Abitur nachholen – Welche Möglichkeiten gibt es?

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Das Abitur muss nicht sofort über das Gymnasium erfolgen. Wer Jahre später immer noch die allgemeine Hochschulreife absolvieren möchte, kann das auch tun! Denn das Abitur ermöglicht viele Vorteile – ob Aufstiegschancen im Job oder zur schnellen Aufnahme eines Studiums. Es kann auf keinen Fall schaden, das Abitur nachzuholen. Allerdings sollte man vorher genau wissen, ob man dem Aufwand gerecht wird. Die Vorbereitung auf die Abiturientenprüfung ist nämlich ziemlich zeitaufwendig. Auch die Kosten können ein entscheidender Faktor sein, denn je nach Art der Bildungseinrichtung, in der man das Abitur nachholen möchte, können die Kosten schnell in die Höhe schießen.


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Doch wo kann man das Abitur überhaupt nachholen? Und was sollte man beachten? Wir geben euch die Antworten und erklären euch die entscheidenden Unterschiede.

Warum sollte man das Abitur nachholen?

Das Abitur eröffnet euch einige Türen. Ihr habt bessere Aufstiegschancen und eine breitere Auswahl an Jobs. In manchen Jobs kann es sogar die Grundvoraussetzung sein. Auch für die Aufnahme eines Studiums, ist es üblich, die allgemeine Hochschulreife vorlegen zu müssen. Allerdings kann man auch ohne Abitur studieren, wobei hier einige Hürden in Kauf genommen werden müssen. Grundsätzlich hat man mit einem Abitur höhere Karrierechancen, denn das Abitur ist immer noch hoch angesehen. Wer etwas mehr verdienen will, sollte ebenfalls mit dem Gedanken spielen, die allgemeine Hochschulreife nachzuholen, denn das Gehalt fällt mit dem Abitur meistens höher aus. Es gibt also einige Gründe, um nochmal die Schulbank zu drücken. Außerdem: Bildung schadet nie.

Wie läuft das Nachholen ab?

Das Abitur nachholen kann jeder, der ein Mindestalter von 18 Jahren nachweisen kann und der einen Haupt- oder Realschulabschluss in der Tasche hat. Oftmals ist auch eine mehrjährige Berufsausbildung oder Berufserfahrung notwendig, damit man an manchen Einrichtungen aufgenommen wird. Wer zusätzlich noch nebenbei arbeitet, kann sich entscheiden, ob das Abitur in Teilzeit oder in Vollzeit absolviert werden soll. Aber auch das berufsbegleitende Nachholen des Abiturs ist möglich. Dafür müsst ihr euch bei eurem Unternehmen erkundigen, was die Übernahme der Kosten und die Zeitaufteilung angeht.

Wer das Abitur nachholt, muss mit einer Dauer von mindestens 3 Jahren rechnen, bis man die Prüfung auch ablegen kann. Manchmal können auch Vorkurse nötig sein, falls ihr zu lange nicht mehr in der Schule wart und eure Kenntnisse wieder auffrischen müsst. Das kann die Dauer ein wenig verlängern. Falls ihr allerdings eine Berufsausbildung oder eine längere Berufserfahrung vorweisen könnt, kann die Dauer meistens verkürzt werden. Zu den Fächern, die gewählt werden müssen, zählen üblicherweise Deutsch, Erdkunde, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Sozialkunde, Englisch oder Französisch, Geschichte und manchmal auch Latein.

Dabei müssen 2 Leistungskurse gewählt werden, auf denen der Schwerpunkt der jeweiligen Fächer liegt und welche dann intensiver behandelt werden. Einer dieser Leistungskurse muss Deutsch, Mathematik oder eine Fremdsprache sein. Die anderen sind alles Grundfächer, die weniger Zeit in Anspruch nehmen und nicht so stark in die Tiefe gehen. Die Prüfung des Abiturs ist übrigens voll anerkannt und unterscheidet sich nicht vom üblichen Abitur am Gymnasium.

Da Bildung allerdings Sache der Bundesländer ist, können sich die Voraussetzungen und der Aufbau von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Wer sich dazu entscheidet, das Abitur nachzuholen, kann das mit den folgenden Möglichkeiten tun.

Abendschulen

Abendschulen bieten sich vor allem für Berufstätige an, die in ihrer Zeitaufteilung eher eingeschränkt sind. Hier findet der Unterricht abends statt und wird 2-3 Mal die Woche angeboten. Eine gute Gelegenheit also, um nach der Arbeit schnell für ein paar Stunden noch die Schulbank zu drücken. In der Abendschule werden auch Vorkurse angeboten, falls es ersichtlich ist, dass ihr längere Zeit nicht mehr in der Schule wart und dass euch eventuell ein paar Kenntnisse fehlen. Nach den Vorkursen kommt die Einführungsphase, gefolgt von der Qualifikationsphase. Am Ende findet dann die Abiturprüfung statt, die aus einer schriftlichen und einer kleinen mündlichen Prüfung besteht. Insgesamt dauert die Länge der Schulzeit ohne Vorkurse 3 Jahre.

Alle, die sich Gedanken um die Kosten der Abendschulen machen, können jetzt aufatmen. Denn das Studium an einer Abendschule ist kostenlos! Allerdings müsst ihr Kosten für verschiedene Lernmaterialien einplanen. Vor allem bei den Büchern können hohe Kosten anfallen. Wer finanzielle Unterstützung braucht, kann dies über das BAföG beantragen, was aber erst ab dem 4. Semester möglich ist.

Um eine Abendschule besuchen zu dürfen, braucht ihr in der Regel einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung, beziehungsweise, Berufserfahrung. Das kann sich allerdings von Bundesland zu Bundesland ändern, daher solltet ihr euch gut informieren, welche Zugangsvoraussetzungen die Abendschulen in eurem Bundesland verlangen.

Eine Abendschule bietet sich vor allem für Berufstätige an, aber ihr solltet dabei im Hinterkopf behalten, dass eure Freizeit ziemlich eingeschränkt wird. Denn nach der Arbeit müsst ihr noch lernen und Hausaufgaben machen, was sehr anstrengend sein kann. Hier habt ihr jedoch direkten Kontakt zu euren Lehrern und Mitschülern, was Fragen und Probleme schneller löst. Abendschulen gibt es in so gut wie jeder Stadt und bieten eine gute Möglichkeit, um das Abitur nachzuholen!

Volkshochschulen

Auch an Volkshochschulen kann man das Abitur nachholen. Das Gute an Volkshochschulen, ist die Zeitaufteilung, die man sich je nach Kurs aufteilen kann. Da die Kurse entweder vormittags, nachmittags oder am Wochenende stattfinden, könnt ihr euch eure Zeit einteilen und seid weniger eingeschränkt. Die Dauer der Schulzeit beträgt bei Volkshochschulen ebenfalls etwa 3-4 Jahre, wobei die Dauer variieren kann, je nach Kursart und Kursdauer.

Allerdings schreibt ihr an einer Volkshochschule keine Abiturprüfung. Ihr werdet nur auf die Externen-Prüfung vorbereitet, die gleichwertig mit dem Abitur ist. Die Prüfung wird 1-2 Mal im Jahr angeboten und ist kostenpflichtig. Das heißt, an einer Volkshochschule lernt ihr nur die jeweiligen Fächer und bereitet euch auf die Prüfung vor, die ihr aber nicht an der Volkshochschule selbst absolviert.

Die Zulassungsvoraussetzungen stimmen mit denen der Abendschule überein, wobei auch hier die Regelungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein können. Der Besuch einer Volkshochschule ist kostenpflichtig und je nach Kursdauer können die Gebühren der jeweiligen Kurse ziemlich hoch ausfallen. Daher solltet ihr euch vorher im Klaren sein, ob ihr die Kosten tragen könnt und dass ihr finanziell abgesichert seid. Bevor ihr euch für ein Studium an einer Volkshochschule entscheidet, solltet ihr euch vorher gut informieren und eventuell ein Beratungsgespräch vereinbaren, damit keine bösen Überraschungen entstehen.

Fernschulen

Bei einer Fernschule lernt man den ganzen Lernstoff online. Das heißt, ihr müsst nicht vor Ort sein, sondern könnt euch ganz entspannt zuhause hinsetzen und eure Zeit selbst einteilen. Das bietet sich natürlich für diejenigen an, die keine Zeit haben, nach der Arbeit noch an einem anderen Ort zu sein und sich den Stress ersparen wollen. Auch die Aufnahmebedingungen sind vergleichsweise einfach. Somit braucht ihr für ein Studium an einer Fernschule nur einen Realschulabschluss oder einen Hauptschulabschluss, wobei die Dauer bei letzterem ein wenig länger ist.

Ob ihr Teil- oder Vollzeit machen wollt, ist euch überlassen, denn beides ist an einer Fernschule möglich. Auch wenn ihr die meiste Zeit zuhause verbringen könnt, so müsst ihr für manche Seminare vor Ort sein. Allerdings passiert das nur ein paar Mal im Jahr. Der Kontakt zu Lehrern und Mitschülern läuft ebenfalls nur über das Internet ab, was die Kommunikation ein wenig erschweren kann und Probleme können schwieriger zu lösen sein, da man keinen direkten Ansprechpartner hat. Ein Studium an Fernschulen kostet ebenfalls Geld. Die Kosten können dabei von Fernschule zu Fernschule variieren und können sich bis auf 5000 Euro verlaufen.

Die Abschlussprüfungen werden an einer Fernschule ebenfalls über die Externen-Prüfung absolviert. Die finden meistens in bestimmten Prüfungszentren statt, die quer über Deutschland verteilt sind. Ihr müsst also nicht zum Standort eurer Fernschule reisen, sondern könnt euch das nächstgelegene Prüfungszentrum aussuchen. Der Vorteil von Fernschulen liegt natürlich in der Selbstständigkeit des Studiums. Ihr braucht nur einen PC mit Internetabschluss, mehr nicht. Allerdings erfordert das Fernabitur auch eine ganze Menge Disziplin und Motivation. Denn zuhause kann es schnell passieren, dass man die Lust verliert oder Sachen vor sich herschiebt. Ihr solltet euch also selbst kennen und ein gewisses Maß an Organisationstalent besitzen, damit euer Fernabitur erfolgreich verläuft.

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Kolleg

Wem die Abendschule oder die Volkshochschule nicht zusagt, der kann auch an ein Kolleg gehen und dort das Abitur nachholen. Im Gegensatz zu den Abendschulen, findet der Unterricht am Kolleg tagsüber statt und muss in Vollzeit absolviert werden. Das heißt leider auch, dass während dieser Zeit ein Beruf nebenbei ausgeschlossen ist (die Ausnahme sind Minijobs). Der Ablauf der Abiturvorbereitung an einem Kolleg gleicht dem Ablauf an Abendschulen. Somit müsst ihr auch hier eventuell Vorkurse belegen, falls euch Kenntnisse fehlen. Danach folgen die Einführungs- und die Qualifikationsphase. Insgesamt müsst ihr auch hier mindestens 3 Jahre einberechnen.

Um an einem Kolleg zu studieren, braucht ihr die mittlere Reife sowie eine Berufsausbildung oder eine mehrjährige Berufserfahrung. An vielen Kollegs ist auch ein Hauptschulabschluss akzeptiert, mit dem ihr Vorkurse besuchen könnt. Die Kosten für ein Kolleg können unterschiedlich ausfallen – Wenn ihr an einem staatlichen Kolleg studiert, ist das Studium kostenlos, während an privaten Kollegs deutliche hohe Kosten anfallen können. Das Lernmaterial, zum Beispiel Bücher, wird an staatlichen Kollegs meistens ebenfalls kostenlos bereitgestellt.

Wer an einem Kolleg das Abitur nachholen will, hat den Vorteil, sich voll und ganz auf den Lernstoff konzentrieren zu können. Denn an Abend- oder Volkshochschulen haben viele noch den Job, der nebenbei ausgeführt werden muss. Natürlich kann sich der fehlende Job an Kollegs auch negativ auswirken. Denn auch wenn staatliche Kollegs kostenlos sind – Das Einkommen nebenbei fehlt. Wer sich also für ein Kolleg entscheidet, sollte sichergehen, dass die Kosten für Lebenshaltungskosten und was sonst so anfällt, abgedeckt sind.

Privatschulen

Auch einige Privatschulen bieten an, das Abitur nachzuholen. Dabei ähnelt sich der Aufbau und Inhalt den Gymnasien in Deutschland. Der Vorteil von Privatschulen, sind sicher die kleinen Klassen. Dadurch kann auf jeden Schüler individuell eingegangen werden und die jeweiligen Schwächen und Stärken sind besser ersichtlich. Der Nachteil sind natürlich die hohen Kosten. Denn an Privatschulen fallen hohe Gebühren an und auch das Lernmaterial ist nicht gerade günstig. Außerdem kann an manchen Privatschulen eine staatlich anerkannte Hochschulzugangsberechtigung nicht erworben werden. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die besagte Privatschule nur eine genehmigte Ersatzschule ist. Bei anerkannten Ersatzschulen ist das dort erlangte Abitur voll anerkannt.

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Fazit

Ihr seht, es gibt so einige Möglichkeiten, um das Abitur nachzuholen. Ihr müsst für euch selbst entscheiden, welcher Weg der richtige ist und was sich für euch und eure jeweilige Lebenssituation am besten eignet. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, das Abitur auf dem ersten Bildungsweg nachzuholen, das heißt, durch den Besuch der Oberstufe am Gymnasium. Hierfür müsst ihr allerdings die mittlere Reife besitzen und dürft nicht älter als 21 sein.

Wer diesen Zugangsvoraussetzungen nicht entspricht, muss den zweiten Bildungsweg gehen. Aber hier gibt es einige Wege, die man gehen kann – von Abendschulen bis Privatschulen, jede Bildungseinrichtung verspricht das voll anerkannte Abitur oder zumindest eine gute Vorbereitung auf die Abiturprüfung. Falls ihr die allgemeine Hochschulreife also noch dazu erwerben wollt, hindert euch niemand daran. Ihr solltet euch nur vorher gut über die einzelnen Einrichtungen informieren und sicherstellen, dass euch keine Zeit oder das Geld fehlt.

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