Auslandssemester in Südkorea – Das Insider-Interview

Südkorea

Ein Auslandssemester gehört inzwischen für viele Studenten dazu. Fremde Kulturen sehen, neue Sprachen lernen und natürlich viele Leute aus der ganzen Welt kennenlernen. So verlockend das klingt, so schwierig ist auch die Frage nach dem „Wohin?“. Während manch einer vielleicht schon zu Beginn weiß, wo er sein Auslandssemester verbringen will, sind andere noch unentschlossen. Um euch also bei der Wahl eines Studienortes im Ausland zu unterstützen, wollen wir euch diesmal zeigen was es heißt, nach Südkorea zu gehen. Dafür haben wir Susanne befragt, die dort für ein Semester lang studiert hat. Was ihre Erfahrungen sind und ob sie es empfehlen kann, dort zu studieren, lest ihr hier!

Erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Erfahrungen mit uns zu teilen! Erzähl mal, was hat dich dazu bewegt, ein Semester im Ausland zu verbringen? Wo hast du studiert und warum hast du dich letztlich für diese Uni entschieden?

Ich habe mich für ein Auslandssemester entschieden, da es stark von unserer Universität geraten wurde, dass wir das tun. Allerdings war schon von Anfang an für mich klar, dass ich ins Ausland gehen wollte, da das Auslandssemester eine tolle Chance ist billig an einer Universität im Ausland zu studieren und in einem sicheren Rahmen neue Kulturen kennen zu lernen.

Ich habe an der Korea University (KU), Seoul, Südkorea studiert. Ich wollte unbedingt nach Südkorea, da ich mich schon länger für dieses Land und dessen Kultur interessiere und auch schon Sprachkurse besucht habe um mich gut darauf vorzubereiten. Die Universität Mannheim bot drei Universitäten in Südkorea zur Auswahl an. Zwei davon waren in Seoul, der Hauptstadt, eine davon in der zweitgrößten Stadt – Busan. Ich legte die KU als meine erste Priorität fest, da sie einen sehr guten Ruf hat und ich nur positives über sie finden konnte. Aber ich wäre nicht traurig gewesen, wenn ich an eine der anderen Unis gekommen wäre.


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Wie hast du dich bei deiner Ankunft gefühlt? War es überwältigend oder hast du die bevorstehende Zeit als aufregend empfunden?

Als ich am Flughafen ankam war ich sehr aufgeregt und wusste auch nicht wirklich was mich dort erwartet. Die Universität bot an, dass Studierende der KU ankommende Studierende vom Ausland abholen und mit ihnen dann rein in die Hauptstadt fahren (da der Flughafen etwas außerhalb liegt). Dieses Angebot hat mir etwas geholfen, da ich wusste, dass ich dort nicht gleich von Anfang an alleine bin. Ich war eher positiv aufgeregt und freute mich endlich (nach ca. 11 Stunden Flug) dort angekommen zu sein.

Hat sich der neue Ort sehr von deinem Zuhause unterschieden?

Ja, Südkorea ist definitiv anders als Deutschland. Die koreanische Kultur unterscheidet sich sehr von der europäischen, was sich zum Beispiel am Essen und auch an der Infrastruktur zeigt. Mein Zimmer war beispielweise nur ca. 6,6m² groß und ich habe fast genau so viel bezahlt wie für mein Zimmer in Deutschland, welches 22m² groß ist. Aber da Seoul ja die Hauptstadt Südkoreas ist und ich dort nur knapp ein halbes Jahr wohnte, war die hohe Miete für das kleine Zimmer aushaltbar.

Gab es Sprachbarrieren? In welcher Sprache fand der Unterricht statt?

In Südkorea ist es schwierig Menschen zu finden, die flüssig und gut verstehbar Englisch sprechen. Deswegen ist es definitiv ratsam Koreanisch zu lernen um sich wenigstens etwas verständigen zu können. Jedoch sind Koreaner sehr freundlich und bemühen sich dir auch weiterzuhelfen, egal ob weder du sie noch sie dich verstehen können.

Der Unterricht war hauptsächlich in Koreanisch. Allerdings wurden auch einige bestimmte Kurse in Englisch angeboten. Das Problem war, dass es zu viele Studierende gab und pro Kurs nur eine bestimmte Anzahl an Austauschstudenten in die Kurse rein durfte. Dennoch konnte man persönlich zum Professor gehen und ihn beten noch in den Kurs aufgenommen zu werden und in der Regel klappt dies auch immer.

Inwiefern unterschied sich die neue Uni von der zu Hause? Wie waren die Kurse & Vorlesungen dort im Vergleich zu Zuhause? Wie waren die Professoren und Kommilitonen?

Gefühlt war der Campus der KU sehr groß und man musste sich am Anfang erst einmal zurecht finden. Die Vorlesungen, die ich besuchte waren sehr gut, wenn auch die meisten sehr anspruchsvoll waren. Die Professoren waren ebenfalls sehr gut. Bei manchen hörte man den koreanischen Akzent sehr heraus, jedoch konnten alle flüssig Englisch sprechen und wenn man zuhörte konnte man sie auch gut verstehen.

Was studierst du und in welchem Semester befindest du dich? Konntest du an deiner Gastuni gute Kurse finden und konntest du dafür Punkte an deiner Uni bekommen?

Ich studiere Anglistik/Amerikanistik mit dem Beifach Soziologie und bin jetzt im 6. Semester. Ich habe sehr viele gute Kurse gefunden an meiner Gastuni. Allerdings war es sehr schwer dort rein zu kommen während der online Registrierung. Die Kurse waren innerhalb von Nanosekunden schon voll und dann konnte man sich nur noch auf eine Warteliste setzen. Als ich nach Korea flog war ich nur in 2 von 5 Kursen sicher angemeldet. In Korea bin ich dann (wie viele andere Studenten) zu dem Professor/in gegangen und meistens hatte man Glück und durfte noch in den Kurs rein. Ich habe allerdings auch von einigen mit bekommen, dass sie wieder aus dem Kurs raus mussten, da der Professor/in sich spontan entschied auf Koreanisch zu unterrichten und nicht auf Englisch. Nach meinem Auslandssemester konnte mir eigentlich alles angerechnet werden, außer der Sprachkurs den ich dort belegt hatte.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht? War der Unialltag sehr anstrengend oder eher entspannt?

Ich kam oft erst am Abend nach Hause, weswegen ich unter der Woche nicht allzu viel unternahm. Oft war ich mit Freunden unterwegs und aß mit ihnen in neuen Restaurants, die wir ausprobierten. Ansonsten waren wir auch oft in Cafés oder ich war mit meiner Buddy Gruppe unterwegs.

Der Unialltag war für mich ungewohnt anstrengend. Die Kurse forderten sehr viel von einem. Wie zum Beispiel wöchentliche Essays die man abgeben musste und Diskussionen in denen man der Diskussionsleiter sein sollte und sich darauf auch sehr gut vorbereiten musste und natürlich sehr viele Texte, die zu lesen waren. Erwartet habe ich das in diesem Ausmaß nicht aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hatte, war es gut machbar.

Wolltest du im Ausland ein Party-Semester verbringen, neue Kulturen entdecken, eine neue Sprache lernen,…? Erzähl uns mehr!

Ich ging nach Südkorea um dort die Kultur zu entdecken und die Sprache zu lernen. Natürlich war ich dort auch feiern, jedoch war Party zu machen nicht der Grund weshalb ich dorthin gegangen bin. Im Nachhinein denke ich schon, dass ich vielleicht ein oder zwei Kurse weniger belegen hätte sollen, aber ich hatte auch so Spaß – musste mich halt erst einmal an den Alltag gewöhnen.

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Um mal ehrlich zu sein… viele Studenten nutzen so ein Auslandssemester gerne, um viel auszugehen. Wie war das bei dir so? Was waren die besten Orte zum Party-machen in deiner Gaststadt?

Ich hörte (allerdings erst, als ich wieder zurück in Deutschland war), dass meine Gastuni dafür bekannt ist viel Party zu machen und in der Tat – es gab tatsächlich von dem Buddy Programm oft Angebote weg zu gehen und zu feiern. In Seoul gab es viele Angebote, die man nutzen konnte, wenn man feiern oder weggehen wollte. Ein Stadtviertel – Hongdae – ist besonders dafür bekannt. An jeder Ecke findet man Straßenkünstler die auftreten, Clubs, Bars und Restaurants gibt es dort wie Sand am Meer. Aber auch in anderen Stadtvierteln wie zum Beispiel im berühmten Gangnam-Viertel gab es auch einige teurere aber sehr berühmte Clubs.

Erzähl uns etwas über die anderen Studenten. Hast du viele Leute aus verschiedenen Ländern kennengelernt oder waren auch einige deutsche Studenten mit im Ausland?

An der KU gab es eigentlich keine Nationalität die am besten vertreten war. Es gab viele Chinesen, Japaner, Amerikaner. Aber auch viele aus Canada, England, Mexiko, Deutschland und andere Länder.

Mal zu einem etwas weniger aufregendem Thema: Bist du mit ERASMUS ins Ausland gegangen? Hast du ein Stipendium erhalten und hat das zum Leben gereicht? War das alles sehr einfach oder musstest du dich mit viel Papierkram rumschlagen?

Ich konnte Erasmus leider nicht in Anspruch nehmen und auch die Stipendien, auf die ich mich beworben hatte, habe ich leider nicht bekommen. Von daher musste ich meinen Aufenthalt dort selber finanzieren bzw. hatte das Glück, dass mich meine Eltern kräftig unterstützten.

Bis zu dem Moment, als ich endlich mein Acceptance Letter in der Hand hatte, musste ich sehr, sehr, sehr viel Papierkram erledigen. Manchmal war es sogar zum Haare raufen. Ich habe mir immer im Kopf behalten, dass es das am Ende wert sein würde. Aber manchmal war es schon sehr anstrengend alles auszufüllen und alles zu besorgen (und vor allem extra nach Frankfurt/M. zu fahren um ein Visum zu beantragen).

Was war deine beste, was deine schlechteste Auslandserfahrung?

Die beste Erfahrung ist die, dass ich so viele tolle Leute kennen gelernt habe die von allen möglichen Orten der Welt kommen, die ich ohne dieses Auslandssemester nicht kennen würde. Gleichzeitig ist dies auch das schlechteste, da man all die tollen Leute nun kennt, allerdings nicht wirklich die Zeit und/oder die finanziellen Mittel besitzt um mal eben in die USA oder nach Japan zu fliegen.

Hast du irgendwelche Tipps für Studenten, die später auch mal ins Ausland wollen?

Früh anfangen, alles zu organisieren – die Zeit werdet ihr brauchen! Sich über die Kultur informieren und was dort geduldet wird und was verboten ist. So kann man einige Fettnäpfchen vermeiden und sich das Leben erleichtern.

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Und zum Abschluss: Würdest du jetzt immer noch die gleiche Wahl treffen? Ins Ausland gehen, gleiches Land, gleiche Uni?

Ich würde meine Wahl genauso treffen wie ich es tat. Bzw. ich würde sogar schauen, dass ich für zwei Semester dort bleibe und nicht nur eines, da es eine echt klasse Erfahrung war und gefühlt die Zeit viel zu kurz war um alles zu erleben, was ich gerne erlebt hätte.

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