Do it the American way: ein Auslandssemester in den USA

The American way - ein Auslandssemester in den USA

Ein Auslandssemester gehört inzwischen für viele Studenten dazu. Fremde Kulturen sehen, neue Sprachen lernen und natürlich viele Leute aus der ganzen Welt kennenlernen. So verlockend das klingt, so schwierig ist auch die Frage nach dem „Wohin?“. Während manch einer vielleicht schon zu Beginn weiß, wo er sein Auslandssemester verbringen will, sind andere noch unentschlossen. Um euch also bei der Wahl eines Studienortes im Ausland zu unterstützen, wollen wir euch diesmal zeigen was es heißt, ein Auslandssemester in den USA zu verbringen. Dafür haben wir unsere Praktikantin Elisabeth befragt, die dort für ein Semester lang studiert hat. Was ihre Erfahrungen sind und ob sie es empfehlen kann, für ein Auslandssemester in den USA zu studieren, lest ihr hier!

Vorab vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Erfahrungen mit uns zu teilen! Erzähl mal, was hat dich dazu bewogen, ein Auslandssemester in den USA zu verbringen? Wo genau hast du studiert und warum hast du dich letztlich für diese Uni entschieden?

Mein Traum war es schon immer, einmal nach Amerika zu reisen und die englische Sprache fließend sprechen zu können. Nach dem Abi habe ich direkt mit meinem Studium an der Universität Mannheim begonnen, hatte also keine Gelegenheit, ins Ausland zu gehen. Deshalb wollte ich unbedingt die Chance nutzen und ein Auslandssemester in den USA an einer der Partnerunis von Mannheim machen. Dass es nach Amerika gehen soll, war klar. Die Wahl fiel letztlich auf die University of Miami, weil der Campus so wunderschön ist.


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Wie hast du dich bei deiner Ankunft gefühlt? War es überwältigend oder fandest du die bevorstehende Zeit aufregend (im guten Sinne)?

Als ich in Miami gelandet bin, hatte ich ein mulmiges Gefühl im Bauch. Schließlich ist man nicht alle Tage ganz allein in einem anderen Land so weit weg von zu Hause. Ich hab mich schon ein wenig verloren gefühlt. Aber gleichzeitig waren da auch die Aufregung und die Vorfreude darauf, etwas Neues zu entdecken, das mich außerhalb meiner Komfortzone erwartet.

Hat sich Miami sehr von deinem Zuhause unterschieden?

Ja! Miami ist viel größer, sonniger und schwüler als Mannheim.

Gab es Sprachbarrieren? In welcher Sprache fand der Unterricht statt?

Der Unterricht fand auf Englisch statt. Anfangs habe ich mir Sorgen gemacht, dass ich aufgrund der Sprache dem Kursinhalt nicht so leicht folgen könnte, aber die Angst hat sich wenig später als überflüssig herausgestellt. Nach der ersten Woche hatte ich mich an die neue Situation gewöhnt und hatte keinerlei Probleme.

Inwiefern unterschied sich die neue Uni von der zu Hause? Wie waren die Kurse/Vorlesungen dort im Vergleich zu Zuhause? Wie waren die Professoren und Kommilitonen?

Der Campus der University of Miami ist etwas ganz Besonderes und unterscheidet sich stark von dem in Mannheim. Er wirkt wie eine Mischung aus einem Park und einer kleinen Stadt: Wo man hinsieht gibt es grüne Bäume, bunte Blüten, Tiere und sogar einen Fluss, der in einen See mündet!

Zum (Über-)Leben bietet die University of Miami auch alles, was man als Student so braucht: Einen riesen Foodcourt, zwei Mensen, zwei Starbucks-Läden, einen Schreibwarenladen mit Technik-Support uvm. Das ist aber auch nötig, da der Großteil der Studenten in den Wohnheimen auf dem Campus wohnt. Und wer dann mal zwischen den Kursen Zeit findet, der kann sich im modernen Fitnessstudio der Uni auspowern oder am hauseigenen Pool entspannen. Zudem findet mindestens einmal täglich ein Event auf dem Campus statt. Sei es nur ein Eiswagen von Ben&Jerry’s, der kostenloses Eis ausgibt, oder eine Veranstaltung vom amerikanischen Fernsehsender HBO mit kostenlosen Give-aways und einer Nachbildung des berühmten Throns aus Game of Thrones. Diese Lebendigkeit und Abwechslung im Uni-Alltag hat mir richtig gut gefallen!

Die Kurse an der University of Miami fanden überwiegend zwei Mal die Woche für 75 Minuten, oder einmal die Woche für zwei bis drei Stunden statt. Mein Stundenplan war dementsprechend voller als in Mannheim, was mich erst einmal geschockt hat. Zudem kommt, dass die Uni in Amerika mehr an unser Schulsystem erinnert. Das bedeutet konkret: Jede Woche Hausaufgaben, Tests und insgesamt drei Klausuren im Semester – und das für jeden Kurs, den man belegt. Ich muss gestehen: Ich habe noch nie so viel für mein Studium getan, wie in Miami 😀 Das hat sich jedoch gelohnt: Der Arbeitsaufwand ist dort zwar höher, aber das Niveau nicht ganz so schwer, wie man es von deutschen Unis gewöhnt ist.  Das macht es fleißigen Studenten einfach, gute Noten zu schreiben.

The American way - Auslandssemester in den USA

Durch das schulähnliche System sind die Kurse kleiner und die Professoren für die Studenten erreichbarer. Dadurch wurde die Atmosphäre im Kurs herzlicher und vor allem persönlicher, denn die Professoren kannten jeden ihrer Kursteilnehmer persönlich und nicht nur dessen Namen auf der Anwesenheitsliste. Generell hatte ich den Eindruck, dass die Dozierenden lockerer und aufgeschlossener als an der Uni Mannheim sind. Eine Professorin hat uns beispielsweise ständig Details aus ihrem Familienleben, die zum Inhalt des Kurses gepasst haben, erzählt.

Alle Kommilitonen waren nett zu mir und sehr interessiert, sobald ich erwähnt habe, dass ich eine Austauschstudentin aus Deutschland  bin. Viel habe ich außerhalb der Kurse nicht mit meinen Kommilitonen unternommen. Die Stundenpläne an der University of Miami sind sehr individuell gestaltet, was dazu führt, dass man, vor allem als Austauschstudent, keine zwei Kurse mit der gleichen Person belegt. Deshalb war der Zusammenhalt zwischen meine Kommilitonen und mir nicht so ausgeprägt, wie ich es von der Uni Mannheim kenne.

Der mit Abstand größte Unterschied zu daheim war es, sich ein Zimmer mit einer Mitbewohnerin in einem der Wohnheime auf dem Campus zu teilen. Ich hätte mir auf eigene Faust auch ein kleines Appartement nur für mich außerhalb der Uni suchen können, aber das erschien mir auf die Distanz zu kompliziert. Das Leben mit Mitbewohnerin war neu für mich, aber eigentlich ganz nett. Die Zimmer in den Wohnheimen waren spärlich eingerichtet und unübersehbar in die Jahre gekommen, aber für ein Semester kann man es da schon aushalten.

Was studierst du und in welchem Semester befindest du dich? Konntest du an deiner Gastuni gute Kurse finden und konntest du dafür Punkte an deiner Uni bekommen?

Ich studiere Medien- und Kommunikationswissenschaft mit Beifach Germanistik im 6. Fachsemester an der Uni Mannheim. Die Kursauswahl der University of Miami ist riesig und ich habe mit Leichtigkeit Kurse finden können, die mich interessiert und in meinen Modulplan gepasst haben. Auch Kurse für mein Beifach Germanistik wurden angeboten! Besonders begeistert hat mich das große Angebot an praxisnahen Kursen, das ich so von der Uni Mannheim nicht kenne. So hatte ich die Möglichkeit zu lernen, mit Photoshop und InDesign umzugehen. Eine Freundin von mir hat einen Kurs belegt, in dem die Studenten sogar ihre eigenen Filme gedreht haben.

Der Großteil meiner Kurse von der University of Miami wurde mir in Mannheim angerechnet. Bis dies allerdings fest stand, hatte ich eine nervenaufreibende Zeit hinter mir. Bei der Kursbesprechung vor meiner Abreise gab es nämlich noch einige Komplikationen. Einen Kurs in Miami, der thematisch perfekt zu meinem Modul in Mannheim gepasst hätte, durfte ich nicht besuchen. Der Grund: Die Vorlesung, die ich mit diesem Kurs ersetzen wollte, gebe es nur in Mannheim. Das hat mich ziemlich wütend gemacht und letztendlich auch dazu geführt, dass sich mein Studium um ein Semester verlängert hat.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht? War der Unialltag sehr anstrengend oder eher entspannt?

Im Gegensatz zu Mannheim war der Unialltag tatsächlich ziemlich stressig, aber wenn ich mal ein wenig Pause von den vielen Klausuren und Hausaufgaben hatte, habe ich mich mit Freunden getroffen und die Events auf dem Campus besucht oder Miami entdeckt. Die Stadt und ihre Umgebung haben echt viel zu bieten!

Wolltest du im Ausland ein Party-Semester verbringen, neue Kulturen entdecken, eine neue Sprache lernen,…? Erzähl uns gerne mehr!

Ich muss gestehen, ich bin nicht so der Party-Mensch. Mein Ziel mit diesem Auslandssemester in den USA war es wirklich, meine Englischkenntnisse zu verbessern und etwas von der Welt zu sehen.

Um mal ehrlich zu sein… viele Studenten nutzen so ein Auslandssemester gerne, um viel auszugehen. Wie war das bei dir so? Was waren die besten Orte zum Party-machen in Miami?

Dem kann ich nur zustimmen. Der Großteil der Austauschstudenten, die ich kennengelernt habe, hat sich tatsächlich ins amerikanische Partyleben gestürzt und viele haben sich aufgrund der Feierkultur für ein Auslandssemester in den USA entschieden. Ich kann nicht aus eigener Erfahrung sprechen, aber ich habe gehört, dass die Partys der Studentenverbindungen wirklich so abgefahren gewesen sein sollen, wie man es aus College-Filmen kennt.

Erzähl uns etwas über die anderen Erasmus-Studenten. Hast du viele Leute aus verschiedenen Ländern kennengelernt oder waren auch einige Studenten aus der Uni/deinem Land mit im Ausland?

Die University of Miami wirbt mit der Vielfalt der Nationalitäten ihrer Studenten und es stimmt: Gefühlt habe ich nur Austauschstudenten getroffen, kaum jemand kam aus Amerika oder direkt aus Miami! Meine Freunde dort waren ausschließlich andere Austauschstudenten aus den verschiedensten Ländern: Frankreich, Japan, Mexiko, Mauritius, … . Es war total interessant, sich mit ihnen zu unterhalten, weil die Kulturen schon sehr unterschiedlich sind. Von der Universität Mannheim ist noch ein weiterer Student an die University of Miami gegangen. Ich hatte den Eindruck, dass wir die einzigen zwei deutschen Studenten dort waren.

Mal zu einem etwas weniger aufregendem Thema: Welches Programm hast du genutzt, um ins Ausland zu gehen? Erasmus, oder etwas anderes? Hast du ein Stipendium erhalten und hat das zum Leben gereicht? War das alles sehr einfach oder musstest du dich mit viel Papierkram rumschlagen?

Das Erasmusprogramm gilt leider nur für Studenten, die ihr Auslandssemester in einem europäischen Land verbringen. Das „Programm“ (wenn man es so nennen kann), mit dem ich nach Miami gegangen bin, wird von der Universität Mannheim als „Übersee“ bezeichnet. Dies garantiert allerdings, im Gegensatz zu Erasmus, keine finanzielle Unterstützung. Ich habe mich gegen ein Stipendium entschieden, da ich schon genug Papierkram mit der Bewerbung für mein Auslandssemester in den USA zu tun hatte – ich habe also alles aus eigener Tasche finanziert.

Was war deine beste, was deine schlechteste Erfahrung während deinem Auslandssemester in den USA?

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Es gab so viele schöne und einzigartige Momente und Situationen, in denen nicht alles so glatt lief, aber das hat man ja überall. Besonders gefallen haben mir das Reisen durch Miami und Umgebung und das Schließen neuer Freundschaften.

Hast du irgendwelche Tipps für Studenten, die später auch mal ins Ausland wollen?

Kümmert euch frühzeitig um den ganzen Bürokratie-Kram wie beispielsweise die Kursanrechnung, den TOEFL oder das Visum, damit es kurz vor eurem Abflug nicht allzu stressig wird. Und haltet durch! Es sind viel Arbeit und Nerven für die Organisation eines Auslandssemesters nötig, aber es wird sich zu hundert Prozent lohnen!

Und zum Abschluss: Würdest du jetzt immer noch die gleiche Wahl treffen? Ins Ausland gehen, gleiches Land, gleiche Uni?

Absolut! Wenn es nach mir ginge, säße ich jetzt schon im nächsten Flieger nach Miami…

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!

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