Auslandssemester in Rom – Das Insiderinterview

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Ein Auslandssemester gehört inzwischen für viele Studenten dazu. Fremde Kulturen sehen, neue Sprachen lernen und natürlich viele Leute aus der ganzen Welt kennenlernen. So verlockend das klingt, so schwierig ist auch die Frage nach dem „Wohin?“. Während manch einer vielleicht schon zu Beginn weiß, wo er sein Auslandssemester verbringen will, sind andere noch unentschlossen. Um euch also bei der Wahl eines Studienortes im Ausland zu unterstützen, wollen wir euch diesmal zeigen was es heißt, mit Erasmus nach Rom zu gehen. Dafür haben wir Miriam befragt, die dort für ein Semester lang studiert hat. Was ihre Erfahrungen sind und ob sie es empfehlen kann, mit Erasmus zu gehen, lest ihr hier!

Erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Erfahrungen mit uns zu teilen! Erzähl mal, was hat dich dazu bewegt, ein Semester im Ausland zu verbringen? Wo hast du studiert und warum hast du dich letztlich für diese Uni entschieden?

Ich wollte schon immer einmal eine Zeitlang im Ausland leben; nach dem Abitur habe ich mich aber nicht getraut alleine loszuziehen und deshalb stand für mich schon zu Beginn des Studiums fest, dass ich ein Auslandssemester machen würde. Die Möglichkeiten, die einem die Unis bieten, sind auch einfach gut und man bekommt viel Unterstützung, deshalb ist ein Auslandssemester wirklich eine tolle Möglichkeit, Auslandserfahrung zu sammeln. Ich habe in Rom an der Sapienza studiert. Italien ist einfach eins meiner Lieblingsländer und jeder schwärmt immer von Rom, deshalb wollte ich dorthin. Die Uni war die einzige römische Uni, die eine Partnerschaft mit meiner Fakultät hat.

Wie hast du dich bei deiner Ankunft gefühlt? War es überwältigend oder hast du die bevorstehende Zeit als aufregend empfunden?

Eher letzteres. Wenn man angekommen ist und realisiert, was man da gerade tut, kann das schon überwältigend sein, aber die Aufregung und Freude hat bei mir immer überwogen.

Hat sich der neue Ort sehr von deinem Zuhause unterschieden?

Ich würde sagen in einem angenehmen Maße. Rom als italienische Großstadt ist schon was anderes als mein Zuhause, aber die Kultur war mir jetzt nicht komplett fremd oder so anders, dass ich einen Kulturschock erlitten hätte.

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Gab es Sprachbarrieren? In welcher Sprache fand der Unterricht statt?

An der Sapienza sind die meisten Kurse auf Italienisch, aber es gibt auch welche auf Englisch, so dass man selbst auswählen kann, wie groß die Barrieren in der Uni sind. Ansonsten sprechen in Rom erstaunlich viele Menschen Englisch und wenn man einen Grundwortschatz in Italienisch hat, kann da eigentlich nichts schiefgehen.

Inwiefern unterschied sich die neue Uni von der zu Hause? Wie waren die Kurse & Vorlesungen dort im Vergleich zu Zuhause? Wie waren die Professoren und Kommilitonen?

Die Uni war schon anders; italienische Unis sind seehr chaotisch, aber das hängt auch sehr von der Fakultät ab. Die Seminare, die ich besucht habe, waren etwas anders als zuhause. Die Studenten wurden viel mit eingebunden (aber nicht nur durch Referate, wie an meiner deutschen Uni) und allgemein war eine viel entspanntere und persönlichere Atmosphäre, die Dozenten waren deutlich nahbarer. Für mich war ein Unterschied zu Deutschland auch, dass wir das ganze Semester über mehrere Leistungen erbringen mussten (z.B. Paper abgeben) und nicht nur eine Klausur oder Hausarbeit am Ende geschrieben haben.

Was studierst du und in welchem Semester befindest du dich? Konntest du an deiner Gastuni gute Kurse finden und konntest du dafür Punkte an deiner Uni bekommen?

Ich studiere Kommunikationswissenschaft und Psychologie im 6. Semester. Mit den Kursen war es schon relativ schwierig für mich, das liegt aber größtenteils an meinem Studium, würde ich sagen. Das war einfach nicht ganz so kompatibel mit meiner Gastuni, worauf ich im Vorhinein nicht allzu sehr geachtet habe. Nach einigem Hin und Her habe ich aber doch ein paar passende Kurse gefunden und bin im Nachhinein zufrieden mit den Punkten, die ich mir anrechnen lassen konnte.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht? War der Unialltag sehr anstrengend oder eher entspannt?

In meiner Freizeit habe ich viel die Stadt erkundet, denn in Rom gibt es auch nach einem halben Jahr noch viele neue Dinge zu entdecken. Ansonsten sind wir Erasmusstudenten natürlich auch feiern gegangen, haben Ausflüge in andere Städte gemacht und uns durch sämtliche Restaurants gegessen. Mein Unialltag war eher entspannt, außer ich musste gerade Paper schreiben oder für Klausuren lernen.

Wolltest du im Ausland ein Party-Semester verbringen, neue Kulturen entdecken, eine neue Sprache lernen,…? Erzähl uns mehr!

Eine Mischung aus allen drei, würde ich sagen. Ich wollte auf keinen Fall dieses typische Party-Auslandssemester und das hatte ich auch nicht, aber natürlich bin ich öfter mal feiern gegangen. Mein Italienisch wollte ich gerne verbessern und die italienische Kultur noch weiter entdecken und das ist mir beides auch ganz gut gelungen, denke ich.

Um mal ehrlich zu sein… viele Studenten nutzen so ein Auslandssemester gerne, um viel auszugehen. Wie war das bei dir so? Was waren die besten Orte zum Party-machen in deiner Gaststadt?

Wenn ich mit Freunden feiern gegangen bin, sind wir eigentlich gerne zu den Partys der Organisation esn gegangen. Vor diesen Partys gab es nämlich immer coole Meet-ups, bei denen sich alle auf irgendeinem Platz zum Vorglühen getroffen haben, während man Musik hören und neue Leute kennenlernen konnte.

Mein Lieblingsclub in Rom ist das „Ex-Dogana“, abgesehen davon gibt es noch viele kleine Bars, vor denen Massen an Studenten auf der Straße stehen und etwas trinken und die warmen Abende genießen.

Erzähl uns etwas über die anderen Erasmus-Studenten. Hast du viele Leute aus verschiedenen Ländern kennengelernt oder waren auch einige deutsche Studenten mit im Ausland?

Ja, ich habe einige aus anderen Ländern kennengelernt, das ist wirklich beeindruckend. Aus Deutschland trifft man ja irgendwie überall Menschen, das war auch in Rom nicht anders. Von meiner Uni war ich aber die einzige, die an der Sapienza studiert hat.

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Mal zu einem etwas weniger aufregendem Thema: Bist du mit ERASMUS ins Ausland gegangen? Hast du ein Stipendium erhalten und hat das zum Leben gereicht? War das alles sehr einfach oder musstest du dich mit viel Papierkram rumschlagen?

Ich bin über Erasmus nach Rom gegangen. Die Förderung für Italien war ziemlich großzügig und hat mich wirklich gut unterstützt. Ich glaube nicht, dass man nur davon leben kann, aber so ist es ja auch nicht gedacht. Aber ich denke, dass es auf jeden Fall die Mehrkosten gedeckt hat, so dass ich auf keinen Fall mehr Geld als in Deutschland ausgegeben habe. Der Papierkram ist schon nervig, aber machbar und lohnt sich schließlich.

Was war deine beste, was deine schlechteste Auslandserfahrung?

Puh, schwierige Frage. Ich glaube für mich gab es nicht DIE eine beste Erfahrung. Einfach das Gefühl, in Rom zu leben, alleine klarzukommen und dann irgendwie auch angekommen zu sein und sich rundum wohl zu fühlen – das hat mein Auslandssemester so schön gemacht. Die schlechtesten Erfahrungen waren einfach, wenn etwas Organisatorisches nicht geklappt hat, weil irgendjemand nicht auf Emails geantwortet hat und ich mir dann Sorgen gemacht habe, dass ich meine Unterlagen nicht zusammenbekomme und meine Förderung nachzahlen muss; was natürlich völlig unnötige Sorgen waren 🙂

Hast du irgendwelche Tipps für Studenten, die später auch mal ins Ausland wollen?

Versucht irgendwie, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen! Das bereue ich ein wenig: Dass ich mir nicht noch mehr Mühe gemacht habe, aus dieser Erasmusblase herauszukommen.

Und zum Abschluss: Würdest du jetzt immer noch die gleiche Wahl treffen? Ins Ausland gehen, gleiches Land, gleiche Uni?

Ja, würde ich 🙂