Auslandssemester in Boston: Das Insider-Interview

Ein Auslandssemester gehört inzwischen für viele Studenten dazu. Fremde Kulturen sehen, neue Sprachen lernen und natürlich viele Leute aus der ganzen Welt kennenlernen. So verlockend das klingt, so schwierig ist auch die Frage nach dem „Wohin?“. Während manch einer vielleicht schon zu Beginn weiß, wo er sein Auslandssemester verbringen will, sind andere noch unentschlossen. Um euch also bei der Wahl eines Studienortes im Ausland zu unterstützen, haben wir Anna befragt, die ein Semester in Boston in den USA studiert hat. Was ihre Erfahrungen sind und ob sie es empfehlen kann, lest ihr hier!

Erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Erfahrungen mit uns zu teilen! Erzähl mal, was hat dich dazu bewegt, ein Semester im Ausland zu verbringen? Wo hast du studiert und warum hast du dich letztlich für diese Uni entschieden?

Ich wollte schon immer mal eine längere Zeit im Ausland verbringen. Nach dem Abitur habe ich einige internationale Praktika absolviert und auch später plane ich in einem interkulturellen Umfeld zu arbeiten. Studiert habe ich an der University of Massachusetts Boston. Ich dachte, wenn ich schon ein halbes Jahr weg bin, dann kann ich auch gleich auf einen anderen Kontinent. Außerdem fand ich die Uni gepaart mit der Stadt sehr passend für mich.

Wie hast du dich bei deiner Ankunft gefühlt? War es überwältigend oder hast du die bevorstehende Zeit als aufregend empfunden?

Bevor ich nach Boston kam, habe ich Freunde von mir in Chicago besucht und war deshalb schon ein bisschen akklimatisiert. Ich bin absichtlich zwei Wochen vor dem Unistart nach Boston, damit es nicht zu stressig wird. Organisatorisch hat deshalb alles gepasst, aufregend war es aber natürlich trotzdem.

Hat sich der neue Ort sehr von deinem Zuhause unterschieden?

Ja, die USA unterscheiden sich schon von Deutschland.

Gab es Sprachbarrieren? In welcher Sprache fand der Unterricht statt?

Der Unterricht fand auf Englisch statt. Zum Glück bin ich in Englisch recht gut, weshalb es nur bei bestimmten Ausdrücken im Bostonian Dialekt zu Verwirrung kam.

Inwiefern unterschied sich die neue Uni von der zu Hause? Wie waren die Kurse & Vorlesungen dort im Vergleich zu Zuhause? Wie waren die Professoren und Kommilitonen?

Alle waren sehr nett. Das Verhältnis zu den Professoren in den USA ist persönlicher, was mir aber gefallen hat. Die Kurse waren unter dem Semester mehr Arbeit, da das ganze Unisystem mehr der Schule ähnelt. Man muss öfter Hausaufgaben abgeben, dafür hat man am Semesterende auch wirklich ganz frei.

Was studierst du und in welchem Semester befindest du dich? Konntest du an deiner Gastuni gute Kurse finden und konntest du dafür Punkte an deiner Uni bekommen?

Zur Zeit studiere ich den Master Intercultural German Studies an der Universität Mannheim. Zum Zeitpunkt meines Auslandssemesters war ich im 5. Semester des BAKuWi Germanistik und Betriebswirtschaftslehre, ebenfalls in Mannheim. An der Uni in Boston habe ich vier Kurse belegt und konnte mir davon auch drei anrechnen lassen.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht? War der Unialltag sehr anstrengend oder eher entspannt?

Der Unialltag war bei guter Organisation durchaus zu bewältigen, was mir viel Zeit für Ausflüge gelassen hat. Boston liegt sehr zentral, man kann einfach mit dem Bus nach Vermont, Salem, Providence, Cape Code und New York fahren. Auch die Stadt selbst, als eine der ältesten in Amerika, hat viele Attraktionen zu bieten.

Wolltest du im Ausland ein Party-Semester verbringen, neue Kulturen entdecken, eine neue Sprache lernen,…? Erzähl uns mehr!

Ich wollte vor allem neue Kulturen kennen lernen und ausprobieren, wie es ist, mal so lange von Zuhause entfernt zu sein. Beides ist mir gelungen und hat nebenbei auch noch Spaß gemacht. Mein Englisch hat sich dadurch sicher auch nochmal verbessert.

Um mal ehrlich zu sein… viele Studenten nutzen so ein Auslandssemester gerne, um viel auszugehen. Wie war das bei dir so? Was waren die besten Orte zum Party-machen in deiner Gaststadt?

Ausgegangen bin ich meistens mit meinen Freunden an den Feiertagen wie Halloween oder nach Sportveranstaltungen. Es gibt in Boston durch die irischen Immigranten viele Pubs. Aber die besten Parties waren meiner Erfahrung nach die bei meinen Freunden zuhause.

Erzähl uns etwas über die anderen Studenten. Hast du viele Leute aus verschiedenen Ländern kennengelernt oder waren auch einige deutsche Studenten mit im Ausland?

In meinem Auslandssemester habe ich eine Menge Freunde aus vielen verschiedenen Ländern gefunden, mit den meisten bin ich auch heute – eineinhalb Jahre danach – noch in Kontakt. Franzosen, Japaner, Leute aus Puerto Rico, Afrika und auch weitere deutsche Studenten, die USA bietet die Möglichkeit eine Vielzahl an verschiedenen Menschen zu treffen.

Mal zu einem etwas weniger aufregendem Thema: Bist du mit ERASMUS ins Ausland gegangen? Hast du ein Stipendium erhalten und hat das zum Leben gereicht? War das alles sehr einfach oder musstest du dich mit viel Papierkram rumschlagen?

Ich bin nicht mit Erasmus ins Ausland, da das nur für Europa ist.

Ich habe mich für das Promos Stipendium beworben und es auch erhalten. Das allein hat aber nicht ausgereicht. Zum Glück durfte ich an der Uni als Tutorin arbeiten und hatte auch schon davor extra für den Aufenthalt gespart. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass Auslandsaufenthalte in den USA sehr teuer sind, verglichen zum Studieren in Deutschland.

Wenn man einmal dort ist, ist nicht mehr viel zu tun. Aber im Vorfeld war viel Bürokratie zu tun: Visa-Bewerbung, Wohnungssuche (UMass hatte kein Wohnheim) und ein amerikanisches Bankkonto eröffnen. Während des Aufenthalts hielt sich die Bürokratie dann in Grenzen. Zurück in Deutschland ist dann nur noch der Papierkram für die Kursanrechnung an der Uni zu bewältigen.

Was war deine beste, was deine schlechteste Auslandserfahrung?

Ich habe mein Auslandssemester so sehr genossen, dass die schlechteste Erfahrung am Ende war, wie schwer mir der Abschied gefallen ist.

Hast du irgendwelche Tipps für Studenten, die später auch mal ins Ausland wollen?

Vorbereitung und Planung waren für mich extrem hilfreich, aber da ist ja jeder anders. Seit offen und tolerant gegenüber anderen Weltsichten und versucht euch auf Neues einzulassen.

Und zum Abschluss: Würdest du jetzt immer noch die gleiche Wahl treffen? Ins Ausland gehen, gleiches Land, gleiche Uni?

Ja, würde ich auf jeden Fall. Das halbe Jahr in Boston hat mich persönlich sehr viel weitergebracht und ich könnte es mir nicht mehr anders vorstellen.