Das solltest du vor dem Jurastudium wissen

Das Studium der Rechtswissenschaften soll zu den härtesten Studiengängen überhaupt zählen. Berichte über gestresste Studenten, die am Rande des Wahnsinns stehen, sind immer wieder im Umlauf. Doch wie viel Wahrheit steckt da wirklich drin? Wie anstrengend ist das Jurastudium wirklich? Viele sind sich vor dem Studium gar nicht bewusst, wie Jura funktioniert und was man alles beachten sollte. Denn leider fangen viele an, Jura aus Unentschiedenheit gegenüber anderer Studiengänge zu studieren. Das kann funktionieren, kann aber auch schnell in die Hose gehen.

Vor allem in Sachen Praktikum, Lernaufwand und Dauer sind viele nicht ausreichend informiert. Denn wie lange dauert die Ausbildung zum Volljuristen wirklich? Und was muss man sonst noch für das Jurastudium mitbringen? Hier findest du heraus, was du vor dem Jurastudium beachten solltest und was du sonst alles über dieses Studium wissen musst.

Braucht man ein Praktikum vor dem Jurastudium?

Ein Praktikum vor dem Jurastudium ist nicht unbedingt notwendig. Manche Universitäten bieten den Studiengang ‚Rechtswissenschaften‘ nämlich zulassungsfrei an, was für die, die hohen NC’s an anderen Unis nicht erfüllen können, ein Vorteil ist. Falls du doch eine Traum-Uni hast und den gewünschten Schnitt im Abitur nicht geschafft hast, musst du dich wahrscheinlich auf ein Wartesemester einstellen. Während des Wartesemesters solltest du aber auf keinen Fall untätig bleiben! Denn genau hier kannst du dich auf das Studium bereits optimal vorbereiten – mit einem Praktikum. In diesem Fall bietet sich ein Praktikum an, denn du erhältst bereits Einblicke in die Arbeitswelt eines Juristen und ein Praktikum wird immer als positiv bei der Bewerbung gewertet.

Falls du ein Praktikum absolvieren möchtest, kannst du in die folgenden Bereiche gehen:

  • Großkanzlei
  • Unternehmen
  • Gericht
  • Verwaltungsbehörde
  • Staatsanwaltschaften
  • Notarkanzleien

Es gibt also einige Bereiche, in denen du ein Praktikum machen kannst. Darüber hinaus, kannst du dir das vielleicht später anrechnen lassen, denn viele Universitäten verlangen mittlerweile ein Pflichtpraktikum von Jurastudenten. Das musst du meistens nach dem 2. Semester absolvieren und das während deiner vorlesungsfreien Zeit. Wenn du aber davor schon ein Praktikum gemacht hast, kannst du dich informieren, ob es dir angerechnet werden kann. Somit hast du mehr Zeit während dem Studium und musst dich nicht nochmal um einen Praktikumsplatz bemühen. Aber auch andere Möglichkeiten kommen vor dem Jurastudium in Betracht. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten? Somit kannst du die Zusammenhänge und Lösungen im Jurastudium besser nachvollziehen und hast schon Erfahrung.

Vielleicht willst du dich aber auch in einem Ehrenamt engagieren. Das hat einige Vorteile, denn das Mitwirken in einem Ehrenamt wird auch gerne auf dem Lebenslauf gesehen und bringt dir wichtige Soft Skills. Du kannst zum Beispiel in die Rechtsabteilung einer ehrenamtlichen Vereinigung gehen und dort Erfahrung sammeln.

Kann man Jura auch ohne Abitur studieren?

Mittlerweile wird das Studieren ohne Abitur immer einfacher. Zahlreiche Universitäten kommen jungen Menschen ohne allgemeine Hochschulreife entgegen und ermöglichen ihnen ein Studium. Allerdings ist die Anzahl dieser Studenten noch ziemlich gering. Denn um ohne Abitur studieren zu können, musst du andere Voraussetzungen erfüllen.

Die einfachste Lösung für ein Studium ohne Abitur sind die Ausbildung und Berufserfahrung. Denn nur eine Ausbildung reicht den Hochschulen meistens nicht. Somit musst du meistens noch 3 Jahre Berufserfahrung vorlegen, um den Aufnahmebedingungen gerecht zu werden. Um dann auch wirklich beweisen zu können, dass du für ein Studium geeignet bist, musst du in den meisten Fällen noch eine Aufnahmeprüfung bestehen. Hier gibt es allerdings eine Ausnahme: Wenn du eine fachtreuer Bewerber bist, musst du unter Umständen keine Prüfung ablegen. Fachtreue heißt hier, dass zum Beispiel eine Rechtsfachwirtin sich nur für Jura bewerben kann und nicht für andere Studiengänge.

Auch wenn du einige Hürden in Kauf nehmen musst, um ohne Abitur Jura studieren zu können – machbar ist es auf jeden Fall. Die jeweiligen Bedingungen zur Aufnahme an den Hochschulen findest du auf den Websites der Universitäten. Dir steht also nichts mehr im Weg!

Wie hoch ist der Lernaufwand in Jura?

Der Lernaufwand im Jurastudium sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Vor allem für das 1. und 2. Staatsexamen wirst du einiges lernen müssen. Dafür gehen die Meisten sogar extra in sogenannte Repetitorien, die ihnen helfen sollen, das ganze Lernpensum zu bewältigen und den Lernstoff auch gut zu verstehen. Das kann ziemlich teuer werden, denn private Repetitorien können bis zu 200 Euro im Monat kosten. Um die Kosten zu umgehen, kannst du auch in Repetitorien gehen, die von der Uni angeboten werden. Alleine solltest du den Stoff allerdings nicht lernen, denn der Lernaufwand ist sehr hoch und du kannst schnell den Überblick verlieren.

Zwar hat man in den ersten Semestern ein wenig Luft und kann noch ein wenig entspannen, aber sich auf die faule Haut legen sollte man sich nicht. Denn um die Examen alle gut zu bestehen, bedarf es jahrelangen Lernens. Falls dir in den ersten und späteren Semestern Scheine ausgestellt werden, musst du in früheren Semestern höchstwahrscheinlich nur eine Klausur in einem Grundlagenfach und eine Hausarbeit schreiben. Ansonsten kommen die Klausuren im Öffentlichen Recht, Bürgerlichen Recht und Zivilrecht auf dich zu. So richtig ans Eingemachte geht es dann bereits in den Zwischenprüfungen. Dafür solltest du dich gut vorbereiten, denn wenn du zwei Mal durchfällst, ist Jura für dich vorbei. Daher solltest du auch die Lehrbücher durchgehen, damit du ein Verständnis für die Themen bekommst.

Auf jeden Fall brauchst du viel Disziplin und Motivation, um den Lernaufwand in Jura zu bewältigen. Der Lernstoff ist sehr viel höher und härter als in der Schule und sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Lerngruppen bieten sich immer gut an, denn hier kannst du Dinge erfahren, die du alleine vielleicht übersehen hättest. Ganze Gesetze auswendig lernen musst du in Jura übrigens nicht wirklich, das ist ein weit verbreiteter Aberglaube.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Volljuristen?

Das Studium der Rechtswissenschaften ist eines der längsten Studiengänge. Es unterteilt sich hauptsächlich in ein Grund- und Hauptstudium. Das Grundstudium dauert in der Regel 4 Semester. Nach dem Grundstudium kommt dann das Hauptstudium mit 5 Semestern. Im Hauptstudium wählst du außerdem einen Schwerpunkt. Die Dauer des Hauptstudiums kann sich dann mit dem gewählten Schwerpunkt ändern und hängt von der jeweiligen Studienordnung ab. Nach dem Hauptstudium kommt das 1. Staatsexamen. Wenn du das erfolgreich bestanden hast, bist du leider noch kein Volljurist. Du musst nämlich erst ein 2-jähriges Referendariat machen, bei dem du unterschiedliche rechtswissenschaftliche Stationen durchläufst, zum Beispiel Land- oder Amtsgericht, Staatsanwaltschaft oder Strafgericht und Verwaltungsgericht oder Behörde.

Nach dem Referendariat musst du erst noch das 2. Staatsexamen bestehen. Solltest du das nicht bestehen, musst du erst auf einen weiteren Termin warten und das kann sich ziehen. Insgesamt durchläufst du mindestens 7 Jahre, bis du dich endlich als Volljuristen bezeichnen kannst. Wenn du das in Kauf nehmen möchtest und dir das nicht zu lange dauert, ist ein Jurastudium wahrscheinlich eine gute Idee. Du brauchst auf jeden Fall ein hohes Maß an Durchhaltevermögen, um das Studium komplett durchzuziehen.

Weitere Tipps

Bevor du ein Jurastudium beginnst, solltest du dir auch über andere Dinge im Klaren sein. Denn neben einem hohen Durchhaltevermögen und viel Disziplin, brauchst du auch andere Eigenschaften, um eine erfolgreiche Jurakarriere zu starten. Eine gute mündliche und schriftliche Ausdrucksweise solltest du schon besitzen, denn du musst später deine Kunden ja auch ordentlich präsentieren können. Auch ein sicheres Auftreten wird im Jurastudium gebraucht, da du sonst später nicht richtig ernst genommen wirst.

Auch logisches und analytisches Denken sind von Vorteil, denn du musst die, manchmal recht komplizierten, rechtswissenschaftlichen Zusammenhänge und Lösungswege auch verstehen und nachvollziehen können. Dafür ist auch eine schnelle Auffassungsgabe wichtig – wenn du deine Dozenten nämlich nie verstehst und nicht hinterherkommst, dann wirst du auch im Rest deines Studiums Probleme haben und die Prüfungen werden besonders schwer.

Natürlich solltest du auch gut mit Menschen umgehen können, da du in diesem Beruf immer mit Menschen zu tun haben wirst. Da hilft es wenig, wenn du ziemlich menschenscheu bist. Am wichtigsten ist jedoch, dass du nicht aufgibst. Der Druck im Jurastudium kann sehr groß werden, vor allem wenn du dich mit deinen Kommilitonen vergleichst, die entweder immer mehr oder weniger machen werden als du. Auch vor den Staatsexamen solltest du nicht zu große Panik schieben, denn das kann sich schnell in Prüfungsangst umwandeln und das kann zu einem echten Problem werden. Wenn du dir aber 100% sicher bist, dass Jura das richtige Studienfach für dich ist, dann steht dir deiner Karriere in den Rechtswissenschaften sicher nichts mehr im Weg.

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