Wie läuft ein Medizinstudium eigentlich ab?

Medizinstudium

Es ist der absolute Traumwerdegang tausender junger Menschen: Medizinstudium und dann als Arzt arbeiten. Nicht nur gesellschaftliche Anerkennung, auch persönliche Zufriedenheit und das Gefühl anderen zu helfen bringt viele dazu, sich diesen Lebenslauf herbeizuwünschen. Jedoch bleibt das Medizinstudium für die meisten genau das: ein Wunschtraum. Ein hoher Numerus Clausus macht es dem Großteil der Bewerber unmöglich, sich ihren Wunsch zu erfüllen. Trotz Spitzen-Abi müssen sich viele geschlagen geben und das Vorhaben entweder an den Nagel hängen, ins Ausland ausweichen oder sich andere medizinische Ausbildungsmöglichkeiten suchen.


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Doch wie läuft ein Medizinstudium eigentlich ab? Kommt es für Dich in Frage? Für alle, die noch am Überlegen sind, ob sie sich in den Kampf um einen Studienplatz begeben sollen, haben wir hier mal die wichtigsten Infos zum Studium zusammengefasst.

Bewerbung

Es gibt 38 medizinische Fakultäten in Deutschland. Für jede davon läuft die Bewerbung für den Studiengang Humanmedizin über die Seite hochschulstart.de. Über dieses Portal erfolgt anschließend auch die Vergabe der Studienplätze.

An wen gehen die Studienplätze?

  • 20% an Bewerber mit dem besten Abi-Durchschnitt
  • 20% an Bewerber mit der längsten Wartezeit
  • 60% der Bewerber werden durch hochschulinterne Auswahlverfahren bestimmt

Dabei legen die Universitäten in einem gewissen Rahmen ihre Kriterien selbst fest. Die Kriterien beinhalten zum Beispiel die Gesamt-Abinote, aber auch Noten in einzelnen Fächern und Berufserfahrung fließen in die Bewertung mit ein. Diejenigen, die nicht direkt studieren möchten, können vorher beispielsweise eine medizinische Ausbildung machen, die sich positiv auf ihre Bewerbung auswirkt. 18 der Universitäten erkennen zusätzlich noch den Test für Medizinische Studiengänge (TMS) an. Es könnte sich also lohnen, diesen abzulegen, um seine Chancen auf einen Studienplatz zu vergrößern.

Aufbau

Wer sich für ein Medizinstudium entscheidet, studiert mindestens sechs Jahre, denn die Regelstudienzeit beträgt zwölf Semester. Motiviert dranbleiben ist also angesagt. Dabei ist das Studium in zwei Teile eingeteilt, einen vorklinischen und einen klinischen. Der vorklinische Teil umspannt die ersten vier Semester. Er beinhaltet die Grundlagen der Medizin, sodass man am Ende der zwei Jahre den Aufbau des Körpers und dessen Funktionen ziemlich gut kennt. Zusätzlich erhält man eine Erste-Hilfe-Ausbildung und absolviert ein Krankenpflegepraktikum in einem Krankenhaus oder einer ähnlichen Pflegeanstalt. Wer möchte und wem es zeitlich passt, darf das Praktikum auch schon vor dem Beginn des Studiums absolvieren oder kann es in drei jeweils 30 Tage langen Abschnitte unterteilen. Solange man das Praktikum nach dem Abitur absolviert, erkennt die Uni es an.

Der klinische Teil des Medizinstudiums umfasst das fünfte bis zehnte Semester. Hier lernt man spezifischere Fachgebiete, wie beispielsweise Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten, kennen. Auch gewinnt man nun erste Praxiskenntnisse durch die sogenannte Famulatur: Ein vorgeschriebenes Praktikum, das man sowohl im Krankenhaus als auch in einer selbstständigen Praxis durchführt.

Nach dem klinischen Teil gewinnt ein Medizinstudent weiter praktische Erfahrungen durch das praktische Jahr. In diesem letzten Teil des Medizinstudiums wird man auf das Dasein als Arzt vorbereitet, indem man in einem Krankenhaus arbeitet. Dabei übernimmt man Aufgaben, die dem jeweiligen Wissensstand entsprechen und gewinnt so Kenntnisse in der inneren Medizin, Chirurgie und einem anderen Fachgebiet der Wahl. So sammelt man bereits erste Erfahrungen im Lebensalltag eines Assistenzarztes.

Prüfungen

Jeder Teil des Medizinstudiums hat seine eigene Prüfung. Das erste Staatsexamen, das nach dem vorklinischen Teil abgelegt wird, heißt Physikum. Es besteht aus einem mündlichen und einem schriftlichen Teil. Der schriftliche Teil umfasst zwei Tage, an denen man jeweils vier Stunden lange Prüfungen in Form von Multiple-Choice-Tests schreibt. Dabei werden sowohl Themen wie Anatomie und Physiologie, als auch Biologie, Chemie und Physik abgefragt.

Der klinische Teil endet mit dem zweiten Staatsexamen, das sich über drei Tage erstreckt. Diese Prüfung bezieht sich größtenteils auf Fallstudien, die man durch das erlernte Fachwissen erörtern muss. Nach dem praktischen Jahr legt man logischerweise eine praxisorientierte mündliche Prüfung ab, danach darf man offiziell als Arzt arbeiten.

Abschluss

Besteht man alle drei Prüfungen, legt man erfolgreich sein Medizinstudium ab und bekommt die Approbation erteilt. So nennt man die Erlaubnis, den ärztlichen Beruf auszuüben. Man ist zunächst Assistenzarzt, es besteht aber die Möglichkeit sich weiterzubilden, indem man sich auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert. So kann man dann entweder in einem Krankenhaus oder einer selbstständigen Praxis arbeiten, oder einen der anderen vielfältigen medizinischen Berufswege einschlagen. Den Doktor-Titel erhält man allerdings nur, wenn man promoviert – nicht jeder, der ein Medizinstudium abschließt, ist am Ende tatsächlich ein Doktor.

Alternative zum Regelstudiengang: Der Modellstudiengang

Seit fast 20 Jahren gibt es eine alternative Herangehensweise an das Medizinstudium, das in seiner regulären Form häufig als praxisfern in der Kritik steht. Deshalb kann man nun an bestimmten Universitäten Medizin als Modellstudiengang belegen. Diesen kann man an 12 Universitäten in Deutschland studieren. Wählt man diesen Studiengang, wird man zu einem früheren Zeitpunkt im Medizinstudium mit der Praxis eines Mediziners vertraut gemacht. Der Modellstudiengang zeigt auch ansonsten einige Unterschiede zu dem regulären Studiengang auf. Hier ein paar davon:

  • Semester und Module sind in verschiedene Organsysteme aufgeteilt: Die jeweiligen Fächer werden dem passenden Themenblock zugeordnet und nicht umgekehrt
  • In den ersten Semestern lernt man bereits Patienten kennen und sie zu untersuchen
  • An vielen Unis fällt das Physikum weg, stattdessen werden nach jedem Semester Prüfungen geschrieben, die das jeweilige Themengebiet abdecken
  • Zusätzlich zu Vorlesungen gibt es häufig auch Unterricht in kleineren Gruppen
  • Problem orientiertes Lernen (POL) steht im Vordergrund – dabei werden gemeinsam Fallbeispiele bearbeitet und gelöst

Gleich bleibend sind jedoch die finalen Examen, die das Medizinstudium abschließen. Der Modellstudiengang macht das Studium somit nicht leicht, sondern verteilt lediglich die Schwerpunkte der medizinischen Themen anders. Dennoch mag so mancher Student viele kleinere Prüfungen angenehmer finden als das Physikum, besonders am Beginn des Studiums. Einen kleinen Nachteil gibt es: Ein Studienortswechsel kann sich schwieriger als beim Regelstudiengang gestalten, da jede Uni den Aufbau des Medizinstudiums individuell gestaltet. Trotzdem gilt: Wer lieber am Beispiel eines echten Medizin-Falls lernt und nicht nur stur auswendig, der sollte bei der Wahl der Uni definitiv den Modellstudiengang in Betracht ziehen.

Fazit

Ein Medizinstudium ist in jedem Fall ganz schön umfangreich und zeitaufwendig. Doch wer eine Zulassung bekommt und sich als Mediziner ausbilden lassen darf, hat Aussicht auf eine spannende und abwechslungsreiche Karriere! Jetzt liegt es nur noch an Dir zu entscheiden, ob ein Medizinstudium das Richtige für Dich ist!

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