Daran erkennst du gute Arbeitgeber bei deiner Stellensuche

Du bist Student. Zwar heutzutage kein Angehöriger einer kleinen Bevölkerungsgruppe mehr, aber durchaus der Bildungselite, denn nur 17,6 Prozent der Deutschen haben einen Hochschulabschluss. Als solcher Bildungsbürger bist du heute, erst recht, wenn man den Fachkräftemangel dazurechnet, in der komfortablen Lage, dir aussuchen zu können, wem du deine Arbeitskraft zur Verfügung stellst.  Allerdings gibt es gefühlt Millionen von Stellenanzeigen. Du willst natürlich vermeiden, dabei an den Falschen zu geraten und zumindest Lebenszeit in einer Firma zu verschwenden, in der du dich nicht wohlfühlst.

Wir zeigen dir deshalb, was eine gute Firma ausmacht, welche Anzeichen es dafür zwischen Stellengesuch und der Vertragsunterzeichnung gibt und wo du selbst drauf achten musst.

Gute Arbeitgeber schalten nicht andauernd Anzeigen …

Du hast in aller Regel schon lange vor dem Abschluss einen Plan, wie dein Berufsweg aussehen soll und wirst deshalb schon früher damit anfangen, dich nach Jobs umzusehen.

Dabei empfehlen wir, nicht nur nach der Jobbezeichnung zu suchen, sondern auch nach einem bestimmten Ort. Dann erkennst du, worum es geht. Es gibt Firmen, die suchen andauernd oder zumindest sehr häufig Leute. Vielleicht nicht immer für die gleiche Position aber eben denselben Ort, deshalb auch die ortsbezogene Suche.

Stell dir mal vor, Versicherung Müller sucht:

  1. Zum 1. April einen Controller
  2. Zum 1. Juni einen Sachbearbeiter
  3. Zum schnellstmöglichen Zeitpunkt eine Bürokraft
  4. Zum 1. September einen IT-Spezialisten
  5. Zum 1. November wieder einen Sachbearbeiter und eine Bürokraft

Entweder wächst diese Firma gerade sehr schnell, was allerdings wegen der ungleich verteilten Einstellungen zweifelhaft ist, oder sie schreckt diejenigen, die sie einstellt, ziemlich schnell ab. Warum? Such dir etwas aus. Vom cholerischen Chef, dem es niemand Recht machen kann über schlechte Bezahlung bis zu einem schlechten Arbeitsklima gibt es dafür viele Gründe. Dich sollte es in jedem Fall stutzig machen. Unser nächster Punkt zeigt dir, wie du dann vorgehen solltest.

Wichtig: Du musst Firmen, die immer wieder suchen, von solchen unterscheiden, die auf einen Schlag viele Leute einstellen. Das sind dann tatsächlich diejenigen, die wachsen oder im Begriff sind, eine neue Filiale/Abteilung zu gründen.

… und überstehen deine Recherche

Eine der vielleicht besten Internetfunktionen ist es, dass es einem ermöglicht, leicht sehr umfangreiche Dinge über andere zu recherchieren, auch über Firmen. Beinahe jede Firma hat einen Facebook-Auftritt. Viele sind bei Google registriert, es gibt Xing, LinkedIn und Co. und einige veröffentlichen auch regelmäßige Rankings der Arbeitgeber. Dort musst du dich umschauen. Nicht so sehr bei der Firma selbst, sondern Leuten, die angeben, dort zu arbeiten oder gearbeitet zu haben, ihren Kommentaren, Bewertungen usw. Ex-Mitarbeiter kannst du durchaus auch anschreiben. Das kann formlos gehen:

„Hallo, ich hätte eine Frage: In Ihrem Profil steht, dass sie früher bei der Firma XYZ beschäftigt waren. Ich spiele mit dem Gedanken, mich dort zu bewerben und möchte in Erfahrung bringen, ob Sie das Haus empfehlen können?“

Wichtig ist nur, dass du zumindest grobe Aussagen darüber bekommst, um was für ein Unternehmen es sich handelt. Dazu gehört auch, mit „Unternehmensname + Arbeitgeber + Erfahrungen“ eine Google-Suche zu starten.

Gute Stellenanzeigen

Stellenanzeigen haben immer die Tendenz, ziemlich positiv geschrieben zu sein. Natürlich, denn ein Unternehmen möchte sich in gutem Licht präsentieren. Allerdings ist das auch ein Problem, denn es sorgt dafür, dass Anzeigen dir nicht zwingend die volle Wahrheit verraten.

Dass eine Anzeige, in der sich viele Schreibfehler finden, dich stutzig machen sollte, versteht sich von selbst. Man darf erwarten, dass ein sorgfältig arbeitendes Unternehmen solche Fehler vor der Veröffentlichung der Anzeige korrigiert.

Was weniger auffällig, aber dennoch kritisch ist, sind die folgenden Punkte:

  • Die Firma stellt nur sich selbst vor, aber nicht/kaum, was sie als Arbeitgeber bietet
  • Das Jobprofil ist schwammig ausformuliert, es gibt kaum konkrete Aussagen, was deine täglichen Aufgaben sind oder du scheinst einfach „alles“ tun zu müssen, weil so vieles aufgelistet wird
  • Die Anforderungen werden kaum konkretisiert oder es werden solche gestellt, die für diese Position unrealistisch hoch sind
  • Die Anzeige ist nicht „auf den Punkt“, sondern ein halber Roman
  • Es gibt keine Ansprechpartner, auch nicht wo geschrieben steht, wohin du deine Bewerbung schicken sollst

Schau dir einfach einige nach diesen Maßstäben gute Stellenanzeigen, Benefits und Firmenvorstellungen an. Damit wirst du feststellen, dass du ein genaues Bild von der Firma, Ihren Vorteilen und dem Job bekommst. Im Gegenzug solltest du aber auch einige ausnehmend schlechte Annoncen ansehen. Die erste aus diesem Beispiel verliert vor allem bei Nummer 4 der Kritikpunkte gnadenlos.

Schnelle Rückmeldungen

Es ist soweit: Du hast die ersten drei Punkte durchgearbeitet und festgestellt, dass ein Unternehmen, für das du dich interessierst, keine Auffälligkeiten zeigte. Du hast auch keine unserer zehn größten Bewerbungsfehler gemacht. Dennoch sitzt du jetzt schon seit Wochen da und wartest auf ein Lebenszeichen des Unternehmens.

Normal ist, dass du deshalb an dir zweifeln wirst: Wurde die E-Mail nicht zugestellt? Nein, dann hättest du eine Unzustellbarkeits-Nachricht bekommen. Du hast die Unterlagen als Eilbrief versendet und kannst sie nachverfolgen? Falls da auch nichts herauskam, musst du nicht an dir zweifeln. Vielmehr sollte es dich an dem Unternehmen zweifeln lassen. Denn so normal es ist, dass ein Bewerbungsprozess einige Wochen, wenn nicht gar mehr beanspruchen kann, so normal ist es auch, ein oder zwei Wochen nach Eingang einzelner Bewerbungen auf sie zu reagieren.

Ein gutes Unternehmen lässt Bewerber nicht wochenlang
ohne jegliche Nachricht im Ungewissen

Ob das per E-Mail oder Brief geht, ist nicht relevant. Eine gute Firma bestätigt dir auf jeden Fall zeitnah, dass du erfasst wurdest und im Prozess steckst. Nach drei Wochen hast du immer noch keine Nachricht? Dann rufe an, frage höflich nach, ob deine Bewerbung eingegangen ist.

Guten Tag, mein Name ist XY, ich hatte am [Datum] eine Bewerbung auf die ausgeschriebene Stelle als [Position] an Sie versendet. Da ich noch keine Bestätigung erhalten habe, würde ich gerne in Erfahrung bringen, ob meine Unterlagen eingegangen sind.“

Hüte dich jedoch davor, mehr erfahren zu wollen, etwa ob man dir schon weitere Infos über den Stand der Dinge geben kann. Solche Kontrollen mag niemand und wirst zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht den richtigen Ansprechpartner am Telefon haben bzw. nicht den Personaler, der die Entscheidungen fällt. Allerdings solltest du nun etwas vorsichtig sein. Solch ein Fehler ist nicht gerade vertrauenerweckend.

Tipp: Bekommst du einen Brief, der mit „Sehr geehrte/r Bewerber/in“ anfängt, sollte dich das auch stutzig machen, denn Briefe zu personalisieren gehört heute zum Standard.

Du bekommst Die Tour

Das letzte Signal, dass du wohl auf das richtige Unternehmen gesetzt hast, findest du im Vorstellungsgespräch. Als erstes sei dir empfohlen, vor allem bei mittleren und großen Firmen, ein paar Minuten früher zu erscheinen und draußen zu beobachten, wie die Leute auf dich wirken, die dort ein und aus gehen.

  • Machen sie einen gelassenen Eindruck oder wirken sie gehetzt?
  • Sind sie fröhlich oder eher missmutig?
  • Kannst du vielleicht Gesprächsfetzen oder zumindest Launen anhand der Tonlagen auffangen?

Nimm dir vorher die Zeit und lies dich ein wenig ins Interpretieren von Mimik ein. Das kann jeder und ist ein nützliches Talent. Geht das Gespräch dann los, kommt es darauf an, wie man dich behandelt. Eher negativ ist es, wenn man dich in einen Besprechungsraum führt, ohne dass du vom Unternehmen etwas zu sehen bekommst. Das Gegenteil ist „die Tour“. Du wirst durch die Firma oder zumindest die Abteilung geführt, bekommst die Chance, eventuelle künftige Kollegen kennenzulernen.

Wichtig: Vor allem wenn es eine sichtbar größere Bewerberrunde ist, bei der viele Konkurrenten warten, kannst du „die Tour“ durchaus auch als kleinen Hinweis darauf sehen, dass du zumindest einen guten Eindruck hinterlassen hast.

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