Ausbildung nach dem Abitur Cover

Nach dem Abi stehen viele Jugendliche oft da und wissen nicht, wie es für sie weitergehen soll. Für alle, denen ein Studium zu theorielastig ist oder die lieber gleich ihr eigenes Geld verdienen wollen, kann ein Bundesfreiwilligendienst oder eine Ausbildung nach dem Abitur eine gute Alternative sein. Im Gegensatz zu einem Studium ist eine Ausbildung deutlich praxisorientierter und unterscheidet sich vor allem durch die Bezahlung. Während man im Studium in irgendwelchen Vorlesungen sitzt, kann man bei einer Ausbildung im Betrieb anpacken und Geld verdienen. Dabei ist nicht für jeden jede Art der Weiterbildung geeignet. Manche Fachbereiche erfordern einfach eine bestimmte Ausbildungsform. Als Tischler beispielsweise hilft einem ein Studium nur spärlich weiter. Juristen hingegen kommen um ein Studium nicht herum. Abgesehen von den beruflichen Anforderungen sollte man auch persönlich überlegen, wo die eigenen Interessen und Wünsche liegen. Wer sich dabei für eine Ausbildung nach dem Abitur entscheidet, hat aber auch hier verschiedene Möglichkeiten.

Arten von Ausbildungen

1. Betriebliche (duale) Ausbildung:

Eine betriebliche bzw. duale Ausbildung ist die am häufigsten anzutreffende Variante unter den Ausbildungsarten. Hiervon wird gesprochen, wenn es sich um die klassische Ausbildung in Betrieb und Berufsschule handelt. Der große Vorteil dabei: man kann das theoretische Wissen aus der Berufsschule direkt im Betrieb praktisch anwenden. Eine derartige Ausbildung nach dem Abitur dauert meist 2-3 Jahre und bietet nach Abschluss gute Möglichkeiten, übernommen zu werden. Während der Ausbildung wird man selbstverständlich vom Betrieb vergütet. Die Höhe hängt dabei vom Ausbildungsberuf, dem Betrieb, der Branche und dem Lehrjahr ab. Durchschnittlich liegt das Gehalt jedoch zwischen 300 und 600€. Die wichtigste Voraussetzung für eine Ausbildung ist in vielen Fällen ein guter Haupt- oder Realschulabschluss. Höhere Schulabschlüsse kann man sich aber oftmals auf die Länge der Ausbildung anrechnen lassen. Auch bei den meisten Ausbildungsberufen werden Abiturienten bevorzugt. Wer eine duale Ausbildung beginnen will, muss dafür zunächst einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen abschließen. Hierfür sollte man viel Mühe in seine Bewerbung stecken, um ein Unternehmen von sich zu überzeugen. Mit einem Praxispartner an der Seite kann man dann auch die Berufsschule besuchen. Dort lernt man wie in der Schule in Klassenverbänden. Allgemeine Fächer wie Deutsch und Mathe, aber auch berufsspezifische Fächer werden dabei unterrichtet. Der Unterricht allgemein findet entweder blockweise oder nur an einzelnen Tagen in der Woche statt. In den schulischen Phasen werden auch die Prüfungen geschrieben.

Beispiele für solche Ausbildungen: Industriekaufmann/-frau, Mechatroniker/in, Bäcker/in

2. Schulische Ausbildung an Berufsfachschulen:

An Berufsfachschulen werden vor allem Ausbildungen im sozialen bzw. gesundheitlichen Sektor angeboten. Dafür muss man über einen bestimmten Zeitraum nochmal in Vollzeit die Schulbank drücken. Absolvieren kann man solche Ausbildungen dabei an privaten und an öffentlichen Berufsfachschulen. Dabei gibt es aber natürlich trotzdem Praxisphasen. Diese werden in Form von Praktika in verschiedenen Unternehmen, beispielsweise Kindergärten, absolviert. Die Sorge, nur in der Schule zu sitzen, ohne etwas Praktisches zu lernen, ist also unbegründet. Bei dieser Art von Ausbildung gibt es dabei keine allgemeinen Voraussetzungen oder Zeitaufteilungen. Sowas stattdessen von verschiedenen Faktoren, wie dem Berufszweig ab. Dennoch werden auch hier staatlich anerkannte Abschlüsse gemacht, sodass eine Arbeit deutschlandweit möglich ist. Der größte Unterschied, der im Vergleich zu anderen Ausbildungsformen auftritt ist, dass die Ausbildung nicht vergütet wird. Im Gegenteil ist es sogar möglich, dass Gebühren anfallen, um die Schule zu besuchen. In der Hinsicht ähnelt diese Art der Ausbildung nach dem Abitur eher einem Studium, als einer Ausbildung. Für Menschen ohne die nötigen finanziellen Mittel können auch Stipendien beantragt werden. Die bekommt man bei besonders guten Leistungen. Auch Schüler-Bafög wäre hier eine Finanzierungsoption.

Beispiele für solche Ausbildungen: Erzieher/in, Medizinisch-technische/r Assistent/in, Physiotherapeut/in

3. Duales Studium:

Hierbei handelt es sich um die Verbindung von Ausbildung und Studium. Das heißt konkret, man sucht sich einen Praxispartner und beginnt dann ein Studium an einer dualen Hochschule. Dabei wird ein Bildungsvertrag zwischen Student und Unternehmen geschlossen, in dem alles schon vor Beginn geregelt ist. Der Student verpflichtet sich dabei, in der studienfreien Zeit – wie den Semesterferien – in diesem Unternehmen zu arbeiten. Als Gegenleistung bietet das Unternehmen über die gesamte Studiendauer hinweg einen Ansprechpartner und natürlich auch einen Arbeitsplatz. Man unterscheidet bei dualen Studiengängen zwischen einem ausbildungsintegrierten und einem praxisintegrierten Modell. Beim ausbildungsintegrierten Modell wird parallel zum Bachelor eine Ausbildung gemacht. Die Praxisphase im praxisintegrierten Modell besteht hingegen zumeist nur aus langen Praktika im Unternehmen neben dem Bachelorstudium. Auch hier bekommt man seine Arbeit vergütet. In den meisten Fällen sogar mehr als bei einer reinen Ausbildung. Um eine solche Ausbildung nach dem Abitur machen zu können, muss man jedoch das Abitur oder Fachabitur bestanden haben. Je besser der Durchschnitt bzw. die Noten in den beruflich relevanten Fächern sind, umso größere Chancen hat man auf einen Platz. Wer gern noch mehr Informationen zu diesem Thema haben will, sollte sich auf jeden Fall auch unseren Artikel zum dualen Studium anschauen.

Beispiele für solche dualen Studiengänge: Maschinenbau, Sportmanagement, Medieninformatik

4. Alternative Ausbildungsformen:

Eine weitere Möglichkeit für eine Ausbildung nach dem Abitur ist die doppelt qualifizierende Erstausbildung. Diese ist allgemein auch als Abiturientenausbildung bekannt. Die Besonderheit bei diesen Ausbildungen: Neben der klassischen (dualen) Ausbildung wird noch eine Zusatzqualifikation erworben. Das kann z.B. die Spezialisierung in eine bestimmte Fachrichtung sein. Am Ende erhält man also neben dem Abschlusszeugnis auch noch ein Zertifikat über die zusätzlichen Qualifikationen. Bis es soweit ist, vergehen normalerweise 2-4 Jahre. In einigen Fällen können solche Ausbildungen aber auch schon nach 1,5 Jahren beendet werden. In dieser Zeit wechseln sich, ähnlich der dualen Ausbildung, Unternehmenspraxis und Berufsschulunterricht ab. Um eine solche Ausbildung beginnen zu können, wird meist mindestens ein Fachabitur vorausgesetzt. Je besser der Durchschnitt bzw. die Noten in Deutsch, Mathe und Englisch sind, umso größer sind auch die Chancen auf einen Platz.

Beispiele für solche Ausbildungen: Journalismus, Handelsassistenz, Wirtschaftsinformatik

Die beliebtesten Ausbildungsberufe 2016

Ausbildung nach dem Abitur beliebteste Männerberufe
Ausbildung nach dem Abitur beliebteste Frauenberufe

Die bestbezahltesten Ausbildungsplätze

Bei der Wahl des Ausbildungsplatzes geht es natürlich nicht nur um die Interessen. Wer sich für eine Ausbildung nach dem Abitur entscheidet, muss auch davon leben können. Aus diesem Grund ist es ratsam, auch auf die Verdienstmöglichkeiten zu schauen. Vergleicht also besser vorher schon Gehälter verschiedener Branchen und Unternehmen. Auch zwischen Ost und West gibt es Unterschiede. Überlegt euch daher gut, wo ihr eure Ausbildung machen wollt. Um herauszufinden, ob euer Verdienst zum Leben reicht, schaut auch auf Mietpreise und Lebenshaltungskosten. Die sind in den meisten westdeutschen Großstädten deutlich teurer als auf dem Land. Auch in Ostdeutschland gibt es viele Ausbildungsstellen. Hier könnt ihr meist von günstigen Mieten und nicht so überlaufenen Städten profitieren. Gerade das Handwerk sucht im Osten Deutschlands händeringend nach Nachwuchs. Lasst euch nicht von den niedrigeren Löhnen abschrecken: Im Osten sind die Lebenshaltungskosten niedriger. Trotz der regionalen Unterschiede gibt es bundesweit auch Gemeinsamkeiten.

Einige Ausbildungsberufe haben einfach generell ein höheres durchschnittliches Einkommen als andere. Gute, finanziell gut vergütete Ausbildungsberufe sind beispielsweise:

  • Fluglotse: zwischen 1.000€ – 2.000€
  • Binnenschiffer: zwischen 900€ – 1.100€
  • Kaufmann für Versicherungen und Finanzen: zwischen 900€ – 1.100€
  • Bankkaufmann: zwischen 900€ – 1.100€
  • Beton- und Stahlbetonbauer: zwischen 800€ – 1.200€
  • Polizeivollzugsbeamter: ca. 1.100€
  • Mechatroniker: zwischen 700€ und 1.000€

Die schlechtbezahltesten Ausbildungsplätze

In anderen Ausbildungsberufen schaut es dagegen eher weniger rosig aus. In diesen 7 Ausbildungsberufen musst du leider mit einem geringeren, durchschnittlichen Gehalt rechnen als viele andere Azubis:

  • Fleischer: zwischen 600€ – 800€
  • Florist: zwischen 500€ – 700€
  • Bäcker: zwischen 500€ – 700€
  • Friseur: zwischen 400€ – 700€
  • Schuhmacher: zwischen 400€ – 500€
  • Fotograf: zwischen 300€ – 500€
  • Maßschneider: zwischen 200€ – 300€
Ausbildung nach dem Abitur Lernen im Klassenzimmer

Vor- und Nachteile einer Ausbildung

  • Vorteile
  • Während einer Ausbildung verdient man sein eigenes Geld. Damit kann man sich beispielsweise eine eigene Wohnung finanzieren und von zuhause ausziehen. Das sorgt für finanzielle Unabhängigkeit.
  • Durch die praktische Arbeit im Unternehmen kann man sein theoretisches Wissen direkt anwenden. Eine Ausbildung ist somit deutlich praxisbezogener als ein Studium. Dadurch kann man bereits erste Kontakte knüpfen und potentielle neue Arbeitgeber kennenlernen.
  • Man kann direkt in seinen Beruf einsteigen und die tatsächlichen Arbeitsabläufe kennen lernen. Wer seine Ausbildung abgeschlossen hat, hat meist auch gute Chancen, von seinem Arbeitgeber übernommen zu werden.
  • Auch nach einer Ausbildung kann man noch studieren. Praktische Erfahrungen können im Studium sogar hilfreich sein. Wer beides gleichzeitig machen will, hat die Möglichkeit eines dualen Studiums. Für alle, die ihr Abitur nicht gemacht oder nicht geschafft haben, besteht die Chance, über die Berufsquote* einen Studienplatz zu bekommen.

    *Studierende ohne Abitur können über eine Quote für Menschen mit fachnahem Berufsabschluss einen Studienplatz erteilt bekommen

  • Nachteile
  • Auch nach dem Abitur muss man weiterhin zur Schule gehen. Nervige Fächer wie Deutsch oder Mathe begleiten einen also auch weiterhin.
  • Man muss sich an gewisse Regeln wie beispielsweise den Stundenplan oder Arbeitszeiten halten. Es gibt keine freie Zeiteinteilung wie im Studium.
  • Die Verdienstmöglichkeiten sind bei einem abgeschlossenem Hochschulstudium meist höher als bei einer reinen Ausbildung.
  • Manche Ausbildungen sind im Gegensatz zum Studium sehr spezialisiert. Dadurch fällt es in diesen Bereichen oft schwerer, den Beruf zu wechseln.

Fazit

Es gibt viele Möglichkeiten, wie es nach dem Abitur weitergehen kann, auch wenn es man vielleicht nicht bestanden hat. Jede Art der Weiterbildung hat dabei gute und schlechte Seiten. Egal, für welche ihr euch entscheidet, denkt ausreichend darüber nach. Stellt euch die Frage, ob sich euer Wunsch auch tatsächlich umsetzen lässt. Inwiefern ist es realistisch und finanziell machbar? Wollt ihr zuhause bleiben oder lieber in die Ferne? Welche Anforderungen stellt vielleicht auch euer Berufswunsch an die Art der Ausbildung? Macht euch über all diese Punkte Gedanken. Erstellt vielleicht eine Pro- und Contra-Liste und ordnet die verschiedenen Punkte der Wichtigkeit nach. Es kann auch helfen, mit der Familie und Freunden über eure Pläne zu sprechen. Vielleicht haben sie bereits ähnliche Erfahrungen gemacht, von denen ihr profitieren könnt. Wie auch immer es für euch weitergehen soll, nehmt euch genug Zeit. Es geht schließlich um eure Zukunft.