5 Fachfremde Dinge, die du während des Studiums für dein Arbeitsleben lernst

Zunächst das Abitur, dann ein Studium: Hier lernst du vor allem fachspezifisches Wissen. Sobald das Arbeitsleben beginnt, springst du ins sprichwörtliche kalte Wasser und musst von Grund auf schwimmen lernen. Dies gilt für die Arbeit selbst sowie auch für das ganze „Drumherum“. Aber auf viele dieser Herausforderungen bereitet dich das Studentenleben vor. Ein Überblick.


StudybeesPlus für WiWis

Punkt 1: Finanzielles Haushalten

Als Student hast du in den allermeisten Fällen ein sehr geringes Budget zur Verfügung, um deine Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Langfristige finanzielle Planungen sind schwer möglich.

Dennoch lernst du ganz unbewusst in der Studienphase ganz zwangsläufig den Umgang mit Geld. In einem kleinen Rahmen lernst du eine Finanzplanung, wie du sie mit deinem ersten eigenen Gehalt fortführen wirst. Vor allem zwei Strategien bereiten dich dabei realistisch vor:

  • Budgetplanung
  • Sparen nach dem Vorbild eines Arbeitnehmers

Um einen guten Überblick zu behalten, solltest du deine monatlichen Finanzen genau einteilen. Was benötigst du für die Miete, was für Lebensmittel, hast du sonstige Kosten? Stelle dir am besten einen schriftlichen Plan auf. Dieses Mittel wird dir in späteren Lebensphasen sehr zugutekommen.

Nicht nur in der privaten Finanzplanung und der realistischen Einschätzung deiner monetären Möglichkeiten ist Struktur gefragt. Solltest du vorhaben, dich nach dem Studium selbstständig zu machen, lernst du mit einer frühen Verinnerlichung der Relevanz eines Budgetplans einen ersten Eckpfeiler von unternehmerischem Denken.

Einige Sparmöglichkeiten für Studenten liegen auf der Hand, andere sind versteckter angesiedelt und bedürfen eines gewissen Insiderwissens. Dabei können auch zunächst überflüssig wirkende Dinge wie zum Beispiel die Steuererklärung überraschend viel Potential bieten. Auch für Studenten ergeben sich dabei bereits viele Möglichkeiten zur Einsparung und sie hält noch einen größeren Vorteil bereit: Den Lerneffekt.

Beginnst du nach deinem Abschluss deine erste feste und hoffentlich auch gut bezahlte Stelle, wirst du eine Steuererklärung machen müssen. Je früher du dieses alljährliche Ritual beginnst, desto einfacher fällt dir dieser für viele mühsame Prozess in späteren Jahren. Zudem hast du als Student die Möglichkeit, den Ablauf und das Ausfüllen der Details im eher kleinen Rahmen zu erlernen und die Grundprinzipien zu begreifen, anstatt später umgehend mit großen Summen in einen undurchschaubaren Dschungel einzusteigen.

Ähnlich wie viele Arbeitnehmer kannst du auch noch auf eine andere Art und Weise sparen, nämlich vorsorgend. Ein früher Sparplan zur Altersvorsorge etwa kann nicht schaden. Natürlich wirst du als Student nicht im gleichen Umfang Geld zurücklegen können, wie in deinem späteren Berufsleben. Auch hierbei lernst du aber die Prinzipien und hast zum Einsteig in die erste eigene Arbeit zumindest schon ein kleines finanzielles Polster für die Zeit nach dem Erwerbsleben zurückgelegt.

Punkt 2: Selbstorganisation

Sie ist ein Faktor, der unter Studierenden wenig beliebt ist. Bis zum Abitur wurde dir, abgesehen von der Erledigung deiner Hausaufgaben und eines sehr überschaubaren Maßes an Selbststudium dein gesamter Strukturplan von außen vorgegeben. Das ist nun anders: Für eine Hausarbeit beispielsweise hast du einen Abgabetermin. Wann, wie, und wo du die Arbeit anfertigst, obliegt dir selbst.

Was sich subjektiv zunächst sinnlos und mühsam anfühlt, bereitet dich ideal auf den Berufsalltag vor. Zudem ist eine gute Selbstorganisation mit etwas Anstrengung leichter zu erreichen, als man im ersten Moment denken mag.

Je nach Berufskategorie hat eine gute Eigenstrukturierung unterschiedliche Facetten. Solltest du dich selbstständig machen wollen, hat Selbstorganisation die oberste Prioritätsstufe. Ohne sie wirst du rasend schnell an deine Grenzen stoßen und große Mühe haben, deine Kunden zufriedenzustellen oder Projektaufträge punktgerecht und substanziell abzuliefern.

Aber auch als Angestellter benötigst du ein gutes Maß an Eigenstrukturierung. Deine zukünftigen Vorgesetzten erwarten nach deiner Einarbeitung (sozusagen eine kurze Schonfrist von meistens sechs Monaten), dass du selbst entscheiden kannst, in welcher Reihenfolge du die anstehenden Aufgaben erledigst. Nahezu überlebenswichtig ist es auch, dass du von selbst eine einfache Antwort auf die Frage weißt, was heute noch erledigt werden muss oder bis morgen liegen bleiben kann.

Nicht umsonst ist der feststehende Begriff „selbstständige Arbeitsweise“ schon in einem Vorstellungsgespräch ein beliebter und oft abgefragter Softskill. Neben anderen Faktoren kannst du schon hier auch damit punkten, wenn deine zukünftigen Vorgesetzten den Eindruck haben, dass du dich problemlos selbst organisieren kannst.

Punkt 3: Umgang mit Vorgesetzten

Ist das Vorstellungsgespräch erfolgreich absolviert, hält der erste Vollzeitjob eine weitere Herausforderung bereit: Den Umgang mit deinen Vorgesetzten. Dein Umfeld an der Universität bietet hierzu ein gutes Pendant, nämlich deine Dozenten. Sie haben für dich aktuell eine ähnliche Rolle wie später dein Chef. Vor allem drei Punkte kannst du gut üben:

 

  1. Selbstvermarktung
  2. Personalgespräche
  3. Teammeetings

Sicher wirst du gemerkt haben, dass du dir in Gesprächen mit deinen Dozenten oder auch in Seminaren und Vorlesungen Mühe gibst, „gut anzukommen“. Im späteren Berufsleben fällt diese Fähigkeit unter den Begriff Selbstvermarktung. Abgesehen von den harten Fakten, also deinen Leistungen, kannst du dich dadurch persönlich gut darstellen und so ein positives Bild vermitteln. Dieses Vorgehen erleichtert dir vieles.

Hast du einige Zeit bei einem Arbeitgeber verbracht, wird es in vielen Fällen wiederkehrende Personalgespräch geben, in denen du dich mit deinem Vorgesetzten über deine Leistungen unterhälst sowie Lob und Verbesserungsvorschläge bekommst. Einen perfekten Übungsort hierfür bieten die Einzelbesprechungen deiner Klausuren und sowie Vor- und Nachbesprechungen von Hausarbeiten mit dem Dozenten. In diesem Rahmen kannst du Dinge wie

  • Kritikfähigkeit,
  • die richtige Einschätzung der an dich gestellt Erwartungen oder
  • die passende Kommunikation für ein produktives Vorankommen in Einzelgesprächen

trainieren.

Ein beliebtes Instrument in vielen Unternehmen ist das sogenannte Teammeeting. Hierbei kommen die Angestellten oder ein Teil der Belegschaft zusammen, um Aktuelles zu besprechen sowie das weitere Vorgehen bezüglich einzelner Projekte abzustimmen.

Ein Seminar in deinem Studium ist ein ähnliches Format. Zwar geht es hier nahezu ausschließlich um Inhalte, dennoch kannst du dort unter anderem den Umgang mit deinem Vorgesetzten (oder in diesem Falle Dozenten) für solche Gruppentreffen perfekt trainieren. Mach dir diesen Umstand bewusst, und du wirst zudem feststellen, dass du schnell ein Gefühl für Gruppendynamiken entwickelst.

Punkt 4: Umgang mit wechselnden Personenkonstellationen

Punkt 4 schließt nahtlos an. Seminare, aber auch Vorlesungen, sind ein gutes Übungsfeld für einen weiteren Faktor, der dir im späteren Berufsleben immer wieder begegnen wird: Den Umgang mit verschiedenen Personenkonstellationen- und strukturen. Immer wieder verlassen Kollegen die Firma oder es kommen neue Mitarbeiter hinzu. Dies kann eine Herausforderung sein, die Universitätsabläufe bieten aber ein gutes Training.

Nicht nur mit deinem Vorgesetzten, auch mit deinen Kollegen solltest du gute und produktive Arbeitsbeziehungen pflegen können. Dabei spielen sowohl einzelne Personen, also auch kleinere oder größere berufliche und private Gruppierungen eine Rolle. Mit der Zeit wirst du in diesem Geflecht immer mehr deinen Platz finden. Für den Umgang mit deinen Kollegen gibt es klare Regeln, mit deren Beachtung du dir deinen späteren Arbeitsalltag sehr erleichtern kannst.

Ähnliche Konstellationen hast du in deinen Seminaren oder Vorlesungen, wobei Seminare wegen ihres eher festen Gruppencharakters noch besser als „training ground“ geeignet sind. Es ist sinnvoll, dir diese Möglichkeiten der Übung des alltäglichen Umgangs ab und an ganz bewusst vor Augen zu führen, du wirst merken, dass du bewusster und bedachter handelst.

Punkt 5: Die Verwaltungsstrukturen

Vielen Studenten kommen im Rahmen ihres Studienbeginns zum ersten Mal mit größeren Verwaltungsstrukturen in Kontakt:

  • Wie schreibe ich mich für den Studiengang ein?
  • Welche Seminare muss ich belegen?
  • Woher beziehe ich BAföG?

All dies sind Fragen, die im universitären Alltag über Verwaltungsabläufe abgehandelt werden.

In deinem späteren Berufsalltag hilft dir dies gleich auf mehreren Ebenen:

  1. Zunächst, wenn du ein eigenes Unternehmen Gründen möchtest. Finanzamt, Gewerbeanmeldung, rechtliche Fragen zu deinen Produkten: All dies lässt sich mit einem guten Gespür für die Abläufe in einer Verwaltung um einiges leichter abhandeln.
  1. Aber auch als Angestellter musst du dich bei einer Arbeitsaufnahme mit mehreren Verwaltungsabläufen beschäftigen. Anmeldung bei der Krankenkasse, Erhalt deiner Sozialversicherungsnummer, mögliche Anmeldung eines Nebenjobs bei deinem Arbeitgeber: Jeder dieser Punkte kann für komplett Unerfahrene eine Hürde darstellen. Mir einem gewissen Maß an Vorwissen meistern sie sich deutlich leichter.
  1. Nicht zuletzt auch dein Arbeitgeber selbst hat, besonders wenn es ein größerer Betrieb ist, feststehende Verwaltungsabläufe. Ein gutes Grundverständnis ist auch hier für eine funktionierende Navigation innerhalb dieser Strukturen unabdingbar.

Fazit

Insgesamt sind die Ähnlichkeiten zwischen deinem Studienalltag und deinem späteren Berufsleben größer, als man auf den ersten Blick denken mag. Von der Finanzorganisation, über die soziale Navigation bei einem Arbeitgeber bis hin zu anderen organisatorischen Aspekten gibt es mannigfaltige Parallelen. Machst du dir diesen Umstand bewusst, kannst du eine ganze Menge an fachunabhängigem Wissen und Gespür für dein späteres Arbeitsleben aus deinem Studium mitnehmen.

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