auslandspraktikum

Ein Auslandspraktikum bietet dir einige wertvolle Erfahrungen und Möglichkeiten. Du lernst nicht nur fremde Kulturen kennen, sondern erwirbst wichtige Fähigkeiten und Soft Skills. Außerdem sieht ein Auslandspraktikum immer sehr gut auf dem Lebenslauf aus. Natürlich ist so ein Auslandspraktikum immer mit Kosten verbunden. Vor allem, wenn die Praktikumsstelle auch noch unbezahlt ist, wird es schwierig, sich die ganzen Lebenshaltungskosten zu leisten.

Allerdings gibt es hierfür Wege und Lösungen. Denn ein Auslandspraktikum kann gefördert werden! Natürlich muss man hierfür einige Voraussetzungen erfüllen. Wer in Europa bleiben möchte und sich einen Praktikumsplatz suchen will, der kann von Erasmus profitieren. Wir klären auf, welche Voraussetzungen dafür gegeben sein müssen, wer alles von Erasmus gefördert werden kann und wie hoch die Zuschüsse ungefähr sind.

Wer kann alles von Erasmus profitieren?

Studenten können so gut wie immer von Erasmus profitieren. Dabei ist es sogar egal, ob das Auslandspraktikum Pflicht oder nur freiwillig ist! Allerdings musst du bei einem freiwilligen Praktikum beweisen, dass es unerlässlich für dein Studienfach ist und dass der Praktikumsplatz auch den Ansprüchen des Studienfachs entspricht. Außerdem muss oft nachgewiesen werden, dass der Praktikumsplatz auch wertvolle Erfahrungen bieten kann und dass du nicht nur Kaffee kochen sollst. Aber auch Azubis und junge Hochschulabsolventen können sich für Erasmus bewerben!

Grundsätzlich können Studenten sich für ein Erasmus-Stipendium bewerben, wenn sie folgendes beachten: Sie bewerben sich für ein Praktikum in einer öffentlichen oder privaten Einrichtung in einem Land, das auch eine Erasmus-Partnerschaft aufweist. Dazu kommt, dass du während der Zeit im Ausland auch an deiner Hochschule immatrikuliert bist und deine Hochschule muss auch am Erasmus-Programm teilnehmen.

Ein Auslandspraktikum mit Erasmus ist im Bachelor, Master und während der Promotion möglich. Dabei solltest du beachten, dass die Dauer des Praktikums mindestens 2 Monate beträgt! Natürlich empfiehlt es sich immer, etwas länger zu machen, denn so sammelst du genug Erfahrung und lernst den Beruf richtig kennen. Außerdem musst du dein Auslandspraktikum in Vollzeit absolvieren, damit es auch anerkannt wird. Achtung: Wenn du ein Auslandspraktikum an einer europäischen Institution machen willst, erhältst du keine Erasmus-Förderung! Wenn du diese Voraussetzungen erfüllst, dann steht dir bei der Bewerbung für ein Erasmus-Stipendium nichts mehr im Weg.

Kann man auch nach dem Studium mit Erasmus gefördert werden?

Ja, das geht! Auch nach dem Studium ist ein Auslandspraktikum mit Erasmus möglich. Allerdings musst du hier einiges beachten. Wichtig ist, dass du dich für die Förderung bewirbst, wenn du noch in deinem letzten Studienjahr bist. Das heißt, während deiner Antrag-Stellung musst du noch immatrikuliert sein. Das Praktikum muss auch 12 Monate nach deinem Abschluss absolviert werden.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass dein Praktikum in einer öffentlichen oder privaten Einrichtung in einem der teilnehmenden Länder stattfinden muss. Wenn du bereits gefördert wurdest, musst du noch mindestens 2 Monate Erasmus Förderung besitzen. Das heißt, wenn du zum Beispiel 1 Jahr im Ausland warst, wurdest du 8 Monate gefördert. Die 2 Monate, die noch übrig sind, kannst du für dein Auslandspraktikum erhalten. Allerdings musst du dein Praktikum dann spätestens 10 Monate nach deinem Abschluss beginnen.

Das heißt, dass du Erasmus für dein Auslandspraktikum erhalten kannst, wenn du bereits für ein Auslandssemester mit Erasmus gefördert wurdest! Wichtig ist auch, dass du neben deinem Erasmus Fördergeld keine weiteren EU-Fördergelder erhalten darfst. Auslands-BAföG ist jedoch kein Problem!

auslandspraktikum

Was muss man bei der Bewerbung einreichen?

Wie bei jeder Bewerbung um Fördergeld, ist auch bei Erasmus ein wenig Papierkram gefragt. Du solltest beachten, dass deine Unterlagen spätestens 4 Wochen vor deinem Praktikumsbeginn vorliegen. Hier findest du eine Liste mit allen Dokumenten, die du für die Erasmus-Bewerbung benötigst:

– Motivationsschreiben

Um dein Interesse am Stipendium zu beweisen und deine Stärken zu zeigen, musst du oft ein Motivationsschreiben verfassen. Das hat in der Regel eine Länge von einer DIN-A4 Seite, kann aber auch gerne zwei Seiten lang sein. Frag bei der Sprache des Motivationsschreibens lieber bei deiner Hochschule nach. Wie du mit einem guten Motivationsschreiben punktest und was du beachten solltest, kannst du hier nachlesen.

– Tabellarischer Lebenslauf

Ein tabellarischer Lebenslauf gehört natürlich auch in die Bewerbung mit rein. Meistens musst du hier noch ein Foto von dir beifügen. Falls du gerade keins hast, kannst du auch einfach einen Freund oder eine Freundin fragen, ob sie kurz Fotograf spielen wollen. Zieh dir professionelle Kleidung an und stell dich vor eine helle Wand – fertig!

– Notenübersicht

Deine Notenübersicht mit all deinen Leistungsnachweisen kannst du entweder in deinem Studienbüro abholen oder du druckst sie dir zuhause selbst aus. Das geht meistens über das Online-Portal deiner Hochschule. Falls du aber eine Unterschrift brauchst sowie eine Durchschnittsnote, musst du den Weg zum Studienbüro auf dich nehmen.

– Sprachkenntnisse

Damit du auch beweisen kannst, dass du der Sprache in deinem Wunschland gewachsen bist, musst du die jeweiligen Sprachkenntnisse nachweisen können. Hierfür reicht entweder eine Zeit im Ausland (falls du zum Beispiel ein Auslandssemester absolviert hast), ein Sprachzeugnis oder das Abiturzeugnis. Allerdings solltest du dich lieber vorher informieren, welche Sprachkenntnisse an deiner Hochschule wirklich zählen.

Learning Agreement for Traineeships

Das Learning Agreement for Traineeships beinhaltet die inhaltlichen Aufgaben deines Auslandspraktikums. Hier wird festgehalten, dass dein Praktikum auch den Vorstellungen deines Studienfachs genügt. Außerdem wird in diesem Dokument auch die Anerkennung des Praktikums festgelegt. Hierfür brauchst du die Unterschriften von deinem Arbeitgeber, einem verantwortlichen Mitarbeiter der Hochschule und natürlich deine Unterschrift.

– Praktikumsvertrag

In manchen EU-Ländern wie Frankreich, Italien, Spanien und Luxemburg wird ein Praktikumsvertrag vorausgesetzt, der dann von der Hochschule unterschrieben werden muss. Jedoch ist er für andere Länder meistens nicht wirklich notwendig. Falls dein zukünftiger Arbeitgeber ein Vertrag verlangen sollte, frag bei den zuständigen Mitarbeitern deiner Hochschule nach!

– Versicherungsschutz

Eine gute Versicherung ist im Ausland immer wichtig, denn es kann zu jeder Zeit etwas passieren. Du solltest mindestens eine Reise-, Unfalls- und Haftpflichtversicherung vorweisen können, sonst kann es teuer werden.

– Fördervereinbarung

In diesem Dokument wird deine finanzielle Förderung geregelt. Da die Hochschule dir das Geld auszahlt, wird hier alles festgehalten. Die Fördervereinbarung muss auch unterschrieben sein.

– Immatrikulationsbescheinigung

Da du bei einem Auslandspraktikum mit Erasmus immer an einer Hochschule eingeschrieben sein musst, brauchst du für die Bewerbung auch eine Immatrikulationsbescheinigung. Selbst wenn du nach dem Studium ins Ausland möchtest – du musst dich trotzdem während deiner Zeit im Studium bewerben.

auslandspraktikum

Wie hoch ist der Zuschuss mit Erasmus?

In der Regel deckt die Erasmus-Förderung die Reise- und Aufenthaltskosten für dein Auslandspraktikum. Dabei richtet sich die Höhe des Betrags auch nach den Lebenshaltungskosten in deinem Wunschland und wie weit die Entfernung zum Heimatland beträgt. Auch die Anzahl der Studenten, die sich für einen Zuschuss bewerben, kann in den Betrag mit reinfließen.

Die Zuschusshöhe ist in drei Ländergruppen aufgeteilt. Je nach Land bekommst du also unterschiedlich hohe Beträge für dein Auslandspraktikum. Zur Gruppe 1 zählen Dänemark, Finnland, Irland, Island, Liechtenstein, Luxemburg, Norwegen, Schweden und das Vereinigte Königreich (allerdings können hier wegen dem Brexit noch Änderungen anfallen!). Für diese Länder erhältst du im Jahr 2018 bis zu 525 Euro.

Die Gruppe 2 beinhaltet Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien und Zypern. Wenn du dich dazu entscheidest, in diesen Ländern ein Auslandspraktikum zu absolvieren, bekommst du bis zu 460 Euro.

In Gruppe 3 befinden sich Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Türkei und Ungarn. In diesen Ländern kannst du mit einem Förderbetrag von bis zu 400 Euro rechnen.

Die Förderung wird meistens in 2 oder 3 Raten von deiner Hochschule ausgezahlt. Manchmal kann es natürlich auch vorkommen, dass die Hochschule es monatlich auszahlt. Die erste Rate deines Förderbetrags, also die ersten 70-80% deines Gesamtbetrags, erhältst du, wenn all deine Unterlagen eingegangen sind. Die zweite Rate, also die restlichen 20-30%, bekommst du nach deinem Praktikum. Hierfür musst du nochmal einige Unterlagen ausfüllen und einreichen. Dazu musst du den letzten Teil des „Learning Agreement for Traineeship“ unterschreiben, manchmal ein Praktikumszeugnis vorlegen und einen Fragebogen ausfüllen und an deine Hochschule schicken.

Fazit

Da ein Auslandspraktikum oft mit hohen Kosten verbunden ist, ist die Förderung mit Erasmus eine gute Möglichkeit, die Kosten zu decken. Wenn du neben Erasmus noch Auslands-BAföG beziehen willst, ist das auch kein Problem. Der Vorteil von Erasmus: Du musst die Förderung nicht zurückzahlen! Somit kannst du dich entspannt deinen Aufgaben im Praktikum widmen und interessante Bereiche kennenlernen.

Egal, ob du ein Auslandspraktikum während des Studiums oder danach machen willst – es ist immer nicht schlecht, neue Erfahrungen zu sammeln. Mittlerweile werden Praktika immer wichtiger auf dem Lebenslauf. Und wenn du dazu im Ausland noch ein Praktikum absolviert hast, stehst du gleich viel besser da. Denn das zeigt, dass du verantwortungsbewusst bist und dass du deine Fachkenntnisse auch international anwenden und ausbauen kannst.

Wenn du also die Voraussetzungen erfüllst und einen geeigneten Praktikumsplatz findest, steht deiner Zeit im Ausland also nichts mehr im Weg!

Weitere wissenswerte Artikel für dich unserer Reihe „Mit Erasmus ins Ausland“:

Teil 1: Die beliebtesten Erasmus-Länder

Teil 2: Erasmus – aber wohin? Das Erasmus-Länderquiz

Teil 3: Mit Erasmus ins Auslandssemester

Teil 4: ErasmusPlus: Wer wird eigentlich gefördert?

Teil 5: Auslandspraktikum mit Erasmus?