Studentenklischees

Hauptfach Party, Nebenfach Auspennen: Die Realität für Studenten sieht anders aus. | Foto: gstockstudio /Fotolia

Studenten machen durchweg Party, das können sie auch, schließlich pennen sie am nächsten Tag bis mindestens in den späten Nachmittag hinein. Am darauf folgenden Tag selbstverständlich auch, so wie an allen anderen Tagen während des gesamten Studiums. Denn wie allseits bekannt, ist das Studentenleben hauptsächlich dazu da, noch mal richtig die Sau rauszulassen, bevor es ernst wird und man „was Richtiges“ macht. Doch was steckt wirklich hinter den Studentenklischees?

Ein Leben im Klischee und warum das nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat

Dass Studenten in der öffentlichen Wahrnehmung häufig genug nicht über wahre Klischee-Darstellungen hinauskommen, ist weder neu, noch ein Geheimnis, noch ist es ein Einzelschicksal. Immerhin geht es vielen Berufsgruppen so: Beamte schlafen immerzu, Lehrer haben ständig Ferien (und sind noch dazu Beamte, weshalb sie den Rest der Zeit wohl schlafen), Informatiker sind durch die Bank Nerds mit Brille und Sonnenallergie, man könnte ewig so weitermachen.

Natürlich lebt das Klischee von der Übersteigerung der Wirklichkeit, aber sie sollte auch nicht komplett an ihr vorbeigehen. Sie sollte auch keine Witzfiguren aus einer kompletten Bevölkerungsschicht machen, erst recht nicht, wenn es keine echte Auseinandersetzung mit dieser gibt. Das fatale an Klischees ist eben, dass sie sich leicht transportieren lassen. Jedes vermeintliche Zutreffen wird als Beleg dafür gesehen, dass der Grat zwischen Klischee und Wahrheit ein sehr dünner ist. Aus diesem Grund wird es meist gar nicht für nötig befunden, die vorgetragenen Annahmen – und mehr sind Klischees am Ende ja nicht – zu hinterfragen. Mehr als genug Gründe also, mit dem Thema Klischee in Bezug auf das Studium aufzuräumen. Möglicherweise stellst du dann nämlich fest, dass du viele Vorurteile teilst, die in der Allgemeinheit schon viel zu lange Gültigkeit haben.

Zeig mir, was du trägst und ich sag dir, was du studierst

Interessant an Klischees über Studenten ist nämlich nicht nur deren unkrautähnliche Hartnäckigkeit, sondern vor allem die Tatsache, dass sie auch unter den Studierenden selbst immer wieder gerne ausgepackt werden. Das macht die Empörung über Vorurteile Außenstehender zwar irgendwie fragwürdig, scheint aber zur Abgrenzung von anderen Studiengängen nach wie vor ganz gut zu funktionieren.

Du wirst die folgende Situation eventuell aus deinem Studi-Alltag kennen: Beim Gang über den Campus begegnest du zwangsläufig den unterschiedlichsten Kommilitonen und schon nach einem kurzen Blick glaubst du, diese einordnen zu können. Ein gängiges Klischee ist die Möglichkeit, die Studiengangzugehörigkeit anhand der Kleidung ablesen zu können. Das sieht dann unter Umständen so aus:

  • Jura

Klassisches Outfit: Die Herren gerne in Stoffhose und Jackett, in der Hand einen Aktenkoffer, der Kanzleiatmosphäre verbreiten soll. Die Damen eher offenherzig, schließlich ist bei den Professoren nur so an gute Noten zu kommen.

  • BWL

Klassisches Outfit: Immer zu erkennen am Hang zu hochgestellten Polohemdkrägen, ansonsten durchaus schick. Eine qualitativ hochwertige Garderobe ist aber auch kein Problem! BWL wird schließlich nur von jungen Männern und Frauen übernommen, deren Eltern in erster Linie darauf warten, ihnen die mühsam aufgebaute und überaus erfolgreiche Firma zu überlassen, die gleichzeitig auch das Geld für das Studium abwirft.

  • Theologie

Klassisches Outfit: Hochgeschlossen und bieder, so ein wenig im Stil der Großeltern, aber ohne den rechten Vintage-Flair. Ein angemessenes Outfit für Leute, die ganz augenscheinlich ein Fach studieren, dass sich inhaltlich mit dem Ewiggestrigen befasst und nicht weiter von modernem Denken entfernt sein könnte.

  • Maschinenbau

Klassisches Outfit: Maschinenbau-Vorlesungen müssen dem Klischee zufolge eine gleichzeitig bunte und doch eintönige Veranstaltung sein, denn der Hörsaal wäre weitestgehend mit Karohemdenträgern bevölkert. Ganz ausschließen lässt sich das nicht, aber karierte Hemden wurden auch schon in anderen Fachbereichen gesichtet – was im Übrigen für so ziemlich jedes der nachfolgend vorgestellten Kleidungsstücke gilt.

Studentenklischees

Uneindeutige Signale: Das Hemd sagt Maschinenbau, der Hipster-Bart eher Wirtschaftswissenschaften – Klischees haben offenbar ihre Grenzen. | Foto: Vasyl/Fotolia

Das ließe sich noch eine Weile fortführen, denn sicherlich sind dir auch die ganzen Leute mit langen Haaren und anderen eindeutigen Hinweisen auf eine Affinität zur Metal-Szene aufgefallen, die sich so gerne in Geisteswissenschaften wie der Archäologie versammeln. Wie überhaupt in den Geisteswissenschaften und einigen Sozialwissenschaften ein vergleichsweise hoher Anteil an alternativ angehauchten Outfits anzutreffen ist. Von allen kreativen und künstlerischen Studiengängen mal ganz abgesehen.

In allen Fällen dienen die Klamotten letztlich auch nur dazu, um Mutmaßungen über die Herkunft sowie Denk- und Lebensweisen an irgendetwas Greifbarem festmachen zu können. Das Problem mit Verallgemeinerungen dieser Art: Sie mögen in manchen Situationen durchaus zutreffend sein, was ihnen jedoch keineswegs den Nimbus der Allgemeingültigkeit einbringt.  Natürlich erfordern unterschiedliche Fachrichtungen unterschiedliche Interessenlagen bei den jeweiligen Studierenden. Ein richtiggehend uniformer Charakter lässt sich dadurch aber eben nicht ableiten. Anders verhält es sich aber offenbar mit dem studentischen Fortbewegungsmittel überhaupt, denn allem Anschein nach besitzt auch dein Fahrrad einige Aussagekraft hinsichtlich deiner Persönlichkeitsmerkmale. Denn natürlich suchen Studenten ihre Fahrräder vorzugsweise unter der Prämisse aus, damit ein „individuelles Statement“ zu setzen. Mit Notwendigkeiten und Bedürfnissen wie dem Wunsch nach Mobilität bei eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten hat das alles selbstverständlich nicht das Geringste zu tun.

Das gelebte Studentenklischee

Dabei scheinen derartig verallgemeinernde Vorstellungen in vielerlei Hinsicht zu funktionieren. Anders lässt sich jedenfalls kaum erklären, dass neben der textilen Fachzuschreibung auch jene Art von charakterisierender Typologie immer noch geläufig ist, die schon während der Schulzeit gerne mal zur Anwendung kommt. Auch hier lässt sich ein wahrer Kern nicht leugnen, denn es würde Klischees nicht geben, würde nicht irgendjemand sie gelegentlich erfüllen. Insofern musst du nicht erschrecken, solltest du dich unter den folgenden Studi-Typen wiederfinden – du wirst damit nicht alleine sein. Abgesehen davon dürfte niemand alle Merkmale charakteristischer Typen vorweisen können und schon gar nicht dauerhaft. So bekannt dir also die verschiedenen Darstellungen studentischer Persönlichkeitsmuster vorkommen mögen, so wenig sind sie geeignet, die Kommilitonen darauf zu reduzieren. Das würdest du umgekehrt genauso wenig wollen.

Hinweis: Damit das in Zukunft tatsächlich auch in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mehr vorkommt, kannst du mit deinen Antworten für das CampusBarometer 2018 dazu beitragen, ein klareres Bild von Studierenden zu schaffen.

Die hier dargelegte kleine Typenkunde dient also in erster Linie dazu, beim nächsten Mal deinen Klischee-Alarm auszulösen, falls du Gefahr laufen solltest, in unangebrachtes Schubladendenken zu verfallen:

  • Typ 1: Der Streber

Weiß grundsätzlich über alles Bescheid, nicht nur fachbezogen, sondern auch das Studium im Allgemeinen betreffend. Deshalb kann er auf jede Frage eine Antwort liefern, selbst auf eigentlich rhetorische, die lediglich einen gewissen Grad des Genervtseins ausdrücken sollte.

Meistens hat er sämtliche relevanten Semesterapparate schon durchgearbeitet, bevor die erste Veranstaltung überhaupt stattgefunden hat und könnte daher bei jedem Referat Unterstützung bieten – was er bisweilen unaufgefordert tut. Fällt in Vorlesungen durch quasi stenografische Fähigkeiten auf, die eine vollständige Dokumentation des Vortrags erlauben.

  • Typ 2: Der Desinteressierte

Gewissermaßen das Gegenteil des Strebers, zeichnet er sich durch eine offenkundige Unlust aus, sich mit den Inhalten seines Studiums auseinanderzusetzen, zumindest über das gerade so notwendige Maß hinaus. Das ist nicht minder nervig, weil von den Desinteressierten in puncto Informationsübermittlung genau das Quäntchen zu wenig kommt, was der Streber vorzugsweise zu viel bietet.

  • Typ 3: Der Panikmacher

Das Skript zur Vorlesung gibt dir einen ziemlich genauen Plan an die Hand, um eine zielgerichtete Klausurvorbereitung zu starten. Trotzdem hat der Panikmacher immer das Gefühl, mit bestenfalls lückenhaftem Wissen in die Prüfungen zu gehen. Dieses Problem eher privaterer Natur teilt er allerdings gerne mit seinen Kommilitonen. Meistens dann, wenn Reizwörter wie „Prüfung“ oder „Klausur“ genannt werden und vor allem unmittelbar vor diesen.

  • Typ 4: Der Unentschlossene

In manchen Fällen führt dies zu einer ausgeprägten Prokrastination, mit deren „Hilfe“ unangenehme Leistungsüberprüfungen auf einen Zeitpunkt in der Zukunft verschoben werden, wenn man sich besser vorbereitet fühlt. Tatsächlich ist das Problem dieser Arbeitsstörung so weit verbreitet, dass es das Phänomen zu einem eigenen Fremdwort gebracht hat.  Betroffen sind hiervon aber nicht nur Studenten.

  • Typ 5: Der Keine-Party-ohne-mich-Typ

Ja. Es gibt ihn. Aller Verweise darauf zum Trotz, wie fehlgeleitet Studentenklischees doch eigentlich sind, gibt es auch den Typ, der die frisch gewonnene Freiheit des studentischen Lebens hingebungsvoll dafür nutzt, nach Möglichkeit keine Gelegenheit zu feiern auszulassen.

Lässt sich daraus ein vollständiges Bild der Verhaltensweisen und Charaktere auf dem Uni-Campus ableiten? Oder sogar der gesamten Studierendenschaft? Sind das nicht eher die Einzelfälle, die genau deswegen so herausstechen, im Gedächtnis bleiben und die Vorstellung des Lebens während des Studiums dadurch so nachhaltig prägen?

Studentenklischees

„Hast du das auch gelernt?!“ Immer mal wieder wirst du auf Kommilitonen treffen, die mit ihrer eigenen Prüfungspanik ansteckend wirken. | Foto: Prostock-studio /Fotolia

Willkommen in der Wirklichkeit!

Zugegeben, manches Klischee ist auf die eine oder andere Weise immer noch für einen Lacher gut. Bis die Realität einschlägt und man feststellen muss, dass der Alltag im Studium weit weniger lässig ist, als die Vorurteile einen glauben machen wollen.

Außenstehenden, die einen solchen Alltag niemals selbst erlebt haben, dürfte es dennoch schwerfallen, die Diskrepanz zwischen landläufig bekannten Vorurteilen und den realen Bedingungen nachzuvollziehen. Das Leben von Vollzeitberufstätigen gestaltet sich nun einmal grundlegend anders als das von Studenten. Der Rhythmus unterscheidet sich deutlich – nur eben selten in der gedachten Art und Weise. Wie falsch all diejenigen liegen, die immer noch glauben, als Student könne man ein sorgenfreies und unbeschwertes Leben zwischen gelegentlichen Lehrveranstaltungen und viel Freizeit führen, zeigen Untersuchungen wie der „studi.report 2017“, durchgeführt von Territory Embrache und zum Download bereitgestellt bei persoblogger.de (der im Übrigen, ganz im Sinne des Klischees, einige typische Personas porträtiert, die du an der Uni antreffen kannst – oder zu denen du selbst gehörst).

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, die sich mit der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden in Deutschland befasst. Nicht zu vergessen der aktuelle BARMER-Arztreport 2018, der einen steigenden Anteil psychischer Erkrankungen unter Studenten ausweist – Depressionen, Angststörungen, Panikattacken und Stress gehören demnach eher zum Uni-Alltag als Dauerparty und Faulenzen.

Wie sieht es also aus bei den Themen, die für Studenten mutmaßlich keine so große Rolle spielen? Ein Blick in die genannten Erhebungen ist durchaus geeignet, ein recht vollständiges Bild aus der Studentenperspektive zu zeichnen.

Finanzen

Studentenklischees

Ein Großteil des Wochenpensums entfällt auf das Selbststudium, entsprechend viel Zeit wirst du wie deine Kommilitonen in der Uni-Bibliothek verbringen. | Foto: AboutLife /Fotolia

Das Klischee:
Studenten liegen entweder dem Staat oder den Eltern – oder gleich beiden – auf der Tasche und machen sich auf Kosten anderer ein laues Leben. Dass sie während ihrer Studienzeit keine Steuern bezahlen, so wie es die arbeitende Bevölkerung tut, ist in diesem Zusammenhang nur das Tüpfelchen auf dem i.

Die Realität:
Tatsächlich erhalten viele Studierende finanzielle Unterstützung aus dem Elternhaus. Laut Sozialerhebung des Studentenwerks liegt der Anteil bei 86 Prozent. Im Durchschnitt erhalten sie 541 Euro im Monat. Das ist ohne Frage viel Geld und ein beachtlicher Prozentsatz, noch dazu machen diese Zuwendungen rund die Hälfte (51 Prozent) der monatlichen Einkünfte aus. In vielen Fällen liegt das aber beispielsweise daran, dass die Studenten auf die elterliche Finanzspritze angewiesen sind, etwa weil ein Erstantrag auf BAföG abgelehnt wurde.

Wie viel das am Ende wirklich ist, zeigt die Gegenüberstellung mit den durchschnittlichen Ausgaben im Monat:

Ausgewählte Ausgabenpositionen Kosten in Euro
Miete (einschließlich Nebenkosten) 323
Ernährung 168
Kleidung 42
Lernmittel 20
Auto und/oder öffentliche Verkehrsmittel 94
Krankenversicherung, Arztkosten, Medikamente 80
Kommunikation (Telefon, Internet etc.) 31
Freizeit, Kultur und Sport 61
Gesamt: 819

Um die Lebenshaltungskosten zu decken, reicht die Hilfe der Eltern also ganz offenkundig nicht aus, weswegen 18 Prozent der Studierenden BAföG beantragt haben. Durchschnittlich bringt das 435 Euro in die Kassen. Die im Durchschnitt zur Verfügung stehende Summe liegt laut Befragung bei 918 Euro monatlich. Keine Summe, die für übermäßigen Reichtum spricht und der Grund dafür, dass rund zwei Drittel aller Studenten neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Im Durchschnitt bringt ihnen das 384 Euro ein, also etwas weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Gesamteinkünfte. Was darüber hinaus nicht vergessen werden darf: Die finanzielle Situation verbessert sich mit dem erfolgreich abgeschlossenen Studium nicht schlagartig. Im Gegenteil. Viele Absolventen stehen erst einmal vor einem nicht unerheblichen Schuldenberg, den es abzuarbeiten gilt. Daran ändern auch die großzügigen Regelungen beim BAföG nichts, ein Teil der erhaltenen Förderung muss trotzdem zurückgezahlt werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass zwar die Förderhöchstsätze für das BAföG erhöht wurden, diese aber eben nicht für alle Studenten relevant sind. Wie bereits erwähnt sind die durchschnittlichen Förderbeiträge nicht gerade dazu geeignet, es sich auf der Sonnenseite des Lebens gemütlich zu machen. Darüber täuscht auch der Umstand nicht hinweg, mit dem BAföG ein zinsloses Darlehen zu erhalten. Langfristig sparst du dadurch zwar Geld, kurzfristige Mehrausgaben erweisen sich damit aber eher als problematisch. Dann muss das Geld aus anderen Quellen fließen, weswegen die Studentenkredite der Banken unter solchen und ähnlichen Voraussetzungen eine Alternative darstellen können.

Anders als das BAföG sind diese allerdings als reguläre Ratenkredite konzipiert, das solltest du vor Abschluss eines Kreditvertrags bedenken. Immerhin ist das Angebot recht groß, denkbar sind deshalb auch andere Finanzierungsmöglichkeiten wie der Studienkredit der KfW oder der Bildungskredit der Regierung. Abgesehen von den unterschiedlichen Rückzahlungsmodalitäten bleiben es am Ende trotzdem Kredite, die Kosten nach sich ziehen.

Arbeit

Das Klischee:
Studenten sind faul. Das ist der Klassiker überhaupt unter den Vorurteilen und ein erschreckend hartnäckiger noch dazu. Jeden Tag ausschlafen und sich ansonsten auch keinen Stress machen, so stellen sich immer noch (zu) viele Menschen den Studentenalltag vor.

Die Realität:

Selbst wenn Studierenden nicht unterstellt wird, grundsätzlich nicht zu arbeiten, so wird das Studium doch immer im Vergleich zur Vollzeit-Erwerbstätigkeit betrachtet – und zwar abwertend. Das mag an der Vorstellung liegen, dass der Uni-Betrieb sich nicht so sehr von der Schule unterscheidet, nur ohne den verpflichtenden Charakter und deswegen eben ganz nach eigenem Gusto zu gestalten.

Tatsächlich entspricht der studienbezogene Aufwand alleine durchschnittlich 33 Stunden pro Woche. Laut Sozialerhebung verteilen sich die Stunden auf 18 Wochenstunden für das Selbststudium und 15 Wochenstunden für Lehrveranstaltungen. Diese Durchschnittswerte können aus verschiedenen Gründen abweichen, beispielsweise ist der zeitliche Aufwand je nach angestrebtem Anschluss durchaus höher, aber kaum einmal (wesentlich) niedriger.

Damit müssen Studenten den Vergleich mit der Erwerbstätigkeit keineswegs scheuen. Laut Erhebungen des Statistischen Bundesamtes liegt die durchschnittliche Wochenstundenzahl hier bei 35,6 – also marginal mehr als der durchschnittliche Zeitaufwand für das Studium. Berechtigterweise könnte man jetzt anführen, dass Vollzeitbeschäftigte allerdings eher in einem Umfang von 41,7 Stunden wöchentlich arbeiten und damit deutlich mehr als Studenten.

Das ist allerdings aus verschiedenen Gründen nur die halbe Wahrheit:

  • Studierende, die mit einem Staatsexamen abschließen möchten, werden beispielsweise auf einen ganz ähnlichen Zeitaufwand kommen (41 Stunden pro Woche).
  • Außerdem ist für einen nicht unbeträchtlichen Teil der Studentenschaft (68 Prozent) eine Erwerbstätigkeit neben dem Studium zur Normalität gehört. Die Mehrheit geht dabei ein bis zwei Tage in der Woche arbeiten, selbst drei bis vier Tage wöchentlich sind keine Seltenheit (betrifft immerhin rund 14 Prozent).

Natürlich ist der Zeitaufwand nicht mit einem Vollzeitjob zu vergleichen. Aber es handelt sich hierbei schließlich nur um Nebenjobs, mit denen das überschaubare Monatsbudget aufgebessert werden soll. Hauptsächlich, um sich wenigstens gelegentlich so etwas wie Luxus gönnen zu können (72 Prozent) und um finanziell unabhängiger von den Eltern zu sein (62 Prozent). Für fast 60 Prozent ist die Erwerbstätigkeit sogar eine Notwendigkeit, um sich das Studium überhaupt leisten zu können. Viel Zeit, um auf der faulen Haut zu liegen, bleibt unter diesen Umständen also nicht und entsprechend hoch ist die Zahl der überbelasteten Studenten.

Stress

Das Klischee:
Studenten führen ein sorgenfreies Leben und müssen sich um ihre Finanzen keine Gedanken machen. Sie können deswegen unbeschwert in den Tag hineinleben und bekommen allerhöchstens dann Stress, wenn es um die Partyplanung der Woche geht.

Die Realität:
Alleine die eben ausgeführte Tatsache, dass viele Studenten irgendwie Studium und Job handeln müssen, dürfte bereits stressig genug sein. Die Bologna-Reformen haben außerdem dafür gesorgt, dass das Studium an sich deutlich strukturierter und straffer ist, als es vorher war: Wer seinen Magister oder sein Diplom in neun bis zehn Semestern schaffte, lag immer noch komfortabel in der Regelstudienzeit. Für den Bachelor liegt diese bei sechs bis acht Semestern.

Selbstverständlich ist das keine Garantie dafür, dass alle Studenten ihren Abschluss innerhalb dieses Zeitrahmens erreichen. Die grundsätzliche Verkürzung der Regelstudienzeit ist dennoch eine Tatsache. Wie sich aufeinander aufbauende Pflichtmodule und begrenzte Teilnehmerplätze in diesem Zusammenhang miteinander vertragen, ist auch ein potenzieller Stressfaktor.

Unabhängig von der Studienganggestaltung, die ja durchaus zwischen den verschiedenen Hochschulen variieren kann, sind es laut studi.report 2017 nach wie vor Klausuren und Hausarbeiten, die vorwiegend für Stress unter den Studenten sorgen – rund ein Drittel der Studentenschaft ist deswegen gestresst. Als deutlich weniger beunruhigend werden hingegen der kommende Berufseinstieg (18,7 Prozent) und die Finanzierung des Studiums (12,1 Prozent) betrachtet.

Allgemein empfinden fast 70 Prozent der Studenten ihr Studium als stressig, wobei es die Frauen offenbar härter trifft: 76 Prozent der Studentinnen fühlen sich gestresst, bei den Kommilitonen sind es lediglich 61 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Stressgewichtung, der Anteil sehr gestresster Frauen im Studium liegt bei 42 Prozent (Männer 31 Prozent).

Ohne Folgen bleiben Leistungsdruck und weitere Stressfaktoren wie die Wohnungssuche oder Zukunftsängste langfristig nicht. Auch nicht für die Gesundheit: Unter Studenten steigt die Zahl der psychischen Erkrankungen, aus der Mehrfachbelastung resultieren immer häufiger Depressionen, Anpassungsstörungen oder andere Reaktionen auf schwere Belastungen. Insofern ist es schwierig, das Bild vom sorgenfreien Studentenleben aufrechtzuerhalten – auch wenn selbstverständlich nicht alles schlecht ist.

Studentenklischees

Das muss man erlebt haben

Gemessen an den Leistungen, die Studenten in der immer kürzeren Zeit ihres Studiums in der Uni und abseits davon erbringen, müssen die nach wie vor kursierenden Klischees als blanker Hohn erscheinen. Das wird auch nicht wesentlich besser, wenn man sich vor Augen führt, dass hinter diesen Klischees in weiten Teilen Unwissenheit steht. Die Überspitzung von Vorurteilen ist auch nur eine Form des Umgangs mit einem anderen Lebensentwurf und Werdegang.

Andererseits sind derartige Vorurteile genauso ein fester Bestandteil des studentischen Miteinanders. Typologien und Zuordnungen aufgrund der Kleidung sind ja nicht besser, weil sie von den Studenten selbst ausgesprochen werden und nicht von Außenstehenden. Wer um das Auseinanderklaffen von Klischees und Realität aus eigener Erfahrung weiß, sollte deshalb etwas umsichtiger sein bei dem Versuch, auf Kosten anderer einen Witz zu landen. Man kann schließlich nicht nach mehr Verständnis von Nicht-Studenten verlangen, wenn man selbst nicht auch dazu bereit ist.