Auslandssemester in Exeter: Das Insider-Interview

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Ein Auslandssemester gehört inzwischen für viele Studenten dazu. Fremde Kulturen sehen, neue Sprachen lernen und natürlich viele Leute aus der ganzen Welt kennenlernen. So verlockend das klingt, so schwierig ist auch die Frage nach dem „Wohin?“. Während manch einer vielleicht schon zu Beginn weiß, wo er sein Auslandssemester verbringen will, sind andere noch unentschlossen. Um euch also bei der Wahl eines Studienortes im Ausland zu unterstützen, wollen wir euch diesmal zeigen was es heißt, mit Erasmus nach Exeter zu gehen. Dafür haben wir Elisabeth befragt, die dort für ein Semester lang studiert hat.

Erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Erfahrungen mit uns zu teilen! Erzähl mal, was hat dich dazu bewegt, ein Semester im Ausland zu verbringen? Wo hast du studiert und warum hast du dich letztlich für diese Uni entschieden?

Ich wollte einfach mal wissen, wie es so ist in einem anderen Land zu studieren und generell die Studentenkultur in einem anderen Land erfahren. Ich war für mein AS in Exeter, England und ich habe mich für die Uni entschieden, weil ich unbedingt nach England wollte. Und ich habe mich spezifisch für Exeter entschieden, weil die Uni in London zu teuer war und die in Swansea mir zu langweilig von der Gegend her war. Damit war Exeter eigentlich das perfekte Mittelmaß, eine Studentenstadt mit einer echt coolen Uni und guten Anschlüssen ans Meer und in den ganzen Süden Englands.

Wie hast du dich bei deiner Ankunft gefühlt? War es überwältigend oder hast du die bevorstehende Zeit als aufregend empfunden?

Vor Abreise war ich super nervös, aber auf ne gute Art und Weise. Meine Ankunft dann in London war sehr entspannt, da war ich auch immer noch voller Vorfreude, weil ich noch nie in London war und ich schon immer mal hin wollte. Ich habe mich auch sehr auf Exeter speziell gefreut und die neuen Leute, die ich kennenlernen werde.


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Hat sich der neue Ort sehr von deinem Zuhause unterschieden?

Jaein. Also der ganze Straßenaufbau in Exeter mit den Häusern war sehr speziell, aber auch richtig süß mit den ganzen Backsteinhäusern. Auch der Aufbau der Wohnungen war anders als ich es von meinem Zuhause kenne, aber ich hab mich schnell daran gewöhnt. Der größte Unterschied war aber immer noch die Straßenseite, auf denen die Autos fahren. Da musste ich erst mal nachdenken und anders schauen bevor ich die Straße überquert habe.

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Gab es Sprachbarrieren? In welcher Sprache fand der Unterricht statt?

Nein. Der Unterricht fand auf Englisch statt, und ich denke nach 8 Jahren in der Schule und zusätzlichen 2 Jahren Studium der englischen Sprache wäre es minimal bitter, wenn ich Probleme mit der Sprache hätte.

Inwiefern unterschied sich die neue Uni von der zu Hause? Wie waren die Kurse & Vorlesungen dort im Vergleich zu Zuhause? Wie waren die Professoren und Kommilitonen?

Die Uni war komplett anders. Hier in Mannheim haben wir das schöne alte Schloss, und die alten Räume mit den hohen Decken, der Campus erstreckt sich ja auch quasi nur entlang der Bismarckstraße und befindet sich direkt im Zentrum Mannheims. In Exeter war das aber eine ganz andere Geschichte. Die Uni war abseits vom Zentrum und war wie eine kleine Gegend für sich selbst. Auf dem Campus befanden sich ewig viele Studentenwohnheime und Verbindungshäuser und die Uni hatte viele verschieden Gebäude, je nach Fakultät. Aber das Hauptgebäude, das Forum, war was sich am meisten von der UniMa unterschieden hat. Im Forum befand sich die einzige Bib und diese wahr hochmodern und bunt.

Dann waren noch ewig viele Tee/Kaffeestände im Gebäude verteilt und das Forum hatte auch einen eigenen kleinen Supermarkt, mehrere Kantinen mit verschiedenen Gerichten und eine Bar. Dazu befand sich der komplette Campus auf einem separaten Hügel in Exeter, sodass sich die Uni nochmal von der eigentlichen Stadt abgegrenzt hat.  Die Vorlesungen waren normal, wie in Mannheim auch, nur die Vorlesungsräume waren super schön, mit wahnsinnig bequemen Sitzen die schon fast Sessel waren und gut gepolstert.

Die Seminare waren etwas gewöhnungsbedürftig, weil Seminare dort auch teilweise wie Vorlesungen waren in der einen Woche und in der nächsten dann wieder wie Seminare. Die Professoren haben einen direkten Kontakt zu den Studenten gehabt, und man hat sich super wohlgefühlt, weil jeder Professor und Dozent sich individuell mit den Studenten auseinandergesetzt hat und diesen so besser fördern konnte. Was sehr anders war, war vor allem, dass eine Vorlesung und Seminar entweder 1 Stunde (60 Min.) oder 2 Stunden ging.

Was studierst du und in welchem Semester befindest du dich? Konntest du an deiner Gastuni gute Kurse finden und konntest du dafür Punkte an deiner Uni bekommen?

Ich bin jetzt im 6. Semester meines Anglistikstudiums. Die an der Gastuni belegten Kurse wurden mir alle in Mannheim angerechnet. Sogar mehr ECTS als ich anfangs mit gerechnet hab.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht? War der Unialltag sehr anstrengend oder eher entspannt?

In meiner Freizeit hab ich entweder die Stadt und die dortigen Pubs mit meinen Freunden erkundet, oder den Süden Englands in Form von Daytrips. Der Unialltag war okay,  pro Tag hatte ich maximal zwei Univeranstaltungen, weshalb ich den Nachmittag meistens frei hatte. Natürlich musste ich die Kurse auch vor- bzw. Nachbereiten, aber das kenn ich aus Mannheim und konnte deshalb meine Zeit relativ gut einteilen.

Wolltest du im Ausland ein Party-Semester verbringen, neue Kulturen entdecken, eine neue Sprache lernen,…? Erzähl uns mehr!

Ich wollte ALLES! Ich wollte die englische Kultur in allen Aspekten kennenlernen, sprich Studieren in England, Leben in England und auch Feiern in England. Die Sprache konnte ich tatsächlich verbessern und meine Freunde meinten ich hab mir teilweise den englischen Akzent angeeignet. Mir haben vor allem die Daytrips an die Küstenstädte sehr gut gefallen, da ich daheim kein Meer vor der Tür habe.

Um mal ehrlich zu sein… viele Studenten nutzen so ein Auslandssemester gerne, um viel auszugehen. Wie war das bei dir so? Was waren die besten Orte zum Party-machen in deiner Gaststadt?

ERASMUS ist bekannt dafür, dass viel gefeiert wird. Das war bei mir generell nicht anders. Aber anstelle mit allen anderen ERASMUS-Studenten zu feiern, habe ich mich eher an die einheimischen Studenten gehalten. Die wussten eher wo was in Exeter abgeht und was sich lohnt. Aber mit anderen Austauschstudenten haben wir die absolut beste Bar in Exeter gefunden, GANDY Bar. Wir wissen nicht, warum gerade die Bar uns in ihren Bann gezogen hat. Letztendlich war es eine einfach Bar mit einer großen Tanzfläche. Es gab ein paar Sitzplätze aber hier wurde hauptsächlich getanzt und gefeiert.

In dieser Bar haben wir viele gute Abende verbracht, aber am Ende sind wir immer im Wohnheim gelandet und haben dort nochmal spontan Partys mit den anderen Bewohnern gestartet. Das liegt vor allem auch daran, dass in England Pubs und Clubs schon früh im Vergleich zu Deutschland schließen, Das ist aber nicht schlimm, weil wir wie gesagt so oder so am Ende im Wohnheim gelandet sind und dort weiter gefeiert haben, als gäbe es kein Morgen mehr. Aber nur an Abenden bei denen wir wussten, dass wir am nächsten Tag nur spät oder gar nicht in die Uni mussten.

Erzähl uns etwas über die anderen Erasmus-Studenten. Hast du viele Leute aus verschiedenen Ländern kennengelernt oder waren auch einige deutsche Studenten mit im Ausland?

Also die ersten Leute, die ich kennengelernt habe waren tatsächlich alles deutsche Erasmus-Studenten. Ich wollte aber gerade sowas vermeiden und hab in der Freshers-Week auch Studenten aus anderen Teilen Englands und Kanada kennengelernt. Mit denen habe ich den Großteil meiner Zeit in Exeter verbracht. Die Studenten aus Kanada haben im Wohnheim gelebt, und dadurch habe ich einige einheimische Studenten kennenlernen können.

Was war deine beste, was deine schlechteste Auslandserfahrung?

Es ist schwer sich wirklich auf spezifische Momente zu beschränken, weil ich generell wenn ich auf mein Auslandssemester zurückdenke einfach eine gute Zeit in Erinnerung habe. Meine beste Erfahrung waren tatsächlich die legendären Gandy-Bar-Abende, ein Trip nach London in der Vorweihnachtszeit, sowie generell die Daytrips und spontane Jam-Sessions (ich habe mich mit talentierten Musikern angefreundet, die ebenfalls im Wohnheim leben). Meine schlechteste Erfahrung war die absolute Fehleinschätzung der Wohnsituation, ich habe zwar im Voraus schon eine Wohnung gefunden, aber der andere Mitbewohner war ziemlich gruselig. Daraufhin bin ich zu einer sehr netten Gastfamilie gezogen. Oh und eine Magendarmgrippe… sehr unangenehm………

Hast du irgendwelche Tipps für Studenten, die später auch mal ins Ausland wollen?

Genießt die Zeit. Nutzt die Zeit die Stadt und die Leute kennenzulernen. Vernachlässigt aber trotzdem nicht eure Unikurse.

Und zum Abschluss: Würdest du jetzt immer noch die gleiche Wahl treffen? Ins Ausland gehen, gleiches Land, gleiche Uni?

Ja, auf jeden Fall!

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