilfreich ist oder nicht.