ausbildung vor dem medizinstudium

Es ist kein Geheimnis, dass der Studiengang Medizin äußerst beliebt ist und sich daher jedes Jahr um tausende von Bewerbungen erfreut. Die Anzahl der Bewerbungen ist aber leider höher als die Anzahl der Plätze, die tatsächlich vergeben werden können. Das führt zu einem hohen Numerus Clausus und dem beliebten Wartesemester. Denn wer eine Abiturnote über 1,1 hat, wird Schwierigkeiten haben, sofort einen Medizinstudienplatz zu erhalten. Daher müssen sich dich meisten mit Wartesemestern anfreunden – und die können ganz schön lang sein! Kein Wunder also, dass dagegen Klage eingereicht wurde und der Sinn der Wartesemester überdacht wird.

Solange die Entscheidung noch aussteht, kann man sich Gedanken über eine sinnvolle Beschäftigung während des Wartesemesters machen. Es gibt so einiges, was man vor dem Medizinstudium machen kann und was bereits Erfahrung bringt. Bei längeren Wartsemestern ist wohl eine Ausbildung am sinnvollsten. Doch welche Vorteile bringt das? Und welche Bereiche bieten sich dafür an? Wir verraten es euch!

Welche Ausbildung kann man machen?

Wer vor dem Medizinstudium eine Ausbildung absolvieren möchte, der kann in einige Bereiche gehen. Wichtig ist natürlich nur, dass es etwas mit Medizin zu tun hat. Dabei ist es euch überlassen, welcher Bereich euch am meisten zusagt und wo eure Interessen liegen. Denn jede Ausbildung in Medizin wird von den Universitäten angesehen, es gibt keine Ausbildung, die euch besser dastehen lässt, als die andere. Ihr könnt folgende Ausbildungsberufe in Betracht ziehen:

  • Arzthelfer
  • Altenpflege
  • Gesundheitspflege
  • Hebamme
  • Krankenpflege
  • Pharmazie
  • Physiotherapie
  • Rettungsdienst

Die Dauer einer Ausbildung beträgt in der Regel 3 Jahre. Wer das Abitur hat, kann sie sogar auf 2 Jahre verkürzen. Und in 2-3 Jahren kann man genug Erfahrung sammeln, um optimal auf das Medizinstudium vorbereitet zu sein. Wer denkt, dass 2-3 Jahre zu lange sind, der sollte auch bedenken, dass ein Wartesemester in Medizin bis zu 14 Semester dauern kann – also ganze 7 Jahre. Daher bietet sich eine Ausbildung während des Wartesemesters definitiv an. Auch das Gehalt bei einer medizinischen Ausbildung stimmt meistens. Somit verdient ihr, je nach Ausbildung, zwischen 600 und 1200 Euro. Falls ihr danach immer noch keinen Studienplatz habt, könnt ihr wenigstens in diesen Berufen arbeiten und euer Geld zur Seite legen. Denn ein Studium ist mit Kosten verbunden und die Lebenshaltungskosten können schnell in die Höhe schießen.

Die meisten entscheiden sich für eine Ausbildung zum Rettungssanitäter oder zur Krankenschwester. Aber auch die anderen Ausbildungsberufe sind beliebt und bringen euch einige Vorteile. Denn wer eine Ausbildung vor dem Medizinstudium abschließt, kann schon bei der Bewerbung und während dem Studium punkten.

Was sind die Vorteile einer Ausbildung vor dem Medizinstudium?

Die Liste der Vorteile ist lang. Sehr lang. Mit einer Ausbildung in der Medizin könnt ihr euch eigentlich nur verbessern und kaum verschlechtern. Nicht nur das Wissen wird euch in einer Ausbildung näher gebracht, ihr lernt auch wichtige Soft Skills. Die sind in jedem Beruf wichtig und werden so gut wie in jeder Jobbewerbung erwähnt. Wir haben euch einige weitere Vorteile herausgesucht, die ihr mit einer Ausbildung vor dem Medizinstudium erreichen könnt.

Sie verbessert euer Abitur

Manchmal kann es vorkommen, dass euch gerade mal 0,2 Punkte fehlen, um dem Numerus Clausus gerecht zu werden. Das ist ganz schön ärgerlich und kann einem die Vorfreude auf das Studium schnell nehmen. Denn die NCs an deutschen Universitäten sind so hoch wie in keinem anderen Land. Wer einen Abiturdurchschnitt von 2,0 hat, muss sich meistens schon darauf einstellen, ein paar Wartesemester in Kauf zu nehmen. Dabei ist 2,0 keineswegs schlecht, aber leider ist Medizin sehr beliebt und die Plätze dafür sind begrenzt.

Eine gute Nachricht also, dass eine Ausbildung in einem medizinischen Bereich euer Abitur verbessern kann! Meist ist die Punktzahl zwar nicht sehr hoch, aber es kann einigen trotzdem einen großen Vorteil verschaffen, wenn ihnen gerade ein paar Punkte fehlen. Aber auch für diejenigen, die ein „schlechteres“ Abitur haben, lohnt sich eine Ausbildung in diesem Fall immer. Denn wenn euer Abi besser wird, habt ihr auch bessere Chancen bei der Bewerbung. Eine Ausbildung kann euer Abitur nämlich bis zu 0,5 aufwerten. Das hört sich zwar nicht viel an, kann aber einen großen Unterschied machen. Manche Universitäten rechnen eine Ausbildung außerdem hoch an.

Falls ihr einen Überblick über die Aufwertungsmöglichkeiten haben wollt, könnt ihr gerne hier vorbeischauen. Wie oben schon erwähnt: Eine Ausbildung kann euer Abitur nur verbessern, denn verschlechtern kann sich hier nichts mehr.

Eine Ausbildung kann angerechnet werden

In fast jedem Studiengang muss mittlerweile ein Praktikum absolviert werden. Das soll euch das Leben nicht schwer machen, sondern euch auf euren späteren Beruf vorbereiten und euch eine Chance geben, herauszufinden, ob ihr auch wirklich in diesem Beruf arbeiten wollt. Somit müsst ihr auch in Medizin ein sogenanntes Pflegepraktikum machen und zwar noch bis zur Anmeldung zur ersten ärztlichen Prüfung. Bis dahin muss der Nachweis über euer Praktikum nämlich vorliegen. Mindestens 3 Monate, also 90 Tage, muss euer Praktikum lang sein und ihr müsst es in der vorlesungsfreien Zeit absolvieren. Dabei könnt ihr euch die Länge auch aufteilen.

Wer sich denn Stress während den Semesterferien sparen will, der kann auch einfach seine Ausbildung anrechnen lassen. Dafür müsst ihr einfach nach beim Landesprüfungsamt nachfragen, ob eure Ausbildung für die Anrechnung reicht und habt somit weniger Stress bei der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz und könnt die 90 Tage mit etwas anderem verbringen. Denn der Lernaufwand im Medizinstudium ist hoch und wer sich das Praktikum schon anrechnen lassen kann, der hat mehr Zeit und kann sich voll aufs Studium konzentrieren.

ausbildung vor dem medizinstudium

Pluspunkte im Auswahlgespräch

Nicht nur bei eurem Abiturdurchschnitt könnt ihr mit einer Medizinausbildung punkten. Manche Universitäten führen Auswahlgespräche durch, was die Zulassung entweder erleichtern oder erschweren kann. Als junger Abiturient kann man zwar mit einem super Abi argumentieren, aber die Erfahrung ist meist nicht vorhanden. Daher ist eine Ausbildung ein guter Weg, um zu beweisen, dass man es mit Medizin wirklich ernst meint und dass man schon einiges an Vorwissen und Erfahrung mitbringen kann. Wer also eine Ausbildung vor dem Studium gemacht hat, kann bei den Auswahlgesprächen bessere Chancen erzielen.

Praxis statt Theorie

Im Studium wird oft und viel auf Theorie gesetzt. Das muss erlernt werden, kann aber ziemlich langweilig und öde sein. Vielen fehlt es an Praxisbezug und sie sind froh, wenn sie endlich ihr theoretisches Wissen in die Praxis umsetzen können. Auch beim Lernen sind Praxisbeispiele immer einfacher und können das Verständnis erleichtern.

Während einer Ausbildung lernt ihr genug an Praxiserfahrung, was euch im Studium definitiv einige Vorteile einbringen kann. Somit könnt ihr manche Vorgehen besser verstehen und sie auch anwenden. Wenn ihr eine Ausbildung beim Rettungsdienst oder in der Krankenpflege absolviert habt, wisst ihr vermutlich schon, wie ein gebrochener Knochen aussieht und wie man ihn behandelt. Es ist immer ein gutes Gefühl, nach einer Theorievorlesung auch Praxisbezüge herstellen zu können. Nach einer Ausbildung fällt euch das sicherlich leichter.

Finanzielle Unabhängigkeit

Wer sich dazu entscheidet, eine Ausbildung zu machen, bekommt dafür auch Geld. Und das ist nicht wenig, wie ihr oben schon gelesen habt. Ein guter Weg, um nebenbei schon ein wenig Geld fürs Studium zur Seite zu legen. Denn auch ein Studium bringt so seine Kosten mit sich. Da sind die halbjährlichen Semesterbeiträge, die man zahlen muss und auch die Lebenshaltungskosten können in einigen Studentenstädten ziemlich hoch ausfallen.

Eine Ausbildung ermöglicht es, euch schon ein wenig über Wasser zu halten. Und falls ihr nach der Ausbildung immer noch keinen Studienplatz angeboten bekommt, könnt ihr noch ein wenig weiter arbeiten und bekommt auch höheres Gehalt. Das könnt ihr schon mal sparen, damit ihr im Studium weniger Geldsorgen habt. Das Geld könnt ihr außerdem gut anlegen, um neben dem Studium nicht jobben zu müssen. So oder so, eine Ausbildung bringt euch finanzielle Unabhängigkeit und das Geld könnt ihr immer gut gebrauchen.

ausbildung vor dem medizinstudium

Nebenjob

Natürlich ist es nicht immer einfach, Geld zur Seite zu legen und die Lebenshaltungskosten während dem Studium können hoch sein. Wer dann auch noch keine weitere Finanzierung erhält, der kann oft nicht anders, als sich einen Nebenjob zu suchen. Und da bei medizinischen Nebenjobs oft Erfahrung gebraucht wird, könnt ihr hier voll punkten. Denn mit einer Ausbildung findet man schneller einen Job und je nach Beschäftigungsart, könnt ihr mehr verdienen, als bei einem normalen Werkstudentenjob.

Darüber hinaus kommt ihr bei einem Nebenjob auch nicht so leicht aus der Übung. Alles, was ihr während eurer Ausbildung gelernt habt, könnt ihr in einem Nebenjob nochmal festigen und wieder anwenden. Das gibt euch Sicherheit und ihr lauft keine Gefahr, Sachen wieder zu vergessen. Eine gute Gelegenheit also, um Routine zu entwickeln und am Ball zu bleiben.

Falls ihr dank eurer Ausbildung einen guten Nebenjob an Land ziehen könnt, habt ihr bessere Chancen nochmal nützliche Kontakte aufzubauen. Und Kontakte sind immer wichtig – sie können euch nämlich außerordentlich bei der Jobsuche weiterhelfen und euch weiterempfehlen.

Alltag kennenlernen

Wer ein Medizinstudium durchziehen will, sollte sich schon vorher darüber im Klaren sein, ob der spätere Beruf, den man damit anstrebt, auch wirklich die richtige Wahl ist. Denn viele haben eine Illusion des Arztberufes und sind dann spätestens bei Praktika oder Klinikausbildungen geschockt. Das kann sich ganz schnell schon mit einer Ausbildung klären lassen. Denn dort lernt ihr bereits ab Tag 1 schon die Realität des Arztberufes kennen und wisst, was mal auf euch zukommt.

Auch der Umgang mit Patienten fällt vielen Unerfahrenen schwer. In der Ausbildung lernt man bereits, wie man mit Patienten umgeht und kann sich auf verschiedene Situationen einstellen. Bei einer 2-3 jährigen Ausbildung kommt man in eine Routine und der Patientenumgang wird irgendwann zur Normalität.

Auch in Krisensituationen behält man schneller einen klaren Kopf. Denn wer erst nach dem Studium frisch in die Klinik geht, läuft Gefahr, erstmal überwältigt und gestresst zu sein. Auch die ganzen Schichtarbeiten sind sehr anstrengend und können ziemlich auf den Körper schlagen. In einer Ausbildung lernt man, damit schon umzugehen und sich darauf einzustellen. Wer dann immer noch merkt, dass dieser Beruf das Richtige ist, der kann mit ruhigem Gewissen das Medizinstudium beginnen.

Steuervorteile

Ein ganz besonderer Vorteil einer Ausbildung ist die Absetzung bei der Steuererklärung. Wer nach der Ausbildung nämlich noch ein Medizinstudium beginnt, der fängt eine zweite Ausbildung an. Und die kann man steuerlich absetzen! Dabei können die Kosten, die während der 2. Ausbildung anfallen, als Werbungskosten bei der Steuererklärung abgesetzt werden. Das heißt, wenn ihr Geld für Bücher oder andere Lehrmaterialien ausgeben müsst während dem Studium, könnt ihr das Geld wieder zurückbekommen. Dabei ist es wichtig, dass ihr die Belege für den Kauf aufhebt, denn die gelten als Nachweis.

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Nachteile einer Ausbildung vor dem Medizinstudium

Eine medizinische Ausbildung kann natürlich auch Nachteile mit sich bringen. Die sind allerdings nicht gravierend und kommen auch nicht wirklich gegen die Vorteile an.

  • Kein Vorsprung in Naturwissenschaften: Vor allem in den ersten Semestern wird viel für Biologie, Chemie und Physik gebüffelt. Da hilft euch eine Ausbildung relativ wenig weiter und ihr müsst genauso viel lernen wie eure Kommilitonen.
  • Ihr seid älter: Wenn ihr vor eurem Medizinstudium noch eine Ausbildung macht, dann gehen schon 2-3 Jahre drauf. Im Idealfall bekommt ihr gleich nach der Ausbildung einen Studienplatz angeboten, da fällt der Altersunterschied kaum auf. Manchmal kann es aber auch blöd laufen und ihr bekommt erst einige Jahre nach der Ausbildung einen Platz, dann seid ihr schon um einiges älter als eure Kommilitonen. Denn die meisten kommen frisch aus der Schule und sind gerade mal Anfang 20.
  • Körperliche und psychische Anstrengung: Eine Ausbildung kann körperlich natürlich ziemlich anstrengend sein. Auch die psychische Belastung sollte man nicht außen vor lassen. Wer aber gut damit klar kommt, der kann sich auch zu 100% sicher sein, dass der Beruf genau das richtige ist und das Medizinstudium kann mit ruhigem Gewissen begonnen werden.

Fazit

Eine Ausbildung ist vor allem dann gut, wenn ihr die jahrelange Wartezeit für ein Medizinstudium überbrücken müsst. Auch für einen besseren Abiturschnitt ist die Ausbildung eine gute Alternative. Allerdings lässt sich sagen, dass jeder eine Ausbildung vor dem Medizinstudium machen kann, egal, ob man ein Wartesemester in Kauf nehmen muss oder nicht. Denn hier lernt ihr erst richtig, wie es ist, in der Medizin zu arbeiten und lernt den Umgang mit Patienten. Das bringt euch viel Erfahrung ein und ihr habt später auch vielleicht bessere Jobchancen. Ihr könnt euch auch schneller hocharbeiten. Schaden tut es jedenfalls keinem!